Potasche

[233] Potasche (Cineres clavellati) ist eine Handelsware, welche die salzhaften Theile der Holzasche enthält. Die Holzasche, vorzüglich von festen, harten Hölzern, wird zu dieser Absicht in großen Kübeln, mit Stellboden versehen, mit Wasser ausgelaugt, die Lauge in eisernen Kesseln zur harten, schwarzen, an der Luft feuchtenden Masse eingesotten, (rohe, schwarze Potasche) diese mit Meißel und Hammer ausgeschlagen, und als mäßige Stücken unter einem flachen Gewölbe auf einem Herde, an beiden Seiten mit Feuergassen versehen, bei heftigem Feuer dergestalt kalzinirt und von Zeit zu Zeit gekrükt, bis alles Brennbare darin zerstört und kleine, mehr oder weniger rundliche, klingende Massen daraus geworden sind, äußerlich und im Bruche von schneeweißer Farbe mit einem leichten blaulichen Schimmer. Diese beste Sorte wird von den Engländern Perlasche genannt. Ehedem nannte man sie in Deutschland Waidasche, weil die Waidfärber sich ihrer vorzugsweise bedienten, aber jetzt versteht man unter Waidasche ein schlechtes untaugliches Potaschfabrikat.

Wer nur mäßige Quantitäten Potasche bedarf, erhält sie von einem nahen redlichen Potaschsieder seiner Gegend, oder sieht sich nach guter Böhmischen oder Breslauer Potasche um. Größere Quantitäten erhält man von der besten Güte über Hamburg von Triest (ungarische Potasche) oder über Danzig (pohlnische Potasche) in eichenen Fässern von 11 bis 20 Zentnern. Die geringern Sorten kommen von Königsberg und die noch geringern von Riga (russische, grauliche und gelbliche Potasche).

Schon das genannte gute Ansehn giebt ein gutes Vorurtheil, überzeugt aber wird man von den Graden ihrer Güte durch einen angestellten Versuch zur Ausmittelung ihres Gehaltes an wahrem Gewächslaugensalze. Man nimmt eine Probe rings um und aus allen Gegenden der zu untersuchenden Menge, pülvert und mischt sie, löset 100 Gran davon in 200 Gran kochendem Wasser auf, seihet die Auflösung durch, läßt sie im Keller erkalten, scheidet die[233] niedergefallenen Salze durch Abgießen der hellen Lauge davon und mischt eine Auflösung von 70 Gran krystallisirter Weinsteinsäure mit 100 Gran heißem Wasser verfertigt, darunter, und wartet auf den Niederschlag bei der gewöhnlichen Temperatur unsrer Atmosphäre (65° Fahr.) zwei Stunden lang. Es fällt neu erzeugter Weinsteinrahm nieder, welcher, nach abgegossener Flüssigkeit, etwas abgespühlt, getrocknet, und gewogen, in 1:0 Granen seines Gewichts ungefähr 37 Gran gewöhnliches, reines, darin vorhandnes Gewächslaugensalz beweisen wird.

Außer dem reinen Gewächslaugensalze sind die natürlichen unalkalischen Bestandtheile in einer ächten guten Potasche etwa 1/4 oder 1/8 des Ganzen an Vitriolweinstein, Kalkerde, Kieselerde, auch wohl Digestivsalz, und vielleicht noch ein und das andre noch unbekannte Salz. Die betrüglichen Zusätze bestehen in Sand, Vitriolweinstein, Kalkerde, Kochsalz, u.s.w.

