Waldeck

Dieser Artikel befasst sich mit der Grafschaft, dem späteren Fürstentum und Freistaat Waldeck in Hessen, andere Bedeutungen unter Waldeck (Begriffsklärung).
Waldeck
Flagge Wappen
Flagge des Fürstentums Waldeck Wappen des Fürstentums Waldeck
Karte
 
Landeshauptstadt Arolsen
Regierungsform Monarchie/Republik
Staatsoberhaupt Fürst (bis 1918)
Dynastie Haus Waldeck
Bestehen 17121929
Fläche 1121 km²
Einwohner 61.707 (1910)
Bevölkerungsdichte 55 Einwohner/km²
Entstanden aus Grafschaft Waldeck und Pyrmont
Aufgegangen in preußische Provinzen Hessen-Nassau und Hannover
Hymne Mein Waldeck
Stimmen im Bundesrat 1 Stimme
Kfz-Kennzeichen WA
Lage im Deutschen Reich
Lage Waldecks Deutschen Kaiserreich

Waldeck war − als Fürstentum Waldeck-Pyrmont − Mitgliedsland des Deutschen Bundes und danach ein Gliedstaat des Deutschen Reiches beziehungsweise der Weimarer Republik. Residenz und Hauptstadt war zuerst die Burg Waldeck an der Eder und ab 1655 Arolsen (heute Bad Arolsen). Das Fürstentum bestand aus zwei räumlich getrennten Teilen, der ehemaligen Grafschaft Waldeck (heute in Nordhessen) und der wesentlich kleineren Grafschaft Pyrmont (heute in Südniedersachsen).

Inhaltsverzeichnis

Wappen

Waldeck-Pyrmont: Großes Staatswappen

Blasonierung: Das große Staatswappen des Fürstentums führt einen zweimal gespaltenen und zweimal geteilten Schild mit aufgelegten Herzschildchen, welches das alte Wappen des Fürstentums Waldeck zeigt. Im ersten und neunten Feld erscheint das Wappen der Grafschaft Rappoltstein (auf die die Waldecker Fürsten seit 1793 einen nur vage begründeten Anspruch erhoben), im dritten und siebten Feld das Wappen der Herrschaft Hohenach/Hohenack (beide im Elsass), im vierten Feld das Wappen der Herrschaft Tonna in Thüringen (die ab 1815 zu Waldeck gehörte) und im sechsten Feld das Wappen der Herrschaft Geroldseck. Auf den Schild ruhen fünf Spangenhelme:

  • Herrschaft Hohenach
  • Rappoltstein
  • Waldeck und Pyrmont
  • Tonna
  • Geroldseck

Als Schildträger dienen zwei goldene Löwen, die auf einen Ornament stehen, um das ein schwarzes Band mit der Devise "PALMA SUB PONDERE CRESCIT" (Die Palme wächst unter der Last) geschlungen ist.

Daten

Geschichte

Ahnherren der Grafen von Waldeck und Fürsten von Waldeck und Pyrmont waren die Grafen von Schwalenberg väterlicherseits (mit Widekind I. als Stammvater), sowie die Herren von Itter auf mütterlicher Seite.

Erstmals bezeugt ist die Burg Waldeck über der Eder im Jahre 1120. Nach dieser Burg nannte sich ein Zweig der Grafen von Schwalenberg ab 1180, nachdem Volkwin II. von Schwalenberg die Burg durch seine Heirat mit Luitgart, der Tochter des Grafen Poppo I. von Reichenbach und Hollende und Erbin von Waldeck, erworben hatten. Im Laufe der Geschichte gelang es diesem Geschlecht, ein kleines Herrschaftsgebiet in Nordhessen aufzubauen.

Zunächst war Waldeck ein Lehen des Erzbistums Mainz. 1349 wurde die Grafschaft Reichslehen, kam jedoch 1431/38 unter die Lehnshoheit der Landgrafschaft Hessen und danach von Hessen-Kassel. Mehrere Erbteilungen führten zum Entstehen verschiedener Linien und Nebenlinien, die aber 1692 durch die Linie Eisenberg wieder vereint wurden.

