Unsere Korrespondenz.

[390] 390. Allgemeines. Es ist sehr wichtig, einen guten Brief schreiben zu können, jeder müßte in der ars scribendi, in der Kunst zu schreiben, bewandert sein, aber nur die wenigsten sind es. Es ist noch gar nicht so lange her, da machten die Briefe eines Hofchefs einer kleinen Fürstin die Runde durch die Blätter. Jeder lachte darüber und fragte sich: wie ist nur so etwas möglich? Denn die Briefe verstießen gegen die einfachsten Anforderungen, die man an ein Schreiben stellen muß und die da lauten: Guter Stil, genaue Ausdrucksweise und richtiges Deutsch.

Wie wenige schreiben ganz richtiges Deutsch! Ich neige mein Haupt und lasse den Sturm der Entrüstung, der sich bei diesen meinen Worten erhebt, über mich ergehen, aber meine Anschuldigung halte ich trotzdem aufrecht, es wird viel falsches, grammatikalisch falsches Deutsch geschrieben und wirklich nicht nur von unseren Dienstboten. Ach nein, auch in den besseren, ja selbst in den besten Ständen sind die Briefschreiber und die Briefschreiberinnen sich sehr oft darüber ganz uneinig, wann man das Wort »sie« groß oder klein schreibt wann man dem kleinen »das« ein rundes, wann ein langes s giebt. Man wird mir einwenden: das sind Flüchtigkeitsfehler, die können vorkommen.

Ich bin galant und stimme dem bei, aber ich bedaure gleich wieder unhöflich werden zu müssen und sage: Flüchtigkeitsfehler können vorkommen, aber sie sollten unter keinen Umständen vorkommen, einmal um unserer selbst willen nicht, denn wir erwecken dadurch bei den Lesern den Verdacht, aus Mangel an Bildung falsch geschrieben zu haben, dann aber auch um der Adressaten willen nicht, die mit Recht verlangen können, daß wir jeden Brief, wenn wir ihn beendet haben, noch einmal durchlesen.

[390] 391. Erst überlegen! Wer einen Brief schreiben will, überlege sich, bevor er die Feder eintaucht, genau den Inhalt. Weiß er, was er schreiben will, ist er mit dem Brief in Gedanken fertig, so suche er dafür den richtigen Ausdruck zu finden. Das klingt so einfach und ist doch so schwer, so furchtbar schwer, aber man kann es lernen durch Fleiß und Uebung. Die Entschuldigung, die man so häufig hört: »Nehmen Sie es mir übel, da habe ich mich falsch ausgedrückt« ist keine Entschuldigung. Noch schlimmer wird die Sache, wenn man hinzusetzt: »Wissen Sie, es ging in solcher schrecklichen Eile!« Die Rücksichtnahme auf die Adressaten erfordert, daß wir uns bei dem Schreiben Zeit lassen – haben wir wirklich keine Zeit, so verschiebe man den Brief auf eine spätere Stunde oder einen anderen Tag. Ist ein Schreiben so wichtig, daß es trotz der Eile, die wir haben, abgesandt werden muß, so muß man eben auch Zeit haben oder sie sich irgendwie verschaffen. Da hilft alles nichts.

Ach, und an welchen Kleinigkeiten liegt oft dieses keine Zeit haben. Bertha, das Mädchen für alles, soll ausgehen und Besorgungen machen, wir haben ihr gesagt, wenn sie fortgehe, soll sie bei uns vorkommen und einen Brief mitnehmen. Bertha erscheint, selbstverständlich eher als wir glauben, wir haben nicht daran gedacht, daß Dienstmädchen, wenn sie ausgehen sollen, sich stets mit der Geschwindigkeit einer durchgehenden Lokomotive ankleiden. Bertha steht in der Thür, sie muß fort, sie ist angezogen und wenn sie jetzt nicht geht, kann sie nicht pünktlich zum Abendessen oder zu einer anderen Mahlzeit wieder zu Haus sein, dann schilt der Gatte oder die Kinder kommen nicht rechtzeitig zu Bett oder es giebt sonst ein Unglück. Bertha muß fort und weil Bertha fort muß, muß der Brief auch fort, obgleich man vielleicht kaum die Hälfte von dem gesagt hat, was man sagen wollte, und das wenige, was man sagte, findet vielleicht auch nicht einmal unseren Beifall.

»Das andere schreibe ich dann das nächste Mal,« tröstet man sich, »die Hauptsache ist, daß der Brief heute noch fortkommt.« Man denkt nicht daran, daß man sich damit eine doppelte Arbeit macht. Die Hauptsache ist und bleibt: Bertha muß fort.

[391] 392. Der Stil. Laß dir Zeit zum Schreiben, achte auf deinen Stil und versuche beständig, ihn zu bessern. Lies gute Bücher, den Briefwechsel zwischen bedeutenden Leuten und versuche hieraus zu lernen, wie man sich einfach, aber doch gewählt, kurz, aber doch erschöpfend ausdrückt. Halte es nicht unter deiner Würde, zuweilen einen Blick in die deutsche Grammatik zu werfen: ich weiß, daß selbst ganz bedeutende Schriftsteller hin und wieder thatsächlich nicht wissen, ob diese oder jene Form grammatikalisch unanfechtbar richtig ist. Wie stümperhaft unsere Kenntnisse oft sind, hat der sicher schon an sich erfahren, der zuweilen in die Lage kommt, Korrekturbogen zu lesen: minutenlang zerbricht man sich oft den Kopf darüber, ob das richtig sei, was da schwarz auf weiß vor uns gedruckt steht, oder jenes, das wir für richtig halten. Die Zweifel lösen wir dann damit, daß wir unter tausend Fällen wenigstens neunhundertmal eine Form konstruieren, die sicher falsch ist.

Nächst der chinesischen Sprache ist wohl keine so schwer zu lernen wie die unsrige. Damit, daß man sprechen kann, ohne mir und mich zu verwechseln, beherrscht man noch lange nicht die Sprache, und wer sie bei dem Sprechen beherrscht, kann in ihrer Anwendung bei dem Schreiben ein gottbegnadeter Stümper sein.

Uebe dich im Briefschreiben, nur so kannst du es lernen, wie überall macht auch hier die Uebung den Meister. Schreibe aber keine Briefe aus irgend welchen Briefstellern ab. Für den Augenblick ist das entschieden das Bequemste, aber wir erreichen damit gerade das Gegenteil von dem, was wir erstreben.

Nichts ist schrecklicher als ein Mensch, der mit der Feder so ungewandt ist, daß er selbst die einfachsten Sätze nicht zu Papier bringen kann, ohne verschiedene Stunden nachzudenken, beständig an seinem Federhalter zu kauen und zu stöhnen, als wenn Gott weiß welche Wunder von ihm verlangt würden. Mit Recht nennt man einen solchen Menschen ungebildet.