Um das reine Laugensalz aus der Potasche zu ziehen, bediente man sich ehedem der Zerfließung an der Luft, da man die Potasche, in einer Schüssel ausgebreitet, einige Zeit über im Keller stehen ließ, dann das Flüssige, Helle davon abgoß und unter dem Namen zerflossenes Weinsteinöl (Oleum tartari per deliquium) verwahrte. Geschwinder und reinlicher geht man zu Werke, wenn man die Potasche mit einem gleichen Gewichte kaltem Wasser im Keller übergießt, es Tag und Nacht damit stehen läßt, von Zeit zu Zeit umrührt, und die entstandene Lauge und was aus dem Bodensatze noch ausgepresset wird, durch Fließpapier seihet. Diese Flüssigkeit ist jener durch Zerfließen bereiteten völlig gleich. Hierin sind freilich noch, so wie in der von selbst zerflossenen Potasche, einige fremde Salze, aber nicht in großer Menge, und sie mindern sich noch mehr, wenn man bei Abdampfung der Lauge die anfänglich obenauf sich erzeugenden fremdartigen Salzkrusten mit einer durchlöcherten Kelle abnimmt und entfernt. Das übrige zur staubigen Trockenheit inspissirte Laugensalz wird in einer verstopften Flasche aufbewahrt unter dem Namen des gereinigten Potaschlaugensalzes, und, da kein Unterschied Statt findet, auch des Weinsteinsalzes (Sal tartari, Sal lixivius purificatus, alkali vegetabile depuratum, Kali praeparatum, Alkali potassinum).

So rein genug zu jedem arzneilichen Behufe kann es doch nicht im strengsten Sinne für völlig chemisch rein erklärt werden. Es bleiben bei dieser auch noch so sorgfältigen Reinigungsart, so wie in der Lauge von verbranntem Weinsteine, noch einige fremdartige Salze und in dem Laugensalze aus der Potasche auch noch Kieselerde übrig. Um daher zu gewissen Absichten das reinste Gewächslaugensalz zu verfertigen, wird das inspissirte Salz mit Weinessig gesättigt, dann bis zur Trockenheit eingedickt, gepülvert, durch rektifizirten Weingeist das reine Potaschessigsalz ausgezogen, die weingeistige filtrirte Lauge wieder eingedickt, dann im Schmelztiegel bis zur Entweichung der Essigsäure[234] verkalkt, das Salz darin mit destillirtem Wasser ausgezogen, filtrirt, und eingedickt, als das reinstmögliche, von aller fremden Beimischung freie Gewächslaugensalz, reinstes Potaschlaugensalz (alkali potassinum purissimum), dessen blos chemischen Eigenschaften nicht hieher gehören.

Dieses Laugensalz ist vor sich immer, nur zum Theil mit Luftsäure gesättigt, und der übrige ätzende Theil (ungefähr ein Drittel) giebt dem Ganzen die Eigenschaft, fortwährend an der Luft zu zerfließen; ein Salz, worauf der verstärkte Weingeist noch einige Auflösungskraft ausübt, und welches immer von scharfem, einigermaßen fressendem Geschmacke bleibt. Man findet zwar in einer konzentrirten Auflösung desselben, wenn man sie in einem locker verdeckten Gefäße an einem ganz ruhigen Orte mehrere Wochen oder Monate stehen läßt, große plattprismatische, an beiden Enden durch zwei Triangel schief zugeschärfte, in vier Theilen Wasser auflösliche, in Weingeist unauflösliche Krystallen, die herausgenommen und getrocknet ein wahres mildes, mit Luftsäure gesättigtes Potaschlaugensalz (alkali potassinum aëratum) sind, indeß die übrige Flüssigkeit noch ätzendes Laugensalz enthält. Aber selbst diese Krystallen sind sehr geneigt, einen Theil ihrer Luftsäure wieder fahren zu lassen und zu gewöhnlichem zerflossenem Gewächslaugensalze zu werden, (worin etwa ein Drittel luftsäureleer ist), wenn man diese Krystallen entweder vor sich der Hitze des siedenden Wassers aussetzt, oder sie (um sie, wenn sie nicht rein schienen, zu reinigen) in siedendem Wasser auflöst und wieder zum Anschießen in der Hitze abdunsten will.

Um daher reines, mit Luftsäure gesättigtes Potaschlaugensalz zu erhalten, bediene man sich einer reinen Lauge zum Anschusse, damit die entstandnen Krystallen keiner fernern Reinigung bedürfen, und blos abgetröpfelt und auf Papier getrocknet als rein zum Gebrauche aufbewahret werden können.

