Als Wüste bezeichnet man ein Gebiet, in dem auf Grund seiner extremen Trockenheit oder Kälte keine oder nur wenig hochspezialisierte Vegetation existieren kann und welches dadurch zur Anökumene zählt. Die Araber nennen die Wüste auch Meer ohne Wasser.
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Trockenwüsten verhindern durch ihren Wassermangel das pflanzliche Wachstum. Die Böden der Trockenwüste zählen zu den Aridosolen.
Eine Einteilung der Wüsten kann nach dem Wüstenmaterial erfolgen:
Eine weitere Einteilungsmöglichkeit ist die Beschreibung der Wüsten nach ihrer Entstehungsweise:
Die Halbwüste stellt eine Ökozone dar, die geringfügig feuchter als die echte Wüste, aber immer noch trockener als die Dornsavanne ist. Sie befindet sich meist am Rand (in der Übergangszone) einer solchen „Vollwüste“ – siehe auch Sahelzone.
In edaphischen (bodenbedingten) Wüsten werden zugeführte Niederschläge im stark wasserdurchlässigen Boden sehr schnell abgeführt. Wasser kann sich nicht oder nur sehr schlecht im Boden speichern, es fehlt für pflanzliches Wachstum. So bilden die riesigen Schotterflure im Isländischen Hochland trotz erheblicher Niederschlags- und Schmelzwassermengen eine Wüstenlandschaft.
Windwüsten findet man auf subantarktischen Inseln im Südatlantik, südlich des 50. Breitengrades südlicher Breite. In diesem Gebiet ständiger Weststürme, die das ganze Jahr über Nieselregen und Nebel begleiten, können mangels Windschutz keine Bäume gedeihen. Man trifft lediglich Moose, Farne und Flechten an.
Auch auf dem Planeten Mars herrscht eine Art Trockenwüstenklima. Die äußerst dünne CO2-Atmosphäre enthält kaum Wasserdampf, freies Wasser würde sofort verdunsten. Weil der Mars ähnliche Jahreszeiten wie die Erde und auch merkliche Temperaturgradienten (räumlicher Temperaturunterschied) aufweist, fegen oft langandauernde Winde über weite Gebiete oder rufen oft globale Sandstürme hervor. Die Winde und extreme Temperaturunterschiede erodieren den braunen und grauen Marsboden.
Das Überleben in Wüstengebieten, mit ihren von Wassermangel geprägten besonderen Umweltbedingungen, zwingt Pflanzen und Tiere, aber auch den Menschen zu jeweils ganz spezifischen Anpassungen. Regenschauer sind selten, doch wenn es einmal regnet, dann meist sehr heftig. Danach blüht die Wüste auf: Es wachsen farbenprächtige Wüstenpflanzen, die aber wegen des fehlenden Wassers einen kurzen Lebenszyklus haben. Dennoch gewährleisten u. a. auch diese kurzen Vegetationsperioden ein häufig erstaunlich reiches Tierleben.
Wüsten sind durch Vegetationsarmut oder gar Vegetationslosigkeit gekennzeichnet, nur etwa ein Viertel aller Wüstenflächen sind überhaupt bewachsen. Die vorhandene Vegetation (Xerophyten) wird durch an Trockenheit angepasste Sträucher, Gräser und bestimmten tiefwurzelnden Bäume (z. B. Akazien in der Kalahari) bestimmt. Sie unterscheiden sich in wassersparenden, wasserspeichernden, unterirdisch überdauernden Pflanzen und in Pflanzen mit kurzer Vegetationszeit. So ist zum Beispiel in der Nebelzone der Namib-Wüste der Strauch Arthraerua leubnitziae als häufigster Vertreter der ständigen Vegetation heimisch. Pflanzen wie dieser gelingt es auch während der extremen und lange anhaltenden Dürreperioden ihren Wasserhaushalt aufrecht zu erhalten.
In vielen Wüsten der Welt sind trotz der vermeintlich lebensfeindlichen Bedingungen zahlreiche Tierarten anzutreffen. So sind zum Beispiel in der Gobi neben anderen Großtieren die Kropfgazelle und der Steppeniltis heimisch, zuweilen findet man auch Schneeleoparden und Wölfe. Noch wesentlich zahlreicher als Säugetiere sind in den ariden Gebieten Kriechtiere und vor allem die außerordentlich anpassungsfähigen Insekten und Gliederfüßer (z. B. Skorpione) anzutreffen.
Gerade die in heißen Sandwüsten lebenden Tiere weisen häufig sehr augenfällige Anpassungen an die hohen Oberflächentemperaturen des Sandes auf: so haben Insekten, die tagsüber auf dem Sand laufen, meist außergewöhnlich lange Stelzbeine, da die Temperatur schon wenige Zentimeter über dem Sand deutlich abnimmt. Hierdurch und durch eine schnelle Fortbewegung, sind die Tiere in der Lage, sich vor tödlicher Überhitzung zu schützen. Auch die langen Beine der Kamele und Dromedare könnten sich als Schutz vor der Abstrahlungshitze entwickelt haben.
