Der Kotillon.

Der Kotillon ist ein Gesellschaftsspiel in Tanzform und französischen Ursprungs. Im Jahre 1755 wurde eine Art Quadrille, die von 4 oder 8 Personen getanzt werden konnte, unter dem Namen Kotillon in Deutschland eingeführt. Entstanden ist der Kotillon, wie alle übrigen Figurentänze dadurch, daß verschiedene Tanzfiguren, von denen es schließlich eine große Anzahl gab, aneinander gereiht wurden. Die Bestimmung, welche Figuren getanzt werden sollten, überließ man dem vortanzenden Paare. Später flocht man auch Rundtänze ein. Bei Erdichtung neuer Figuren war nun jemand auf den Gedanken gekommen, Geschenke dabei zu verteilen, was Beifall fand und deshalb beibehalten wurde.

So war der Tanz allmählich auch recht lang geworden, und einige Tänzer fühlten sich veranlaßt, sich während des Kotillons zu setzen. Ungefähr um 1830 hatte der Kotillon die jetzige Form angenommen und fehlte auf keinem Tanzprogramm. Die bei dem Tanz empfangenen Orden und Kopfbedeckungen bilden eine schöne Erinnerung an den Ball. Zur Ausführung des Kotillons möchten wir bemerken, daß Touren, bei denen der Tänzer der Lächerlichkeit ausgesetzt wird, besser unterbleiben. Zu diesen zählen wir die Besen-und Kissentour – ein Herr sucht auf ein von der Dame wegzuziehendes Kissen zu knien. – Gar oft haben diese Touren einen verbissenen Haß und Unzuträglichkeiten erzeugt. Damit bei einer größeren Anzahl von Teilnehmern der Tanz nicht zu lange dauert, beginnt man mit mehreren Paaren.


Quelle:
Samsreither, J. V. & Sohn: Der Wohlanstand. Altona-Hamburg 2[1900], S. 247-248.
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