Araberkaffeebaum

[59] Araberkaffeebaum, Coffea arabica L. [Zorn pl. med. Tab. 375.] mit länglicht eirunden Blättern, fünfspaltigen Blumen und zweisamigen Beeren, ein das ganze Jahr hindurch jesminartige Blumen und violette reife Beeren tragender zwanzig bis dreisig Fuß hoher Baum in Arabien, vorzüglich im Königreiche Yemen.

Die von der anfangs fleischigen, endlich dürren Haut durch steinerne Walzen abgesonderten Samen (sem. Coffeae arabicae), welche zuerst 1657 über Marseille nach Europa kamen, und noch jetzt Mocha- oder levantischer Kaffee genannt werden, sind klein und von bleichgelber Farbe, welche ins Grüne fällt.

Er steht gewöhnlich in fast doppelt so hohem Preise als die geringern Kaffeesorten aus Amerika, muß aber diesen als Arznei stets vorgezogen werden.

Man bedient sich des Kaffees nie anders, als daß man diese Samen schnell über starkem Feuer soweit röstet, daß sie nur eben dunkelbraun werden, und etwas bränzlichtes angenehm riechendes Oel auf ihrer Oberfläche zu zeigen anfangen. Dann breitet man sie sogleich in kalter Luft aus, daß sie verkühlen, pülvert sie fein, rührt das Pulver mit kochendem Wasser an, läßt den Aufguß etliche Minuten stehen, und seihet ihn dann durch.

Dieser Kaffeeaufguß ist eins der schätzbarsten Arzneimittel, die wir kennen; er erwecket und erhöhet die Reizbarkeit aller Muskelfasern des Körpers, je nachdem die Gabe stark ist, bis zum höchsten Grade, und giebt daher das beste Erweckungsmittel für Scheintode ab, vorzüglich solche, welche von der bösen Luft stinkender Gruben, vom Kohlendampfe oder in Kellern voll gährender Flüssigkeiten erstickt oder erfroren sind. Er ist das wirksamste und beste Gegengift aller narkotischen Pflanzen, des Kirschlorberwassers, des Mohnsafts, des Bilsenkrautes, des Stechapfels, der Tollkirsche, des Wütherichs, des Schierlings, der Rebendolde u.s.w. Er spannt alle straffe Fibern ab, und hilft in den daher rührenden Krankheiten. Er verwahrt am besten gegen Erfrieren. Aus Unkunde braucht man ihn selten arzneilich, mißbraucht ihn aber ungeheuer diätetisch. Als tägliches häufiges Getränk fährt er fort unsre Generation zu erschlaffen, und Unvermögenheit, allgemeine Schwächlichkeit, Zittern, Bleichsucht, weißen Fluß und Empfindelei hervorzubringen.


Quelle:
Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon. 1. Abt., 1. Teil, Leipzig 1793, S. 59.
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