Werner Sombart (* 19. Januar 1863 in Ermsleben; † 18. Mai 1941 in Berlin) war ein deutscher Soziologe und Volkswirt. Einige Historiker betrachten Sombart als sozialkonservativen Wegbereiter des Nationalsozialismus.[1][2][3]
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Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er von 1882 bis 1885 an der Universitäten in Pisa, Berlin und Rom Rechtswissenschaft, hörte zusätzlich staats- und wirtschaftswissenschaftliche, geschichtliche und philosophische Vorlesungen. Sozialistische Impulse bezog er von Gustav Schmoller und Adolph Wagner. 1888 promovierte er bei Schmoller in Berlin mit einer Arbeit über die Wirtschaft der römischen Campagna (Die römische Campagna). 1888 wurde er Syndikus der Bremer Handelskammer, 1890 Professor für Staatswissenschaft. Berufungen nach Freiburg, Heidelberg und Karlsruhe scheiterten am Einspruch des badischen Großherzogs Friedrich II., der ihn als radikalen Linken ablehnte.
Sombart wurde 1890 Professor in Breslau, lehrte dort bis 1906 Staatswissenschaften. Er spezialisierte sich auf europäische Wirtschaftsgeschichte. 1906 folgte er einem Ruf an die Handelshochschule Berlin. Ab 1918 lehrte er an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. 1931 wurde er dort emeritiert, lehrte jedoch bis 1938 weiter.
Sombart war der letzte Vorsitzende der von ihm 1909 mitgegründeten Deutschen Gesellschaft für Soziologie und des Vereins für Socialpolitik bis zu deren jeweiliger Auflösung 1933 und 1936.
In zweiter Ehe war Sombart mit der 30 Jahre jüngeren Tochter eines rumänischen Universitätsprofessors verheiratet. Aus dieser Ehe stammt - nach vier Töchtern aus erster Ehe - sein Sohn Nicolaus Sombart.
Sombarts Werk Sozialismus und soziale Bewegung im 19. Jahrhundert von 1896 verstärkt durch seine positive Marx-Rezeption seinen Ruf als Sozialist. In seinem Hauptwerk Der moderne Kapitalismus (1902) begründete er die Einteilung in die Entwicklungsphasen Früh-, Hoch- und Spätkapitalismus. Ebenso wie seinem Zeitgenossen Max Weber ging es Sombart um ein spezifisch soziologische und historische Fundierung der Entwicklungsgeschichte des kapitalistischen Systems.
Sombarts Soziologie behauptete unter anderem eine Entsprechung von Geist und Gesellschaft (Soziologie), was bedeutet, dass Geistes- und Gesellschaftswissenschaften als Einheit gesehen werden müssen. Bemerkenswert sind seine Beiträge zur Bedeutung des Luxus. Nachdem Sombart den Thesen von Karl Marx zunächst positiv gegenüber gestanden hatte, bezog er in späteren Jahren als pessimistischer Kulturphilosoph einen national-konservativen Standpunkt.
Im Buch Die Juden und das Wirtschaftsleben knüpfte Sombart einen Zusammenhang, der die Juden als kapitalistische Hauptakteure wie geschaffen erschienen ließ.[4] Als Wandervolk hätten sie nie eine Bindung zum Boden, dafür aber umso intensiver zum abstrakten Wert des Geldes entwickelt, primär zweckrationale Beziehungen ausgebildet und sich damit eine Befähigung zum Kapitalismus angeeignet, wie sie niemals ein sesshaftes Volk hätte entwickeln können.[4] Ferner stellte Sombart die Geschäftsmethode des „Kundenfangs“ als unchristlich und damit „jüdisch“ dar.[4] Für den Wissenschaftler Friedemann Schmoll schlug Sombart hierdurch eine Brücke zu einem offenen antisemitischen Antikapitalismus. [4]
In Der Bourgeois, Luxus und Kapitalismus sowie Krieg und Kapitalismus beschäftigte er sich weiter den Ursachen des Aufstiegs des Kapitalismus.
In Der proletarische Sozialismus, einer Neuauflage von Sozialismus und soziale Bewegung deutet sich seine Wandlung zum Anhänger der Konservativen Revolution an. Sombarts Versuche, im nationalsozialistischen Regime politischen Einfluß und Wirkung zu gewinnen, scheiterten unter Angriffen auf seine Person, aufgrund jüdischer Herkunft. Dies entfremdte Sombart zusätzlich vom Nationalsozialismus. Das Buch Deutscher Sozialismus wurde, obwohl er sich im Vorwort zur „Hitlerregierung“ bekennt[3] und „vom Standpunkt einer nationalsozialistischen Gesinnung“ argumentiert[3], als nicht mit der nationalsozialistischen Weltanschauung vereinbar abgelehnt. Studenten wurde vom Besuch seiner Vorlesungen abgeraten. In seinem 1938 geschriebenen Werk Vom Menschen distanziert er sich eindeutig von nationalsozialistischen Rassentheorien.