Vorwort.

Dieses Werk, welches die Dichterin in den Tagen ihrer Blindheit, kurz vor ihrem Hinscheiden mir dictirte, und ich hiermit, ihrem Willen gemäß, der deutschen Lesewelt übergebe, ging unter Kämpfen und schwerer Krankheit aus frommer Liebe hervor – ein Schwanengesang der Dichterin. Man kann deshalb wegen vorkommender Mängel und Lücken wol auf gütige Nachsicht vertrauen.

Helmina von Chezy äußerte in ihrem letzten Schreiben an Se. Majestät den König von Preußen unter anderm Folgendes: »Das Werk des Dichters ist die Perle, sein Selbst ist die Muschel, die den Himmelstropfen in ihrem Busen zum geistigen Schmuck ausbildet, und stirbt, wenn sie ihn vollendet hat. Die Perlenfischerin ist die Zeit; aus ihrem Netz erkieset der Ewige sie für die rechte Stätte, wo sie leuchten soll.« Dies bewährte sich treu bei ihr selbst: schon wenige Wochen nach Beendigung dieses Werks starb sie.

Es war zu Anfang des Jahres 1853, als ich in den Zeitungen las: Helmina von Chézy läge erkrankt, erblindet und verarmt in Genf. Tief ergriffen schrieb ich, als eine[5] ihrer nächsten Verwandten (meine Großmutter Eleonore Borngräber war die Schwester der Karschin), ihr einige tröstliche Worte. Sofort erhielt ich herrliche Briefe von ihr.

In dem ersten schrieb sie: »Meine Augen, die ausgeweinten, haben wieder einige Thränen gefunden, als ich Deinen Brief vorlesen hörte, und in diesen Thränen war Süßigkeit. Wir blinde Sterbliche, wir klagen über Verlassenheit und Mangel an fühlenden Seelen, indeß ungeahnt im Verborgenen uns Veilchen blühn, die von einem himmlischen Frühling sagen. Schreibe mir ja bald wieder, denn lange leben werde ich wol nicht mehr. Wie schön, wenn Deine Verhältnisse Dir gestatteten, zu mir zu kommen, bis mein Auge bricht. Ich hatte seit allen diesen Jahren viel nach Schlesien gedacht, allein ich wußte nicht, wohin ich einen Brief adressiren sollte. Ich hatte viel Schicksale erlitten. Im Jahre 1832, am 31. August starb mein Gatte, am 1. December 1846 mein herrlicher Sohn Max, aller andern Betrübnisse nicht zu gedenken. Ich bin ausgeplündert und leide die bitterste Noth ....«

Im folgenden Briefe heißt es: »Ich lag seither wie ich selber glaubte, sterbend, jetzt scheine ich mich wunderbar zu erholen. Könnte ich das Herz von Deinem Arm umspannt sanft brechen lassen! Ich bin jetzt in einer Auseinanderzerrung meiner Gedanken, Wünsche und Entschlüsse. Ich weiß sehr wohl, was zu thun wäre, wenn ich Dich als meinen guten Engel des Trostes und der Liebe in der Nähe hätte. Ich denke mir, so süß wird es sein für die greise Dichterin, mit der jungen Tochter der Poesie, mit Dir zusammen zu arbeiten. Die Grundlage und Richtung[6] meiner Werke sagt Dir gewiß zu, und wir könnten Gutes für Zeit und Ewigkeit stiften. Wenn Du eine Weile bei mir gewesen wärest, und ich, geistig erheitert und erhoben, wiederum den Sinn für das Leben gewinne, der mir früher eigen, so wäre ich neu geschaffen, die Flügel der Seele würden sich lüften, würden vom Thränenregen lassen und ihre altgewohnte Schwungkraft wiederfinden. Dies ist also mein wohlüberlegter Wunsch! Rüste Dich mit Nachsicht und Liebe, und komm zu mir. In Deiner Umgebung werde ich neu aufleben, und der Trost dichterischer Freundschaft wird mich erheben und begeistern. Die Krisis meiner Schwäche ist überstanden, und ich fühle die Quellen des Lebens jetzt schon wieder hervorsprudeln. Wenn Du mein Augenlicht sein wirst, wie bald mein Herz, so wollen wir um die Wette dichten und singen wie Trutz-Nachtigallen. Du bist mir nothwendig, und eine liebende Seele, die mich umgibt. Wir könnten Schönes zu Tage fördern, und ich hätte den Trost, Dir zur Herausgabe meine zu hinterlassenden Schriften zu übergeben . ... Die Sehnsucht der Großmutter Karschin nach Tirschtiegel habe ich oft empfunden, und Gott erfüllt sie vielleicht; wir wollen wie treue Kinder ihm alles anheimstellen. In der Poesie wollen wir fleißig sein, Du sollst Dir noch einen Namen machen. Vielleicht begünstigt mich Gott, daß ich noch früher oder später an Deinem Herzen sterbe. Mehr als Augenlicht und Körperkraft fehlt mir, ich bedarf Liebe und diese bringst Du, gutes süßes Herz. Ich werde Deine zweite Mutter sein, ich bitte Dich, auch Deine neue Mutter Du zu nennen, denn[7] das Sie steht wie ein Schlagbaum zwischen zwei liebevollen Herzen.«

