Potaschessigsalz

[237] Potaschessigsalz. Läßt man gereinigtes Potaschlaugensalz im Schmelztiegel nochmals glühen und sättigt es dann mit der verstärktesten, (man sagt, am besten über Kohlenstaub) destillirten Essigsäure ( Essigsäure) bis zu einigem Ueberschusse an Säure, läßt die Lauge Tag und Nacht stehen, filtrirt sie dann, und läßt sie in einem gläsernen, porzellainenen oder zinnernen flachen Geschirre (mit Mousselin auf einen Reif gezogen bedeckt) im Digestorium ( Oefen) oder sonst in einer Wärme, die die Siedehitze des Wassers nicht übersteigt, eintrocknen, so erhält man ein ziemlich weißes Neutralsalz, das Potaschessigsalz (alkali vegetabile acetatum) sonst auch uneigentlich Blättererde, (terra foliata tartari, arcanum tartari, oxytartarus, tartarus regeneratus, u.s.w. genannt), welches, möglichst trocken, in verkorkten Flaschen mit weiter Mündung aufbewahrt werden muß, weil es sonst an freier Luft Feuchtigkeit anzieht, und zu einer Salzflüssigkeit wird, die man ehedem unter dem Namen liquor terrae foliatae tartari in Offizinen aufzubewahren pflegte, die aber immer von ungleichem, nie zu bestimmendem Salzgehalte war.

Wenn man mit destillirter Essigsäure gesättigte Kalkerde solange zu der bei Bereitung der wesentlichen Weinsteinsäure übrigen, tartarisirten Weinstein enthaltenden Mutterlauge hinzusetzt, bis kein Kalk weinstein mehr zu Boden fällt, so entsteht ebenfalls nach dem Abdampfen der Lauge ein Potaschessigsalz, obgleich gewöhnlich nicht von so weißer Farbe.

So oft dieses Salz nicht von erträglicher Weiße ausgefallen ist, bedarf es einiger Reinigung. Zu dieser Absicht läßt man das bräunliche Potaschessigsalz so jähling als möglich über lebhaftem Kohlenfeuer fließen, nimmt das nun schwarz gewordene Magma schnell hinweg, läßt es erkalten, löset es in destillirtem Wasser auf, setzt so viel destillirten starken Essig hinzu, als etwa verloren gegangen ist, und etwas drüber bis zum säuerlichen Geruche, scheidet das Verbrannte durch das Filtrum ab, und läßt die nun wasserhelle Lauge nach obbeschriebener Art im Digestorium allmählich zum weißen Salze eintrocknen.

Eine neuerlich empfohlne Art, das weißeste Potaschessigsalz durch Zersetzung des essigsauern Bleies (Bleizuckers) mit Potaschlaugensalz zu verfertigen, ist wegen der dabei allzu leicht möglichen Verunreinigung des Produktes mit Bleitheilen nicht anzurathen; ein so verunreinigtes Salz wird in Auflösung mit meiner Bleiprobe gemischt, sich durch die entstehende braune oder schwarze Trübung verrathen.

Die ungemeine arzneiliche Kraft dieses Salzes, verdickte thierische Säfte, vorzüglich Gallenkonkremente aufzulösen, macht es in Leberverhärtungen, Gelbsucht und der akuten Wassersucht sehr hülfreich. Es mindert aber die Lebenskraft gar sehr, und muß daher nur in der Mase gebraucht werden,[237] daß nicht allzu große Schwäche des Körpers, und Erschlaffung des Speisekanals davon entstehen.


Quelle:
Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon. 2. Abt., 1. Teil, Leipzig 1798, S. 237-238.
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