1625 gelangte durch Erbvertrag auch die Grafschaft Pyrmont an die Grafen von Waldeck, die sich fortan von Waldeck und Pyrmont nannten.

Friedrich Anton Ulrich von Waldeck und Pyrmont wurde an 6. Januar 1712 von Kaiser Karl VI. in den erblichen Fürstenstand erhoben und nannte sich seitdem Fürst von Waldeck und Pyrmont. Die Wirren an der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert überstand das Fürstentum, wie auch eine kurzfristige Erbteilung 1806 – 1812, und trat 1815 dem Deutschen Bund bei. Ab 1868 wurde das Fürstentum von Preußen verwaltet, blieb aber nominell selbstständig. 1871 wurde Waldeck ein Bundesstaat des Deutschen Reiches. Nach Abdankung des Fürsten nach dem Ersten Weltkrieg wurde Waldeck-Pyrmont ein Freistaat innerhalb der Weimarer Republik.

1879 heiratete die 20-jährige Prinzessin Emma von Waldeck-Pyrmont (Tochter von Fürst Georg Viktor) König Wilhelm III. der Niederlande und wurde damit zur Ahnin aller folgenden niederländischen Könige und Königinnen.

Am 30. November 1921 wurde der Kreis Pyrmont nach einer Volksabstimmung abgetrennt und im Rahmen eines Staatsvertrags mit Preußen der preußischen Provinz Hannover zugeordnet und mit dem Landkreis Hameln zum Landkreis Hameln-Pyrmont vereinigt. Am 1. April 1929 wurde der verbleibende Freistaat Waldeck ebenfalls in Preußen eingegliedert und Teil der Provinz Hessen-Nassau.

Verwaltungsgliederung des Landes Waldeck

  1. Kreis der Eder (Bad Wildungen)
  2. Kreis des Eisenbergs (Korbach)
  3. Kreis der Twiste (Arolsen)
  4. Kreis Pyrmont; ab 1921 mit dem preußischen Kreis Hameln (Provinz Hannover) vereinigt

Nach dem Anschluss an die preußische Provinz Hessen-Nassau 1929 wurden die drei verbliebenen Kreise zunächst noch weiter geführt, aber dann 1942 zum Landkreis Waldeck mit Sitz in Korbach vereinigt. Im Zuge der hessischen Gebietsreform von 1974 wurde der Kreis mit dem benachbarten Kreis Frankenberg (Eder) zusammengeschlossen im neuen Landkreis Waldeck-Frankenberg; dabei wurde die Stadt Züschen aus ihrer jahrhundertealten Zugehörigkeit zu Waldeck herausgelöst und als Stadtteil der im Nachbarkreis liegenden Stadt Fritzlar eingegliedert.

Liste der Regenten und Regierungschefs

Grafen und Fürsten von Haus Waldeck

Grafen von Waldeck

  • 1137–1185: Volkwin I.
  • 1185–1209: Heinrich III.
  • 1185–1189: Widukind IV.
  • 1185–1223: Hermann III.
  • 1214–1249: Volkwin II.
  • 1218–1270: Adolf I.
  • 1270–1271: Adolf II.
  • 1271–1305: Otto I.
  • 1305–1344: Heinrich IV.
  • 1344–1369: Otto II.
  • 1344–1349: Heinrich V.
  • 1369–1397: Heinrich VI.
  • 1397–1444: Heinrich VII.
  • 1444–1474: Wolrad I.

Teilung in Waldeck-Eisenberg und Waldeck-Wildungen

Grafen von Waldeck-Eisenberg

  • 1474–1524: Philipp II.
    • Sein Sohn Franz von Waldeck war seit 1530 Bischof von Minden, seit 1532 Bischof von Münster und Osnabrück
  • 1524–1539: Philipp III.
  • 1539–1578: Wolrad II.
  • 1578–1588: Josias
  • 1578–1587: Wolrad III.
  • 1588–1638: Christian
  • 1588–1607: Wolrad IV.
  • 1638–1668: Johann II.
  • 1638–1645: Philipp VI.
  • 1645–1706: Christian Ludwig zu Waldeck