Meine Mutter, die ich treu gepflegt, war mir kurze Zeit vorher gestorben, und ich reiste, fast mittellos wie ich war, mit meinem kleinen Ersparniß von Tirschtiegel bis Genf. Leider fand ich die Aussage der Zeitung nur allzu sehr bestätigt.

Meine Pflichten waren schwer; aber ich habe sie im Aufblick zu Gott, in Mitgefühl und Geduld stets treu und gewissenhaft geübt, bei unzähligen Nachtwachen und großen Nahrungssorgen immer die Leidende theilnehmend und liebend gepflegt. Dies Bewußtsein ist mir süß und macht alles Herbe vergessen.

Helmina sagte mir, sie leide schon siebzehn Jahre an einem schleichenden Fieber und heftigen Unterleibskrämpfen; diese Uebel verschlimmerten sich täglich, oft wurde sie beim Dictiren davon unterbrochen, und sie hielt dann meine Hände vor Angst fest.

Trotz ihrer großen Ungeduld, auch wol augenblicklichen Heftigkeit, deren Ausbruch zum großen Theil ihren schweren Leiden zuzuschreiben war, verlor sie nichts von ihrer fesselnden Anziehungskraft. Sie war unermüdlich thätig. Jugendfrisch lebte ihr Geist noch ein mal auf, als ich ihr vieles von der Karschin zu erzählen wußte, was, bisher ungedruckt, mir von meinem Vater treu übergeben worden war. Die Memoiren wurden nun mit rechtem Geistesfeuer begonnen, alles Neue von der Karschin wob sie mit hinein. Meine Feder konnte oft dem schnellen Dictiren kaum folgen. Ihr Gedächtniß blieb ihr fast immer treu, und die Bilder[8] aus ihrer eigenen bewegten, thatenreichen und ereignißvollen Vergangenheit bis in die Kindheit hinab standen klar vor ihrer Seele. Morgens 4 Uhr saß ich schon am Schreibtisch, ihrer Ermahnung folgend: »Schreibe schnell, nimm die Augenblicke wahr, Du hast mich nicht mehr lange, ich gleiche einer Sterbenden!« Dann rief sie auch oft: »Schreibe fleißig, es ist für Dich, ich werde ja den Druck nicht überleben.«