Es giebt Leute, die sich anstellen, wenn sie einen Brief schreiben müssen, als sollten sie die Welt vor dem dereinstigen, sicher kommenden Untergang bewahren. Wie oft hört man nicht: »Ich habe leider heute nachmittag keine Zeit, ich muß einen Brief schreiben.« Das sagen selbst Menschen, die man sonst ernst und verständig nennt, und sie klagen so lange, bis man sie mit den Worten tröstet: »Ach, Sie Aermster, wie thun Sie mir da leid, ich stimme Ihnen bei, Briefschreiben ist etwas Schreckliches.«

Durch solches Jammern und durch solche Trostesworte stellt man sich ein geistiges Armutszeugnis aus, und man soll seine geistigen Fähigkeiten nie herabsetzen, das besorgen unsere lieben Mitmenschen schon zur Genüge.

[392] 393. Arten der Briefe. Die Briefe sind zu unterscheiden nach dem Adressaten und nach dem Inhalt: dies allein bestimmt die Form des Briefes.

Man kann folgende Hauptgruppen unterscheiden:

a. an Gleichgestellte,

b. an Höherstehende,

c. an Untergebene, Dienstboten,

d. an Behörden und an die Geistlichkeit,

e. Bittgesuche,

f. Freundschaftsbriefe,

g. Geschäftsbriefe,

h. sogen. unangenehme Briefe und endlich, doch nicht als letzte, Liebesbriefe.

Bei jedem dieser Briefe sind von Wichtigkeit die Adresse, die Anrede im Text, die Unterschrift, das Format des Schreibens und die Frankierung.

[393] 394. Frankierung. Die Frankierung ist das einfachste bei jedem Brief und doch wird zu tausenden und abertausenden Malen dagegen verstoßen. Jeder Gebildete sollte im Besitz einer Briefwage sein und zwar einer solchen, die heil ist. Wie ein Kursbuch aus dem Jahre 1870 einem Menschen, der heute auf Reisen gehen will, nur wenig oder gar nichts nützt, so hat der Briefschreiber nichts von einer Wage, die nur in einem Schaltjahr richtig funktioniert. Sparsamkeit ist eine sehr schöne Tugend, aber sie muß zur richtigen Zeit am richtigen Platz angewandt werden. Wer hat sich nicht schon darüber geärgert, wenn er für einen ungenügend frankierten Brief Strafporto hat bezahlen müssen? Sicherlich jeder, aber trotzdem versucht jeder, ob er nicht selbst bei dem Porto sparen kann. »Ach was, vielleicht geht der Brief doch noch für zehn Pfennig, vielleicht wiegt die Post ihn nicht nach«, mit diesen oder ähnlichen Trostesworten steckt man den Brief in zweifelhaften Fällen ganz ruhig in den Briefkasten.

Man thut es, aber man sollte es nicht thun. Lieber zehn Pfennige zu viel auf das Couvert kleben, als zu wenig. Es ist taktlos und ungezogen, jemanden in die Lage zu versetzen, Strafporto bezahlen zu müssen.

Die einfachsten Portosätze muß man kennen, wer sich aber nicht die Mühe machen will, sie auswendig zu lernen, findet sie auf jeder Briefwage, in jedem Kalender, in jedem Haushaltungsbuch angegeben.

Hat man schon bei einem freundschaftlichen Briefwechsel, bei einem Schreiben an einen guten Bekannten, darauf zu achten, daß man keine Portodummheiten macht, so gilt dies natürlich erst recht, wenn ich an hochstehende oder unter mir stehende Persönlichkeiten schreibe. Wenn der Minister, an den ich mich mit einem Gesuch wende, auf dem Couvert die berühmte blaue »20« des Postboten sieht, wird er uns gerade keinen allzugroßen Ueberfluß an Höflichkeit vorwerfen. Geradezu ungezogen aber ist es, an Leute, die weit unter uns stehen, nicht genügend frankierte Briefe zu senden: es drückt sich, ob absichtlich oder unabsichtlich, das ist hier einerlei, darin eine gewisse Geringschätzung aus. Davon aber ganz abgesehen, bedeutet der Groschen, den wir sparen, für den armen Empfänger, der ihn in doppelter Gestalt bezahlen muß, vielleicht sehr oft eine große Ausgabe. Ein hungriger Mensch kann sich für zwanzig Pfennig an Brot satt essen.

Frankiere richtig, wiege jeden Brief nach oder lasse ihn nachwiegen und klebe in zweifelhaften Fällen lieber eine Freimarke zu viel als zu wenig darauf.

[394] 395. Briefe an Gleichgestellte. Wer an einen ihm im Range und an Bildung Gleichstehenden schreibt, richte die Adresse, die Anrede, die Unterschrift und das Format seines Briefes so ein, daß man selbst nicht das Geringste an dem Schreiben auszusetzen hätte, wenn man es selbst erhielte. Das Wort: »Was du nicht willst, das man dir thu, das füg auch keinem andern zu« paßt auch hier.

[395] 396. Briefe an Höherstehende und an Fürstlichkeiten. In den meisten Fällen werden Briefe, die man an Höherstehende oder an Fürstlichkeiten schreibt, eine Bitte enthalten, ohne daß sie deshalb unbedingt ein Bittgesuch zu sein brauchen. Wer irgend etwas er bittet, muß sich hüten, allzusehr in der Form, in der er sein Gesuch vorträgt, zu verstoßen: schreibt er einfach darauf los, ohne sich an die bestehenden, wenn auch ungeschriebenen Gesetze über den Verkehr mit den hohen und höchsten Herrschaften zu kehren, der darf sich nicht wundern, wenn sein Schreiben nicht den Erfolg haben sollte, den er erwartet und erhofft.

Wer an einen Höherstehenden schreibt, wähle ein gutes Papier, eine gute Tinte und befleißige sich einer deutlichen Handschrift. Es ist aber unstatthaft, Briefe, selbst wenn die eigene Handschrift noch so schlecht ist, abschreiben zu lassen und nur zu unterzeichnen. Ebensowenig darf man mit der Schreibmaschine arbeiten. Man soll in einem Brief an Höherstehende weder ausstreichen noch radieren und vor allen Dingen keine Tintenklexe machen.

Die Briefe, die an Höherstehende gerichtet sind, müssen diesen in möglichst tadelloser Verfassung in die Hände kommen, sie dürfen nicht zerknittert und kraus sein. Daher empfiehlt es sich, möglichst starkes Papier zu nehmen, meistens große Bogen, die in der Mitte gebrochen sind. Man beschränkt sich darauf, nur auf der rechten Spalte einer jeden Seite zu schreiben. Man steckt den Brief dann in ein langes, schmales Couvert und giebt ihn dann auf dem Postschalter selbst ab. Die Briefe, die an hochstehende Persönlichkeiten, an regierende Fürsten adressiert sind, werden von der Post mit besonderer Sorgfalt behandelt und vor äußere Beschädigungen bewahrt. Alle Gesuche z.B., die an Seine Majestät den Kaiser gerichtet sind, werden auf der Post, selbstverständlich ohne daß das Couvert, das man selbst schrieb, geöffnet wird, noch einmal zwischen steife Aktendeckel verpackt. Selbst in das Couvert Pappe zum Schutz des Briefes hineinzulegen, ist unstatthaft.

Will ich an jemanden, der über mir steht, schreiben, so ist es sowohl für die Adresse als für die Anrede im Brief unbedingt nötig, daß ich den genauen Titel der Persönlichkeit weiß: giebt man jemandem einen zu hohen Titel, so enthält das ebensogut eine Geringschätzung seiner wirklichen Würde, als wenn ich ihm vorenthalte, was ihm gebührt.

