Bei Wirbelschleppen (engl. wake turbulence), auch Wirbelzöpfe genannt, handelt es sich um zopfartige, gegenläufig drehende Luftverwirbelungen hinter fliegenden Flugzeugen. Ihre Intensität ist vom Gewicht des Flugzeuges abhängig. Die Lebensdauer wird von Wind und Atmosphäre beeinflusst. Der Begriff „Wirbelschleppen“ bezieht sich dabei sowohl auf die an sich unsichtbaren Luftverwirbelungen, als auch auf die im Zuge von Kondensationsprozessen sichtbar werdenden Wolkenspuren in ihrem Zentrum (engl. wing tip trails).
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Wirbelschleppen sind eine Begleiterscheinung des Auftriebs. Daher treten sie bei einem startenden Flugzeug erstmals am Rotationspunkt auf, wenn das Bugrad abhebt. Ihre Intensität ist wesentlich von der Masse (Gewicht) des Flugzeugs und dessen Anstellwinkel beeinflusst. Wirbelschleppen bilden sich nach dem Aufsetzpunkt, wenn das landende Flugzeug auf der Landebahn aufgesetzt hat, nicht neu. Man kann zwei Entstehungsursachen für Wirbelschleppen unterscheiden, wobei die erste dominierend ist:
Durch Einteilung der Flugzeuge in Gewichtsklassen werden die benötigten Abstände (engl. wake turbulence separation minima) definiert, um die Gefahren der Wirbelschleppen zu vermeiden. Die Daten in der abgebildeten Tabelle entsprechen den Angaben im Lufthansa Flight Training Manual.
| vorausgeh. Flugzeug | folgendes Flugzeug | Abstand - Radar | Abstand - Zeit | Beispiel | |
|---|---|---|---|---|---|
| L | Light (MTOW bis 7 t) | light | 3 NM | N/A | Dornier Do 28 <- Dornier Do 28 |
| medium | 3 NM | N/A | Cessna 182 <- Boeing 737 | ||
| heavy | 3 NM | N/A | Dornier Do 28 <- Boeing 747 | ||
| M | Medium (MTOW 7 t bis 136 t) | light | 5 NM | 3 min | Boeing 737 <- Cessna 172 |
| medium | 3 NM | N/A | Boeing 737 <- Airbus A320 | ||
| heavy | 3 NM | N/A | Airbus A320 <- Boeing 747 | ||
| H | Heavy (MTOW >136 t) | light | 6 NM | 3 min | Boeing 747 <- Cessna 182 |
| medium | 5 NM | 2 min | Boeing 747 <- Boeing 737 | ||
| heavy | 4 NM | N/A | Boeing 747 <- Boeing 747 | ||
Die Boeing 757 wird auf Grund von verstärkt auftretenden Wirbelschleppen nach Beinaheunfällen trotz ihres Gewichtes von weniger als 136 Tonnen beinahe immer in die Kategorie Heavy einsortiert. In den USA besteht eigens für die 757 eine weitere Klasse, die sog. Klasse MH (Medium-Heavy), in Europa gibt es diese besondere Klasse nicht.
Um die Kapazitätsvorteile bei der Landebahnnutzung (Passagiere/Zeit) teilweise erhalten zu können, schlägt Airbus für den A380 eine "Unterschreitung" der Mindestabstände zum vorausfliegenden Flugzeug vor [1].
Trotz gleichem oder höherem Gewicht als die A380 wurden C-5 Galaxy und An-124 bisher wie eine B747 behandelt.
Der Tower-Controller gibt üblicherweise bei Gefahr von Turbulenzen und Wirbelschleppen eine Warnung aus. Dennoch steht letztendlich der Pilot in der Verantwortung sicher zu landen und einen Unfall zu vermeiden. Aus diesem Grunde haben sich unter anderen folgende Verfahren als sinnvoll erwiesen:
Airbus musste für den Airbus A380 wegen des großen Gewichts und der dadurch sehr intensiven Wirbel neue Technologien entwickeln, welche die Wirbelschleppen bei diesem großen Flugzeug in Grenzen halten.
Die Forschung zu diesem Thema lässt sich in drei Bereiche aufteilen:
1. Wirbelerkennung u. -vorhersage
Die Entwicklung von Methoden zur Abschätzung des Wirbelverhaltens, z.B. in Abhängigkeit meteorologischer Kennwerte lassen eine theoretische Wirbelvorhersage z.B. in Computermodellen zu. Die physikalischen Prozesse des Transports und Zerfalls der Wirbel in der Atmosphäre sind verstanden. Wirbelschleppen und ihre meteorologischen Parameter können mittels eines gepulsten LIDARs vorhergesagt und beobachtet werden.
2. Wirbelvermeidung
Durch Entwicklung von Flugzeugen mit günstiger Wirbelcharakteristik wird versucht, die Wirbelstärke zu verringern. Es ist außerdem nachgewiesen, dass Flugzeugwirbelschleppen durch die Erzeugung von Mehr-Wirbel-Systemen abgeschwächt werden können.
Um direkt am Flugzeug konstruktiv die Wirbelschleppenbildung zu vermindern, gibt es folgende Überlegungen:
3. Wirbelverträglichkeit
Der dritte Teil der Forschung bezieht sich auf die Entwicklung von Methoden zur Erhöhung der Sicherheit bei Einflug in eine Wirbelschleppe, damit es z.B. bei Einflug in solche Wirbel nicht zu Klappenabrissen kommt, was, wie oben erwähnt, schon vorgekommen ist.
Am 12.11.2001 gegen 9:15 Uhr Ortszeit, nur zwei Monate nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York City, stürzte kurz nach dem Start vom dortigen JFK-Flughafen ein Airbus A300 auf dem Flug 587 nach Santo Domingo der American Airlines (Details über Unfallhergang und Anzahl der Toten siehe dort) in der Nähe von Rockaway Beach, Queens, NY, aufgrund von Wirbelschleppen einer vorher abgeflogenen Boeing 747 in dicht besiedeltes Gebiet.
| Commons: Wirbelschleppe – Bilder, Videos und Audiodateien |