Benzoestorax

[100] Benzoestorax, Styrax benzoin Murr. [Dryander philos. trans. Vol. 77. Tab. 12.] mit länglichten zugespitzten, auf der untern Seite filzigen Blättern und zusammengesetzten, den Blättern an Länge gleich kommenden Trauben, ein auf der Insel Sumatra häufig wachsender Baum, aus welchem das Benzoeharz nach vorgängigen Einschnitten in den Stamm, wo die Aeste entstehen, heraus fließt. Jeder Baum giebt etwa drei Pfund.

Die Benzoe (gummi benzoes) kömmt in großen Stücken zu uns, an deren Oberfläche man noch die Eindrücke der Rohrmatten bemerkt. Sie ist ein trocknes, hartes, leicht zwischen den Händen zerbrechliches Harz von bräunlich rother, ins Grünliche fallender Farbe, welches inwendig mit hellern und dunklern Flecken und Stückchen durchwebt, durchscheinend von süßlichtem, harzig balsamischem Geschmacke, und vor sich von geringem, gerieben aber, oder angezündet, von durchdringend angenehmen, balsamischem Geruche ist. Wenn die Benzoe recht schön und mit weißlichten durchscheinenden Flecken und Körnern durchwebt ist, welche wie zerbrochne Mandeln aussehen, so nennt man sie benzoe amygdaloides. Die großen, weniger durchsichtigen, unreinen Stücke werden unreine Benzoe (benzoe in sortis) genannt.

Sie schmilzt in der Hitze, und legt Blumen von saurer Natur in der Nähe an.

Die Benzoe löset sich geschwind im Aether und fast farbelos auf.[100] Der Weingeist löset sie gänzlich zu einer Essenz von gelbröthlicher Farbe, von schärflichem, süßlichem und gelind balsamischem Geschmacke auf, welche hinzugegossenes Wasser milchfarbig trübt – und so das bekannte Schönheitsmittel die Jungfermilch (lac virginis) bildet. Weder in destillirten, noch ausgepreßten Oelen wird etwas aufgelöst.

Mit Wasser ohne Siedehitze digerirt, wird daraus zwar kein Harz, aber doch der größte Theil des darin befindlichen sauren Salzes, nach Lewis 1/10 bis 1/8 der dazu genommenen Benzoe ausgezogen, auch bei der Destillation dieses Harzes mit Wasser gehet dieses saure Salz mit dem Wasser, doch nur zum Theil über, ohne Begleitung des ätherischen Oels der Benzoe, welches bei dieser Hitze noch nicht aufsteigen kann. Der Rest kann deshalb in beiden Fällen noch zu Räucherpulvern genutzt werden, welches bei den andern Abscheidungsarten nicht so gut angeht.

Dieses saure Salz wird Benzoeblumen (flor. benzoes) genannt, weil man es gewöhnlich durch eine Art Sublimation aus dem Benzoeharze scheidet, und zwar auf verschiedne Art. Am ältesten ist die Vorrichtung, daß man die grob gepülverte Benzoe in einen im Sandbade stehenden Topf schüttet, und eine hohe, kegelförmige Papierdüte (am besten von dichtem, weißem Schreibpapiere) dergestalt darüber stürzt, daß der weite Theil derselben über den obern Theil des Topfs noch etwas herabsteige, und hier an denselben ringsum angebunden werde. Man giebt anfangs jählinges Feuer, bis die Benzoe zu schmelzen anfangen will; dann vermindert man es schnell um etwas, und erhält es so mäsig, daß zwar die Blumen bis zu Ende aufzusteigen fortfahren, aber nur wenig von dem Oele mit in die Höhe gehe. Nach anderthalb Stunden nimmt man den Papierkegel ab, welcher inwendig mit weißlichen glänzend spiesigen Krystallen, den Benzoeblumen, angefüllet ist. Man bindet einen neuen Papierkegel darüber, und wiederholt dieß so oft, bis keine Blumen mehr aufsteigen wollen, oder die bei erhöhetem Feuer noch aufsteigenden gelb oder bräunlich sind.

