In der Mathematik versteht man unter Wurzelziehen oder Radizieren die Bestimmung der Unbekannten x in der Potenz

wobei zunächst a eine nichtnegative reelle Zahl und n eine natürliche Zahl sein soll. Das Ergebnis des Wurzelziehens bezeichnet man als Wurzel oder Radix (v. lat. Radix „Wurzel“). Das Radizieren ist (neben dem Logarithmieren) eine Umkehrung des Potenzierens.
Der Operator
stammt von dem kleinen Buchstaben r ab und steht für radizieren. Er wurde erstmalig 1525 vom deutschen Mathematiker Thomas Rudolff verwendet. Die Verlängerung des r über den vollständigen Term wurde erst später eingeführt.
Man schreibt die nichtnegative Lösung der Gleichung
in der Form
![x = \sqrt[n\,]{a}](/wikipedia.images/J/0876fe91578ac0d09c102c6f8a07f315.png)
und liest: x ist die n-te Wurzel aus a. Man nennt
Wurzel oder Radix,
Wurzelexponent,
Radikand.Üblicherweise wird die zweite Wurzel als Quadratwurzel oder einfach nur als die Wurzel bezeichnet und der Wurzelexponent weggelassen. Die einfachen Quadratwurzeln, deren Radix natürliche, positive Zahlen von 1-20 sind (kleines und großes Einmaleins) werden manchmal als höheres Allgemeinwissen betrachtet und in sogenannten Eignungstests für Personalauswahlverfahren unter Stress kurz abgefragt (z.B.: Was ist die Wurzel aus 121?)
| Radikand | Radix Quadratwurzel | Radikand | Radix Quadratwurzel |
| 4 | 2 | 121 | 11 |
| 9 | 3 | 144 | 12 |
| 16 | 4 | 169 | 13 |
| 25 | 5 | 196 | 14 |
| 36 | 6 | 225 | 15 |
| 49 | 7 | 256 | 16 |
| 64 | 8 | 289 | 17 |
| 81 | 9 | 324 | 18 |
| 100 | 10 | 361 | 19 |
Für weitere Informationen hierzu siehe den ausführlichen Artikel Quadratwurzel.
Des weiteren bezeichnet man Wurzeln mit dem Wurzelexponenten 3 (dritte Wurzeln) speziell als Kubikwurzeln.
Beispiel:
(sprich: „Dritte Wurzel aus 8“)Obwohl die eingangs genannte Fragestellung bei geradzahligen Wurzelexponenten und positiven Radikanden zwei Lösungen mit unterschiedlichen Vorzeichen besitzt, steht die Schreibweise mit dem Wurzelzeichen
grundsätzlich für die positive Lösung. Beispielsweise hat die Gleichung x2 = 4 die beiden Lösungen 2 und −2. Der Term
hat jedoch den Wert 2 und nicht den Wert −2. Allgemein gilt daher für geradzahlige Wurzelexponenten
![\sqrt[2n]{x^{2n}} = |x|\,.](/wikipedia.images/J/a326bb14da76bfbf6fe629a6c5c91198.png)
Die Behandlung von Wurzeln aus negativen Zahlen ist nicht einheitlich. Es gilt beispielsweise

und − 2 ist die einzige reelle Zahl, deren dritte Potenz − 8 ist. Allgemein ergeben sich für ungerade Potenzen negativer Zahlen wieder negative Zahlen.
Bezüglich der ungeraden Wurzeln aus negativen Zahlen werden folgende Positionen vertreten:
also undefiniert. Die Lösung der Gleichung x3 = − 8 wird geschrieben als
.
.![-2=\sqrt[3]{-8}\ne\sqrt[6]{(-8)^2}=\sqrt[6]{64}=+2.](/wikipedia.images/J/a948200eec48978bb74576dd018089b6.png)
Wurzeln zu geraden Exponenten aus negativen Zahlen können keine reellen Zahlen sein, weil gerade Potenzen reeller Zahlen nie negativ sind. Der Bedarf für Wurzeln aus negativen Zahlen führte zur Einführung der komplexen Zahlen; allerdings gibt es auch im Bereich der komplexen Zahlen Wurzeln aus negativen Zahlen nur mit gewissen Einschränkungen, siehe unten.
