Als Windischen-Theorie bezeichnet man eine in den 1920er Jahren entstandene, maßgeblich vom Historiker Martin Wutte 1927 formulierte, pseudo-wissenschaftliche und sozialdarwinistische These, die in Südösterreich und vor allem in Kärnten Verbreitung fand.
Danach wurden die Kärntner Slowenen in zwei verschiedene Ethnien aufgespalten:
Zudem wurde behauptet, die „Windischen“ hätten gar nichts mit den Slowenen zu tun, sondern seien Abkömmlingen der (norddeutschen!) Wenden. Auch ihre Sprache sei vom Slowenischen verschieden.
All diese Behauptungen sind nachweisbar falsch; siehe auch: Windische Sprache.
Die Theorie entstand - ganz dem Zeitgeist entsprechend - einzig zur Rechtfertigung der alten deutschen Sprachdominanz und mit dem Zweck, nach dem lateinischem Motto divide et impera („teile und herrsche“)
Nachwirkungen dieser Theorie fanden sich sogar in österreichischen Schulbüchern noch bis in die 1960er Jahre, als bei der Darstellung der sprachlichen Minderheiten in Kärnten zwischen "slowenisch", "windisch", zweisprachig "windisch-deutsch", "deutsch-windisch", "windisch-slowenisch" und "slowenisch-windisch" unterschieden wurde (vgl. "Neuer Schulatlas für Hauptschulen und Unterstufen der Höheren Schulen; Beilage Wirtschaftskunde" (Verlag Freytag-Berndt, Wien-Innsbruck 1969/1970, Seite 1/2). In deutschnationalen Kreisen in Österreich findet die Windischen-Theorie bis heute Anklang.
Dennoch darf aber auch nicht übersehen werden, dass es durchaus auch Bevölkerungsteile in Kärnten gibt, die sich selbst als "Windische" deklarieren und so von den "Slowenen" abgrenzen. So weist das Ergebnis der Volkszählung 2001 für Kärnten zwar 14.010 Einwohner mit slowenischer Umgangssprache auf, aber immerhin auch 556 Personen, die ihre Umgangssprache als Windisch angaben (Volkszählung 2001, Hauptergebnisse I - Kärnten, Tabelle 14).