Mitte December 1853 war das Werk beendet und wurde sofort an Varnhagen von Ense zur Correctur zugesandt, welcher schon auf die vorhergegangene Anfrage Helmina's erwiderte: »Ich werde Ihr Werk mit Antheil und Vergnügen lesen, von der mir ertheilten Erlaubniß zu kleinen Aenderungen gewissenhaft – das heißt nicht ohne die dringendsten Gründe – den möglichst sparsamen Gebrauch machen etc.« Nach Empfang des Werks schrieb Varnhagen von Ense unterm 28. December an Helmina: »Ich habe das werthe Manuscript mit größtem Eifer und höchstem Genuß durchgelesen. Von der Befugniß, welche Sie mir im Betreff des Inhalts und Ausdrucks gütigst ertheilt haben, konnte ich bis jetzt keinen Gebrauch machen. Das Werk ist mit so eigenthümlicher Natürlichkeit und Anmuth geschrieben, daß man ihm den größten Reiz nähme, wollte man darin etwas verändern; selbst wo die Nachlässigkeit etwas auszuarten scheint, im Fallenlassen des Fadens und Wiederaufnehmen desselben, im Vor- und Zurückgreifen, möchte ich zu keiner Abhülfe rathen, da die Eigenheit des Ganzen gerade darin besteht, ein Erzeugniß unmittelbarer Eingebung, ungezwungener[9] und freier Mittheilung zu sein. Denn so wie es ist, ist es sein bestes Lob. Sie haben einen überaus reichen mannichfachen und wichtigen Lebensstoff mit leichter Hand anmuthig vorgeführt und entfaltet; überall erkennt man die Wahrheitsliebe, die Ihnen ihre Schilderungen eingegeben hat, überall die Milde und Güte, von denen Sie dabei geleitet worden sind. Die großen Ereignisse und Verhältnisse einer verhängnißvollen Zeit, die bedeutendsten Persönlichkeiten, welche dieser Zeit angehören, und die eigenen Schicksale, die sich durch den großen Weltwirrwarr durchwinden, alles führt zu höhern Anschauungen, zu fruchtbaren Betrachtungen. Genug, das Buch macht Ihrem Geist wie Ihrem Herzen die größte Ehre, und ich zweifle nicht, daß es bei der Lesewelt eine günstige Aufnahme finden wird. Von den frühen Kämpfen der Karschin bis zu ihrem eigenen spätern Ringen ist eine Steigerung, der man mit eifrigem Antheil zu folgen gezwungen ist, und die einen fast tragischen Eindruck macht.« Bei Vorlesung dieses Briefes weinte die Dichterin Freudenthränen, die ich mit ihr theilte.

Acht Tage vor ihrem Tode sagte sie mir noch: »Meine letzte Stunde erscheint, Gott erfüllte meinen Wunsch, dies Buch zu vollenden, und Du wirst es nebst meinen sämmtlichen zu hinterlassenden Schriften der Welt übergeben!« Durch diese Uebergabe und Schenkung ihrer Schriften, die sie mir schon in ihren Briefen zugesichert, erwies sie mir nicht nur ihre Erkenntlichkeit für Pflege und Beistand in ihrer Verlassenheit, sondern wollte mir auch einen Ersatz für meine vielfachen und großen Opfer, die meine geringe[10] Habe ganz erschöpft hatten, darbieten. Nach Tische schlummerte sie eine Stunde, dann las ich ihr eine Stunde lang vor, oft die Bibel, das Evangelium Johannis, die Bergpredigt, wobei sie einmal mit Thränen in den Augen ausrief: »Was sind alle Schriften großer Geister – sie veralten! Aber dies Buch, wie ist es immer wieder so neu!« Ausgefahren wurde selten, dazu fehlten Zeit und Mittel, und zum Ausgehen die Kräfte. Selbst wenn sie von zwei Personen geführt wurde, mußten auf einem kleinen Gange viele Ruheplätzchen gesucht werden.

Einige Tage vor ihrem Tod dictirte sie mir noch nachfolgendes Gedicht, welches sie aber bei allzu großer Körperschwäche nicht mehr vollenden konnte. Wenn es auch nur als ihr letztes Product auf Veröffentlichung Anspruch machen kann, so halte ich mich doch für verpflichtet, es hier mitzutheilen:


An Seine Majestät den König Friedrich Wilhelm IV.

Bald wird mein sel'ger Geist Dich frei umschweben,

O Du, mein König! Bald entfliegt dem Mund,

Der nun erbleicht, der letzte Hauch von Leben –

Und wahres Leben wird statt Traum mir kund!


So nimm denn meinen Segen vor dem Scheiden,

Der zu Dir wallet wie ein Opferduft.

Ihn höret Gott, mein Hort in allen Leiden,

Der meine Sehnsucht nun zum Ziele ruft.


So fahr' denn wohl, Du wirst mich nie vergessen,

Weil ich Dich je geliebt mit frommer Treu!