Das Radizieren mit dem Wurzelexponenten n und das Potenzieren mit dem Exponenten n heben sich gegenseitig auf, es gilt gemäß obenstehender Definition der Wurzel:
![(\sqrt[n]{a})^n = a \quad \forall\ a \geq 0, n \geq 1\,.](/wikipedia.images/J/5df584a30c0c406c4a025c47ad7b0840.png)
Das Radizieren mit dem Wurzelexponenten n wirkt also wie das Potenzieren mit dem Exponenten 1/n. Nach den Rechenregeln für Potenzen gilt nämlich:

Daher kann das Radizieren mit dem Wurzelexponenten n auch als Potenzieren mit dem Exponenten 1/n interpretiert werden:
![\sqrt[n]{a} = a^{\frac{1}{n}}](/wikipedia.images/J/ec88827417db352f94755f7f655c012e.png)
Die Rechenregeln für Wurzeln ergeben sich aus jenen für Potenzen.
Für positive Zahlen a und b gelten die folgenden Rechengesetze:
![\sqrt[n]{a}\cdot\sqrt[n]{b}=\sqrt[n]{a\cdot b}](/wikipedia.images/J/73d577cd0a118df1dda404e72e4a922d.png)
![\sqrt[m]{\sqrt[n]{a}}=\sqrt[m\cdot n]{a}](/wikipedia.images/J/0a8209eed9a856af2b508dedfad9ffee.png)
![\frac{\sqrt[n]{a}}{\sqrt[n]{b}}=\sqrt[n]{\frac{a}{b}}](/wikipedia.images/J/81a910073a5639512945a6d1e8e0d102.png)
![\left(\sqrt[n]{a} \right)^m=\sqrt[n]{a^m}](/wikipedia.images/J/a852c0aa9734b397b1bd4b3a122b7f11.png)
![a^{\frac{m}{n}}=\sqrt[n]{a^m}](/wikipedia.images/J/43edac46411a2ae56ea7d55ac06fa113.png)
![a^{-\frac{m}{n}}=\frac{1}{\sqrt[n]{a^m}}](/wikipedia.images/J/218245090feab2ff8a5d8ecf674fd7e1.png)
Bei negativen Zahlen können diese Rechengesetze nur angewendet werden, wenn m und n ebenfalls ungerade Zahlen sind. Bei anderen komplexen Zahlen sind sie gänzlich zu vermeiden.
Funktionen der Form
oder allgemeiner ![x\mapsto\sqrt[n]{x^m}](/wikipedia.images/J/04f14d2a38265816791fa82c784a3879.png)
heißen Wurzelfunktionen. Sie sind Potenzfunktionen, es gilt
.
Wurzeln können durch schriftliches Wurzelziehen bestimmt werden; dieses Verfahren ist jedoch von geringer praktischer Bedeutung.
Höhere Wurzeln aus positiven Zahlen x kann man wie jede Potenz durch Exponentialfunktion und Logarithmus ausdrücken:
![\sqrt[n]{x} = x^{1/n} = \exp\left(\frac{\ln(x)}{n}\right)](/wikipedia.images/J/b19b85199a4fa580acec9c4e1717b4ed.png)
Um einen Näherungswert für eine Wurzel zu erhalten, kann man mehrere Verfahren anwenden. Dazu gehören unter anderem das Intervallhalbierungsverfahren.
Ein weiteres Näherungsverfahren zur Berechnung von
ergibt sich, indem man mit dem Newtonverfahren eine Nullstelle der Funktion
annähert:
Für n = 2 erhält man gerade das Heronverfahren.