[396] 397. Adressen an Fürsten. Unser Kaiser und die Könige von Sachsen und Württemberg haben Anspruch auf die Bezeichnung »Majestät«, man adressiert also einen Brief Sr. Majestät dem deutschen Kaiser, Sr. Majestät dem König von Sachsen, resp. von Württemberg. Will man den Wohnort angeben, was nicht unbedingt nötig ist, so giebt man auch dann, wenn die allerhöchsten Herrschaften auf Reisen sind, selbst dann, wenn sie sich vielleicht im Ausland befinden, stets den Residenzort ihres Landes an. – Der Prinzregent von Bayern ist Königliche Hoheit. Die Großherzoge und ihre Gemahlinnen sind »Königliche Hoheit«, die Herzöge »Hoheit« (Seiner Hoheit dem Herzog von Sachsen-Meiningen), die regierenden Fürsten sind »Hochfürstliche Durchlaucht« (Seiner Hochfürstlichen Durchlaucht dem Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt), der Statthalter von Elsaß-Lothringen ist Durchlaucht.

Die Prinzen sind meist »Hoheit«, die Fürsten immer Durchlaucht, die Prinzen, soweit sie Söhne unseres Kaisers oder eines regierenden Königs sind, sind Königliche Hoheit.

Der Prinz Albrecht von Preußen, der Regent von Braunschweig, ist natürlich Königliche Hoheit.

Die Gemahlinnen der Fürsten haben Anspruch auf dieselben Anreden wie die Fürsten selbst.

Besonders ist zu beachten, daß eine Prinzessin das ihr zustehende Prädikat auch dann beibehält, wenn sie einen Fürsten heiratet, der an Rang unter ihr steht.

Bei unvermählten Prinzessinnen ist auf der Adresse deren Vornamen, bei denen, die mit einem nachgeborenen Prinzen vermählt sind, dessen Namen anzugeben.

Bei der Adresse an einen regierenden Fürsten auch dessen Namen anzugeben, ist nicht erforderlich, thut man es dennoch, so sei man vorsichtig und gebe dem hohen Herrn keinen falschen Vornamen.

[397] 398. Ueberschrift im Briefe. Diese richtet sich nach dem Range des Fürsten.

Unseren Kaiser redet man an:

Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Kaiser und König!

Allergnädigster Kaiser König und Herr!

Die Könige: Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König, Allergnädigster König und Herr!

Den Prinzregenten von Bayern: Allerdurchlauchtigster Prinz und Regent, Allergnädigster Regent und Herr!

Den Prinzen Albrecht von Preußen: Durchlauchtigster Prinz, Gnädigster Prinz und Regent!

Die Großherzoge: Durchlauchtigster Großherzog! Gnädigster Großherzog und Herr!

Die Herzöge: Durchlauchtigster Herzog, Gnädigster Herzog und Herr!

Die Prinzen: Durchlauchtigster Prinz, Gnädigster Prinz und Herr!

Die Fürsten: Durchlauchtigster Fürst, Gnädigster Fürst und Herr!

Den Statthalter von Elsaß-Lothringen: Durchlauchtigster Fürst!

Die Anreden im Briefe: Bei Sr. Majestät dem Kaiser: Eure Kaiserliche und Königliche Majestät, Allerhöchst Sie, Allerhöchst dieselbe.

Bei den Königen: Eure Königliche Majestät, Allerhöchst Sie, Allerhöchst dieselbe.

Bei dem Prinzregenten von Bayern: Eure Königliche Hoheit, Allerhöchst Sie, Allerhöchst dieselbe.

Bei den Großherzogen: Eure Königliche Hoheit, Höchst Sie, Höchst dieselbe.

Bei den Herzogen: Eure Hoheit, Höchst Sie, Höchst dieselbe.

Bei den Fürsten: Eure Hochfürstliche Durchlaucht, Höchst Sie, Höchst dieselbe.

Bei dem Statthalter von Elsaß-Lothringen: Eure Durchlaucht, Höchst Sie, Höchst dieselbe.

Bei Prinzen redet man die preußischen Prinzen Königliche Hoheit an; die Prinzen als Söhne eines regierenden Fürsten (z.B. die Söhne des Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen) redet man mit Eure Durchlaucht in dem Schreiben an.

[398] 399. Die Unterschrift im Briefe lautet nur bei Sr. Majestät dem Kaiser, den Königen, dem Prinzregenten von Braunschweig und den preußischen Prinzen »allerunterthänigst«, selbstverständlich mit dem Hinzusatz Euer Kaiserlichen Majestät etc.

Sonst ist man nur »unterthänigst«.

Bei einem Schreiben an den Statthalter von Elsaß-Lothringen ist man »gehorsamst«.

Man halte sich genau an diese Vorschriften und man glaube nicht, auf einen hohen Herrn auch nur den leisesten Eindruck zu machen, wenn man in Kurialien, in Höflichkeitsformeln erstirbt: gieb jedem, was ihm zusteht, aber nicht mehr. Hohen Herren gegenüber in Höflichkeit und Unterthänigkeit in Briefen zu ersterben, ist für den Empfänger fast beleidigend, für den Schreiber erniedrigend. Auch im schriftlichen Verkehr mit Höherstehenden sollen wir unsere eigene Selbständigkeit und Würde bewahren, ohne die wir zu Knechtnaturen zusammensinken.

[399] 400. Briefe an Staatsbehörden. Die Adresse lautet bei Staats- oder Kabinettsministern und wirklichen geheimen Räten: Seiner Excellenz dem (herzoglichen etc.) Staatsminister, die Ueberschrift: Euere Excellenz, die Unterschrift: Euer Excellenz ganz gehorsamster. Im übrigen lautet die Adresse: Seiner Hochwohlgeboren Herrn (Titel) Hochwohlgeboren, die Ueberschrift: »Hochzuverehrender Herr« oder »Sehr geehrter Herr«, die Anrede: »Euer Hochwohlgeboren«, die Unterschrift: Euer Hochwohlgeboren ergebenster.

Die Adresse der regierenden Bürgermeister der freien Städte lautet: An Seine Magnificenz, den regierenden Bürgermeister von Hamburg, Lübeck, Bremen. Die Ueberschrift und Anrede ist: Ew. Magnificenz. Man unterzeichnet sich als »Ew. Magnificenz gehorsamster«. Die Oberbürgermeister sind »Hochwohlgeboren«, die Bürgermeister »Wohlgeboren«, aber es ist üblich, auch diese mit »Hochwohlgeboren« anzureden. – Beim Militär lautet für Chargen von oben herab bis zum Generalleutnant eingeschlossen die Adresse: »Sr. Excellenz«, die Ueberschrift und Anrede: »Ew. Excellenz«, die Unterschrift: »Ew. Excellenz gehorsamster«. Vom Generalmajor herab bis zum jüngsten Leutnant hat jeder in der Adresse Anspruch auf das Wort »Hochwohlgeboren« Die Ueberschrift lautet: »Hochwohlgeborener Herr« oder »Sehr geehrter Herr« und man schließt mit den Worten: »Ew. Hochwohlgeboren ergebenster«.

