Wakenitz

Wakenitz, der "Lange Jammer" bei Rothenhusen
Wakenitz, der "Lange Jammer" bei Rothenhusen
Blick über die Wakenitz auf Lübeck um 1600 - in der Mitte Hüxtertor und Wasserkünste
Blick über die Wakenitz auf Lübeck um 1600 - in der Mitte Hüxtertor und Wasserkünste
Situation der Wakenitz bei Lübeck kurz vor dem Bau des Elbe-Lübeck-Kanals
Situation der Wakenitz bei Lübeck kurz vor dem Bau des Elbe-Lübeck-Kanals
Situation der Wakenitz kurz nach dem Bau des Elbe-Lübeck-Kanals (um 1910)
Situation der Wakenitz kurz nach dem Bau des Elbe-Lübeck-Kanals (um 1910)

Die Wakenitz (slawisch Barsch-Fluss) ist ein Fluss im Südosten Schleswig-Holsteins, der den Ratzeburger See entwässert und etwa 14,9 Kilometer lang ist. Der Chronist Helmold von Bosau erwähnt ihn Mitte des 12.Jahrhunderts in seiner Chronica Slavorum unter den Bezeichnungen wochniza oder wochenice. Auf einem Großteil dieser Länge bildet sein östliches Ufer die Grenze zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Das Wassereinzugsgebiet der Wakenitz umfasst seit der Eröffnung des Schaalsee-Kanals etwa 445 km².

Der Abschnitt entlang der Grenze zu Mecklenburg wird von Schiffern und Seglern seit alters her Langer Jammer genannt, weil er so schmal ist, das bei ungünstigem Wind nicht oder nur sehr mühsam aufgekreuzt werden kann. Andererseits waren die Uferverhältnisse mit ihren Auwäldern so ungünstig, das Lastkähne nicht getreidelt werden konnten.

Wegen seiner Urwüchsigkeit, die auch durch die entlegene Lage an der innerdeutschen Grenze bis 1989 bedingt und unterstützt war, wird der Fluss gelegentlich auch "Amazonas des Nordens" genannt.

Die Wakenitz hat von Rothenhusen bis zur Trave ein Gefälle von 4,6 Metern. Dieses Gefälle verteilt sich aufgrund der Stauungen Lübeck in etwa mit 80 cm für die ganze Strecke über 10,25 Kilometer Luftlinie von Rothenhusen bis Lübeck, 1,4 Meter Gefälle im Düker unter dem Elbe-Lübeck-Kanal und 2,4 Meter vom Krähen- und Mühlenteich in die Trave. Bereits im Mittelalter wurde die Wakenitz gestaut, um Wassermühlen und Wasserkünste zu betreiben. Sie endet am Falkendamm, einem Staudamm direkt nordöstlich der Lübecker Innenstadt, der im Zuge des Ausbaus des Elbe-Lübeck-Kanals geschaffen wurde, um den Wasserstand der Wakenitz gegenüber der Trave halten zu können. Schon vorher, kurz hinter der Moltkebrücke, fließt das Wasser der Wakenitz durch den Dükerkanal über den Düker (unter der Kanal-Trave hindurch) erst in den Krähenteich und dann unter der Mühlenstraße hindurch in den Mühlenteich, weiter über die Wehranlagen der alten Lübecker Stadtmühlen am Mühlendamm in die Stadt-Trave. Bei Hochwassergefahr wird durch Rohrleitungen Wasser in die Kanal-Trave und in den anschließenden Klughafen abgeleitet. In den Jahren 2004 und 2005 wurde ein weiterer Hochwasserüberlauf am Falkendamm gebaut. Rund um die Wakenitz in Stadtnähe liegen die beliebten Lübecker Wohnviertel der Vorstädte St. Jürgen und St. Gertrud. Mit dem in die Wakenitz von beiden Seiten einmündenden Lübecker Landgraben war die Wakenitz neben ihrer Bedeutung für die Wasserversorgung und die Energieerzeugung Lübecks auch Bestandteil des mittelalterlichen äußeren Befestigungssystems der Lübecker Stadtbefestigung.

