Zwickauer Mulde

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Zwickauer Mulde
Die Zwickauer Mulde in Wilkau-Haßlau.

Die Zwickauer Mulde in Wilkau-Haßlau.

Daten
Lage Deutschland
Länge 166 km
Quelle bei Schöneck im Vogtland
Quellhöhe 770 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/HÖHENBEZUG-QUELLE_fehlt
Mündung bei Großbothen (Vereinigung mit der Freiberger Mulde)
Einzugsgebiet Westerzgebirge, östliches Vogtland
Einwohner im Einzugsgebiet  ?
Großstädte Zwickau
Kleinstädte Aue, Wilkau-Haßlau, Glauchau, Waldenburg, Penig, Lunzenau, Rochlitz
Rechte Nebenflüsse Große Bockau, Große Pyra, Schwarzwasser, Chemnitz
Linke Nebenflüsse Rödelbach
Bekannte Brücken Autobahnbrücke in Wilkau-Haßlau, Röhrensteg und Paradiesbrücke in Zwickau
Schiffbar Nein

Die Zwickauer Mulde ist ein Fluß im Westen des Freistaates Sachsen. Sie bildet den linken bzw. westlichen Quellfluss der vereinigten Mulde. Eine weniger gebräuchliche Bezeichnung ist Westliche Mulde.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Herkunft des Namens Mulde ist nicht gesichert. Er könnte Die Mahlende bedeuten und auf die Vielzahl der früher am Fluss betriebenen Mühlen hinweisen. Bis heute sind zahlreiche Wehre in Betrieb, die überwiegend der Stromerzeugung dienen. Seit Beginn der dauerhaften Besiedelung des Erzgebirges am Ende des Mittelalters wird das Wasser der Mulde und ihrer Zuflüsse technisch genutzt. Es diente dem Bergbau über viele Jahrhunderte als Aufschlagwasser zum Antrieb von Förderanlagen, Erzhämmern und Pochwerken sowie für Erzwäschen. Der Fluss erlangte außerdem Bedeutung für die Holzflößerei. Diese ist für das Jahr 1275 erstmals belegt. Zu Zeiten höherer Wasserführung wurde auf dem Fluss der Holzreichtum des Westerzgebirges zu Tal gebracht. Die historischen Floßgräben sind oft heute noch sichtbar und zum Teil funktionsfähig, zum Beispiel der Floßgraben bei Schlema. Die Stämme wurden bei Zwickau mit Hilfe von Rechen aus dem Fluss geborgen und auf dem hiernach benannten Holzanger gestapelt[1]. Vom Fischreichtum des Flusses konnten zahlreiche Familien leben. Mit der zunehmenden Industrialisierung im 19./20. Jahrhundert und der damit einhergehenden Wasserverschmutzung nahm der Fischbestand jedoch mehr und mehr ab. Bis in die 1990er Jahre war die Zwickauer Mulde durch Einleitung von schlecht oder ungeklärten Abwässern vor allem in den unteren Abschnitten hoch belastet. Heute hat sich die Wassergüte deutlich verbessert. Die Vielzahl der Staustufen erschwert jedoch die Wiederansiedelung der natürlichen Tierwelt. In den Sommermonaten der letzten Jahre kam es an einigen Anlagen wiederholt zur Unterschreitung der Mindestabflussmengen bis hin zur Trockenlegung einzelner Flussabschnitte. Die Muldentalsperren im Erzgebirge versorgen heute den Großraum Chemnitz/Zwickau mit Trinkwasser.

Flusslauf

Der Einzugsbereich der Zwickauer Mulde umfasst große Teile des westlichen Erzgebirges und des Vogtlandes. Sie besitzt zwei Quellbäche: Die westliche Rote Mulde entspringt in einer Höhe von 770 m ü. NN direkt bei der Stadt Schöneck im Vogtland. Die Weiße Mulde hat ihre Quelle 4 km östlich in gleicher Höhe beim Schönecker Ortsteil Kottenheide. Am ursprünglichen Zusammenfluss beider Bäche wurde die Talsperre Muldenberg gebaut, in die heute Rote und Weiße Mulde münden und sich vereinen. Ab hier trägt der Wasserlauf den Namen Zwickauer Mulde und fließt überwiegend in nordöstliche Richtung durch waldreiches Gebiet sowie durch die Orte Muldenberg, Hammerbrücke und Morgenröthe-Rautenkranz. Hinter Morgenröthe-Rautenkranz verlässt der Fluss in einem engen Tal das Vogtland, tritt ins Westerzgebirge ein und wird bald zur Talsperre Eibenstock aufgestaut.