Unabhängig von Klima, Temperatur und Breitengrad gibt es in trockenen Wüsten einen enormen Reichtum an unterschiedlichen Bakterienarten. Entscheidend für das Gedeihen dieser Mikroorganismen ist der pH-Wert (Säuregrad) des Bodens: so bieten Böden mit neutralem pH-Wert, wie sie in trockenen Wüsten und Wäldern vorkommen, den Bakterien optimale Lebensbedingungen. Dagegen findet man erstaunlicherweise in den sauren (niedriger pH-Wert) Böden z. B. der südamerikanischen Regenwälder, nur ganz wenig Bakterien.[1]
In kulturhistorischer Hinsicht spielte die Wüste seit der Antike eine wichtige Rolle in der europäischen Historiographie und Literatur. Einerseits symbolisierte die Wüste seit Herodot das Fremde und Andersartige, das sich dem europäischen Zugriff entzog. Andererseits bot die Wüste aber auch Rückzugsmöglichkeiten. Insbesondere durch die Bibel (Auszug aus Ägypten der Israeliten, Versuchungen Christi) und die spätere hagiographische Literatur (Eremiten) wurde ein Bild der Wüste nach Europa transportiert, das im Kern bis heute fortwirkt. Durch die Domestizierung des Dromedars gelang es dem Menschen, tiefer in die großen Wüsten vorzudringen oder sie zu durchqueren. Dadurch konnte die Wüste zum Lebensraum des Menschen werden.
Das Entstehen neuer und die Ausbreitung bestehender Wüsten ist meist anthropogener Natur (Desertifikation). Dazu zählten Überweidung, unangepasster Ackerbau und Entwaldung. Natürliche Ursachen für Verwüstung sind Dürreperioden, Ausbreiten von Sanddünen oder Ausfransen von Wüstenrändern. Verwüstung wird durch Ausblasung (Wind), Abschwemmung (Wasser), Versalzung und Skelettierung gefördert.
Die UN-Organisation UNCCD kämpft gegen die weitere Ausbreitung der Wüsten. Das Jahr 2006 wurde zum Internationalen Jahr der Wüsten und Wüstenbildung erklärt.
| Nr. | Fläche (km²) | Name | Kontinent |
|---|---|---|---|
| 1. | 13.200.000 | Antarktis | Antarktika |
| 2. | 8.700.000 | Sahara | Afrika |
| 3. | 1.560.000 | Australische Wüsten | Australien |
| 4. | 1.300.000 | Arabische Wüsten | Asien |
| 5. | 1.040.000 | Gobi | Asien |
| 6. | 900.000 | Kalahari | Afrika |
| 7. | 330.000 | Takla Makan | Asien |
| 8. | 320.000 | Sonora | Nordamerika |
| 9. | 273.000 | Karakum | Asien |
| 10. | 273.000 | Tharr und Cholistan | Asien |
Alle Wüsten der Erde zusammengenommen bedecken etwa ein Fünftel der gesamten Landfläche der Erde, das sind fast 30 Millionen Quadratkilometer. Werden auch die Halbwüsten mit hinzugerechnet, so ergibt sich etwa ein Drittel der Landfläche, also etwas weniger als 50 Millionen Quadratkilometer. Insgesamt bedecken sie ca. 25 % der gesamten Erdoberfläche.
Trockenwüsten unterliegen starken Temperaturschwankungen. Tagsüber erhitzt sich der Boden aufgrund der schlechten Wärmeleitung des quarzhaltigen und luftdurchsetzten Wüstenbodens nur oberflächlich. Zudem kann dieser im Vergleich zu feuchten Böden nur wenig Wärmeenergie speichern (Wasser kann etwa sechs mal soviel Energie speichern wie Sand). Durch die geringe Wolkenbildung dringt tagsüber Wärmestrahlung zwar ungedämpft zu Boden und erhitzt diesen sehr stark (bis zu etwa 70°), strahlt allerdings nachts die wenige gespeicherte Wärme ungehindert ins Weltall ab (Wolken wirken als Isolierungsschicht sowohl vom Weltall zur Erde als auch umgekehrt). Dieses ruft Temperaturunterschiede von 50 K und mehr hervor.
Dieser Effekt ermöglicht auch in den trockensten Wüsten bescheidenes Leben. Wegen der starken Abkühlung wird ein bodennaher Taupunkt erreicht. Pflanzen und andere Lebewesen können dann von den gebildeten Tautropfen leben.
Aufgrund der starken Temperaturschwankungen wird die Verwitterung in der Wüste enorm gefördert.
Wüste heißt auch ein Stadtteil in Osnabrück und eines Landstrichs bei Hildesheim. Diese und andere entsprechende Ortsbezeichnungen gehen oft auch auf z. B. während der Pestepedemien des Mittelalters entvölkerte Ortschaften zurück.
Mit dem Wort „Wüste“ ist auch „Wüstung“ verwandt.
Im übertragenen Sinn steht der Begriff für Durststrecken im Dasein – beispielsweise lange, allzu bewölkte, traurige Phasen, Lasten wie Einsamkeit.
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| Wiktionary: Wüste – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
Adelung-1793: Wüste (2), die · Wüste (1), die
Meyers-1905: Libysche Wüste · Wüste · Arabische Wüste · Kirche der Wüste
Pierer-1857: Wüste Küste · Wüste Inseln · Wüste Waltersdorf · Wüste [2] · Wüste [1] · Libysche Wüste · Hindostanische Wüste · Ober-Wüste-Giersdorf · Thebaische Wüste · Syrische Wüste