10. Die Statue U.L. Frau von Arlon.

[14] In einer Seitenkapelle der Kapuzinerkirche von Arlon befindet sich eine kleine schöne Muttergottesstatue, welche uralt ist. Es ist dies das Gnadenbild Unserer Lieben Frau von Arlon, deren Andacht, wie in den von den alten Kapuzinerpatres verfaßten[14] Gebetbüchern zu lesen ist, viel eher bestand, als die Muttergottesandacht zu Luxemburg. Die Statue sieht schwärzlich aus und wird deswegen vom Volk die »schwarze Muttergottes« genannt.

In früheren Zeiten kamen alljährlich zahlreiche Scharen Beter von nah und fern zu dem Muttergottesbilde von Arlon; und auch von Luxemburg kam jedes Jahr eine Prozession. Diese großartige Andacht ist indes soweit gesunken, daß sogar die ältesten Bürgersleute von heute nichts mehr davon wissen. Zum Falle dieser Andacht scheint zunächst die zum h. Donatus in der Kapuzinerkirche zu Arlon, dann aber auch die später enstandene zu Ehren der Muttergottes in der St. Nikolauskirche zu Luxemburg beigetragen zu haben.

Von jeher wurde die Statue U.L. Frau von Arlon als wunderbar angesehen; und als die ehemals befestigte Stadt einst während großer Kriegesnot in Gefahr war, von den Feinden eingenommen zu werden, versammelten sich die Stadtväter im Rat, ließen eine zwanzigpfündige Wachskerze machen und trugen dieselbe unter großer Feierlichkeit den Kapuzinerberg hinauf in die Kirche vor das Gnadenbild und stellten sich mit Stadt und Bürgerschaft unter den mächtigen Schutz der Himmelskönigin.

Was schon die alten Kapuzinerpatres geschrieben, daß man nämlich in stürmischen und unheimlichen Nächten von außen an den erleuchteten Fenstern sehen konnte, wie heller Lichtschein die ganze Kapelle erfüllte, obschon inwendig keine Kerzen angezündet waren: das erzählen auch noch heute alte fromme Leute, und manche von ihnen wollen dieses wunderbare Licht noch bemerkt haben, wenn sie des Nachts die Kapuzinertreppe hinauf von einem Stationsbild zum andern beten gingen.8

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Vergl. auch: K. Deutsche Arloner Zeitung, 1889. No 49.

Quelle:
Warker, N.: Wintergrün. Sagen, Geschichten, Legenden und Märchen aus der Provinz Luxemburg. Arlon: Willems, 1889/90, S. 14-15.
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