[400] 401. Akademische Grade. Schreibe ich an den Rektor einer Universität oder an den Prorektor, so adressiere ich: »Seine Magnificenz« und zeichne als »Magnificenz gehorsamster«.

[401] 402. Der Adel. Bei den Briefen an den Adel hat man zu unterscheiden zwischen dem hohen und dem niederen Adel. Zu dem hohen Adel gehören den regierenden Häusern ebenbürtige Herzöge und Fürsten, sonstige fürstliche nicht ebenbürtige, standesherrliche gräfliche Häuser. Bei dem Ersteren lautet die Adresse: »An Seine Durchlaucht den Herzog oder Fürsten (Name).« Die Ueberschrift »Durchlauchtigster Herzog oder Fürst«; die Anrede im Brief: »Ew. Durchlaucht«, die Unterschrift: »Ew. Durchlaucht gehorsamster«.

Ebenso schreibt man an sonstige fürstliche Häuser, mehr weil es allgemein bräuchlich, als weil es ihnen rechtlich zusteht. Bei standesgräflichen Häusern ist die Adresse: »Seine Durchlaucht dem regierenden Grafen von –«. Die Anrede im Brief lautet: »Ew. Erlaucht, Ew. Hochgräfliche Gnaden«, die Unterschrift: »Ew. Erlaucht gehorsamster«.

Zu dem niederen Adel gehören die Grafen, Freiherren und Barone, man adressiert: »Sr. Hochgeboren Herrn Grafen, Sr. Hochwohlgeboren dem Freiherrn von –«. Der Graf ist in der Ueberschrift und in der Anrede immer »Hochgeboren«; man unterzeichnet mit den Worten: Gehorsamster –. Schreibt man an einen Freiherrn, so genügt es zu adressieren: »Freiherrn von –«, das Wort Herr davor zu setzen, ist überflüssig. Falsch aber ist, wie es häufig geschieht, zu schreiben: »Frau Freifrau oder Fräulein Freifräulein«, das letztere Wort existiert überhaupt nicht, man sagt dafür »Baronesse«, unverheiratete Gräfinnen sind auf der Adresse oder überhaupt in den Briefen mit »Gräfin«, aber nicht mit Komtesse anzureden.

Bei der Geistlichkeit unterscheidet man die hohe Geistlichkeit (Generalsuperintendent, Konsistorialrat, Superintendent), Oberhofprediger und Feldprobst, sowie die übrigen Geistlichen, zu denen der Pfarrer und der Diakonus gehören. Bei den ersteren lautet die Adresse: »Hochwürdigster Herr! Hochgeehrtester Herr« (Titel). Die Anrede: »Ew. Hochwürden«, die Unterschrift »gehorsamster«. Die übrigen Geistlichen nennt man auf der Adresse: »Hochwürden«, in der Ueberschrift »Hochwürdiger Herr«, in der Anrede »Ew. Hochwürden« in der Unterschrift zeichnet man als ergebener.

[402] 403. Briefe an den Papst. Adresse: »Sr. Heiligkeit dem Papst«, Ueberschrift und Anrede immer »Heiligster Vater«, Unterschrift von Seiten der Katholiken: »Ew. Heiligkeit gehorsamster Sohn«, wer nicht Katholik ist, sagt »unterthänigster Diener«.

Die Kardinäle sind »Eminenz« und »Hochwürdigste Herren«, die fürstlichen Bischöfe »Hochfürstliche Gnaden« und »Excellenz«; sind sie zugleich Kardinäle, so sind sie »Eminenz«, Erzbischöfe sind »Erzbischöfliche Gnaden«, Erzäbte und Aebte sind »Gnaden«. Die Ueberschrift und Anrede ist in ihrem Grade gleichlautend, die Unterschrift ist in allen Fällen aber »unterthänigst«. Schreibt man einem niederen Geistlichen, so adressiert man: »Ew. Hochwürden«, gebraucht die Anrede und Ueberschrift »Ew. Hochwürden« und schließt mit den Worten »Ew. Hochwürden gehorsamster«.

[403] 404. Israelitische Kultus. Die Rabbiner sind Ehrwürden. Die Israeliten unterzeichnen »Ew. Hochwürden gehorsamster«, die Nichtisraeliten: »Ew. Hochwürden ergebenster«.

[404] 405. Postkarten. Zwei Gründe verleiten dazu, anstatt des Briefes eine Postkarte zu schreiben: Die Billigkeit und die Bequemlichkeit, aber man muß sich davor hüten, von den Karten einen allzu reichlichen Gebrauch zu machen. Nie schreibe man eine Karte, sobald man sich an eine höherstehende Persönlichkeit wendet, es giebt keinen einzigen Fall, in dem die gute Sitte dies billigen könnte. Man sei bei der Unterscheidung der Grenze zwischen gleich- und höhergestellt lieber zu streng, als zu nachsichtig.

Man schreibe auf Postkarten nur solche Sachen, die jeder lesen kann, und bedenke, daß es unter dem Dienstpersonal und den Hausbewohnern immer Leute giebt, die keine Postkarte ungelesen lassen können.

[405] 406. Der Ansichtskarten-Sport hat sich in letzter Zeit zu einer Modekrankheit entwickelt, die wohl nur die Zeit, die ja bekanntlich alles heilt, wieder beseitigen wird. Wenn heutzutage jemand während seiner Reise auf einem schönen Punkt unserer herrlichen Erde angekommen ist, so bewundert er nicht die Aussicht, sondern er schreibt Ansichtspostkarten, um den lieben sammellustigen Verwandten, Freunden und Bekannten daheim eine Freude zu machen. Davon, welchen wahnsinnigen Umfang das Schreiben von Ansichtspostkarten nehmen kann, habe ich einige Beispiele erlebt, als ich vor einigen Jahren nach Spitzbergen reiste. Ein Herr sandte an einem Tag nicht weniger als zweihundertsechsundfünfzig Ansichtspostkarten ab, die er während dreier Tage, da wir auf hoher See waren, geschrieben hatte, und in Hammerfest sah ich zum erstenmal, daß ein Briefkasten thatsächlich voll werden kann. Es ging kein einziger Brief mehr in den Kasten hinein und a conto der zahllosen Ansichtspostkarten mußte eine außeretatsmäßige Leerung des Kastens vorgenommen werden.

Wer heutzutage ein Restaurant betritt, fragt nicht: Was haben Sie zu essen und zu trinken, sondern: »Haben Sie Ansichtspostkarten?« und selbst wenn man ein Hotel aufsucht, ist die Frage nach den Karten wichtiger, als die nach der Unterkunft und Verpflegung.

Wann wird die Stunde kommen, in der man mit einem geringschätzigen Lächeln zurückblickt auf die Zeit, in der man ohne Ansichtspostkarte nicht leben konnte?

Eine solche Karte zu senden, ist sehr bequem, in vielen Fällen braucht man ja nur seinen Namen zu schreiben, alles andere ist schon vorgedruckt: »Herzliche Grüße!« »Gruß und Kuß etc.«

Man denke aber daran, daß es viele Menschen giebt, die sich weit mehr freuen, wenn wir ihnen auf einer Karte ausführlich schreiben, wie es uns geht, und wenn wir uns mit einigen Fragen nach ihrem Wohlbefinden erkundigen.

