Das Projekt Weltethos ist ein Versuch, die Gemeinsamkeiten in den Ethiken der Weltreligionen zu beschreiben und ein knappes Regelwerk aus nur wenigen ethischen Grundforderungen aufzustellen, welches von allen akzeptiert ist. Der Initiator des Projekts ist der katholische Theologe Hans Küng.
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Die Grundüberzeugungen des Projektes Weltethos sind:
Ein wichtiges Beispiel für die Gemeinsamkeiten in den Religionen ist das Prinzip der Goldenen Regel. Alle Kulturen und Religionen kennen dieses Prinzip der Gegenseitigkeit. In Form eines deutschen Sprichworts formuliert lautet es: Was du nicht willst, das man dir tu', das füg' auch keinem anderen zu.
Vom 28. August bis zum 4. September 1993 trafen sich in Chicago Vertreter vieler verschiedener Religionen, um ein Regelwerk zusammenzustellen, das die Menschenrechtserklärung von 1948 ethisch begründen sollte. Es beteiligten sich 6.500 Menschen aus 125 Religionen und religiösen Traditionen. Sie einigten sich in der Erklärung zum Weltethos auf vier Leitsätze:
Die Grundforderung lautet: Jeder Mensch muss menschlich behandelt werden!
Im Judentum werden diese Forderungen zum Beispiel aus den 10 Geboten hergeleitet; im Christentum ebenfalls, wobei Jesu Auslegung dieser Gebote in der Bergpredigt maßgebend ist.
Das Projekt wird inzwischen von der Stiftung Weltethos vorangetrieben. Gegründet wurde die Stiftung von Graf K.K. von der Gröben, der 1995 durch das Buch Projekt Weltethos auf das Thema aufmerksam wurde. Er stellt eine namhafte Summe zur Verfügung. Aus den Zinsen kann die weitere Arbeit langfristig finanziert werden. Präsident der Stiftung ist Hans Küng.
Aufgaben der Stiftung:
Die Ziele des Weltethos sind die Umsetzung der Menschenrechte, Freiheit der Menschen vor Unterdrückung, Freiheit als solche, Beseitigung des Welthungers, Umsetzung einer gerechten Wirtschaftsordnung, Solidarität zwischen den Menschen, Nachhaltigkeit zum Schutze des Ökosystems und Friedens auf der Erde. Dies soll durch ein allgemeines Bewusstsein für Ethik ermöglicht werden, insbesondere durch die Bioethik und die Wirtschaftsethik.
Neben großem Zuspruch zur Zielsetzung des Projekts Weltethos, mit gutem Willen an der konkreten Verbesserung der Lebenssituation der Menschen zu arbeiten, erntete Küng auch Kritik unterschiedlichster Art.
Es wird bemängelt, das Projekt Weltethos entstamme (wie auch die Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen) westlich-christlichem Denken und sei daher nur der Ausdruck fortgesetzter Dominanz der abendländischen Kultur gegenüber anderen Kulturkreisen.
Des Weiteren wird die zentrale Rolle des Humanum in der Erklärung zum Weltethos kritisiert, das in vielen Religionen gar nicht entscheidend sei; so sei beispielsweise das Christentum eine Religion der Nachfolge Jesu in den Tod, der Islam das System einer nicht-anthropozentrischen Theonomie schlechthin und der Hinduismus das leuchtende Beispiel einer Religion, in der es a priori keine Gleichrangigkeit unter den Menschen gibt.
Andere kritische Stimmen befürchten, dass durch die Stärkung eines weltweiten Ethos die einzelnen Religionen an Rückhalt verlören und somit auch „echtes“, gewachsenes und kulturspezifisches geistiges Gut dem Untergang preisgegeben sei. Schließlich kann man am Projekt Weltethos mit einiger Berechtigung die Unterrepräsentanz indigener Völker und deren Weltsicht diagnostizieren: So finden etwa Landrechte, die für schriftlose Ethnien verschiedener Kontinente einen unverzichtbaren Bestandteil ihres Weltbildes und ihrer Würde als Menschen darstellen, in der Erklärung zum Weltethos keinen Widerhall.