Die Wendeltreppe ist eine platzsparende Treppe, bei der die Wegführung einer Schraubenlinie gleicht. Durch diese Bauart bleibt die bebaute Grundfläche unabhängig von der Höhe der Treppe. Deshalb eignen sich Wendeltreppen insbesondere für den Einbau in Türmen.
Von der Wendeltreppe ist die Spindeltreppe zu unterscheiden. Diese hat eine durchgehende Säule in der Mitte; bei einer Wendeltreppe ist die "Säule" wie ein Korkenzieher spiralförmig gedreht.
Die Wendeltreppe windet sich schraubenförmig um einen zentralen Stützpfeiler oder um ein zentrales Treppenauge. Im Mittelalter wurden oft solche Treppen bis hoch in die einzelnen Türme der Schlösser gebaut.
In Augsburg gibt es im alten Wasserturm am roten Tor eine Sonderform der Wendeltreppe. Diese gegenläufige Wendeltreppe wurde vom damaligen Stadtbaumeister Caspar Walter (Amtszeit: 1701–1769) erbaut.
In der Burg von Graz gibt es eine - „Versöhnungsstiege“ genannte - Doppelwendeltreppe: Getrennte Treppenläufe führen wieder zusammen.
Alte Wendeltreppen in engen Türmen sind immer rechtsdrehend (von unten kommend). In der Technik entspricht das einem Links-Gewinde.
Es spielte eine große Rolle, ob die Treppe links- oder rechtsherum gewunden war. Ein Ritter konnte sich bei der Flucht nach oben besser mit dem Schwert in der rechten Hand in einer rechts windenden Treppe verteidigen. Die Angreifer – mit dem Schwert in der rechten Hand – wurden dabei durch den Stützpfeiler in der Mitte behindert. Zusätzlich hatte der Verteidiger noch einen taktischen Höhenvorteil. Er konnte also von oben mit dem Schwert in der rechten Hand gegen den Angreifer kämpfen, der mit der linken Hand nur seinen Schild bequem benutzen konnte.
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Wendeltreppe im Jagdschloss Granitz auf Rügen |
Wendeltreppe in Rembrandts Gemälde Der Philosoph, 1633 (linksdrehend) |