Regius cortex

[38] Regius cortex, auch cortex chinae flavus, und China regia flava oder lutea genannt, ist eine erst seit 1790 bekannte Rinde eines im spanischen Südamerika wachsenden Baums (von Ruiz, Cinchona pallescens genannt). Doch fangen seit einigen Jahren mehrere Sorten Rinden an, unter diesem Nahmen zu gehen.

Die zuerst unter diesem Nahmen bekannt und berühmt gewordene Rinde besteht aus ziemlich platten, etwa fingerlangen, zollbreiten und einer Linie dicken Stücken. Aeußerlich ist sie gewöhnlich von ihrem Oberhäutchen entblößt, dunkelpommeranzenfarbig, oder eisenrostfarbig, innerlich von Rhabarberfarbe; einige Tage der Luft ausgesetzt, wird sie dunkler als die rothe Chinarinde. Sie ist weit leichter an spezifischem Gewichte als die gewöhnliche Chinarinde, bricht mit vielfaserigem Bruche, läßt sich leicht mit den Fingern zerbröckeln, hat einen unmerklichen Geruch, ist ungemein bitter am Geschmacke, und nur wenig zusammenziehend, und weit weniger säuerlich. Sie giebt weit mehr wässeriges Extrakt als die gewöhnliche, auch verträgt sie der Magen besser, und sie thut dieselben Dienste in weit kleinerer Gabe.

Eine zweite Sorte besteht aus kürzern Stücken, welche ebenfalls platt, aber dicker sind, innerhalb von gelblicher Zimmtfarbe und von glattem Bruche; nur die dicksten und ältesten Rinden darunter haben einen fasichten Bruch.

Eine dritte Sorte besteht aus dünnen Röhren, einen Federkiel dick und dünner, äußerlich hochgelb, oft roth, und hat dunkelbraune,[38] unebne, doch nicht spröde Erhabenheiten; innerlich blaßgelb, oft pomeranzenfarbig. Im Bruche ist sie sehr fasericht, hart, und hat einen schwachen, aber doch deutlichen, gewürzhaften, bisamartigen Geruch, und einen sehr bittern, zusammenziehenden, aromatischen, nicht unangenehmen Geschmack. Das Pulver ist pomeranzenfarbig, und zieht leicht Feuchtigkeit aus der Luft an sich. Das geistige Extrakt daraus soll doppelt so viel als das wässerige betragen.

Man zieht diese sogenannte gelbe oder Königschinarinde (so benahmt, weil sie zuerst für die königliche Familie in Spanien bestimmt war) der gewöhnlichen jetzt weit vor, weil sie in weit kleinern Gaben dieselben Dienste thun soll. Ihr ehemaliger hoher Preis ist fast unter den Preis der gewöhnlichen Chinarinde jetzt herabgesunken.


Quelle:
Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon. 2. Abt., 2. Teil, Leipzig 1799, S. 38-39.
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