Yendi (auch Uendi geschrieben) ist eine Stadt in Ghana.
Sie ist bekannt als Sitz der Könige der Dagomba und als Ort schwerer Ausschreitungen im Jahr 2002. Yendi ist die Hauptstadt des gleichnamigen Distrikts der Northern Region
Inhaltsverzeichnis |
Die Stadt befindet sich am Fluss Daka im nordöstlichen Ghana. Sie ist rund 400 km von Accra, der Hauptstadt von Ghana, und etwa 50 km von der Grenze Togos entfernt.
Yendi hat 43.449 Einwohner (Stand 2006), überwiegend Dagomba. Die bis 1994 hier ansässige Minderheit der Kokomba hat nach schweren ethnischen Konflikten, die in jenem Jahr die Gegend heimsuchten, weitgehend die Stadt verlassen.
Bevölkerungsentwicklung:
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1984 (Zensus) | 31.633 |
| 2000 (Zensus) | 40.336 |
| 2006 (Berechnung) | 43.449 |
Yendi wurde Mitte des 15. Jahrhunderts von einem Herrscher namens Niakse als Hauptstadt des Reiches der Dagomba gegründet. Dieses Reich beherrschte etwa seit dem 14. Jahrhundert weite Teile des heutigen Nordghana. Zur Zeit der Tributpflichtigkeit Dagombas gegenüber dem Ashantireich (ab 1744) saßen in Yendi die „Kommissare“ der Ashanti und nahmen dort den Tribut in Empfang. Bis 2002 befand sich in Yendi der Gbewaa-Palast, der Sitz der Könige der Dagomba, die auch im modernen Ghana große Autorität besaßen und besitzen.
Yendi lag an einer der großen Handelsrouten für Sklaven und wurde so zu einem bedeutenden Handelszentrum für Sklaven. Unter anderem erinnert das Grab eines berüchtigten und mächtigen Sklavenhändlers, Babato, an diese Zeit in Yendi.
Im Gegensatz zum größten Teil des heutigen Staates Ghana waren es die Deutschen, und nicht die Briten, die die koloniale Eroberung der Stadt Yendi (und des östlich angrenzenden Gebietes) betrieben. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Yendi Teil der deutschen Kolonie Togoland. Noch heute ist in Yendi ein deutscher Friedhof aus der Kolonialzeit zu sehen und in Adibo, unweit der Stadt, gibt es ein Massengrab von Dagombakriegern, die bei einem Aufstand gegen die Deutschen gefallen waren. Erst 1914, zu Beginn des 1. Weltkrieges, eroberten die Briten Togoland und damit die Stadt Yendi. 1919 wurde dieses Eroberungen als Britisch-Togoland zum Mandatsgebiet des Völkerbundes.
Im März 2002 stürmte eine große Menge Bewaffneter den Palast des Ya Na (Königs) Yakubu Andani II, töteten ihn und mindestens weitere 17 Personen und brannten den Palast nieder. Ursache hierfür war ein Nachfolgestreit um die Königswürde zwischen den beiden Klans der Andani und Abudu. Diese beiden Klans (benannt nach Söhnen des Ya Naa Yakubu I, eines Dagombakönigs des 15. Jahrhunderts) stellten seit ca. 600 Jahren im regelmäßigen Wechsel den König. Dieses Rotationsystem geriet nach einigen Quellen im Jahr 1948 (also noch zu Zeiten der Kolonie Goldküste), nach anderen im Jahr 1974 durcheinander, als ein Abudu-König widerrechtlich vom damaligen ghanaischen Militärdiktator Ignatius Kutu Acheampong abgesetzt wurde und ihm ein Andani-König nachfolgte.
Die Situation in der Stadt ist weiterhin angespannt. Ein neuer König kann erst benannt werden, wenn der Palast wieder aufgebaut und der König offiziell begraben ist, was bis heute noch nicht der Fall ist. Es wird befürchtet, dass die beiden Klans dann konkurrierende Nachfolger des ermordeten Königs ausrufen und es wiederum zu Ausschreitungen kommt.