Warburg

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen finden sich unter Warburg (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen von Warburg
Markierung
Deutschlandkarte, Position von Warburg hervorgehoben
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Detmold
Kreis: Höxter
Koordinaten: 51° 30′ N, 9° 10′ O
Höhe: 230 m ü. NN
Fläche: 168,71 km²
Einwohner: 24.160 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 143 Einwohner je km²
Postleitzahl: 34414
Vorwahlen: 0 56 41
Kfz-Kennzeichen: HX, (alt WAR)
Gemeindeschlüssel: 05 7 62 036
Stadtgliederung: 16 Stadtteile
Adresse der Stadtverwaltung: Bahnhofstraße 28
34414 Warburg
Webpräsenz:
Bürgermeister: Michael Stickeln (CDU)
Blick vom Desenberg auf Warburg
Blick vom Desenberg auf Warburg

Die ostwestfälische Stadt Warburg ist ein Mittelzentrum im Kreis Höxter im Osten von Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Sie ist eine kreisangehörige Stadt des Kreises Höxter im Regierungsbezirk Detmold und zugleich die größte Stadt der Warburger Börde. In nächster Nähe liegen die Oberzentren Paderborn (NRW - ca. 40 km) und Kassel (Hessen - ca. 35 km). In Warburg leben 24.294 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Warburg liegt etwa 27 km südwestlich des Dreiländerecks HessenNiedersachsenNordrhein-Westfalen im Südtteil der Warburger Börde und wird von einem Abschnitt der Diemel durchflossen. Das Stadtgebiet grenzt im Westen an das Sauerland, im Nordwesten an die Ausläufer des Eggegebirges, im Norden und Nordosten schließt sich die eigentliche Warburger Börde an, südlich das Hessische Bergland.

Die Kernstadt, bestehend aus Alt- und Neustadt, ist eine Hügelstadt. Während die Altstadt im Tal der Diemel liegt, befindet sich die Neustadt auf Höhenlagen über dem Fluss, in den südlich des Stadtzentrums die von Süden kommende Twiste einmündet. Ost-nordöstlich erhebt sich der Desenberg (343,6 m ü. NN) mit der Burgruine der Burg Desenberg.

Ausdehnung des Stadtgebiets

Das Gebiet der Stadt erstreckt sich auf eine Fläche von 168,71 km².

Nachbargemeinden

Beginnend im Norden im Uhrzeigersinn grenzen an Warburg die Gemeinden bzw. Städte Willebadessen, Borgentreich (beide im Kreis Höxter), Liebenau (Hessen), Breuna (beide im Landkreis Kassel), Volkmarsen, Diemelstadt (beide im Landkreis Waldeck-Frankenberg), Marsberg (Hochsauerlandkreis) und Lichtenau (Kreis Paderborn).

Lichtenau Willebadessen Borgentreich
Marsberg Bild:Windrose_klein.png Liebenau (Hessen)
Diemelstadt Volkmarsen Breuna

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet umfasst 16 Stadtteile:

  • Herlinghausen (446 Einwohner)
  • Hohenwepel (688 Einwohner}
  • Menne (846 Einwohner)
  • Nörde (780 Einwohner)
  • Ossendorf (1.332 Einwohner)
  • Rimbeck (1.603 Einwohner)

Geschichte

Urgeschichte

Im 4. Jahrtausend v. Chr. existierte eine Megalithkultur im Raum Warburg.

Frühgeschichte

Seit frühgeschichtlicher Zeit gab es aber auf dem Gebiet der späteren Stadt schon Siedlungen, was Bodenfunde beweisen. Im 1. Jahrhundert n. Chr. siedelten Germanen südlich des Desenbergs.

Mittelalter

Im 8. Jahrhundert n. Chr. lag westlich der Stadt ein sächsischer Adelssitz. Im 8. und 9. Jahrhundert erreichte die Christianisierung die Sachsen im Diemelgebiet. Der Name Warburg wird etwa 1010 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Im 11. Jahrhundert existierte auf dem Warburger Burgberg die „Wartburg", in deren Schutze sich dort Menschen ansiedelten. Vom Wartberg und seiner Burg aus hatte man einen guten Überblick über das Diemeltal und so konnte von hier aus die Furt überwacht werden, die die nach Warburg und Paderborn ziehenden Kaufleute überqueren mussten. Diese Diemelfurt war ein Schnittpunkt vieler uralter Fernhandelsstraßen und war mit ausschlaggebend für die Entstehung und Entwicklung der Stadt zu einem zentralen Ort.

