Rainfahrrevierblume

[28] Rainfahrrevierblume, Tanacetum vulgare, L. [Zorn, pl. med. tab. 246] mit doppelt gefiederten, eingeschnittenen, sägeartig gezahnten Blättern ein auf fünf Fuß hohes Kraut mit perennirender Wurzel auf Mauern und an den Rändern der Aecker und Gräben, welches im August gelbe knopfartige Blumen trägt, gewöhnlich ohne Blumenstrahl.

Man bedient sich gemeiniglich der in Gärten gewöhnlichen Abart mit krausen Blättern. Blätter, Blumen und Samen [hb. flor. sem. Tanaceti] haben sämmtlich einen heftigen Geruch und bittern Geschmack, doch so daß der Geruch der Blumen und der Samen etwas angenehmer als der des Krautes, der Geschmack der Blumen hitziger und gewürzhafter, der der Samen aber bitter und stechend ist. Das gelbe, hitzige ätherische Oel, welches alle Theile dieses Gewächses in der wässerigen Destillation liefern, deutet die hitzige Beschaffenheit desselben an. In der Gicht, selbst der auf den Magen gefallenen, hat man den Aufguß hülfreich befunden, und so hat man sich aller Theile des Krautes in mehrern Krankheiten kalter Natur, in Hysterie, Wassersucht und Spulwürmern, doch vorzugsweise der Blüthen in Hysterie und der Samen besonders gegen Würmer (mit vielem Erfolge) bedient, in einen Syrup gerührt.

Doch darf der Apotheker die kleinen cylindrischen, gewundenen, eckigen, auf beiden Enden abgestumpften Samen der Rainfahrrevierblume nicht dem levantischen Wurmsamen unterschieben, welcher weit bitterer am Geschmacke, aber nicht von dem duftenden Geruche ist, als jene.


Quelle:
Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon. 2. Abt., 2. Teil, Leipzig 1799, S. 28.
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