Walter von Reichenau (* 8. Oktober 1884 in Karlsruhe; † 17. Januar 1942 in Russland) war ein deutscher Heeresoffizier (seit 1940 Generalfeldmarschall). Während des Zweiten Weltkrieges war er als Armee- und Heeresgruppenkommandeur an Kriegsverbrechen beteiligt.
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Der Sohn eines preußischen Generalleutnants trat nach dem Abitur 1903 in das preußische Heer ein, nahm als Generalstabsoffizier am Ersten Weltkrieg teil und wurde in die Reichswehr übernommen. Seit 1930 Chef des Stabs im ostpreußischen Wehrkreis I., wurde Reichenau 1933 Chef des Ministeramtes, seit 1934 des Wehrmachtsamtes im Reichswehrministerium. Um die Monopolstellung der Reichswehr als einzigem „Waffenträger der Nation“ zu erhalten, unterstützte Reichenau 1934 die Niederschlagung des sogenannten Röhm-Putsches und war - als erster „politischer General“ - maßgeblich am Ausbau der Reichswehr und ihrem Einbau in den nationalsozialistischen Staat beteiligt. Seit 1935 Kommandierender General des VII. Armeekorps in München, wurde er 1938 Oberbefehlshaber der Heeresgruppe 4 in Leipzig und erhielt bei Kriegsausbruch das Kommando über die 10. Armee. Nach dem Polenfeldzug befehligte er im Westfeldzug die 6. Armee, die dann nach Osten verlegt wurde. 1940 wurde Reichenau Generalfeldmarschall und übernahm Ende 1941 die Leitung der Heeresgruppe Süd in Russland, erlag aber wenige Wochen später einen Schlaganfall.
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war Reichenau Adjutant des 1. Garde-Feldartillerie-Regiments und in dieser Stellung wurde er noch im Verlauf des Jahres 1914 zum Hauptmann befördert. Im folgenden Jahr wurde er zum Generalstab versetzt und im Lauf des Jahres 1915 als Ib der 47. Reserve-Infanterie-Division sowie anschließend als Ia der 7. Kavallerie-Schul-Division verwendet.
In der Zeit vom Waffenstillstand bis zu seiner Übernahme in die Reichswehr war Reichenau Generalstabsoffizier beim Grenzschutz in Schlesien und Pommern.
Bis Anfang der 1930er Jahre wurde Reichenau dann in verschiedenen Stellungen verwendet, 1924 zum Major und 1929 zum Oberstleutnant befördert. Im Jahr 1931 erfolgte die Versetzung zur 1. Infanterie-Division, wo Reichenau am 1. Februar 1932 zum Oberst ernannt wurde.
Mit dem Machtwechsel in Berlin ging auch Reichenaus Karriere weiter: Am 1. Februar 1933 wurde er Chef des Ministeramtes im Reichswehrministerium, im folgenden Jahr, am 1. Februar 1934, wurde er dann im Zuge der Umstrukturierung der Reichswehr Chef des neugeschaffenen Wehrmachtsamtes unter Beförderung zum Generalmajor.
Von Reichenau vereitelte 1934 einen von Edgar Julius Jung und Franz von Papen geplanten Staatsstreich gegen den Hitler. Da die Wehrmacht eine wichtige Rolle spielen sollte, erfuhr auch von Reichenau am 28. Juni von den Plänen und setzte Heinrich Himmler und Reinhard Heydrich davon in Kenntnis.
Am 1. Oktober 1935 wurde Reichenau zum Kommandierenden General des VII. Armeekorps ernannt, verbunden mit der Beförderung zum Generalleutnant. Ein Jahr darauf erfolgte die Ernennung zum General der Artillerie.
Im Jahr 1938 schließlich wurde Reichenau mit der Führung des Heeresgruppenkommandos IV betraut. Er war an den Einmärschen in das Sudetenland und später an der Besetzung der Rest-Tschechoslowakei beteiligt.
Den Polenfeldzug erlebte Reichenau als Oberbefehlshaber der 10. Armee. Mit dem 1. Oktober 1939 wurde er zum Generaloberst befördert.
Im Westfeldzug 1940 kommandierte Reichenau die 6. Armee und nahm in dieser Stellung die Kapitulation Belgiens entgegen. Am 19. Juli 1940 wurde Reichenau im Zuge der großen Beförderungswelle nach dem Sieg über Frankreich zum Generalfeldmarschall ernannt.
Auch im Russlandfeldzug befehligte von Reichenau anfänglich die 6. Armee. In dieser Funktion trug er (Mit-)Verantwortung für Massaker in seinem Frontbereich: Am 22. August 1941 befahl Reichenau die Ermordung von 90 zuvor verschont gebliebenen jüdischen Kindern in Bjelaja Zerkow. Aufgrund enger Kontakte zum Führer des Sonderkommandos 4a, SS-Standartenführer Paul Blobel, kam es außerdem zur engen "Zusammenarbeit" zwischen Wehrmacht und Sonderkommando beim größten Massaker in der Sowjetunion während des Zweiten Weltkriegs, dem Massaker von Babi Jar, bei dem 30.000 Menschen innerhalb von zwei Tagen getötet wurden (29./30. September 1941).
Am 10. Oktober 1941 rief er im so genannten "Reichenau-Befehl" seine Soldaten unverhohlen zur Ermordung von Juden auf:
Hitler bezeichnete den Reichenau-Befehl als "ausgezeichnet" und befahl allen Armeekommandanten an der Sowjetfront, Reichenaus Beispiel zu folgen. Aufgrund Hitlers Unzufriedenheit mit Gerd von Rundstedt wurde von Reichenau am 1. Dezember 1941 an Rundstedts Stelle zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd an der Ostfront ernannt.
Am 15. Januar 1942 erlitt Reichenau einen schweren Schlaganfall. Auf dem Flug zur Behandlung nach Deutschland am 17. Januar 1942 wurde von Reichenau bei einer verunglückten Zwischenlandung in der Stadt Lemberg schwer verletzt. Nach dem Weitertransport nach Leipzig konnte am Abend des 17. Januar 1942 nur noch der Tod Reichenaus festgestellt werden. Er wurde auf dem Berliner Invalidenfriedhof beigesetzt.
Generalfeldmarschälle
Werner von Blomberg | Hermann Göring | Walther von Brauchitsch | Albert Kesselring | Wilhelm Keitel | Günther von Kluge | Wilhelm Ritter von Leeb | Fedor von Bock | Wilhelm List | Erwin von Witzleben | Walter von Reichenau | Erhard Milch | Hugo Sperrle | Gerd von Rundstedt | Erwin Rommel | Georg von Küchler | Erich von Manstein | Friedrich Paulus | Ewald von Kleist | Maximilian von Weichs | Ernst Busch | Wolfram Freiherr von Richthofen | Walter Model | Ferdinand Schörner | Robert Ritter von Greim | Eduard Freiherr von Böhm-Ermolli (ehrenhalber)