Übergabe der grafschäftlichen Rechte an Paderborn

Die Warburger Burg war zunächst im Besitz des Grafen Dodiko, dessen Besitz laut Urkunde 1020 dem Bischof von Paderborn zufiel. Die vorteilhafte Lage der Burg und deren eindrucksvolle Größe hatten schon einige Zeit zuvor das Auge des Paderborner Bischofs Meinwerk auf sich gezogen, der diesen Besitz der Paderborner Kirche einzuverleiben wünschte. Der eigentliche von Dodiko auserwählte Erbe war sein unehelicher Sohn, der von seiner Geliebten, einer Nonne, stammte. Dieser jedoch verunglückte tödlich beim Reiten, woraufhin der Graf bereit war seine Güter und den Bestitz an den Bischof zu übertragen. In einem Prekarievertrag gewährte der Bischof dem Grafen die Nutzung seines früheren Privatbesitzes und zusätzlichem Kirchenbesitz bis zu dessen Tod, der am 29. August 1020 eintrat. Der Kaiser Heinrich II. (HRR) übertrug 1021 auch die gräflichen Rechte an den Meinwerk. Diese entzog ihm der spätere Nachfolger des Kaisers, Konrad II., nach einer vom Erzbistum Mainz ausgehenden Intrige wieder, gab sie ihm jedoch 1033 aufgrund seiner treuen Unterstützung endgültig zurück. Ab diesem Zeitpunkt hatte die Burg lange Zeit eine Schutzfunktion zu Sicherung der Grenze des Paderborner Territoriums gegen Mainz.

Entstehung der Neustadt

Die Neustadt Warburg wurde im Jahre 1228/29 von Benhard IV. (von Lippe), Bischof von Paderborn, gegründet, um seine politische Stellung im Diemelraum gegen das Vordringen des Kölner Erzbischofs zu sichern. Die Besiedelung des Neustadtgebietes erfolgte durch Zuwanderer aus dem nördlich der Diemel gelegenen Bördeland sowie von Kaufleuten aus weiter entfernter Umgebung wie aus Horhusen (heute Niedermarsberg). Um 1239 war die Neustadt als städtisches Gemeinwesen voll ausgebaut, die Bewohner besaßen volle bürgerliche Rechte nach Dortmunder und Marsberger Muster. Der Bischof bevorzugte die Neustadt gegenüber der Altstadt und sie erhielt damit mehr Rechte, die Altstadt erreichte die Rechtsgleichheit im Jahr 1256. 1260 wird der Neustadt das Recht erteilt, eine Stadtmauer zu bauen, ausdrücklich auch gegen die Altstadt.

Vereinigung der beiden Städte

Gipsabdruck des Siegels der Warburger Neustadt unter der Verfassungsurkunde "Der Grote Breff" (Der große Brief) von 1436
Gipsabdruck des Siegels der Warburger Neustadt unter der Verfassungsurkunde "Der Grote Breff" (Der große Brief) von 1436

Die beiden Städte, Altstadt und Neustadt, schlossen sich im Jahre 1436 zu einer Stadt zusammen. Im "Groten Breff" ("Großen Brief") wurde die Verfassung genau festgelegt und besiegelt. Unter dem Brief sind die Siegel der beiden Städte "Wartberg" zu finden. Auf dem abgegossenen Siegel (s. Bild) sind zwei Wehrtürme mit Doppelmauer sichtbar, unter dem Stadttor steht der Paderborner Bischof mit Stab, die Umschrift lautet: "Sigillium burgensium in wartborch". Der Brief ist in mittelniederdeutscher Sprache verfasst, der Sprache der deutschen Hanse, und bildet ein besonders umfangreiches Rechtsdokument. Bisher fanden die Räte der Neu- und Altstadt im jeweiligen selbstständigen Rathaus mit Standpunkt am Marktplatz statt, nun gab es zwei Bürgermeister, die je die Hälfte des Jahres Vorsitz führten. Das gemeinsame Rathaus "Zwischen den Städten" wurde erst 1568, also 132 Jahre nach dem Zusammenschluss der Städte, erbaut, weshalb der Rat bis dahin halbjährig im Altstadtrathaus und halbjährig im Neustadtrathaus tagte.

Neuzeit

Am Anfang des 17. Jahrhunderts war Warburg eine bekannte und reiche Handelsstadt. Außerhalb der Stadtmauer entstand "die Hüffert" als neuer Stadtteil. Beginnend 1621 wurden im Dreißigjährigen Krieg große Teile der Hüffert und andere Dörfer in der Umgebung geplündert und zerstört und die Stadt verarmte. Die Stadt wurde 1622 vom Herzog von Braunschweig, Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel (Der tolle Christian) eingenommen. Ab 1628 wechselte die Stadt mehrmals Herren und Besatzung - Hessen, Kaiserliche, Schweden - und war 1648, am Ende des Krieges, in der Hand der Kaiserlichen. Warburg wurde, bedingt durch die schwere Zerstörung, zu einer Ackerbürgerstadt und die Mitgliedschaft in der Hanse endete.

