Die Wertigkeit (auch Valenz) eines Atoms eines chemischen Elements gibt an, wie viele Atome es im Falle einer chemischen Bindung an sich binden kann, bzw. wie viele Einfachbindungen es mit anderen Atomen eingehen müsste, um den Oktettzustand zu erreichen. Sie dient somit der Berechnung von chemischen Formeln (Summenformeln) einfacher chemischer Verbindungen. Bei komplexeren chemischen Verbindungen muss beachtet werden, dass das betreffende Atom nicht mit allen im Molekül der chemischen Verbindung vorhandenen Atomen eine Bindung eingehen muss, um ein Teil der Verbindung zu sein. Dies hat zur Folge, dass z. B. ein dreiwertiges Atom auch mit neun anderen Atomen ein Molekül bilden kann, wobei es sich mit maximal drei der neun Atome über eine chemische Bindung verbindet. Die Wertigkeit wird in der Regel mit einer römischen Zahl notiert.
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1852 stellte der englische Chemiker Sir Edward Frankland fest, dass jedes Atom eine bestimmte Bindefähigkeit gegenüber anderen Atomen hat. Aus dieser Feststellung entstand der Begriff der Wertigkeit.
In der modernen Chemie spielt der Begriff der Wertigkeit nur noch eine untergeordnete Rolle und wird heute häufig als Synonym zur Oxidationszahl verwendet, wobei beide Zahlen aber nur in ionischen Verbindungen gleich sind. Im modernen Atombild entstehen Bindungen durch Orbital-Wechselwirkungen, so dass die Anzahl und Art der für chemische Bindungen zur Verfügung stehenden Orbitale die "Bindefähigkeit" bestimmt. So kennt man beispielsweise für Sauerstoff, der nach alter Definition eine Wertigkeit von II besitzt, auch kovalent aufgebaute Verbindungen mit einer, zwei, drei oder sogar vier Bindungen. Darüberhinaus können sogenannte Mehrzentrenbindungen auftreten und der Übergang von kovalenten zu ionischen Wechselwirkungen ist häufig fließend, so dass auch höhere Koordinationszahlen auftreten, als es der Zahl der Valenzorbitale des betrachteten Atoms entspricht.
Die Wertigkeit eines chemischen Elements aus einer der Hauptgruppen des Periodensystems gegenüber Sauerstoff entspricht immer der Hauptgruppennummer des chemischen Elements. Die Elemente der VIII. Hauptgruppe sind dabei nicht mit einbegriffen, da diese Edelgase in der Regel keine chemischen Bindungen eingehen.
Jedes Hauptgruppenelement der Gruppe I bis VII hat zwei Wertigkeiten.
Hierbei ist die jeweils kleinere Wertigkeit die häufigere. Die Elemente der VIII-ten Hauptgruppe sind dabei nicht mit einbegriffen, da diese Edelgase sind und in der Regel keine chemischen Verbindungen eingehen.
Nebengruppen haben in der Regel die Wertigkeit 2 oder 3, können aber auch andere Wertigkeiten haben. Um die Wertigkeit des jeweiligen Nebengruppenelementes anzugeben, gibt es zwei Möglichkeiten.
Zum Beispiel:
Das griechische Zahlwort gibt den Index des im Namen nachstehenden Elements an.
Zum Beispiel:
Das deutsche Zahlwort gibt die Wertigkeit des im Namen voranstehenden Elements an.
Zur Berechnung von chemischen Verbindungen aus Atomen zweier chemischer Elemente muss das kleinste gemeinsame Vielfache (kurz: KGV) der Wertigkeiten der beiden beteiligten chemischen Elemente gebildet werden. Um nun die Anzahl der in der Verbindung vorhandenen Atome des jeweiligen Elements zu ermitteln, muss das KGV durch die Wertigkeit dividiert werden.
Beispiel: Die Ermittlung der chemischen Formel von Wasser:
I (bzw. 1) da Wasserstoff immer einwertig ist
II (bzw. 2) da Sauerstoff immer zweiwertig ist
2 * 1 = 2


H2O1
und da die Zahl Eins im Index von ‚O’ nicht mit notiert wird:
H2O
Beispiel: Die Ermittlung der chemischen Formel von Aluminiumoxid:
III (bzw. 3) da Aluminium in der III. Hauptgruppe steht
II (bzw. 2) da Sauerstoff immer zweiwertig ist
3 * 2 = 6


Al2O3
Beispiel: Die Ermittlung der chemischen Formel von Ammoniak:
VIII – V = III (bzw. 8 – 5 = 3) da Stickstoff in der V. Hauptgruppe steht
I (bzw. 1) da Wasserstoff immer einwertig ist
3 * 1 = 3


N1H3
und da die Eins im Index von Stickstoff nicht notiert wird:
NH3
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