Die meisten Ansichtspostkarten werden in gehobener Stimmung geschrieben. Hatte man früher in einem Restaurant in lustiger Gesellschaft gut gegessen, so wurde man heiter und ausgelassen und sang ein schönes, der Situationentsprechendes Lied, zum Beispiel: »Ich weiß nicht, was soll es bedeuten?« Jetzt heißt es, sobald zu Ende serviert ist (manchmal schon viel eher): »Ach ja, wir wollen doch ein paar Ansichtspostkarten schreiben.«

In der Sektstimmung macht sich die Welt ganz anders, da sind alle Leute unsere guten Freunde und wir schicken allen Ansichtskarten. Am nächsten Morgen kommt die ruhige Ueberlegung: »Eben fällt mir ein, haben wir wirklich dem Herrn auch eine Karte gesandt? Was soll der nur davon denken? Ich kenne ihn ja kaum.«

Man schämt sich etwas und man geniert sich, man nimmt sich vor, sich zu bessern, aber sobald neue Ansichtspostkarten erscheinen, ist es mit der ruhigen Ueberlegung vorbei, da wird weitergeschrieben.

Ueber den Wert des Sammelns von Ansichtskarten sich zu äußern, ist hier nicht der Platz. Hier möchte ich nur meine Meinung dahin aussprechen: man halte Maß in dem Schreiben von Ansichtskarten, wie man auch Maß halten soll in dem Schreiben der nicht illustrierten Postkarten.

[406] 407. Beantwortung von Briefen. Die Höflichkeit erfordert, daß wir Briefe von Höherstehenden sofort beantworten, die Klugheit gebietet, daß wir bei Geschäftsbriefen, soweit dies möglich ist, ebenso handeln. Oft wird es nicht möglich sein, gleich die gewünschte Auskunft zu geben, man wird häufig Erkundigungen einziehen müssen, die nicht so schnell zu beschaffen sind. Man sollte aber Briefe, soweit es irgend geht, sofort beantworten, nur dadurch ist es möglich, seine Korrespondenz in Ordnung zu halten. Briefschulden sind eine grausame Einrichtung und nichts ist fürchterlicher, als einen Haufen von Briefen vor sich zu haben, die der Beantwortung harren. Verschiebe nicht auf den nächsten Tag, was du heute thun kannst. Der Postbote kommt selbst auf dem Lande zweimal täglich, in großen Städten sechsmal und noch mehr. Jede Post bringt unter Umständen einen Brief, wie soll man sich da später durchfinden, wenn man die Beantwortung von Tag zu Tag verschiebt?

Es ist unhöflich, jemanden, der uns brieflich um Auskunft bittet und einen Rat von uns erwartet, harren zu lassen. Hat man keine Zeit, ausführlich zu antworten, so werden auch wenige Zeilen in vielen Fällen schon genügen; ein kurzer Bescheid ist immer besser, als gar keiner. Die Worte: »Ich will die Beantwortung seiner Frage auf einen gelegenen Zeitpunkt verschieben«, ist eine Redensart, mit der man sich selbst belügt. Aufgeschoben ist in diesem Falle meistens gleichbedeutend mit aufgehoben. Fällt uns später ein, daß wir jemandem noch eine Auskunft schuldig sind, so sagt man sich fast immer: »Ach was, nun ist es doch zu spät, was er wissen wollte, hat er inzwischen sicher schon von einer anderen Seite erfahren.« Man nimmt als sicher an, was man erhofft, und betrachtet den Brief als erledigt.

Alle Briefe, die der Beantwortung bedürfen, lege oder hefte man zusammen, man trenne die wichtigen von den unwichtigen, nur so ist es möglich, Ordnung zu halten.

Man beantworte stets an demselben Tag die Briefe, die von Leuten, die unter uns stehen, an uns gerichtet werden. Die Höflichkeit ist die Pflicht eines jeden Menschen. Für Arme und Bedürftige und für Stellensuchende ist eine Antwort, selbst wenn sie eine Ablehnung enthält, besser als gar kein Bescheid. Das Schweigen erweckt vielleicht Hoffnungen, an die der Arme sich klammert, bis er oft zu spät einsieht, daß er ein Narr war. Es ist bitter und schmerzlich, mit »Nein« antworten zu müssen, es ist aber grausam, weil man nicht den Mut hat »nein« zu sagen, ausweichend zu antworten und für die Zukunft leere Versprechungen zu machen.

[407] 408. Briefe an Untergebene und Niederstehende. Im allgemeinen kann man hier die Regel aufstellen: Setze in den Briefen an Untergebene, wenn es sich nicht direkt um dienstliche Sachen handelt, niemals zu sehr den Vorgesetzten heraus und sei in den Briefen an Niederstehende nicht hochmütig und geringschätzig. Das ist oft beleidigender und kränkender als eine direkte Grobheit. Beachte auch gegen Leute, die tief, tief unter dir stehen, die Form, vergieb dir nichts, damit du nicht nötig hast, dir etwas vergeben lassen zu müssen. Um Verzeihung zu bitten, ist nie angenehm, weil man damit selbst zugiebt, Unrecht gethan zu haben – und Unrecht solchen einzugestehen, die an Bildung unter uns stehen, ist doppelt und dreifach unangenehm.

Man schreibe höflich und liebenswürdig, aber man vermeide ein Zuviel. Das absichtliche Bestreben, freundlich zu sein, wird leicht erkannt und hat das Gegenteil von dem zur Folge, was man erreichen will. Nicht nur im Tasso, sondern auch im Leben gilt das Wort: Man merkt die Absicht und man wird verstimmt.

Man halte stets aber die Grenze aufrecht, die uns von den Untergebenen oder den niedriger Stehenden trennt – wie das zu machen ist, das kann kein Mensch lehren. Das ist Sache des angeborenen Taktes. Im schriftlichen Verkehr wie im mündlichen soll der Vorgesetzte und der Höherstehende sich nie etwas vergeben, er kann dies sehr wohl, ohne beständig mit einem Glorienschein um den Kopf auf seinem Schreibstuhl zu sitzen.

Allzugroße Vertraulichkeit andererseits dem Untergebenen gegenüber hat leicht zur Folge, daß dieser gleiches mit gleichem vergilt. »Es ist alles schon dagewesen,« sagt Ben Akiba, und mehr als eine Hausfrau, die von der Reise aus an ihr Dienstmädchen schrieb und diese »Liebe Klara« nannte, hat schon in der Antwort selbst die Worte »Liebe gnädige Frau« gefunden. Zuweilen schreiben Mädchen auch: »Kommen Sie nicht bald wieder? Ich habe so schreckliche Sehnsucht nach Ihnen.«

Wie wir in den Wald hineinrufen, so schallt es zurück. Sind wir selbst im schriftlichen Verkehr zu kordial, so dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Untergebenen oder Niedrigerstehenden gleich plump vertraulich werden. Verstehen wir es nicht, die Schranke aufrecht zu erhalten, dürfen wir kein thörichtes Gesicht machen, wenn die Untergebenen es erst recht nicht verstehen; rütteln wir nun an der Barriere, so können wir sicher sein, daß die anderen sie gleich zu Boden reißen und mit den Füßen in Stücke treten.

Ueber die Briefe an die Dienstboten mögen noch einige Worte erlaubt sein.