Während des Siebenjährigen Krieges kam es 1760 zur Schlacht bei Warburg.

19. Jahrhundert

Preußische Truppen rückten im Vorgriff auf die Entscheidungen des Reichsdeputationshauptschlusses am 3. August 1802 in Warburg ein.

Von 1807 bis 1813 gehörte die Stadt zum Königreich Westfalen. Nach dem Wiener Kongress fiel Warburg 1815 wieder an Preußen. Ein Jahr später, 1816, wurde Warburg Kreisstadt.

Im Zuge der Industrialisierung erhielt die Stadt 1849 Anschluss ans Bahnnetz. 1892 hatte Warburg die Schulden des dreißigjähringen Krieges abgezahlt.

20. Jahrhundert

Bei den Wahlen im März 1933 erhielt die Zentrumspartei in Warburg 67,2 %, die NSDAP 21,8 %.

Am 1. April 1945 wurde Warburg von amerikanischen Verbänden eingenommen.

Am 1. Januar 1975 folgte eine kommunale Neugliederung, in der die Stadt durch den Zusammenschluss von 16 selbständigen Gemeinden zur neuen Stadt Warburg erweitert wurde. Der Kreis Warburg wurde mit dem Altkreis Höxter zum neuen Kreis Höxter zusammengeschlossen. Nach Zusammenlegung der Stadt mit den Gemeinden des Amtes Warburg-Land gab es zusätzlich zum Rathaus "Zwischen den Städten" die Amtsverwaltung Warburg-Land an der Kasseler Straße, die nach Abzug der Kreisbehörden aufgegeben wurde. Stattdessen wurde das Behördenhaus an der Bahnhofstraße bezogen.

1983 war Warburg Gründungsmitglied des Westfälischen Hansebundes.


Einwohnerentwicklung

Warburg hatte (jeweils zum 31. Dezember) so viele Einwohner:

  • 1998 - 24.130
  • 1999 - 24.234
  • 2000 - 24.204
  • 2001 - 24.218
  • 2002 - 24.273
  • 2003 - 24.292
  • 2004 - 24.380
  • 2005 - 24.294

Politik

Die letzte Kommunalwahl fand am 26. September 2004 statt. Wahlgewinner war mit dem Erreichen der absoluten Mehrheit die CDU. Die nächsten Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen finden im Jahre 2009 statt.

Bürgermeister

Bürgermeister Warburgs ist Michael Stickeln (CDU), 1. Stellvertretende Bürgermeisterin ist Elisabeth Müntefering, 2. Stellvertretender Bürgermeister ist Heinz Josef Bodemann, beide ebenfalls von der CDU.

Stadtrat

Sitzverteilung im Stadtrat Warburg (Stand: 1. Oktober 2004):

Fraktionsvorsitzende:

  • CDU-Fraktionsvorsitzender: Willi Vonde
  • SPD-Fraktionsvorsitzender: Karl-Heinz Hellmuth
  • Freie Unabhängige Bürger-Fraktionsvorsitzender: Wolfgang Gumm
  • Bündnis 90/Die Grünen-Fraktionsvorsitzender: Franz-Josef Rose

Wappen

Das heutige Wappen führt die Stadt Warburg seit 1977.

Städtefreundschaften

Städtepartnerschaften

  • Parchwitz (Prochowice) seit 1997
  • Ledegem/Sint-Eloois-Winkel seit 1998
  • Luckau seit 1992

Religionen

Christentum

Durch die Sachsenkriege Karls des Großen wird die Region an der Diemel dem Frankenreich unterworfen. Warburg gilt als möglicher Standort (neben anderen Standorten) der Irminsul, einer altsächsische Hauptheiligtumssäule. Im Auftrag Karl des Großen missioniert der österreichische Abt Sturmius und Gründer des Klosters in Fulda das Gebiet um Diemel und Weser im Jahre 774. Die Gegend um Warburg wurde somit ab 774 christianisiert. Im Jahre 805/6 wird als erster Bischof Hathumar für das in dem Gebiet neuerhobene Bistum Paderborn eingesetzt, welches zu Beginn noch unter der Oberhoheit des Bistums Würzburg steht. Erst langsam wird das Bistum Paderborn rechtlich aufgewertet, ab 822 erhält es Gerichtsbefugnisse im Territorium und Immunität, ab 885 erhält es das Recht der freien Bischofswahl durch den Domklerus. Im Jahre 822 wird die Benediktinerabtei Corvey in der Nähe (bei Höxter) gegründet, welches im Jahre 1802 säkularisiert wird. Warburg gehörte zum Fürstbistum Paderborn von 1321 bis 1806, indem die Stadt eine wichtige Rolle spielte. Sie stellte u.a. die Hälfte der Mitglieder im ständischen Rat der Fürstbistums.

