Wau Holland

Wau Holland (* 20. Dezember 1951; † 29. Juli 2001 in Bielefeld; eigentlich Herwart Holland-Moritz) war ein deutscher Journalist und Computer-Aktivist.

Wau Holland, 2000
Wau Holland, 2000

Holland gehörte 1981 zu den Gründern des Chaos Computer Clubs, einem der ältesten Hacker-Clubs.

Ab 1983 arbeitete Wau Holland als Kolumnist bei der Berliner Tageszeitung (taz) wo er regelmäßig über den entstehenden deutschen Computer-Untergrund und die Mailbox-Szene berichtete.

Er gründete 1984 auch das Hacker-Magazin des CCC mit, Die Datenschleuder, die sich mit den Möglichkeiten globaler Informationsnetzwerke und schneller Computer beschäftigte, und in den Anfangsjahren häufig Schaltpläne für selbstgebaute Modems enthielt. Das damalige Fernmeldeanlagengesetz verlangte, dass Modems eine Zulassung des damaligen staatlichen Kommunikationsmonopolisten Deutsche Bundespost brauchten – im Zweifelsfall wurde diese Zulassung nur den Modems erteilt, die die Bundespost selbst zu extrem hohen Preisen vermietete oder verkaufte. Billigere Hochgeschwindigkeitsmodems, wie sie beispielsweise in den USA damals längst üblich waren, waren verboten. „Das Anschließen eines Selbstbau-Modems wurde härter bestraft als das fahrlässige Auslösen einer atomaren Explosion“, wie Wau Holland es im Rückblick ausdrückte.

Nicht zuletzt durch Hollands ständige Arbeit mit und für den Club erwarb der CCC Bekanntheit und Anerkennung. Er hielt Vorträge über Informationskontrolle im Regierungsumfeld und im Privatsektor und kämpfte gegen Kopierschutz und alle Formen von Zensur sowie für eine offene Informationsinfrastruktur. Die Zensur-Anforderungen einiger Regierungen verglich er mit dem Verhalten der Katholischen Kirche im Mittelalter, und Kopierschutzmechanismen sah er als Produktfehler an. In seinen letzten Jahren verbrachte er viel Zeit in einem Jugendzentrum, wo er Kindern sowohl die technische als auch die ethische Seite des Hackens nahebrachte.

Holland starb an den Folgen eines Schlaganfalls.

Mit der im September 2003 als gemeinnützig anerkannten Wau Holland Stiftung (WHS) soll das Lebenswerk ihres Namensgebers durch geeignete archivarische Aufbereitung der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt und Möglichkeiten geschaffen werden, diese Gedanken in die Praxis einzubringen und Projekte weiterzuführen.

Literatur

  • Daniel Kulla: Der Phrasenprüfer. Szenen aus dem Leben von Wau Holland, Mitbegründer des Chaos Computer Clubs. Löhrbach 2003, ISBN 3922708250

Weblinks

Multimediales

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