Bei Aue nimmt die Zwickauer Mulde das Schwarzwasser auf und wechselt die Fließrichtung nach Nordwest. Hinter Bad Schlema fließt die Mulde durch den Poppenwald. Hier passiert der Fluss den ehemaligen Wismut-Schacht 371 sowie die im Talhang gelegene Prinzenhöhle. In diesem Abschnitt nimmt der Fluss durch zu Tage tretende Grubenwässer und Sickerwasser aus Abraumhalden einen Großenteil seiner Fracht an Uran und anderen gelösten Schwermetallen auf. Bei Hartenstein fließt die Zwickauer Mulde vorbei an der Burg Stein in Richtung Fährbrücke. Danach erreicht der Fluss Wiesenburg. Hier befindet sich ein stillgelegtes Wasserwerk, das der Aufbereitung des Muldenwassers für die Trinkwasserversorgung der Stadt Zwickau diente. Ab Silberstraße verläuft die Bundesstraße 93 weitgehend parallel zur Mulde. In Wilkau-Haßlau überquert die A 72 das Tal mit einer 718 m langen und 50 m hohen Brücke.

Die Mulde erreicht dann Zwickau, die Stadt, nach der sie benannt ist. Im Zwickauer Ortsteil Cainsdorf befinden sich Stromschnellen im Flussbett. Der felsige Abschnitt war lange Zeit Schauplatz internationaler Kajak-Slalom-Wettbewerbe und bildet gleichzeitig ein geschütztes Geotop, unter anderm, weil hier Steinkohlenflöze zu Tage treten. Die Mulde umfließt das Stadtzentrum in östlicher Richtung. Im gesamten Stadtgebiet wird der Fluss von Hochwasserschutzdeichen begleitet, weil der historische Stadtkern durch bergbaubedingte Absenkungen heute unter dem Höhenniveau des Flussbettes liegt.

Der Fluss ist über längere Stecken des Ober- und Mittellaufes wenig oder unverbaut, naturnahe Auen begleiten hier das Gewässer. Den Grund des Flussbettes bilden zunächst Felsblöcke, später Kiese und Sande. Ruhige, langsam strömende Abschnitte wechseln mit rauschenden ab.

Bei Zwickau verlässt der Fluss das Erzgebirge, passiert das VW-Werk Mosel und hat vor und um Glauchau weite Retentionsflächen in Wiesen und Feldern. Nach Glauchau erreicht die Zwickauer Mulde Waldenburg, Penig, Rochsburg, Lunzenau und Rochlitz und nimmt als größten Nebenfluss, in der Nähe von Wechselburg, die Chemnitz auf.

Nördlich von Colditz und Zschadraß, in der Gemeinde Großbothen, Ortsteil Sermuth, vereinigt sie sich nach 166 km mit der Freiberger Mulde zur Mulde. Entlang des Flusses verläuft eine Route des Muldentalradwanderweges.

Hochwasser und andere Extremereignisse

Die Zwickauer Mulde war mit ihren Zuflüssen bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts kaum reguliert und sorgte immer wieder für zum Teil verheerende Überschwemmungen. Noch im Jahre 1954 wurden Städte und Dörfer von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht. Vor allem die große Talsperre Eibenstock gleicht die Wasserführung des Flusses heute jedoch aus. Die Schäden des Jahrhunderthochwassers von 2002 hielten sich an der Zwickauer Mulde auch deshalb noch in Grenzen. Die Talsperre Eibenstock lief damals seit ihrem Probestau während der Inbetriebnahme zum ersten Male über.

Überliefert ist, dass das Flussbett während extremer Dürreperioden auch austrocknen kann. In den vergangenen Jahrhunderten trat dieses Ereignis mindestens zweimal ein.


Siehe auch:

Bilder

Quellen

  1. Wilsdorf, H.; Herrmann, W.; Löffler, K.: Bergbau - Wald - Flöße. Freiberger Forschungshefte, D28. Berlin 1960.

Weblinks

Muldentalradweg.de:Website des Tourismusverbandes

Quelle:
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