Katholische Kirche

Das älteste erhaltene Baudenkmal ist die frühere romanische St. Andreas Kirche. Die Krypta dieser Kirche unterhalb der Erasmuskapelle befindet sich auf dem Burgberg (heute Burgfriedhof). Die erste Kirche Warburgs (erbaut 8.Jh.) befand sich auf der Hüffert, ein Stadtteil, welcher während des dreißigjährigen Krieges vollständig zerstört wurde. Um 1020 fiel das Erbe von Graf Dodiko, aufgrund eines fehlenden Erbfolgers, an das 779 errichtete Bistum Paderborn, welches 1321 zum Fürstbistum (Dies existierte bis zum Ende des HRR im Jahre 1806) und 1929 zum Erzbistum Paderborn erhoben wurde. Der Paderborner Bischof gründete im Jahre 1228-1230 die Warburger Neustadt, um seinen Gebietsanspruch gegenüber dem Kölner Erzbischof zu verteidigen.

Die heutigen Hauptkirchen sind die kath. Neustadtkirche 'St. Johannes Baptist' (erbaut 1264) und die kath. Altstadtkirche 'St. Maria-Heimsuchung' (erbaut 1299). Die Dominikaner kamen 1281 nach Warburg. Der Dominikanerkonvent war 'zwischen den Städten' angesiedelt. Die ehemalige Pfarrkirche der Altstadt wurde ab 1283 die Dominikanerkirche 'Maria in vinea'. Im Jahre 1628 wurde von dem aus Warburg stammenden Mainzer Kanoniker H. Thöne eine städtische höhere Schule -- das Gymnasium Marianum -- in dem Dominikanerkloster gegründet und eingerichtet. Der Dominkanerkonvent wurde 1810 von der unter Napoleons Einfluss stehenden Regierung des Königreichs Westfalen supprimiert, die Schule wurde aber danach weiter von den Dominikanern geleitet. Der Dominikanerkonvent wurde im Jahre 1826 endgültig von der Preußischen Regierung aufgehoben. Die Dominikaner zogen nach dem Bau (1906-1915) des neugotischen Dominikanerkloster 'St.-Maria-Himmelfahrt' in das in der Nähe am Bahnhof errichtet Klostergebäude. Die Dominikaner gaben ihren Konvent in Warburg Anfang der 1990er Jahre auf. Neben den Dominikanern gab es andere Ordensgemeinschaften. Der katholische Frauenorden Arme Schulschwestern leitete die mittlere Mädchenschule (ab 1900 und seit 1955 Gymnasium) auf der Hüffert. In der Altstadt gab es den Orden der Vinzenzschwestern, die Kindergarten, Kranken- und Altenpflege und eine Nähschule unterhielten.

Die Katholische Kirche war Trägerin des Krankenhauses St. Petri Hospital, welches zuerst in der Innenstadt (in dem ehemaligen Krankenhaus ist heute das Corvinus-Haus der Evangelischen Gemeinde) und später auf der Hüffert angesiedelt wurde. Ein katholischer Schwestern-Vinzenziusorden betreute die Krankenpflege in dem Krankenhaus. Die Kirche gründete und ist Träger des St. Laurentius-Heims für Heranwachsende mit körperlicher oder geistiger Behinderungen.

Warburg zählt mit seinen mehrheitlich katholischen Bewohnern zum Kerngebiet des Paderborner Bistums. Warburg hat einige Theologen (Otto Beckmann, Anton Corvinus, Julius Dammann) und kirchliche Amtsträger (Manfred Grothe, Heinrich Emmerich, Kanoniker H. Thöne) sowie Kirchenbaumeister (Johann Conrad Schlaun, Arnold Güldenpfennig) und Kirchenkünstler (Josef Kohlschein) hervorgebracht. Kardinal Christoph Schönborn und Dominikanerpater Gordian Landwehr traten in Warburg in den Dominikanerorden ein und Bischof Wilhelm Weskamm wirkte als Kaplan in dem Stadtteil Daseburg.

Evangelische Kirche

Nach der Eroberung Westfalens (1802) durch die Preußen kamen auch Protestanten nach Warburg. Die Dominikanerkirche Maria-in-vinea / Maria-im-Weinberg wurde im Jahre 1824 zur Simultankirche, die sowohl von der evangelische Gemeinde als auch für Schulmessen des Gymnasiums Marianum genutzt wird. Die Protestanten blieben in der Minderheit.