Will man diesemnach eine bestimmte Menge feuchtendes Gewächslaugensalz möglichst in luftsaures umändern und so zu Krystallen bringen, so dient das Verfahren: das zur staubigen Trockenheit eingedickte Potaschsalz auf ein flaches Geschirre dünne ausgebreitet und locker mit Pappe bedeckt in ein Wohnzimmer, wo immer Luftsäure durch die Exhalationen der Menschen erzeugt wird, ein Paar Monate hinzustellen, wo es zwar anfänglich feuchtet, aber allmählich trocknet, endlich fast völlig trocken wird, zum Zeichen der fast völligen Milderung durch eingesogene Luftsäure; ein kleiner, noch immer an feuchter Luft Feuchtigkeit einziehender Theil bleibt gleichwohl noch darin. In Höhlen aber, in welche sich aus der Erde aufsteigende Luftsäure in reinen Schichten anhäuft (wie in der Nähe einiger Mineralwasser der Fall ist) so wie in Kellern, wo sich stets gährende Flüssigkeiten befinden, ist der Erfolg geschwinder und vollkommener.

Um dieses gemilderte Laugensalz in Krystallgestalt zu bringen, wird es mit der möglichst kleinsten[235] Menge destillirtem lauem Wasser gerieben, so viel als eben zur Auflösung zureicht, die Lauge dann in einem Einmachglase einige Wochen lang in den Keller ruhig hingestellt und mit Papier verdeckt; dann werden die herausgenommenen ansehnlichsten Krystallen obbeschriebner Form, unabgespühlt, auf Fließpapier getrocknet, und zum Gebrauche verwahrt.

So vollkommen krystallisirt, ist das Potaschlaugensalz nicht nur möglichst von allen fremdartigen Salzen und von Kieselerde befreit, (da letztere blos in kaustischem Laugensalze sich aufgelöst erhalten kann, und da das Krystallisationswasser wohl gebildeter Salze ein völlig reines, von fremdartigen Salzen freies Wasser ist), sondern es hat auch nun einen sehr milden, gar nicht unangenehmen, oder scharfen Geschmack, und ist zu verschiednen Behufen der Arzneikunst dem gewöhnlichen feuchtenden Weinstein- oder Potaschlaugensalze weit vorzuziehen, z.B. in Auflösung, gegen die Zufälle des Blasensteins verordnet. Diese Auflösung darf aber nicht mit siedend heißen Flüssigkeiten bereitet werden, weil das Laugensalz dann immer wieder ein Drittel seiner Luftsäure fahren läßt und zum Theil wieder so scharf wird, wie gemeines Weinsteinsalz.

Der gebrannte Kalk, ein erdiges Salz, welches weit auflöslicher, als die Verbindung dieser Erde mit Luftsäure ist, entzieht aus diesem Grunde den Laugensalzen, und namentlich dem Potaschlaugensalze in der Digestion seine Luftsäure, um sich mit letzterer zum unauflöslichen, milden Kalke zu verbinden, und läßt das Laugensalz ätzend, das ist von Luftsäure entblöst, und mit dem Aetzstoffe, einem in der Chemie noch unbekannten Stoffe (einer eigenartigen Säure) vereinigt zurück (Potaschätzsalz). Die pharmazeutischen Präparate, die daraus entstehen, sind Seifensiederlauge, Aetzstein (w.s.) und mit Fettigkeiten verbunden, Seife.

Doch macht man die Gewächslaugensalze noch durch andre Verfahrungsarten ätzend, z.B. durch Verpuffen des Weinsteins mit Salpeter, und durch Verpuffung des Salpeters mit Zusatz eines Metalls z.B. des Spießglanzkönigs, wo der laugensalzige Grundtheil des Salpeters sehr ätzend zurückbleibt.

Je mehr das Gewächslaugensalz mit Aetzstoff vereinigt, d.i. je ätzender es ist, um desto vollkommener läßt es sich in Weingeist auflösen, und bildet durch Abdampfung dann ein krystallinisches Salz, welches der wirksame Grundtheil in der sogenannten Weinsteintinktur, und der scharfen Spießglanztinktur ist.

Dieses Potaschätzsalz dient innerlich in der geistigen Auflösung gegeben gegen verschiedne Stockungen der Säfte, kalte Geschwülste, Hautausschläge, Gliederschmerzen, und äußerlich zerstört es, in Substanz aufgelegt, als Aetzstein und Seifensiederlauge, alle thierischen Theile, Auswüchse, u.s.w. man öfnet damit Eiterungsgeschwülste, u.s.w.


Quelle:
Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon. 2. Abt., 1. Teil, Leipzig 1798, S. 233-236.
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