Tyrann und Pantoffelheld.

[10] Das ewige Klagelied von der Unterdrückung der Geschlechter – eine Temperamentsangelegenheit oder Gewohnheitssache, und letzten Endes eine Geldfrage – unser tägliches Brot!


Tyrann und Pantoffelheld

Nun, wo »sie« längst nicht einmal mehr die Höschen anhat – wenn auch oft »die Hosen« – und als freiwilligen Verzicht sich der langen Haare entäußerte, ohne damit ihre geheimnisvolle Simsonkraft einzubüßen, ist Mr. Adam unversehens in die Verteidigungsstellung gedrängt worden, der er sich nur durch heftigen Gegenangriff entziehen kann.


Dialog der Zeit:


Max (am Telephon): ... auch für dich habe ich gleich eine Karte genommen, wir können dann hinterher noch einen kleinen »trip« machen.

Moritz: Ausgeschlossen! Meine Frau ist seit gestern zurück –

Max: Nun wenn schon, einmal wirst du doch auch ohne sie ...

Moritz: Ich bin Egoist genug, um mir die gräßlichen Szenen zu ersparen –

Max: Armer Sklave, zeig' doch endlich einmal, wer Herr im Hause ist!

Moritz: Tu nur nicht so, das bist du ja auch nicht – »tempi passati« ...

Eine gänzlich verfehlte Moral! Im Zeichen der Parlamente kann nur das Gleichgewicht der Macht gewinnen. Im Innendienst: die Frau, im Daseinskrieg: der Mann.Daher hat er die Verantwortung als Kapitän und die verdammte Pflicht, bis zuletzt den richtigen Kurs zu steuern.


Tyrann und Pantoffelheld

Quintessenz:


Handgreiflichkeiten und Wortgefechte überlassen wir den Raubrittern. Ein Menü kann nie Mittelpunkt der Debatte werden, ein Seidenkleid nur, wenn es die Finanzen gefährdet. Als Gegendienst wird der mitternächtliche »drink an der Tanzbar« auch bei Fernsein der Gefährtin zugebilligt, sofern er nicht ostentative Vernachlässigung in sich birgt. Als vollendeter Kavalier wird er ihr, aus freien Stücken, die lila Lederpantöffelchen auf den kleinen Fuß streifen, der aus dem Spalt der Badezimmertür herauslugt ...


Tyrann und Pantoffelheld

Quelle:
Reznicek, Paula von / Reznicek, Burghard von: Der vollendete Adam. Stuttgart 1928, S. 10-13.
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