Syrisch-orthodoxe Kloster

Das Erzbistum Deutschland der syrisch-orthodoxen Kirche wurde 1997 gegründet und hat seinen Bischofssitz im ehemaligen Dominikanerkloster in Warburg. Das Kloster trägt nun den Namen St. Jakob von Sarug. Es ist der Sitz des amtierenden Bischofs Mor Julius Hanna Aydin, welcher auch schon als Abt des Klosters sowie Leiter des ehemaligen angegliederten Priesterseminars tätig war. Nach der Renovierung des Klosters dient dieses nun als syrisch-orthodoxes Zentrum in Westfalen.

Jüdisches Leben in Warburg

Warburg hatte in der Geschichte eine bedeutende jüdische Gemeinde. Um 1800 waren von 2000 Einwohner Warburgs etwa 200 jüdischen Glaubens sowie um 1900 von 5000 Einwohner etwa 300 jüdischen Glaubens. Der starke Zuwachs der Gesamtbevölkerung ist auf die Landflucht bzw. die Ansiedlung von Industriebetrieben sowie den Bahnbetieb zurückzuführen.

Die Familie Warburg hat den Namen der Stadt im 16. Jh. angenommen und ist in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach Altona (Hamburg) weitergezogen, wo die Gebrüder Moses Marcus und Gerson Warburg 1798 das Bankinstitut M&M Warburg aufbauten. Aus dieser Warburg-Familie stammen auch die Naturwissenschaftler Emil Warburg und dessen Sohn, der Nobelpreisträger Otto Heinrich Warburg sowie der berühmte Kunsthistoriker Aby Warburg. Eine andere bekannte Warburger jüdische Familie sind die Oppenheims, mit Hermann Oppenheim als bekanntem deutschem Neurologen. Ein weiterer bekannter Warburger ist Emil Herz, Verleger, Ullstein-Verlag, der in seinem Buch auch etwas über das jüdische Leben in Warburg beschreibt.

In Warburg gibt es heute noch einen jüdischen Friedhof. Die Synagoge, die in der Altstadt lag, wurde während der Novemberpogrome 1938 weitestgehend zerstört und dient heute als Wohnhaus.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Der Desenberg

Der Desenberg ist die markanteste Erhebung der Warburger Börde und damit das Wahrzeichen des Warburger Landes. Es handelt sich um einen 150 Meter (343,6 m ü. NN) hohen Bergkegel vulkanischen Ursprungs, auf dessen Spitze sich die Ruinen der Burg Desenberg befinden. Von dort aus hat man einen guten Überblick über das Warburger Land.

Bauwerke

Mittelalterliche Befestigungsanlagen

Sackturm, erbaut 1443, und Sacktor
Sackturm, erbaut 1443, und Sacktor

Die im 14. Jahrhundert errichtete Stadtbefestigung ist mit umfassenden Resten der mittelalterlichen Stadtmauer beider Städte, fünf Wehrtürmen und zwei Stadttore teilweise erhalten und bilden damit eine der Hauptattraktionen für Touristen. Im Mittelalter war Warburg zum größten Teil von einem doppelten Mauerring umgeben, durch dessen Bruchstein die Stadttore der Alt- und Neustadt führten. Die Altstädter Bürger errichteten zunächst die Verbindungsmauer von der Burg zum Johannistor-Turm. In halber Höhe des Burgberges baute man den Chattenturm. Der runde Sackturm (Sachsenturm) neben dem Sacktor wurde erst 1443 errichtet, während das Sacktor schon um 1300 erbaut wurde. Dieser Turm ist der massivste und höchste Turm und war das Wahrzeichen Alt-Warburgs. Ab 1446 hatte er auch die Funktion eines Gefängnisses. Das Sacktor befand sich in der Nähe des westlichen Zuganges der bischöflichen Burg und zugleich auf dem Höhepunkt der Sackstraße. Hier trafen sich und konkurrierten somit bischöfliche mit bürgerlichen Interessen von Alt- und Neustadtbürgern. Bis zum Jahre 1830 hatte die Stadt Warburg etwa zehn Stadttürme und neun Stadttore. In den Mauern der Altstadt befanden sich fünf und in der Neustadt vier Stadttore, von denen jedoch nur das Sacktor und das Johannistor erhalten geblieben sind. Zwischen 1801 und 1840 brach man die anderen Tore ab, deren Gestalt aber teilweise überliefert wurde. Die Form der Toranlage war bedingt durch den "Stadtzwinger" (den Raum zwischen Innen- und Außenmauer). Das Sacktor oder Petritor wurde zu einem typischen Zwillingstor ausgebaut, dessen äußerer Torbogen nach Verfall nicht wieder aufgebaut, sondern beseitigt worden ist. Heute ist im Sackturm eine Gedenkstätte für Opfer des zweiten Weltkriegs eingerichtet, die über den Burgfriedhof besucht werden kann. Ursprünglich waren über zwanzig Wehrtürme im Kranz der mittelalterlichen Befestigungsanlage vorhanden. Hiervon sind nur nach fünf erhalten geblieben: Biermanns-, Chatten-, Johannis-, und Sackturm in der Altstadt und der Frankenturm in der Neustadt. Eine sechseckige Dachhaube zeigen die Rundbauten Sackturm und Biermannsturm, die Türme mit quadratischem Grundriss, Johannis- und Frankenturm, haben eine viereckige Dachabdeckung. Der Chattenturm am Burgfriedhof hat einen offenen Turmabschluss, der einen weiten Ausblick über das Diemeltal in das benachbarte Hessenland bietet.

