Zwangsarbeit

Als Zwangsarbeit wird Arbeit bezeichnet, zu der ein Mensch unter Androhung einer Strafe, gegen seinen Willen, gezwungen wird.

Die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) definierte 1930 in Art. 2 Abs. 1 des Übereinkommens über Zwangs- und Pflichtarbeit die Zwangsarbeit als unfreiwillige Arbeit oder Dienstleistung, die unter Androhung einer Strafe ausgeübt wird. Nicht dazu gehören laut Abs. 2 des Übereinkommen: Militärdienst, übliche Bürgerpflichten, Arbeit im Strafvollzug, notwendige Arbeit in Fällen höherer Gewalt und Arbeit, die dem unmittelbaren Wohl der Gemeinschaft dient.

Die ILO schätzt die Anzahl der Personen, die allein in Europa zur Zwangsarbeit gezwungen werden auf ca. 360.000.[1]

Zwangsarbeit von Sträflingen in Australien
Zwangsarbeit von Sträflingen in Australien

Inhaltsverzeichnis

Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkrieges

Deutschland

Hauptartikel: Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus

Während des Zweiten Weltkrieges wurden in Deutschland Kriegsgefangene und Zivilpersonen der besetzten Gebiete dazu gezwungen, die fehlenden Arbeiter, die im Krieg waren, zu ersetzen und vor allem die Kriegsproduktion aufrecht zu erhalten. Die Zwangsarbeiter wurden von den Nationalsozialisten selbst verharmlosend „Fremdarbeiter“ genannt. Zwangsarbeiter wurden vorwiegend in der Landwirtschaft und Industrie eingesetzt, aber auch öffentliche Einrichtungen, die Kirche, selbst Privatpersonen forderten Zwangsarbeiter an. Die Zwangsarbeiter erhielten in der Regel eine knappe Kost (in vielen Fällen nur zum Erhalt der Arbeitskraft), teilweise einen – geringen – Lohn. Sie waren in Zwangsarbeiterlagern untergebracht, oftmals Barackenlager, mit Stacheldraht eingezäunt. Zuständig war der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz, Fritz Sauckel.

Da die Zwangsarbeiter vielen Vorschriften (z. B. über Sicherheit am Arbeitsplatz) nicht unterlagen, waren sie häufig so begehrt, dass das Deutsche Reich eine sogenannte Ostarbeiterabgabe einführen musste, um die vollständige Verdrängung von deutschen Arbeitern durch Zwangsarbeiter zu vermeiden.

Aufarbeitung nach 1945

Klagen ehemaliger Zwangsarbeiter in den USA gegen deutsche Unternehmen, die sie beschäftigt hatten, führten zur Gründung der Bundesstiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft". Bund und Wirtschaft brachten je zur Hälfte 10 Milliarden D-Mark (ca. 5,1 Milliarden Euro) ein, wobei sich die Wirtschaft schwer tat, ihren Anteil aufzubringen. Im Gegenzug sind in den USA solche Klagen gegen einzelne Unternehmen jetzt ausgeschlossen. Die Auszahlungen begannen am 15. Juni 2001 und endeten im Juni 2007. 1,66 Miliionen Zwangsarbeiter oder ihre Erben erhielten jeweils bis zu 7.500 Euro. Insgesamt wurden 4,37 Milliarden Euro ausgezahlt. Die Stiftung will mit dem Restkapital vom 400 Millionen Euro Bildungs- und Verständigungsprojekte fördern. Damit ist die finanzielle Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter in Deutschland abgeschlossen.

Siehe auch:

Japan

Auch in Japan wurden während des Zweiten Weltkrieges Zivilpersonen der besetzten Gebiete zur Zwangsarbeit gezwungen. So wurden Hunderttausende von Koreanern nach Japan verfrachtet und mussten in japanischen Minen und Fabriken arbeiten. Viele Männer aus den damaligen japanischen Kolonien Korea und Taiwan wurden ins japanische Militär zwangsrekrutiert, während viele Frauen in den besetzen Gebieten zur Zwangsprostitution beziehungsweise sexuellen Sklaverei gezwungen wurden und als so genannte Trostfrauen japanischen Soldaten dienen mussten.

Siehe auch: Death Railway

Zwangsarbeit in der Sowjetunion

Zwangsarbeiter beim Bau des Weißmeer-Ostsee-Kanals
Zwangsarbeiter beim Bau des Weißmeer-Ostsee-Kanals

In den sowjetischen Zwangsarbeitslagern des Gulag wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Millionen sowjetischer Bürger festgehalten. Politische Oppositionelle, Gegner des kommunistischen Systems, Angehörige unliebsamer „Klassen“ (so genannte „Klassenfeinde“), und ganze Völkerschaften wurden dorthin deportiert (Kolyma, Workuta, Weißmeer-Ostsee-Kanal) [2].

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden dann durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD zusätzlich Hunderttausende deutscher Zivilisten als Zwangsarbeiter in das Lagersystem der Sowjetunion deportiert, überwiegend Frauen. Etwa ein Drittel dieser Deportierten starb aufgrund der Haftbedingungen durch Hunger, Krankheiten und Kälte oder schon während des Transports in Viehwaggons [3].

