Wohlfahrtsstaat

Wohlfahrtsstaat bezeichnet einen umfassend fürsorgenden Staat, der weit reichende Maßnahmen zur Steigerung des Wohlergehens seiner Bürger ergreift. Wohlfahrtsstaat steht aber auch für einen bevormundenden Staat, der die Freiheit der Bürger einer staatlich definierten Wohlfahrt unterordnet. In der Wirtschaftswissenschaft wird mit Wohlfahrtsstaat eine Wirtschaftsordnung bezeichnet, die zur Verfolgung sozialpolitischer Ziele umfassend in die Marktprozesse eingreift.[1]

In der Sozialwissenschaft wird der Begriff Wohlfahrtsstaat auch synonym zu Sozialstaat benutzt. Häufig wird er aber auch zum Begriff Sozialstaat abgegrenzt, um zu artikulieren, dass die staatliche Umverteilung als übertrieben empfunden wird. Verbunden ist mit dieser Kennzeichnung meist der Vorwurf zu hoher Kosten bei gleichzeitiger Verfehlung der politischen Ziele.

Im Mittelpunkt der sozialstaatlichen Gesetzgebung steht die Absicherung für den Fall von Krankheit, Invalidität und Arbeitslosigkeit sowie im Alter. Darüber hinaus ist der Wohlfahrtsstaat bestrebt, durch umfassende Maßnahmen z. B. in den Bereichen Bildung, Verkehrswesen, Wohnungsbau, Arbeitsrecht und Sozialrecht für das Wohlergehen der Allgemeinheit zu sorgen.

In der vergleichenden Wohlfahrtsstaatanalyse wurden unterschiedliche Typologisierungen entwickelt. Esping-Andersen unterscheidet, u. a. nach dem Dekommodifizierungsfaktor, drei Typen des Wohlfahrtstaates: liberale Regime (z. B. USA, Kanada, Schweiz, Japan), konservative Regime (z. B. Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich), und sozialdemokratische Regime (z. B. Schweden, Dänemark, Norwegen, Finnland). Die Kategorisierung orientiert sich dabei an der Logik des Verhältnisses zwischen Staat und Markt in der Bereitstellung sozialer Leistungen, an Modus und Qualität der Leistungen und an der Wirkung von Sozialpolitik auf soziale Schichtung und gesellschaftliche Machtverteilung.

Eine weitere Analyseebene fügt die feministische Theorie hinzu. Sie richtet ihren Blick darauf, inwieweit Wohlfahrtstaatsregime Geschlechterarrangements reproduzieren, verschärfen oder verringern und welcher Art diese Arrangements sind. Als ein Kriterium wurde hier z. B. die Nähe bzw. Ferne zum männlichen Ernährermodell vorgeschlagen („male breadwinner model“).

Literatur

Siehe auch

Quellen

  1. http://lexikon.meyers.de/meyers/Wohlfahrtsstaat
Quelle:
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