Kirchen und Klöster

  • Die katholische Neustadtkirche St. Johannes Baptist ist eine um 1230 erbaute frühgotische Kirche. Sie wurde 1264 eingeweiht.
  • Die evangelische Kirche St. Maria in vinea (Maria im Weinberg) war bis 1283 die Pfarrkirche der Warburger Altstadt. Nach einem längeren Streit mit den Bürgern der Altstadt, als der Paderborner Bischof Otto von Rietberg den in Warburg ansäßigen Dominikanern übertragen wollte, übernahmen diese die Kirche 1286 in ihren Besitz. Bis zur Säkularisation 1803 war sie damit die frühgotische Kirche des ersten Dominikanerklosters. Seit 1824 ist sie die Kirche der evangelischen Gemeinde.
  • Die katholische Altstadtkirche St. Mariä Heimsuchung ist die zweite Altstädter Pfarrkirche, die 1288 bis 1297 nach Übernahme der Kirche St. Maria in vinea durch die Dominikaner erbaut wurde. 1299 wurde die Kirche eingeweiht. Im Inneren der Kirche befinden sich viele Kunstwerke aus diversen Epochen wie z.B. einen barocken Kreuzaltar.
  • Das heutige Gymnasium Marianum befindet sich seit 1628 im früheren, ersten Dominikanerkloster. Damals stand es unter der Leitung der Dominikaner. Nachdem das Kloster durch die preußische Regierung im Jahr 1826 endgültig aufgelöst wurde, wurde es zum preußischen Progymnasium. 1874 wurde es vollständig zum Gymnasium ausgebaut. Es ist zusammen mit dem Rathaus und der evangelischen Kirche ein das Stadtbild der Altstadt besonders prägendes Bauwerk. Der im Marianum erhaltene gotische Kreuzgang ist neben der Altstadtkirche die bedeutendste künstlerische Hinterlassenschaft der Dominikaner.
  • Das zweite neugotische Dominikanerkloster St. Maria Himmelfahrt wurde von 1906 bis 1915 erbaut. Es dient nach dem erneuten Weggang der Dominikaner im Jahr 1995 als Kloster der syrisch-orthodoxen Kirche in Deutschland mit Sitz eines Erzbischofs.
  • Die Erasmuskapelle (auch Burgkapelle) auf dem Gelände der früheren Wartburg auf dem Burgberg, dem heutigen Burgfriedhof wurde im 11. Jahrhundert erbaut und enthält mit dem in ihrem Untergeschoss befindlichen romanischen Krypta der früheren St.-Andreas-Kirche das älteste erhaltene Baudenkmal der Stadt. DIe Kapelle wurde 1681 als Wallfahrtskirche erneuert.

Profanbauten

  • Das Rathaus "Zwischen den Städten" wurde 1568 als gemeinsames Rathaus der vereinigten Alt- und Neustadt mit zwei getrennten Eingängen für Alt- und Neustädter auf der Grenze der beiden Städte gebaut. Das in Form eines Renaissancebaus erhaltene Gebäude wurde 1902/03 um ein Fachwerkgeschoss erweitert. Es steht an der Stelle des früheren Liebfrauentores, der einzigen Innenverbindung zwischen den Städten.
  • Das ehemalige Altstädter Rathaus ist ein großer Steinbau aus Kalkbruchstein mit dreistufigen Staffelgiebeln aus dem Jahr 1336/37. Heute dient das 1973 renovierte Altstädter Rathaus Gastronomie- und Wohnzwecken.

Bürgerliche Wohnbauten

In Warburg existieren einige gut erhaltene Fachwerkbauten, die teilweise zu den ältesten in in Nordrhein-Westfalen zählen.