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
[11]

Wie bekannt, empfing die Dichterin durch die Huld des Königs eine vierteljährliche Pension von 50 Thalern; ihren Dank sprach sie meistentheils in Gedichten aus.

Der 25. Januar war der Dichterin Geburtstag; wir feierten ihn zum letzten mal und unter Thränen. Drei Tage darauf erschien ihr Sterbetag, an welchem die Baronesse Marie von Heldritt, ihre engelgleiche Freundin, wie sie dieselbe nannte und wie sie es auch war, sie noch besuchte, ihr eine Erfrischung zu bringen, welche die Sterbende schon sprachlos, doch noch eilig, mit sichtlicher Erquickung nahm. Kurz vor dem Scheiden umschlang sie mich mit offenen Armen, preßte mich an ihre Brust und küßte mich. Dies bewegte mich tief, ich dachte an meine Mutter, die ein Gleiches that.

Kniend betete ich unter Thränen einsam an ihrem Sterbebette, küßte die edle Stirn und die erkaltenden treuen Hände, – und so entschlief sie sanft in Gott. Es war um Mitternacht, am 28. Januar 1856. Am 31. Januar vormittags 10 Uhr wurde die entseelte Hülle durch den ehrwürdigen Pastor Andersen (bei dem wir kurz vorher noch communicirt) mit einer kräftigen Rede in der Wohnung und einer Einsegnung am Grabe feierlich zur Erde bestattet. Ihre Ruhestätte befindet sich Nr. 4527, tombe 5, ligne 3, auf dem allgemeinen Kirchhofe in Plain-palais zu Genf.

Ein treuer Freund Helmina's, Professor Schad, rief ihr in einer Mittheilung über sie in der augsburger »Allgemeinen Zeitung« (Beilage zu Nr. 53, 22. Februar 1856), folgende Worte nach: »Die Erde sei ihr so leicht, als[12] das Leben ihr schwer gewesen; und stand ihr Lebenspfad von Dornen nie leer, so empfange den heimischen und fremden Wanderer ihr Grabeshügel stets voll von Rosen!«

Mir aber gestatte man noch nachsichtig hier folgenden


Nachruf an Helmina von Chezy.

Durchfurcht von Schmerz, gebückt am Pilgerstabe,

Das greise Haupt gebleicht von Lebensmühn!

Nun endlich ruhst Du sanft in Deinem Grabe,

Du schwergeprüfte deutsche Sängerin!


Längst konntest Du der Blumen flurentsprossen,

Des Sternenhimmels Dich nicht mehr erfreun.

Dein strahlend Aug' war längst der Welt verschlossen,

Und Nacht umhüllte Dich im Sonnenschein.


Viel herbes Leid war in Dein Los gewoben,

Schon als Dein Haupt noch blond Gelock umfloß.

Dein inn'res Blühn hat siegreich Dich erhoben,

Indeß dem Geist ein Eden sich erschloß.


Hier thronte Licht – es flammte hell und kräftig

Zum Urquell alles Lichts, der es genährt.

Jetzt in der großen Ewigkeit geschäftig,

Wirkst Du mit theuern Ahnen fromm verklärt.


Dein Grab – so fern vom heimatlichen Boden –

Wird immer frisch von edler Hand bekränzt.

Oft säuselt leis herüber Liebesoden,

Wenn eine Thrän' um Dich im Aug' mir glänzt.


So ruhe wohl, bis Gott den Leib einst wecket.

Ein Monument erbaute sich Dein Lied! –

Ob auch, kein Marmor Deinen Hügel decket –

In treuer Brust Dir ein Gedenken blüht!
[13]