Grafen und Fürsten von Waldeck-Wildungen

  • 1474–1475: Philipp I.
  • 1474–1512: Heinrich VIII.
  • 1512–1574: Philipp IV.
  • 1574–1577: Daniel
  • 1577: Heinrich IX.
  • 1577–1585: Günther
  • 1585–1598: Wilhelm Ernst
  • 1598–1640: Wolrad IV.
  • 1640–1645: Philipp Theodor
  • 1645–1664: Heinrich Wolrad
  • 1664–1692: Georg Friedrich; wurde an 17. Juni 1682 durch Kaiser Leopold I. in den Reichsfürstenstand erhoben. Nach seinem Tod geht sein Gebiet an Waldeck-Eisenberg.

Grafen von Pyrmont (Haus Waldeck)

Fürsten zu Waldeck und Pyrmont

  • 1712–1728: Friedrich Anton Ulrich; wurde 1712 von Kaiser Karl VI. in den erblichen Fürstenstand erhoben
  • 1728–1763: Karl August Friedrich
  • 1763–1812: Friedrich Karl August (bis 1766 unter Vormundschaft, ab 1805 durch Erbteilung nur Fürst zu Waldeck)
  • 1812–1813: Georg I. (1805-1812: Prinz zu Waldeck und Fürst zu Pyrmont)
  • 1813–1845: Georg II. Heinrich
  • 1845–1893: Georg Victor
  • 1893–1918: Friedrich; Bruder der späteren niederländischen Königin Emma; Vater von Josias

Chefs des Hauses Waldeck-Pyrmont

Regierungschefs des Freistaats Waldeck-Pyrmont in der Weimarer Republik

  • 1918–1920: Karl Hermann Friedrich Wilhelm von Redern
  • 1920–1929: Dr. Wilhelm Schmiedling, DVP
  • 1929: Herbert Herberg

Landesvertretung 1919 – 1925

1919: SPD 30,4% – 7 Sitze | DNVP 23,2% – 6 Sitze | DDP 21,2% – 4 Sitze | Waldeckischer Volksbund 13,6% – 3 Sitze | DVP 7,1% – 1 Sitz
1922: Waldeckischer Landeswahlverband (Landbund/DNVP/DVP/Handwerkerbund) 50,2% – 9 Sitze | SPD 20,9% – 4 Sitze | DDP 12,9% – 2 Sitze | Waldeckische Vereinigung 8,7% – 1 Sitz | USPD 7,4% – 1 Sitz
1925: Landbund 33,5% – 7 Sitze | SPD 18,6% – 3 Sitze | DNVP 16,1% – 3 Sitze | Handwerkerbund 12,1% – 2 Sitze | DVP 9,6% – 1 Sitz | DDP 6,7% – 1 Sitz
An 100 % fehlende Stimmen = Nicht in der Landesvertretung vertretene Wahlvorschläge

Musik

Der Fürst von Waldeck hatte bereits im 18. Jahrhundert eine Hofkapelle. Siehe auch Johann Heinrich Kämmerer.

Ebenso das berühmte Waldecker Lied.

Literatur

  • Franz, Eckhart G.: Die Chronik Hessens; Chronik Verlag, ISBN 3-611-00192-9
  • Bohle, Michael: Sozialstruktur, sozialer Wandel und politische Willensbildung im Fürstentum Waldeck 1871 – 1914; Selbstverlag des Waldeckischen Geschichtsvereins, ISBN 3-9802226-4-0
  • Budach, Eckhard Werner: Das Fürstentum Waldeck in der Zeit des Deutschen Bundes: Studien zur Verfassungsgeschichte der Kleinstaaten 1815 bis 1866: die Beziehungen des Fürstentums Waldeck zum Deutschen Bund und seinen einzelnen Mitgliedern, besonders Preußen, sowie die innere Verfassungsentwicklung des Staates; Kiel, Universität, Rechtswissenschaftliche Fakultät, Dissertation 1974.
  • Grote, H.: Stammtafeln, Leipzig 1877

Weblinks

Quelle:
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