  • Das Eckmänneken-Haus, Lange Straße 2, in der Altstadt wurde 1471 erbaut und ist damit das älteste inschriftlich datierte Fachwerkgebäude Westfalens. Seinen Namen trägt das Haus aufgrund der Figuren an den Eckpfeilern. Das ehemalige Zunfthaus der Bäcker ist heute ein Restaurant.
  • Das Altstädter Arnoldihaus ist ein spätgotisches Fachwerkhaus, welches 1513 erbaut und 1970 erneuert wurde. Es ist benannt nach dem in Warburg geborenen Johannes Arnoldi und bildet das stattlichste spätgotische Bürgerhaus in Warburg. Heute wird das Gebäude von der katholischen Gemeinde der Altstadt als Pfarrzentrum genutzt.
  • Das Haus Böttrich in der Sternstraße 13, das heutige Pfarrzentrum der Neustadt, ist ebenfalls ein Fachwerkhaus der Spätgotik und wurde von 1558 bis 1560 erbaut. Erneuert wurde es 1980-1982.
  • Die Hirsch-Apotheke befindet sich in einem gotischen Steinbau, dessen ursprüngliche Staffelgiebel durch einen barocken Umbau 1705 verändert wurden.
  • Das Corvinushaus in der Sternstraße 19 stammt aus dem 15. Jahrhundert. Ursprünglich war es ein niedrigeres Saalhaus aus Stein mit zweistufigen Staffelgiebeln, welches in den Jahren 1488/89 um ein Hinterhaus erweitert wurde und 1490/91 über die Staffelgiebeln hinweg durch Fachwerk erhöht wurde.

Theater

Theater in Warburg findet saisonal im Pädagogischen Zentrum (kurz PZ) statt. Hier stehen 550 Plätze zur Verfügung. Es werden sowohl Stücke mit professionellen Darstellern aufgeführt, z.B. gastierte in Warburg schon Ralf Bauer, Klaus Nierhoff und Katerina Jacob, als auch Laienstücke beispielsweise von Schülern der ansässigen Schulen. Die Theatersaison 2006/2007 zählte vier ausverkaufte Theaterstücke mit 2200 Besuchern.[1]

Kino

Warburg hat ein Cineplex-Kino (Oberer Hilgenstock 30) mit fünf Kinosälen und insgesamt 800 Plätzen.

Konzerte

  • Warburger Meisterkonzerte, Aula und Innenhof des Gymnasium Marianum
  • Rock gegen Regen, Scherfede
  • Art of Darkness, Scherfede
  • Lautstrom Rock-Konzerte im Kulturbahnhof Warburg-Welda

Museen

  • Museum im Stern, Sternstraße 35
  • Bäckerei-Museum (privat) in der Warburger Altstadt, Lange Straße 6

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Maifest (jährlich Anfang Mai)
  • Das traditionelle Kälkenfest (Kalkfest oder Tünchfest) findet jährlich im August in der Warburger Altstadt statt. Seinen Namen hat es von den früheren Gerbern der Altstadt, welche die Tierheute vor dem Gerben mit Kalk vorbereiteten. Dieser Prozess wurde als "Kälken", also mit Kalk behandeln, bezeichnet. Den Kalk gewann man in Kalksteingruben nahe der Stadt. Während des Fest werden von Bürgern Theaterstücke mit Bezug auf die Geschichte der Stadt Warburg aufgeführt.
  • Oktoberwoche (jährlich Ende Sept./Anfang Oktober)
  • Schützenfest (alle zwei Jahre)
  • Weihnachtsmärkte auf beiden Marktplätzen in der Adventszeit (jährlich)

Wirtschaft und Infrastruktur

Warburg liegt als wirtschaftliches Mittelzentrum in einem von der Landwirtschaft geprägten Raum. Von den ehemals zwei großen Nahrungsmittelproduzenten, Warburger Konservenfabrik und Zuckerfabrik, besteht heute nur noch die Zuckerfabrik. Die größten Industriezweige in Warburg sind heute die Automobiltechnik, Stahl- und Maschinenbau, Chemie, Holzverarbeitung sowie die Verpackungsindustrie. Seit 1721 besitzt die Warburger Familie Kohlschein das Braurecht.

Verkehr

Bei Warburg kreuzen sich die Bundesstraßen 7 und 252. Über letztere erreicht man die nahegelegene Anschlussstelle Warburg der Autobahn 44 (Kassel-Dortmund), die beim nicht weit entfernten Südkreuz Kassel auf die A7 trifft.