Man adressiere die Briefe nicht mit »Fräulein«, sondern an das Dienstmädchen So und So, oder an die Jungfer So und So. »Fräulein Jungfer« ist Unsinn, geschrieben aber wird es öfter. Ein Diener ist kein »Herr«, sondern nur zu oft ein unverschämter Knabe.

Was man seinen Dienstboten mitzuteilen hat, sage man in dürren, klaren, verständlichen Worten. So klug sind die Angestellten in den seltensten Fällen, daß sie zwischen den Zeilen lesen und erraten können, was ihre Gnädige denn eigentlich meint.

Als Unterschrift der Briefe schreibe man nur seinen Namen, man vermeide Redensarten wie: »Ihre Herrin«, oder dergleichen.

Will man seinen Dienstboten einen Gruß senden, so kann man dies ruhig thun, ohne fürchten zu müssen, sich etwas zu vergeben. Aber auch hier kommt es auf die Form an. Man schreibt nicht: ich grüße Sie herzlichst, sondern einfach als Satz für sich: »Besten Gruß«. Darunter den Namen – ein mehr ist zu viel.

Man schreibe seinen Leuten prinzipiell nichts, was nicht jeder lesen kann und darf, denn darüber, daß die Dienstboten die Briefe aus Gott weiß welchem Grunde andern zeigen, muß man sich klar sein.

[408] 409. Freundschaftsbriefe. Nie läßt man sich, wie es ja auch leicht erklärlich ist, so gehen, als wenn man an einen Freund oder an eine Freundin schreibt. Hat man keinen Briefbogen mehr im Haus, so nimmt man irgend ein Stück Papier, spritzt die Feder oder macht man einen Tintenklex, so giebt man sich kaum die Mühe, ihn auszuradieren, sondern schreibt daneben: »Liebste, entschuldige, bitte, den Klex«, zuweilen schreiben junge Mädchen auch: »Dies ist ein Kuß, den ich dir gebe.« Ist der Bogen voll, so macht man, wenn uns plötzlich noch etwas einfällt, eine Nachschrift. Genügt das auch noch nicht, so schreibt man die sämtlichen Ecken des Bogens voll, schließlich schreibt man schräg über die Seiten, und was man dann noch zu sagen hat, kommt hinten auf das Couvert.

Man hat selbst das Gefühl, als ob der Brief in seinem Aeußern und in seiner Form nicht so sei, wie er sein könnte und sein sollte, aber man tröstet und beruhigt sein Gemüt mit den Worten: »Ach was, es ist ja meine beste Freundin, die wird mir das schon nicht übelnehmen.«

So zu sprechen ist falsch, bin ich schon gegen Fremde rücksichtsvoll, so muß ich es gegen meine Freunde erst recht sein, denn jede Freundschaft basiert auf Rücksichtnahme, die wir gegen einander nehmen. Rücksichtslosigkeit zerstört jede Freundschaft, auch die beste.

[409] 410. Sei vorsichtig! Wunderbar sind die Gesinnungen der Menschen, gar mancher Freund schon hat sich über Nacht in einen erbitterten Feind verwandelt. Traue niemandem zu sehr, von dessen Treue und Anhänglichkeit du nicht sichere Beweise hast, und vertraue niemandem Geheimnisse an, dessen Verschwiegenheit du nicht ganz sicher bist. Aber selbst dann sei vorsichtig. Man sollte daran denken, daß man unter Umständen mit jedem geschriebenen Wort eine Waffe gegen sich aus der Hand giebt. Wer hat nicht schon, wenn eine Freundschaft zerstört ward, bedauert, diesen oder jenen Brief geschrieben zu haben? Wer hat nicht schon um Rücksendung eines Schreibens gebeten? Wer hat nicht seinem Brief den Nachsatz hinzugefügt: »Ich bitte diesen Brief sofort nach der Lektüre zu vernichten?« Man kann sicher sein, daß derartige Bitten nie berücksichtigt werden, man wird zwar auf die Frage: »Sie haben doch, wie ich Sie bat, mein Billet sofort vernichtet?« stets ein »Aber das ist doch ganz selbstverständlich« zur Antwort erhalten, trotzdem kann man aber getrost darauf rechnen, daß der oder die Betreffende den Brief in der Tasche hat, um ihn bei Gelegenheit einer dritten Person zu zeigen.

Ohne Vertrauen ist selbstverständlich keine Freundschaft möglich, und Mißtrauen zerstört die Bande der Freundschaft. Trotzdem aber sollte man bei den Briefen an Freunde nicht allzu vertrauensvoll sein. Das einmal gesprochene Wort, lehrt uns ein alter griechischer Weiser, bringt uns keine Ewigkeit zurück.

Man spreche in den Freundschaftsbriefen nie Verleumdungen oder Verdächtigungen gegen dritte Personen aus, einmal, weil dies sicher kein Zeichen einer guten Erziehung ist, dann aber auch, weil man nie wissen kann, ob der dritte den Brief nicht durch irgend einen Zufall in die Hände bekommt. Schon manches Schreiben ist falsch von der Post bestellt worden. Mancher schrieb schon eine falsche Adresse und griff sich hinterher an die Stirn und fragte sich: »Wie ist so etwas nur möglich?«

Auch bei den Freundschaftsbriefen achte man genau auf die Adresse, die Ueberschrift im Briefe und die Unterschrift. Man denke nicht, »daß es ja nicht so genau darauf ankommt«. Man vermeide bei den Ausdrücken der Freundschaft und Zuneigung ein Zuviel, nur junge Mädchen haben das Vorrecht, nach Belieben mit den Worten »Süße, Einzige, Beste, Engel, Liebling« und andern Schmeichelworten um sich zu werfen. Für Erwachsene schickt sich so etwas nicht, auch die 10000 Küsse, die Pensionsfreundinnen sich in einzelnen Briefen schicken, überlasse man der Jugend, die da noch nicht weiß, daß das Küssen, wenn es übertrieben wird, thatsächlich ungesund ist.

[410] 411. Liebesbriefe. Ueber die Liebesbriefe gehe ich mit jenem Stillschweigen hinweg, das dieser heikle Gegenstand erfordert. Wessen Herz voll ist, dessen Mund und dessen Feder fließen über. Ein Liebesbrief ist heilig, nur thörichte Menschen können lachen, wenn sie durch Zufall einen Einblick in das Geständnis eines liebenden Herzens erlangen. Bei einem Liebesbrief kann man so schreiben, wie das Herz es diktiert, da ist jede Scheu und jede Zurückhaltung überflüssig. Aber man schreibe keine Liebesergüsse auf Postkarten und man adressiere den Brief, ohne dem Namen des oder der Geliebten irgend welchen Zusatz zu geben. Man schreibt nicht, selbst dann nicht, wenn das Herz vor Glück und Jubel dem Zerspringen nahe ist, und wenn man sich vor lauter Freude nicht zu lassen weiß und die ganze Welt vor Uebermut auf den Kopf stellen möchte: »An den Liebling meines Herzens, Fräulein So und So«, oder »An den Lichtblick meines Daseins, an den Gott meines Lebens, Herrn –«. So etwas kommt mitunter vor, und in der Stimmung, in der wir uns selbst befinden, in der es uns nicht möglich ist, etwas mit nüchternen, klaren Augen zu prüfen und zu beobachten, finden wir es unbegreiflich, wie jemand eine solche Adresse unpassend finden kann. Auch hinten auf dem Couvert wiederhole man nicht noch einmal die bereits in dem Briefe enthaltenen Versicherungen grenzenloser Liebe und ewiger Treue. Ein Liebesbrief darf nicht schon von außen seinen Inhalt verraten. Wie das keuscheste Mädchen, nach Shakespeare, schon verschwenderisch genug ist, wenn sie dem Monde ihre Reize enthüllt, so darf auch der Liebesbrief profanen Blicken nichts enthüllen und verraten.