Was die Herausgabe dieses Werks der verewigten Dichterin betrifft, so erachte ich es für nothwendig, noch einiger besondern Umstände Erwähnung zu thun: Als mir auf meiner Rückreise von Genf, Ausgangs Juni 1856, in Berlin das Manuscript Helmina's von Varnhagen von Ense treu übergeben wurde, bat ich ihn, dasselbe doch selbst herausgeben zu wollen, was er jedoch mit den Worten. »Es enthält Günstiges von mir« ablehnte. Ebenso legte ich bei meiner Durchreise durch Dresden das Manuscript dem Director des Historischen Museums Kraukling zur Herausgabe vor, welcher mir aber, nachdem er einen Theil desselben durchgesehen, aus ganz gleichem Grunde eine ablehnende Antwort gab. Es blieb mir nun nichts übrig, als dies Werk nur mit den oben angeführten Worten Helmina's der Welt selbst zu übergeben. Doch die dazu erforderlichen Schritte wurden durch eine Krankheit, welche mich nach meiner Rückkehr in die Heimat als eine Folge der heftigen Gemüthsbewegungen an der theuern Helmina Sterbebette heimsuchte, längere Zeit hinausgeschoben, sodaß ich erst viel später als ich gehofft hatte die Reise nach Leipzig unternehmen konnte, um das Werk der Verlagshandlung F.A. Brockhaus anzubieten, wie es Varnhagen von Ense mir selbst angerathen hatte.

Ueber eine eigenthümliche Angelegenheit noch wenige Worte. Seit längerer Zeit erscheinen im »Morgenblatt« Skizzen »Aus dem Leben einer deutschen Dichterin«, die bei der gesammten deutschen Lesewelt ebenso reges Interesse als schmerzliches Erstaunen erregten; dies letztere[14] darum, weil sie von Herrn Wilhelm von Chézy in Wien, Helmina's ältestem Sohn herrühren, der darin über seine eigene Mutter, deren Liebe für ihn nicht erstorben, sondern nur zurückgedrängt war, in einem Ton spricht, der nicht eben von Pietät und Kindesliebe hervorgerufen ist. Derselbe versucht nun, nachdem er durch öffentliche Blätter von dem bevorstehenden Erscheinen des vorliegenden Werks Kunde erhalten – wol aus Gründen, die ihm selbst am besten bekannt sein mögen –, die von seiner Mutter verfaßten »Denkwürdigkeiten« als gefälschte zu bezeichnen und mein Recht zur Herausgabe derselben in Frage zu stellen, indem er sich als Universalerben der Verstorbenen betrachtet. Ueber den ersten Punkt brauche ich nichts weiter zu bemerken: für die Echtheit der Memoiren bürgt außer den in der Sache selbst liegenden Gründen mein Wort; über den zweiten kann ich mich einfach auf das oben Angeführte berufen.

Uebrigens drängt mich meine Liebe zu der Verewigten noch zu der Nachschrift: es ist mir ein schmerzliches Gefühl, daß wieder Helmina's eigener Sohn, Herr Wilhelm von Chézy, es ist, welcher abermals das Andenken der Todten beunruhigte, indem er ihren Namen mit seinen Anklagen und Schmähungen in Verbindung brachte.

Doch genug von diesen traurigen Verhältnissen!

Varnhagen von Ense, diesem so treuen Freunde Helmina's, der ihr jetzt in das Land der Verklärten nachgefolgt ist, gemahnt es mich noch am Schluß dieser Vorrede ein Wort des Dankes zu widmen für den hülfreichen[15] Beistand, den er mit Rath und That bei Herausgabe dieses Werks leistete. Bis zu den letzten Tagen seines Lebens interessirte er sich noch mit warmer und thätiger Theilnahme für das baldige Erscheinen desselben, dem er erwartungsvoll entgegensah. Nicht minder dankbar muß ich eines andern bewährten Freundes Helmina's gedenken, des schon oben erwähnten Directors Kraukling in Dresden, der in mehrfacher Weise und besonders durch Berichtigung von vorkommenden Namen in dem von ihm durchgesehenen Theile der Handschrift den Memoiren Helmina's, an welchen auch er, so wenig als Varnhagen von Ense, irgendetwas ändern mochte, und an deren Echtheit beide keinen Augenblick zweifelten, seine gütige Mitwirkung zu Theil werden ließ. Dieser Dankaltar sei der Schlußstein meines Vorworts.


Tirschtiegel (Provinz Posen),

im October 1858.


Bertha Horngräber.[16]

Quelle:
Chézy, Helmina von: Unvergessenes. Leipzig 1858, Band 1, S. V5-XVII17.
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