Auf gleiche Weise erhält man dieß Salz (eilf bis zwölf Quentchen aus dem Pfunde), wenn man nach Baume' das Benzoepulver in einer nicht allzu tiefen Schale ausbreitet, und in eine darüber gestürzte Schale (an den Fugen verklebt) das Salz aus dem Sandbade destillirt; und eben so gut, wenn man den Boden eines Topfs (nach Bergius) damit anfüllt, einen andern Topf darüber stürzt, die Fuge verklebt, und bei gemäsigtem Feuer sublimirt.

Selbst die trockne Destillation der Benzoe aus einer Retorte bei gelindem Feuer ist hievon eben nicht verschieden. Man nimmt, wenn das Oel überzusteigen beginnt, die wachsähnliche gelbe Salzmasse aus dem Retortenhalse und der Vorlage, löset sie in kochendem Wasser auf, filtrirt sie, und läßt das Salz zu nadelförmigen Krystallen im Kalten anschießen.

Aber verschieden hievon ist Scheelens Erfindung, (wodurch man wenigstens eben so viel und ein viel weißeres und reinlicheres Salz erhält,) wenn man ein aus vier Unzen[101] frisch gelöschtem Kalke mit acht bis neun Pfund Wasser bereitetes Kalkwasser allmählig unter ein Pfund fein gepülverte Benzoe rührt, das Gemisch unter stetem Umrühren eine halbe Stunde gelind kochen läßt, die Lauge eine Stunde hinsetzt, das Klare abgießt, und den Rest noch mit acht Pfunden Wasser kocht, das Klare dann zu dem vorigen gießt, und den Rest auf dem Seihepapiere noch mit heißem Wasser aussüßt. Dann kocht man die vermischten klaren Laugen bis auf zwei Pfund ein, seiht sie durch, und tröpfelt in einem Kolben so lange Salzsäure hinzu, bis die Flüssigkeit sauer schmeckt. Das hier von der Kalkerde geschiedne Benzoesalz fällt zu Boden, und man läßt es nach einigem Abwaschen mit Wasser zum Gebrauche trocknen. Will man hier die pulverichte Gestalt des Benzoesalzes in die spiesichte der Blumen umändern, so löset man es in kochendem Wasser auf, und läßt es nach vorgängiger Durchsei hung im Kalten anschießen. So erhält man 12 bis 14 Quentchen desselben aus dem Pfunde Benzoe.

Dieses durch Niederschlag verfertigte Salz ist von Oeltheilen ziemlich frei, und riecht vor sich nicht so stark, als das durch die Sublimation bereitete; aber letzteres kann durch öfterers Auflösen, Sublimiren u.s.w. in einer einzigen Operation aber durch Sublimation mit gleichen Theilen feinen Kohlenpulvers eben so geruchlos werden.

Die Benzoeblumen sind das wesentliche saure flüchtige Salz der Benzoe. Es besteht aus glänzenden silberfarbnen, nadelförmigen Krystallen von süßlichem, balsamischem, schärflichem Geschmacke, löset sich in 24 Theilen siedendem, bei 50° Fahrenh. aber in 500 Theilen Wasser, dagegen aber im Weingeiste, selbst in der Kälte leicht auf, und bildet mit Laugensalzen, süßlicht schmeckende, meist spiesige Krystallen besondrer neutralsalziger Art. Es geht in der Hitze unter weißen, Niesen und Husten erregenden Dämpfen fort, entzündet sich an der Flamme, und brennt ohne Rückstand ab.

Die Blumen werden zu 6 bis 15 Gran in der schleimigen Engbrüstigkeit innerlich verordnet. Auch etwas krampfstillendes und nervenstärkendes hat man an ihnen bemerkt.

Das bei der Destillation der Benzoe übergehende bränzlichte Oel (ol. benzoes), welches einen nicht unangenehmen Geruch besitzt, hat man ehedem in der schleimigen Engbrüstigkeit, gegen Zahnschmerzen u.s.w. verordnet.

Das Benzoeharz selbst wird fast blos zum Wohlgeruch oder als stärkende und zertheilende Räucherung gebraucht.

Die mit Wasser getrübte Benzoetinktur (lac virginis) wird zum Waschen der Kupferflecken des Gesichts gebraucht.


Quelle:
Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon. 1. Abt., 1. Teil, Leipzig 1793, S. 100-102.
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