Auspressen

[75] Auspressen (Expressio). Dieser mechanischen Vorrichtung bedient man sich, um aus festen Theilen eine Flüssigkeit zu scheiden, welche von selbst nicht ausrinnen würde. Man bedient sich ihrer, um aus Samen u.d. gl. die fetten Oele, aus den frischen Pflanzentheilen den Saft zu gewinnen, und zu mehrern ähnlichen Behufen.

Dieses geschieht, indem man die Substanzen, welche vorher von allen Unreinigkeiten, Schalen u.s.w. befreiet, gestoßen oder gequetscht worden, und in einen leinenen, hänfenen oder pferdehaarnen Beutel geschüttet sind, zwischen die beiden Platten einer Presse bringt, die vermittelst einer Schraube angezogen wird.

Oft sind die Pflanzen zu wenig saftig oder zu schleimig, als daß sie ihre Feuchtigkeit beim Pressen bequem von sich gäben, dann ist es dienlich, sie beim Zerquetschen und Stoßen mit etwas Wasser zu vermischen, und so auszupressen.

Um die Oele aus Samen u. dgl. desto reichlicher zu scheiden, ist es in den meisten Fällen dienlich, die Platten vorher etwas zu erwärmen. Sie etliche Minuten in kochendem Wasser liegen zu lassen, ist gewöhnlich hinreichend; werden sie aber stärker erhitzt, so zersetzt sich unter dem Auspressen ein Theil des Oels, und es wird dann leicht ranzig, welches man zu vermeiden hat. Die genannte Erwärmung der Platten ist selbst dann erlaubt, wo das kalte Auspressen des Oels[75] vorgeschrieben ist. Wo aber letztere Vorschrift nicht vorhanden ist, wird auch mit vielem Vortheile der zerquetschte und zerstoßene Samen unter beständigem Umrühren in einem eisernen Kessel vorher erwärmt, ehe man ihn auspreßt. Nie aber darf dieses Warmmachen stärker seyn als das der Platten; über die Hitze des siedenden Wassers darf es in keinem Falle steigen, zu welcher Mäßigung viel Behutsamkeit gehört, man müßte denn das Rühren, wie wohl besser wäre, in einem Kessel vornehmen, welcher in einem größern mit kochendem Wasser angefüllten sieht.

Wenn man Mandeln und dergleichen Samen zum zweiten male auspressen will, so pflegt man bei dem Erwärmen etwas Wasser hinzu zu setzen, theils um das Anhängen dieser Dinge im Kessel zu verhüten, theils damit sich das Wasser in die Trestern hinein ziehe und die Entwickelung des Oels erleichtere.

Das von der Presse fließende Oel ist trübe, es reinigt sich aber durch die Ruhe, indem es die gröbern, schleimigen Theile am Boden absetzt. Ehe man es verwahrt, gießt man es von diesem Bodensatze ab, weil es sonst durch den Gährung erregenden Schleim leichter in Verderbniß gehen würde.

Je dünner und fester der Sack ist, worin die Substanz gepreßt wird, desto weniger Oel zieht sich in denselben, und desto weniger Verlust hat man.

Bei allem Pressen ist die Vorsicht nöthig, daß man die Schrauben anfangs nur sehr gelinde und langsam anziehe, damit der ungleich gedrückte Beutel nicht zerreiße, und nur erst dann, wenn die meiste Flüssigkeit ausgelaufen ist, stärker, zuletzt aber mit aller Heftigkeit zuschraube.

Die Pressen sollten nicht lang und schmal, und nur mit zwei Schrauben versehen seyn; sie biegen sich in der Mitte, und der Preßsack weicht gewöhnlich von der einen oder der andern Seite aus. Sind sie aber rund und mit drei Schrauben besetzt, so geschieht keins von beiden, und man kann die größte Gewalt anwenden. Dann werden die Platten rund, und die untere mit aufgebogenem Rande hat eine Schnautze, woraus die Flüssigkeit herabläuft, und die Presse nicht berührt.

Kleine Massen, welche nicht die größte Gewalt zum Auspressen verlangen,[76] schlägt man in ein Stück Leinwand fest ein, und dreht dann an beiden Zipfeln, aber in entgegen gesetzter Richtung, so stark und so lange, bis man seine Absicht erreicht hat.

Substanzen, welche bei starkem Pressen ihre Feuchtigkeit nicht fahren lassen, ohne selbst durch die Zwischenräume des Beutels hindurch zu dringen, z.B. niedergeschlagene noch breiförmige Bittersalzerde, behandelt man so, daß man den zugebundenen Beutel auf einen etwas geneigten reinen Tisch legt, und ein Bret darüber, welches man mit nach und nach vergrößerten Gewichten beschwert.


Runde Presse mit drei Schrauben a, a, a. Die sechskantigen Schraubenmuttern b, b, b. Die untere Platte mit erhöhetem Rande C. Der hervorragende Ausguss daran d. Der Schlüssel zu den Schraubenmuttern E.
Runde Presse mit drei Schrauben a, a, a. Die sechskantigen Schraubenmuttern b, b, b. Die untere Platte mit erhöhetem Rande C. Der hervorragende Ausguss daran d. Der Schlüssel zu den Schraubenmuttern E.

Runde Presse mit drei Schrauben a, a, a. Die sechskantigen Schraubenmuttern b, b, b. Die untere Platte mit erhöhetem Rande C. Der hervorragende Ausguss daran d. Der Schlüssel zu den Schraubenmuttern E.


Quelle:
Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon. 1. Abt., 1. Teil, Leipzig 1793, S. 75-77.
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