Walter Rauff (andere Schreibweise: Walther) (* 19. Juni 1906 in Köthen (Anhalt); † 14. Mai 1984 in Santiago de Chile) war in der Zeit des Nationalsozialismus Gruppenleiter im Reichssicherheitshauptamt und maßgeblich am Einsatz von Gaswagen zur Ermordung von Juden und anderen Häftlingen aus Konzentrationslagern beteiligt.
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Rauff war von 1924 bis 1937 Offizier bei der Reichsmarine. 1937 trat er in die NSDAP und 1939 in die SS ein. In der SS wurde er bis 1944 zum SS-Standartenführer befördert.
Ab Januar 1938 arbeitete Rauff im SD-Hauptamt, das später Teil des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) wurde. Im RSHA übernahm er 1941 die Gruppe II D, zuständig für Technische Angelegenheiten wie Kraftfahrzeuge. Diese Abteilung entwickelte in Zusammenarbeit mit Chemikern wie Walter Heeß sogenannte Gaswagen. Hierbei handelte es sich um Lastwagen mit geschlossenem Aufbau, in die Auspuffgase eingeleitet wurden. Nach dem Angriff auf die Sowjetunion wurden die Gaswagen von den Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD zur Ermordung politischer Gegner und als rassisch „minderwertig“ definierter Menschen wie Juden und Zigeunern eingesetzt. Rauff wurde dabei über vor Ort auftretende Probleme mit den Gaswagen informiert.[1] Rauff selbst äußerte sich über den Einsatz der Gaswagen in späteren Aussagen: „Ob ich damals Bedenken gegen den Einsatz der Gaswagen hatte, kann ich nicht sagen. Für mich stand damals im Vordergrund, dass die Erschiessungen für die Männer, die damit befasst wurden, eine erhebliche Belastung darstellten und dass diese Belastung durch den Einsatz der Gaswagen entfiel.“[2] Insgesamt gab es etwa 35 Gaswagen, die unter der Verantwortung von Rauff auch in Serbien eingesetzt wurden.
Neuere Forschungen beschäftigen sich mit Rauffs Rolle im Afrikafeldzug. Das Einsatzkommando bei der Panzerarmee Afrika wurde Anfang Juli 1942 von ihm als SS-Obersturmbannführer aufgestellt und hatte das Ziel, nach einer deutschen Eroberung Palästinas die dortigen Juden zu ermorden. Die Rauff-Truppe war Ende Juli nach Athen gebracht worden, sollte zunächst bei der Eroberung Ägyptens helfen und danach nach Palästina gelangen.
Die Richtlinien zur geplanten Vernichtung in Palästina entsprachen den in den deutsch besetzten Gebieten der Sowjetunion und Serbiens entwickelten Vereinbarungen zwischen SS und Wehrmacht. Die wichtigsten Abschnitte wurden wörtlich übernommen. In einem Bericht vom Sommer 1942 schreibt Walter Schellenberg, Chef des Auslandsgeheimdienstes, namens der SS:
„Die außergewöhnlich deutschfreundliche Stimmung der Araber ist im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß man hofft, daß Hitler kommen möge, um die Juden zu vertreiben.“
Im Dezember 1943 wurde Rauff Chef des Sicherheitsdienstes (SD) in Norditalien. 1945 war er an Verhandlungen zur Kapitulation der Wehrmacht in Italien beteiligt. Nach Kriegsende konnte Rauff mit Hilfe der Kirche in Italien untertauchen, 1949 hielt er sich vorübergehend in Syrien auf. Später floh er nach Südamerika, 1953 war er in Ecuador, dann lebte er in Argentinien in San Carlos de Bariloche, ehe er 1958 nach Chile wechselte. Die deutsche Bundesregierung forderte die Auslieferung Rauffs, die aber 1963 vom obersten chilenischen Gerichtshof abgelehnt wurde, da nach chilenischem Recht Mord nach 15 Jahren verjährt war.[3] Nach der Wahl Salvador Allendes zum chilenischen Staatspräsidenten im Jahr 1970 sah Simon Wiesenthal die Möglichkeit, Rauffs Auslieferung zu erreichen. Allende teilte Wiesenthal mit, dass auf Grund der Gewaltenteilung nur Gerichte über eine Auslieferung entscheiden könnten und regte an, die deutschen Behörden sollten ein neues Auslieferungsersuchen stellen. Dazu kam es jedoch nach dem Militärputsch von 1973 nicht mehr.
1972 machte Rauff freiwillig eine Aussage als Zeuge im Verfahren gegen einen anderen SS-Offizier, Bruno Streckenbach.[2] Die Vernehmung erfolgte durch deutsche Richter in der deutschen Botschaft in Santiago de Chile. Rauff starb 1984 in Chile an Krebs.