So berichtet der Aegidienprediger H. Chr. Zietz in seinen 1822 erschienenen Ansichten: Um diesen Gebrauch, dessen Nutzen man wohl erkannte, sich zu verschaffen, setzte Lübeck sich frühe in den vollen Besitz dieses Stromes, und erkaufte 1291 vom Herzog Albrecht II. von Sachsen das Eigenthum für 2128 Mark Pfennige, unter noch gültigen und beobachteten Bedingungen wegen des Wasserstandes. und merkt 1821 dazu in der Fußnote folgendes an: Diesen verabredeten Stand bezeichnen zwei runde Säulen mit Metallplatten und Inschriften neben der ersten Brücke des Hüxterthores, und ein metallner Frosch auf einem Pfahl am Mühlendamm, über welchen das Wasser nie steigen darf, wenn nicht Ratzeburg der Gefahr einer Überschwemmung ausgesetzt werden soll.

Durch die Aufstauung entstand vor allem im oberen Teil des Flusses eine seenartige Aufweitung, die eine ausgeprägte Tier- und Pflanzenwelt hervorbrachte. Hierzu gehören die besonders schützenswerte Rotbauchunke, Kammmolch, Knoblauchkröte, Moorfrosch, Rotmilan, Sumpfohreule, Wachtelkönig, Eisvogel, Schwarzspecht, Heidelerche, Neuntöter, Blaukehlchen und die Sperbergrasmücke. Erstaunen der Fachwelt rief eine Nandupopulation hervor, die sich nach dem Ausbruch einiger Tiere aus einer Farm in Groß Grönau am Ostufer fest etabliert hat.

Allein am 1. Tag der Artenvielfalt 1999 wurden hier von 102 Experten 2066 verschiedene Tier- und Pflanzenarten in nur 20 Stunden gefunden. Darunter befanden sich 217 Arten, die mindestens unter "gefährdet" eingeordnet werden.

Gleichwohl ist die Wakenitz auch ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Region, umsäumt von Wanderwegen und unter strengen Auflagen genutzt von Wassersportlern, insbesondere mit Kanus und Ruderbooten. Mehrere Freibäder, darunter das 1899 eröffnete und unter Denkmalschutz stehende Schwimmbad Falkenwiese mit hölzernen Umkleideräumen und Badestegen, bieten in den Sommermonaten wegen geringer Strömung Gelegenheit zum gefahrlosen Schwimmen. Bereits 1799 hatte es an der Wakenitz ein Schwimmbad gegeben, die Kreidemannsche Anstalt. Zwischen Lübeck und der Insel Rothenhusen am Ratzeburger See verkehren in der Saison regelmäßig Ausflugsschiffe, die in Rothenhusen Anschluss in Richtung Ratzeburg haben. Hier befindet sich auch eine hölzerne Straßenbrücke nach Mecklenburg. Die nach dem Krieg unterbrochene Brücke bei Nädlershorst wurde nach der deutschen Wiedervereinigung noch nicht wiederhergestellt; die Gemeinde Groß Sarau ist jedoch diesbezüglich mit der mecklenburgischen Gemeinde Lüdersdorf im Gespräch.

Beim Ersten Fischerbuden liegt die - neben Rothenhusen - einzige weitere bewohnte Insel der Wakenitz, Spieringshorst. Die Bewohner müssen ihre Fähren selbst betreiben und in harten Wintern über das Eis gehen oder Stege bauen.

Teile des Wakenitz-Niederungen stehen unter Naturschutz. Die A 20 führt bei Groß Grönau und Lüdersdorf über die Wakenitz. Zunächst war beabsichtigt, die Wakenitz aus Naturschutzgründen zu untertunneln. Der Tunnel konnte jedoch nicht finanziert werden. Zwei Jahre nach Ende der Bauarbeiten haben sich aber bisher keinerlei sichtbare negativen Auswirkungen auf die Tiere und Pflanzen des umliegenden Sumpflandes gezeigt.

An der Wakenitz haben mehrere Segel- und Wassersportvereine ihre Klubhäuser. Im Dezember findet seit 1969 auf der Wakenitz die Eisarsch-Regatta des Lübecker Yacht-Clubs statt.

Hochwasser

  • Dezember 1965 bis zu 3,80 Meter über NN (zum Vergleich: Falkendamm in Lübeck 3,85 Meter über NN)

Literatur

  • Die Wakenitz, Lübecker Heimathefte Heft 1/2, Verlag von Charles Coleman in Lübeck, 1926.
  • Wakenitz - zweite Lebensader Lübecks, Berichte des Vereins "Natur und Heimat" und des Naturhistorischen Museums zu Lübeck, Heft 17/18, Lübeck 1982 ISSN-0067-5806
  • Helmut Häusler: Wakenitz - Hochwasser in: Der Wagen 1967, S. 72-75, Schmidt-Römhild Lübeck

Weblinks

Quelle:
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