[228] Digestor, ist ursprünglich ein von dem Engländer Dion. Papin vor etwas mehr als einem Jahrhunderte erfundenes walzenförmiges starkes kupfernes und verzinntes Gefäs (Digestor, Olla, Machina Papini) mit einem breiten Rande, worauf ein runder Deckel mittelst zwischengelegten Papiers luftdicht paßt, und mit einer starken eisernen Schraube darauf befestigt wird. In diesem Gefäse können viele der härtesten Substanzen binnen kurzer Zeit in Wasser aufgelöset, z.B. Knochen in Gallerte verwandelt werden, wenn man dieß, am besten von starkem getriebenem Kupfer bereitete, Kochgeschirr in ein hinreichendes Feuer bringt, wodurch dem inwendig in Dünste aufgelösten Wasser zuweilen eine Hitze von mehr als 520° Fahr. beigebracht wird, und das Wasser die Fähigkeit erlangt, jene ungeheure Auflösungskraft auszuüben. Wilke's Verbesserung bezieht sich vorzüglich darauf, daß die Mündung des Digestors oval gemacht, und mit dem ebenfalls ovalen Deckel von inwendig heraus verdeckt, und so mittelst einer leichten Schraube weit besser verwahrt werden kann, als nach der alten Art. Diese bestmögliche Verwahrung war um so nöthiger, da ein solches Gefäs von den inwendigen Dämpfen eine so große Gewalt zu erleiden hat, daß wenn es ja platzt, selbst Mauern von den Trümmern desselben zerrissen werden. Am besten ist es von eiförmiger Gestalt und in seinen Wänden einen halben Zoll stark, aus Einem Stück Kupfer getrieben.
Es kommen wohl wenig Fälle in der Pharmazie vor, wo eine so gewaltsame Auflösung harter Körper in Wasser nöthig wäre, und wo ja etwas ähnliches nöthig ist, da ist[228] es zuträglicher, sich eines gläsernen Gefäses statt der ungesundern metallischen zu bedienen. Cullen bediente sich eines solchen Digestors.
Eine phiolenähnliche Flasche am besten von grünlichem Glase, worein ein etwa zwei Pfund Wasser gehen, und welche in der Dicke ihrer Wände drei Viertelzoll an Glase stark ist, wird wenn sie in warmem zuletzt heißem Wasser gestanden hat, zu 5/6 mit der Flüssigkeit, welche aus der beigemischten festern Substanz die wirksamen Theile ziehen soll, angefüllt, und mit einem eingeschmirgelten mit feinem Papier umklebten gläsernen Stöpsel verstopft (den man noch mit starkem Drathe an den Hals der Flasche befestigt). Die so verwahrte, schon ziemlich warme Flasche setzt man auf einen kleinen Strohkranz in ein mit heißem Wasser angefülltes Gefäs, woraus der Hals der Flasche kaum hervorragt, und läßt das Wasser durch untergelegtes Feuer allmählig ins Kochen kommen. Man setzt das Kochen fort (etwa eine halbe bis ganze Stunde lang), bis der Digestionsaufguß in der Flasche (worin die Hitze nie bis zum Kochpunkte des Wassers steigt) seine gehörige Kräftigkeit erreicht hat.
Schnell zu bereitende geistige Tinkturen und wässerige Aufgüsse von geruchvollen trocknen Substanzen, vorzüglich solchen, welche in offenen Kochgeschirren ihre Kräfte verlieren, lassen sich in einem solchen verschlossenen Gefäse binnen einer kurzen Zeit sehr kräftig ausziehen.
Verbesserter Papinischer Digestor mit ovaler Mündung.
Cullens gläserner Digestor.
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