Beispiel für eine Näherung für
nach dem obigen Iterationsverfahren:
Die Iterationsvorschrift lautet mit x = 2 und n = 3
.Mit dem Startwert y = 2 erhält man:
| Startwert: | 2,000000000000 |
| Schritt 1: | 1,500000000000 |
| Schritt 2: | 1,296296296296 |
| Schritt 3: | 1,260932224741 |
| Schritt 4: | 1,259921860565 |
| Schritt 5: | 1,259921049895 |
| Schritt 6: | 1,259921049894 |
Man kann, wie das Rechenkünstler machen, eine Wurzel auch durch Abschätzung und Anwendung elementarer Zahlentheorie berechnen, sofern bekannt ist, dass die Wurzel eine natürliche Zahl ist. Das lässt sich besonders gut am Beispiel der dritten Wurzel zeigen. Dazu muss man zwei Dinge wissen, nämlich die Größenordnung der Kubikzahlen, und wie die letzte Ziffer endet:
|
|
Beispiele:
Das Ganze funktioniert aber nur dann, wenn man davon ausgehen kann, dass es sich bei der vorgegebenen Zahl um die dritte Potenz einer natürlichen Zahl handelt.
Bei den Rechenkünstlern handelt es sich natürlich um viel höhere Potenzen mehrstelliger Zahlen – zum Beispiel: Was ist die 25. Wurzel von 880794982218444893023439794626120190780624990275329063400179824681489784873773249 (Lösung: 1729) und extremere Aufgaben.
Als die n-ten Wurzeln einer komplexen Zahl
bezeichnet man die Lösungen der Gleichung
Ist
in der Exponentialform
dargestellt, so sind die n-ten Wurzeln aus a genau die n komplexen Zahlen
![z_k=\sqrt[n]{|a|}\cdot\exp\left(\frac{\mathrm i\alpha}{n} + k\cdot\frac{2\pi\mathrm i}{n}\right)\quad(k=0,1,\dots,n-1) .](/wikipedia.images/J/32c1f7a1889d323e2d969572c1f6aacf.png)
Der Sonderfall a = 1 wird als n-te Kreisteilungsgleichung bezeichnet, die Lösungen als n-te Einheitswurzeln. Die Bezeichnung „Kreisteilungsgleichung“ erklärt sich, wenn man ihre Lösungen in der Gaußschen Ebene betrachtet: die n-ten Einheitswurzeln teilen den Kreis mit dem Radius 1 und dem Koordinatenursprung als Mittelpunkt in n gleiche Teile, sie bilden die Eckpunkte eines in den Kreis einbeschriebenen regulären n-Ecks.
Anders als bei reellen Zahlen kann man nicht so einfach eine der Wurzeln als die Wurzel auszeichnen; dort wählt man die einzige nichtnegative Wurzel. Man kann jedoch eine (holomorphe) n-te Wurzelfunktion für komplexe Zahlen, die keine nichtpositiven reellen Zahlen sind, über den Hauptzweig des komplexen Logarithmus definieren:

Man kann den Logarithmus auch (unstetig) auf die negative reelle Achse fortsetzen, es gilt dann aber mit der so definierten Wurzelfunktion beispielsweise
und nicht = − 2.
Für die veraltete Bedeutung der Wurzel als Lösung einer Gleichung, siehe den Artikel Nullstelle.
Für die spezielle Bedeutung in der Darstellungstheorie, siehe den Artikel Wurzelsystem.
Für die außermathematische Verwendung des Wortes siehe Wurzel.
| Wiktionary: Radikand – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
Adelung-1793: Quadrat-Wurzel, die · Wurzel, die · Purgier-Wurzel, die · Behen-Wurzel, die · Kubik-Wurzel, die
Brockhaus-1809: Die Mathematik
Brockhaus-1837: Wurzel · Mathematik
Brockhaus-1911: Wurzel · Khus-Khus-Wurzel · Jesus-Christus-Wurzel · Mathematik
Eisler-1904: Wurzel · Mathematik
Herder-1854: Wurzel [2] · Wurzel [1] · Mathematik
Kirchner-Michaelis-1907: Mathematik
Lueger-1904: Wurzel · Mathematik
Meyers-1905: Wurzel [2] · Wurzel [3] · Wurzel [4] · Wurzel [1] · Hohe Wurzel · Jesus Christus-Wurzel · Mathematik
Pierer-1857: Hohe Wurzel · Wurzel · Auf die Wurzel setzen · Falsche Wurzel einer Gleichung · Reine Mathematik · Mathematik