[411] 412. Unangenehme Briefe. Wenigen Menschen bleibt es in ihrem Leben erspart, an einen andern einen jener unangenehmen Briefe zu schreiben, die in den meisten Fällen den Absender weit mehr quälen und beunruhigen als den Adressaten. Denn wer sich so benommen hat, daß wir ihm einen Brief schreiben müssen, den der Empfänger, wie man zu sagen pflegt, nicht hinter den Spiegel steckt, der macht sich in den meisten Fällen nur sehr wenig aus unserem Schreiben. Die Veranlassung, die uns dazu treibt, einen unangenehmen Brief zu schreiben, schreiben zu müssen, kann eine sehr verschiedenartige sein. Wir haben einem Bekannten Geld geliehen, dieser hat die Rückzahlung für einen bestimmten Tag hoch und heilig versprochen, uns aber trotzdem in Stich gelassen, sodaß wir selbst in Verlegenheit geraten sind; ein Bekannter hat sich gegen uns so unpassend benommen, daß wir uns gezwungen sehen, den Verkehr mit ihm abzubrechen; ein Freund, oder besser gesagt, ein Feind, hat böswillige Verleumdungen über uns in Umlauf gesetzt, und wir wollen ihn veranlassen, sein Unrecht einzugestehen und uns um Verzeihung zu bitten – dies alles sind Fälle, wie das Leben sie sehr häufig bringt.

Bei allen derartigen Briefen überlege man sich jedes Wort auf das genaueste und beschlafe sich, wie man sagt, ein solches Schreiben gründlich. Man verfasse einen solchen Brief nie in der ersten Erregung, aber thut man es dennoch, so zerreiße man ihn hinterher. Man fühlt sich schon erleichtert und beurteilt manches ganz anders, wenn man sich den ersten Zorn von der Seele geschrieben hat. Man sei bei diesen Briefen kurz und bestimmt, aber nie grob und beleidigend, das überlasse man andern. Man führe die Thatsachen, die die Veranlassung des Briefes sind, an und füge hinzu, welche Schlüsse wir daraus für uns ziehen müssen, aber man unterlasse es, dem andern Vorwürfe zu machen. Hat ein Freund uns mit der Rückzahlung des geliehenen Geldes in Stich gelassen, so bitte man ihn bestimmt und energisch, sein gegebenes Versprechen einzulösen, aber man sage nicht: man müßte sich darüber wundern, solchen Ansichten in Geldsachen zu begegnen etc.

Weist man einen Vorwurf, eine Verdächtigung zurück, so thue man dies ruhig und fachlich, man werde nie ausfallend und gebe keine Veranlassung, daß man auch uns nun wieder Vorwürfe machen kann.

Man sei mit seinem Urteil nicht zu strenge und man prüfe genau, ehe man urteilt, und man schreibe nicht gleich: »Entschuldigungen für Ihr Benehmen giebt es überhaupt nicht.« Audiatur et altera pars, man soll beide Parteien hören, sagten die Römer.

Vielen ist das Schreiben solcher Briefe so unangenehm, daß sie im Schlußsatz alles wieder zurücknehmen, was sie bisher gesagt haben, und um Verzeihung bitten, daß sie gezwungen waren, sich einmal offen und frei auszusprechen. Einige schreiben: »Mit der Bitte, es mir nicht übel zu nehmen, daß ich Ihnen den Verkehr in meinem Hause hiermit untersage, bin ich mit den herzlichsten Grüßen in alter Gesinnung stets Ihr sehr ergebener –.«

Das ist natürlich Unsinn, aber geschrieben wird es deshalb doch, daß man so schließt, entspringt dem Wunsche, dem Freunde die bittere Pille, die man ihm zu schlucken giebt, zu verzuckern – das aber ist falsch, dann soll man derartige Briefe lieber gar nicht schreiben.

[412] 413. Anonyme Briefe. Allen Leuten, die die Absicht haben, jetzt oder später einmal einen anonymen Brief zu schreiben, sei nachstehende Anleitung auf das wärmste empfohlen. Man gehe nach dem Bahnhof, kaufe sich ein Billet und fahre nach einer weltvergessenen Gegend, in der es auf einen Umkreis von siebenunddreißig Quadratmeilen keine Feder, keine Tinte und kein Papier giebt. Dort setze man sich auf einen extra zu diesem Zweck gefällten Baumstamm und lasse sich von der Sonne so lange bescheinen, bis man verbrannt ist. Denn auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden, verdient jeder, der einen anonymen Brief schreibt. Räuber und Mörder, Hehler und Diebe sind Edelleute im Vergleich mit jenen, die unter dem Schutz der Anonymität andere Menschen verleumden und verdächtigen. Ich bitte für das krasse Wort um Verzeihung, aber ich muß es sagen: es giebt auf unserer an Gemeinheit wirklich nicht armen Welt nichts gemeineres als anonyme Briefschreiberei. Wer etwas zu sagen hat, der trete offen vor und verschweige seinen Namen nicht; für das, was man sagt und schreibt, soll man jederzeit mit seiner Persönlichkeit eintreten können. Feigheit ist nicht nur für den Soldaten, sondern für jeden Menschen schimpflich und erniedrigend und anonym zu schreiben, ist feige, ganz abgesehen davon, daß es mehr als gemein ist. Neid, Mißgunst, Haß, die niedrigsten Leidenschaften drücken dem anonymen Briefschreiber die Feder in die Hand. Wer auch nur den geringsten Anspruch darauf macht, ein gesitteter Mensch zu sein, wer nicht nur auf die Achtung seiner Mitmenschen den geringsten Wert legt, sondern wer vor sich selbst nicht alle und jede Achtung verlieren will, darf niemals auch nur daran denken, einen anonymen Brief zu schreiben. Schon ein solcher Gedanke ist empörend, wie viel mehr erst die That! Wieviel Unglück und Trauer haben anonyme Briefe schon angestiftet – es giebt keine Strafe, die für die Absender jener Schreiben zu hart, nein, auch nur hart genug wäre. Ins Fegefeuer mit ihnen – dort mögen sie büßen, wenn solche Kreaturen überhaupt imstande sind, Buße zu thun und zu bereuen.