Der Bahnhof liegt an den Bahnstrecken Ruhrgebiet - Kassel (ICE-, IC-, Regionalzüge) und Hagen-Warburg. Regionallinien: RE17 Hagen - SchwerteBrilon-WaldKassel-Wilhelmshöhe und RB89 RheineMünsterHammPaderborn – Warburg (Westfalenbahn). Nach Kassel Hbf. fährt außerdem die RegioTram RT3. In die umliegenden Städte fahren Regiobusse. Die Stadt gehört zum Nahverkehrsverbund Paderborn-Höxter (Hochstift Tarif). In Richtung Hessen gilt der Tarif des NVV.

Gut erreichbar sind auch die Regionalflughäfen Kassel-Calden und Paderborn-Lippstadt.

Ansässige Unternehmen

  • Volksbank Warburger Land eG
  • Brauns-Heitmann GmbH & Co. KG
  • Benteler Automobiltechnik GmbH, Werk Warburg
  • RTW Rohrtechnik GmbH
  • Linnenbrink Technik Warburg GmbH
  • Südzucker AG
  • Kobusch-Sengewald GmbH
  • BFI Stahlbausysteme GmbH & Co. KG
  • Warburger Brauerei GmbH
  • bada-office Bürodienstleistungen
  • Reposa GmbH
  • Berg GmbH
  • Tolges Kunststoffverarbeitung GmbH & Co. KG
  • Stelzer Rührtechnik International GmbH
  • PRG mbH Präzisions Rührer und Rühranlagen
  • LX-3 Veranstaltungs- und Medientechnik
  • Kommunikation GbR Internet & Sicherheitstechnik]
  • Likoermanufaktur - Warburg
  • Filltech GmbH

Öffentliche Einrichtungen

Feuerwehr

Die Stadt Warburg verfügte bereits im Mittelalter über organisierte Löschkräfte aus der Bürgerschaft. Mit der „Preußischen Feuerordnung" wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch die umliegenden Gemeinden verpflichtet, Grundvoraussetzungen für die Brandbekämpfung zu schaffen. Ab ca. 1850 bildeten sich im heutigen Stadtgebiet Warburg die ersten Strukturen heutiger Feuerwehren in Form von „Lösch- und Spritzenmannschaften". Diese waren die Anfänge der heutigen Feuerwehren in Ossendorf und Scherfede. Nach dem Krieg 1870/71 waren es ehemalige Soldaten, die die Idee der französischen Pompiercorps etablierten und Freiwillige Feuerwehren gründeten, so im Stadtteil Wormeln. Im Twistedorf Welda, dem südlichsten Stadtteil, wurde die Feuerwehr erstmalig im Jahre 1882 erwähnt. In der Kernstadt Warburg wurde die Freiwillige Feuerwehr 1889 gegründet. In rascher Folge wurden nun in den Orten des Warburger Landes Freiwillige Feuerwehren gegründet. Nach dem Brand in Hohenwepel, 1912, war dies in Dössel, Hohenwepel und Menne der Fall.

Die heutige Freiwillige Feuerwehr der Stadt Warburg entstand 1975 aus der Feuerwehr Warburg und den Feuerwehren der Orte im Amt Warburg-Land. Die Feuerwehren Scherfede und Warburg wurden hier zu Löschzügen und die übrigen Feuerwehren zu Löschgruppen umstrukturiert.

Bildungseinrichtungen

Das Gymnasium Marianum war ein überregional bekanntes humanistisches Gymnasium. Die auswärtigen Schüler waren in internatsähnlichen Einrichtungen in der Stadt untergebracht. Die Personen, die in Warburg wohnten (s.a. u. Weitere Persönlichkeiten) waren meist Schüler oder Lehrer auf dieser Schule.

Das heutige Hüffertgymnasium war lange Zeit eine mittlere Mädchenschule und wurde erst nach 1955 ein Mädchengymnasium. Heute ist es ein Gymnasium für Mädchen und Jungen.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Folgende Persönlichkeiten wurden in Warburg geboren:

Weitere Persönlichkeiten

Folgende Persönlichkeiten sind keine gebürtigen Warburger, haben aber in der Stadt gelebt und gewirkt:

Literatur

  • Bernd Heintze: Warburg. - Paderborn: Bonifatius-Dr., -Buch, -Verl., 1996. - 72 S. : überw. Ill. (Überblick) ISBN 3-87088-942-X

Weblinks

Commons
Commons: Warburg – Bilder, Videos und Audiodateien

Vorlage:Navigationsleiste Warburger Stadtteile

Quellen

  1. Artikel "Theater-Mix in Warburg ist erfolgreich" zur Theatersaison 2007/2008
Quelle:
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Gombrich, Ernst H.
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