Zwangsarbeit in Kambodscha

Unter dem an Mao ausgerichteten kommunistischen Schreckensregime der Roten Khmer unter Pol Pot starben Millionen Kambodschaner durch Folter, Hinrichtungen und Zwangsarbeit.

Sklaverei

Eine Form der Zwangsarbeit stellt die Sklaverei dar, bei der ebenfalls Menschen zur Arbeit gezwungen wurden und bis heute werden. Hiervon zu unterscheiden ist die Zwangsarbeit, die in den Gefängnissen fast aller Länder der Welt geleistet werden muss.

Strafrecht

Die Verpflichtung zu Arbeitsleistungen im Jugendstrafrecht als Auflage hat Strafcharakter, und bleibt im Rahmen des Art. 12 Abs. 2 und 3 GG verfassungsgemäß, so wie auch die Arbeitspflichten gemäß § 56b StGB nicht gegen Verfassung und Menschenwürde verstoßen.

Wehrdienst/Zivildienst

Nach obiger Definition wären auch Wehrdienst und Zivildienst sowie die sogenannten Ein-Euro-Jobs Formen von Zwangsarbeit. Eine angemessene Entlohnung gäbe es nicht. Diese Form der Zwangsarbeit, die zum Teil Männer diskriminiert und das Recht auf freie Wahl des Arbeitsplatzes untergräbt, ist umstritten. Der Artikel 4 der Europäischen Menschenrechtskonvention, der Zwangsarbeit verbietet, nennt den Wehrdienst als Ausnahme.

Nach der ILO-Konvention sind Wehrdienst und Zivildienst keine Zwangsarbeit.

Zitate

„So jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen.“

Apostel Paulus: im 2. Brief an die Thessalonicher der Bibel

„Wer nicht arbeitet, soll wenigstens essen.“

Paul Kellermann, Soziologe

„Wer nicht arbeiten darf, soll wenigstens gut essen.“

Richard Albrecht, Sozialwissenschaftler

„Jeder Mensch hat ein Lebensrecht. Wer nicht arbeitet, soll trotzdem gut essen!“

Anna Eberle: , Mitglied im Vorstand des Bundeserwerbslosenausschusses der Gewerkschaft ver.di

„Der Sozialismus stimmt mit der Bibel darin überein, wenn diese sagt: ‚Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.‘“

August Bebel: in „Die Frau und der Sozialismus“, 1883

Siehe auch

Weblinks

Bitte beachten Sie den Hinweis zu Rechtsthemen!

Anmerkungen

  1. Zeit, Nr. 3, Ausgabe v. 17.01.2003
  2. Joel Kotek, Pierre Rigoulot: Das Jahrhundert der Lager. Gefangenschaft, Zwangsarbeit, Vernichtung, Propyläen 2001. (Le siècle des camps, Éditions Lattès 2000.) ISBN 3549071434.
  3. Freya Klier: Verschleppt ans Ende der Welt. Schicksale deutscher Frauen in sowjetischen Arbeitslagern. Ullstein 1996. ISBN 3550070942.

Literatur

allgemein
  • Hans Schafranek & Robert Streibel (Hg.): Strategie des Überlebens. Häftlingsgesellschaften in KZ und GULAG. Picus, Wien 1996. ISBN 3-85452-401-3.
  • Fred Dorn & Klaus Heuer (Hg.): „Ich war immer gut zu meiner Russin.“ Struktur und Praxis des NS-Zwangsarbeitssystems. In: Studien und Materialien zum Rechtsextremismus, 1. Centaurus, Pfaffenweiler 1991. ISBN 3-89085-596-2.
Literarische Verarbeitungen
  • Eduard Breimann: „Das fremde Land“ – Ein Roman mit authentischen Hintergründen über die Verschleppung und Zwangsarbeit russischer Frauen und der heutigen Aufarbeitung der Geschichte. Universal Frame Verlag, 2007. ISBN 9783952298138.
L. mit regionalem Bezug
  • Andreas Heusler: Zwangsarbeit in der Münchner Kriegswirtschaft 1939–1945. 140 S., 2. Aufl., München 2000. ISBN 3-92798-407-8.
  • Ulrich Herbert: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge. Beck, München 2001. ISBN 3-40647-477-2.
  • Stephan Jegielka: Das KZ-Aussenlager Genshagen. Struktur und Wahrnehmung der Zwangsarbeit in einem Rüstungsbetrieb 1944/45. 1. Auflage. Tectum Verlag, Marburg 2005. ISBN 3-8288-8895-X.
  • Ralf Dünhöft: Fremdarbeiter in Delmenhorst während des Zweiten Weltkrieges. Oldenburg 1995.
  • Stefan Karner, Peter Ruggenthaler: Zwangsarbeit in der Land- und Forstwirtschaft auf dem Gebiete Österreichs 1939-1945. Verlag Oldenbourg, Wien 2004. 615 Seiten. ISBN 3486568000
  • Peter Ruggenthaler: Ein Geschenk für den Führer: Sowjetische Zwangsarbeiter in Kärnten und der Steiermark 1942-1945. Graz, 2001. Verlag Verein z. Förderung d. Forschung v. Folgen nach Konflikten u. Kriegen. ISBN 3901661069
Quelle:
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