[413] 414. Hoch-, Hochwohl- und Wohlgeboren. Auf diesem Gebiete der Brieftitulaturen wird viel gesündigt. Nun ist es ja für der Wert eines Menschen sicherlich ganz gleichgültig, für wie hoch und wie wohl geboren man ihn hält, aber wenn man einmal die Titulaturen anwendet, so sollte man sie auch richtig anwenden. Einen Zwang zur Anwendung der Titel giebt es nicht mehr; es ist jedermanns Sache zu entscheiden, wie er sich bei dieser Frage zu verhalten habe. Unsere Zeit liebt die Kürze und verschmäht immer mehr jene oft wunderlichen Kurialien, ohne die früher ein Brief undenkbar war. Bei Geschäftsbriefen läßt man heute ziemlich allgemein die Titulaturen fort; freilich wird der Kaufmann oder Lieferant klug genug sein, um sie jenen Kunden gegenüber anzuwenden, von denen er annehmen darf, daß sie Wert darauf legen. Dann soll er aber alle nach Kriecherei schmeckenden Uebertreibungen unterlassen und nicht jeden schlichten Bürger bloß aus dem Grunde »Hochwohlgeboren« titulieren, weil er ein guter Kunde ist. Gebildete und gesittete Menschen werden mit Recht peinlich berührt, wenn man ihnen einen höheren Titel verleiht, als ihnen nach ihrer sozialen Stellung gebührt.

Der wahrhaft taktvolle Mensch wird auch dann, wenn er diese Titulaturen als »mittelalterlichen Hokuspokus« lächerlich findet, einem andern den Titel gönnen, wenn er weiß oder voraussetzen kann, daß der Betreffende Wert darauf legt. Warum sollen wir unsere Mitmenschen ohne Not verletzen? Und ist es klug, eine feindselige Stimmung gegen uns hervorzurufen, bloß um kleinliche Prinzipienreiterei zu treiben?

Die Grafen sind Hochgeboren, alle anderen Menschen je nach Rang und Würde Hochwohl- oder Wohlgeboren, falls sie nicht höhere Titel haben.

Hochwohlgeboren sind offiziell die Freiherren und Barone, die wirklichen geheimen Räte, die vortragenden Räte bis herab zu den Amtsgerichtsräten und den ersten Staatsanwälten, die Oberbürgermeister, die Rektoren, Prorektoren, Professoren, die Gymnasialdirektoren, die Gymnasialprofessoren und die Oberlehrer (von Rechts wegen sind diese letzteren eigentlich auch nur Wohlgeboren). Hochwohlgeboren sind ferner sämtliche Offiziere des Heeres und der Marine, sowie die Reserveoffiziere, solange sie zu einer militärischen Uebung eingezogen sind, sonst haben sie auf das Hochwohlgeboren keinen Anspruch, falls dieser nicht aus ihrer bürgerlichen Stellung hervorgeht.

Es ist Sache des persönlichen Empfindens, ob man auch jenen, die auf das Hochwohlgeboren von Rechts wegen keinen Anspruch erheben können, diesen Titel giebt oder ob man sich mit Wohlgeboren begnügt. Manche Menschen sind leider thöricht genug, das Prädikat Wohlgeboren als Beleidigung aufzufassen, wenn sie auch gar keinen höheren Titel beanspruchen dürfen.

Geradezu lächerlich ist es, einfache Leute Hochwohlgeboren zu titulieren, denn wenn sie vernünftig sind, so erkennen sie darin eine taktlose Uebertreibung, und wenn sie unvernünftig genug sind, sich dadurch geschmeichelt zu fühlen, so soll man sie in ihrer Unvernunft nicht noch bestärken. Und doch fehlt es nicht an sonderbaren Schwärmern, die eine biedere Köchin Hochwohlgeboren titulieren und sich auf diesen Akt der Großmut noch etwas einbilden!

[414] 415. Briefe an Ausländer. Schreibt man an einen im Ausland wohnenden Bekannten, so denke man daran, die Adresse stets mit lateinischen Buchstaben zu schreiben, soweit man es kann, sollte man auch stets die in dem betreffenden Lande üblichen Worte für Herr und Dame gebrauchen.

An Engländer und Amerikaner adressiert man:

Mr. (Mister) Herr,

Mrs. (Misses), die verheiratete Frau,

Miß, Fräulein,

oder aber man schreibt auf die Adresse, aber nur an Herren die Anfangsbuchstaben seines Vornamen, den Nachnamen und dahinter das Wort Esquire z.B.H.I. Berger, Esquire.

An Damen oder an junge Mädchen kann man selbstverständlich nicht so schreiben, denn Esquire bedeutet Herr.

An Franzosen:

Monsieur (Herr),

Madame (gnädige Frau),

Mademoiselle, abgekürzt Mlle. (Fräulein).

Der Spanier ist Señor, die schöne Spanierin Señorita.

Der Italiener ist Signor, seine Frau Signora, die junge Italienerin Signorita.

In Holland heißt der Herr: Mynheer, die Holländerin wird, wenn sie verheiratet: Mefrouw angeredet, die unverheiratete junge Dame ist Mejufrouw.

Der Däne ist Her, im Plural Herrer, die Frau ist Fru und das Fräulein ist Fraken.

Nach Rußland schreibt man am besten französisch, da diese Sprache selbst auf der Post allen Beamten bekannt ist.

[415] 416. Briefgeheimnis. Das neue Strafgesetzbuch sagt: »Wer einen verschlossenen Brief oder eine Urkunde, die nicht zu seiner Kenntnisnahme bestimmt ist, vorsätzlich und unbefugterweise öffnet, wird mit Geldstrafe bis zu dreihundert Mark oder mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft.«

Allerdings tritt die Verfolgung nur auf Antrag ein, aber strafbar, wenn auch nur eines Vergehens gegen die gute Sitte, macht sich dennoch jeder, der einen Brief aufmacht, der für ihn nicht bestimmt ist, ja, man sollte nicht einmal die Postkarten lesen, die nicht an uns gerichtet sind. Viele Eheleute sagen: »Wir haben kein Geheimnis voreinander, mein Mann oder meine Frau kann ruhig alle Briefe aufmachen, die für mich ankommen.« Solche Worte zeigen von großem gegenseitigen Vertrauen. Traut man einander, so ist es völlig zwecklos, den Brief eines anderen zu öffnen, traut man aber einander nicht, so dürfte man nie einen so großen Beweis seines Mißtrauens geben, wie man es dadurch thut, daß man fremde Briefe öffnet. Auch die Korrespondenz der Kinder sollte man keiner vorzeitigen Kontrolle unterwerfen und die für sie bestimmten Briefe nicht hinter ihrem Rücken öffnen – das thue man nur dann, wenn man berechtigten Grund hat anzunehmen, daß die Korrespondenz für unsere Kinder schädlich und verderblich ist und daß sie sich mit ihren Briefen auf verbotenen Pfaden befinden.

Man sollte sich auch nie um die Korrespondenz seiner Dienstboten kümmern oder gar die für sie bestimmten Karten lesen; das schickt sich nicht und außerdem erfährt man da zuweilen manches, was man lieber nicht wüßte. »Was ich nicht seh und nicht weiß, macht mich nicht heiß.« Ein weiser Mann war es, der zuerst so sprach, und wer danach handelt, ohne natürlich in das Extrem zu verfallen, gar nichts wissen zu wollen, handelt klug und weise, nicht in letzter Linie, wenn es sich um das Briefgeheimnis handelt.

Quelle:
Baudissin, Wolf Graf und Eva Gräfin: Spemanns goldenes Buch der Sitte. Berlin, Stuttgart [1901], S. 390-416.
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