Die Wiener Postmoderne ist eine spezifische Rezeption der Postmoderne innerhalb des deutschsprachigen Raums; sie rekurriert auf Motive der Auflösung der Moderne in der Zuspitzung derselben, also etwa die Vorgriffe auf die Dekonstruktion des Subjekts durch S. Freud. Ferner verdankt sich diese Rezeption dem Umstand einer verzögerten Postmoderne- und Derridarezeption in Deutschland, wo Habermas Derrida und die Postmodernen zunächst des Neokonservativismus geziehen hatte.
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Das Präfix „Post“ wird oft so ausgelegt, als handle es sich darum, die Moderne hinter sich zu lassen und damit die Vernunft und rationale Argumentation als nicht zeitgemäß zu entwerten und sich einem lustvollen Irrationalismus zu überantworten (z.B. Welsch in: „Unsere postmoderne Moderne“). Die Postmoderne ist keine Ankündigung einer neuen Epoche, beispielsweise jenseits von Vernunft und Aufklärung - insofern ist sie (und erst recht der Begriff einer Zweiten Moderne) ein so geläufiger wie schwierig einzugrenzender Begriff.
Erst in der Epoche der Moderne ging man daran, einheitliche geschichtliche Räume (Epochen) mit einer klaren linearen Abfolge zu denken. Die Postmodernen hingegen stellen diese Idee von Histoire, von großer Erzählung („große Erzählung“ ist ein Terminus von J.-F. Lyotard, Das postmoderne Wissen) in Frage.
Die Postmoderne ist ein Versuch, Kritik an Moderne und ihrer Vernunft zu üben - Michel Foucault etwa verwies auf den allenfalls spätmodernen Adorno als einen Vorläufer. Der Vernunft der Moderne wurde unterstellt, beim Erzeugen von Technokratien und insbesondere dem Nationalsozialismus mit seinen Konzentrationslagern Schuld auf sich geladen zu haben.
Postmoderne wäre kritisch gebrochene - so vollendete - Moderne, „Postmoderne ist die Moderne, ... , die sich selbst aus der Distanz betrachtet statt von innen, die ein vollständiges Inventar von Verlust und Gewinn erstellt, die sich selbst psychoanalysiert, die Absichten entdeckt, die sie niemals zuvor gründlich analysiert hat, und findet, daß sie sich gegenseitig ausschließen und widersinnig sind. Postmoderne ist die Moderne, die sich mit ihrer eigenen Unmöglichkeit abfindet; eine sich selbst kontrollierende Moderne, eine die bewusst aufgibt, was sie einstmals unbewusst getan hat.“ (Bauman, Moderne und Ambivalenz. Das Ende der Eindeutigkeit, S. 333)
Die Architektur in Wien ist sehr vielfältig; die spezifische Wiener Postmoderne hält seit gut zehn Jahren Einzug darin, auch in Form großer, weithin sichtbarer Gebäude. Die postmodernen Dekonstruktivisten Coop Himmelb(l)au haben der Stadt ihre Signatur eingeschrieben, ihre „textuelle Architektur“ hinterlassen. Eine Wortfügung Derridas muss hier zur Anwendung kommen, - die Pfropfung. Diese architektonische Pfropfung zeigt besonders die Gasometer-Architektur von Coop Himmelb(l)au. Die Gasometer von Wien sind weltweit einzigartig und am Ende des 19. Jahrhunderts errichtet worden als Architektur für die Behälter der städtischen Gasversorgung. Diese Architektur des 19. Jahrhunderts spielt an auf große Räume und Fassaden vergangener sakraler Bauten, ist aber ein Industriebau der Moderne. Nach dieser Nutzungsphase kam die Zeit für eine ernsthafte Dekonstruktion der Ideologie und der Geometrie der Gebäude. Coop Himmelb(l)au (daneben Jean Nouvel, Manfred Wehdorn und Wilhelm Holzbauer) dekonstruierten die Geometrie eines Gasometer und kippten diese entlang verschiedener der Analyse entwachsener Gebäudekomplexachsen nach außen, wodurch die zusätzliche Form eines neuen Gebäudes, des sogenannten Schildes, entstanden war. Über das Glücken dieser Pfropfung ist die Diskussion noch im Gange. Ebenfalls intensiv diskutiert wurde Hans Holleins Haas-Haus, das dem Wr. Stephansdom gegenüber gelegen ein postmoderner Entwurf ist: Konsumtempel mit symbolisch abgebrochener Brückenkonstruktion und leerem Zentrum (vg. hierzu die Kritiken von Friedrich Achleitner und Konrad P. Liessmann.
Die Wiener Postmoderne ist genau wie die Wiener Moderne eine international gesehen relativ spät wahrgenommene Entwicklung, wiewohl etwa Friedrich Achleitner schreibt, die Moderne sei in Wien zwar nicht gezeugt, wohl aber geboren worden. Das Wahrnehmen der Moderne und dann Spät- und Postmoderne verlief auch in Wien selbst verspätet, Oswald Wiener - Schriftsteller, Theoretiker der Kybernetik und auch als Herausgeber Baudrillards der Postmoderne verbunden - kam hier spät, nach einem Exil u.a. in Berlin, zur Geltung, desgleichen Günter Brus (vormals Wiener Aktionist, heute textuelle Malerei) u.a. Besonders hervorzuheben sind hier auch die AutorInnen Elfriede Jelinek, Marianne Fritz, Franzobel, Josef Schweikhardt, Vintila Ivanceanu und Gerhard Rühm, wobei die Spannweite der Produktion schon auf das genuin Heterogene der Postmoderne auch der Wiener Prägung weist.
Ein weiteres signifikantes Teilstück der Wiener Postmoderne ist die Tatsache, dass einer der wenigen Verlage im deutschsprachigen Raum mit dezidiertem Programm zu Postmoderne und Dekonstruktivismus seinen Sitz in Wien (seit 1985) hat, der Passagen Verlag (verwiesen sei aber auch auf den Berliner Merve-Verlag).
Das Museum für angewandte Kunst (MAK) hat ebenfalls seinen besonderen Ruf durch Ausstellungen vor allem zur Postmoderne erhalten. Peter Eisenman hat für die Stadt Sigmund Freuds für genau dieses Museum (MAK) eine Ausstellung zu seinem Lebenswerk konzipiert, die auch als Ausstellung dekonstruktiv arbeitet und keine der üblichen Architekturausstellungen ist (Pläne und Modelle).
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