4. Krankheit.

[8] II, 9.


1. Daçavṛixa, heil diesen Mann von einer Grāhi Hexerei,

[die seine Glieder hat erfasst,]

Und hilf ihm, Holz! vom Grabesrand zur Welt der Lebenden empor.

2. Schon kommt er zu sich, kehret frisch zur lebensfrohen Schar zurück;

Es blüht ihm reiche Vaterfreud, der Männer glücklichster ist er.

3. Neu geht ihm die Erinnrung auf, zu Menschenwohnungen zieht's ihn,

So viel wie hundert Arzenein und tausend Kräuter hat er ja.

4. Den Göttern und den Priestern ward's, wie man dich Pflanze sammeln soll;

Die Götter all ersahn, wie man am Boden dich zusammensucht.

5. Der diess gemacht hat heile dich, das ist der allerbeste Arzt;

Der selbst bestelle dir den Arzt sammt Arzenein, der Glänzende!


III, 7.


1. Die hurtige Gazelle trägt ein heilsam Mittel auf dem Haupt,

Ihr Horn stösst dir das Xetriya nach allen Seiten aus dem Leib.

2. Auf ihren Vieren setzt sie dir, die männliche Gazelle, nach;

Lös auf, Geweih! das Xetriya, damit sein Herz durchflochten ist.

3. Es gleicht der Schmuck auf ihrem Haupt dem Dach, das auf vier Pfosten ruht,

Aus allen Gliedern treiben wir damit das Xetriya dir aus.

4. Die »Löser«, jenes Sternepaar, das uns vom Himmel Segen strahlt,

Die lösen deiner Krankheit Band, das obre mit dem untersten.

5. Die Wasser sind heilkräftig sehr, die Wasser nehmen Krankheit weg,

Die Wasser sind für alles gut; sie helfen dir vom Xetriya.

6. Hat ein gekochter Zaubertrank das Xetriya in dich gebracht,

So weiss ich dir ein Mittel fein, das Xetriya vertreib ich dir.

7. Wenn der Gestirne Glanz erlischt, und wenn das Morgenroth erbleicht,

Dann schwinde von uns jeder Schmerz, und es erlosch das Xetriya!


V, 4.


1. Du Kräftigster der Pflanzenwelt, der du der Bergeshöh entsprosst,

Komm Kuṣṭha, Takmantilger du, den Takman tilge weg von hier!

2. Vom Berg, der Geier Brutstatt, stammst, vom Schneegebirge kommst du her.

Mit Schätzen sucht dich, wer's gehört; mau weiss, dass du den Takman tilgst.

3. Der Açvattha am Göttersitz im dritten Himmel über uns, –

Dort wollten dich die Götter hin, dich, das leibhaft'ge Amṛita.[9]

4. Ein goldnes Schiff mit goldnen Taun fährt auf des Himmels Ocean,

Auf dem gewann der Götter Schar dich, Blume des Unsterblichen!

5. Auf goldnen Pfaden zogen sie, und ihre Ruder waren Gold;

Auf goldnen Schiffen fuhren sie, als sie den Kuṣṭha holten sich.

7. Du bist fürwahr ein Götterspross und bist des Soma trauter Freund,

So thue meinem Lebenshauch und diesem meinem Auge wohl.

8. Nordisch, ein Spross des Schneegebirgs, wirst du zum Volk im Ost gebracht;

Des Kuṣṭha beste Arten bringt hier in dem Osten man zu Markt.

9. Der Beste bist ja, Kuṣṭha, du, und Bester heisst der dich gezeugt,

Drum alles Siechthum lass vergehn und nimm dem Takman seine Kraft,

10. Kopfschmerz, Verlust des Augenlichts, Verletzung eines Körpertheils, –

Der Kuṣṭha heil von alle dem, – ein göttlich kräftig Mittel traun!


6. Hier Kuṣṭha! diesen meinen Mann, den stelle her, den bring zurecht, den mache du mir ganz gesund.


V, 5.


1. Vom Elternpaare Nacht und Dunst stammst du, dein Ahn ist Aryaman;

Silācī ist der Name dein, der Götter Schwester bist du ja.

2. Wer von dir trinkt, entgeht dem Tod; du schützst das Leben solchem Mann.

Du bist die Allerhalterin, hegst einen wie im Mutterschoss.

3. Du klimmst hinauf am nächsten Baum und gleichst der Dirn, der lüsternen.

Die hilfereiche Siegerin, die Retterin wirst du genannt.

4. Was mit dem Stock verwundet ist, durch Pfeilschuss oder Schlag der Faust,

Das alles wird durch dich geheilt, so heile denn hier diesen Mann!

5. Des edlen Plaxa Seitenspross, Açvattha's, Khadira's, Dhava's,

Des edlen Nyagrodha, Parṇa's bist du, so komm Arundhatī!

6. Du Reizende, Goldfarbige, du Schönste, glänzend wie die Sonn,

Komm, Heilung für's Gebrochene! Heilung dein ganzes Wesen ist.

7. Du Reizende, Goldfarbige, du Duftige im Haargewand,

Der Wasser Schwester bist du, Lack! und deine Seele ist der Wind.

8. Du ziegenfahle Silācī, dein Vater ist ein Jungfernsohn.

Gott Yama hat ein schwarzes Ross; mit dessen Blut bist du besprengt.

9. Geronnen Pferdeblut ist sie; drum sprang sie zu den Bäumen hin;

Beflügle gleich dem Bach den Lauf, und komm zu uns, Arundhatī!


V, 22.


1. Den Takman möge Agni von hier scheuchen,

Soma, der Pressstein, Varuṇa, der edle,[10]

Der Opferherd, die Streu, der Scheiter Flammen;

verschwinden sollen, wie's auch sei, die Hasser.

2. Du, der du allen gelbe Farbe leihest,

in Glut sie setzend und wie Feuer sengend,

Du sollst jetzt, Takman! deine Kraft verlieren,

entweich nach unten nun, so oder anders.


3. Den fleckigen, den sprenkligen, der sich ansieht wie röthlich Mehl,

Treib diesen Takman unterwärts hinaus, du Allbewirkender!

4. Abwärts entsende ich Takman, nachdem ich Ehre ihm bezeugt,

Der Faustkämp des Çakambhara kehr um zu den Mahāvṛiṣas.

5. Er ist bei den Mahāvṛiṣas und bei den Mūjavat zu Haus;

Ja von Geburt an schon, Takman, gehörst du zu den Balhikas.

6. Takman, du tückischer, lass los, du fleckiger halt ja recht fern;

Die flüchtge Sclavin falle an, auf diese schleudre dein Geschoss.

7. Geh zu den Mūjavat, Takman! und weiter zu den Balhikas,

Die geile Çūdradirne pack, die, Takman, schüttle etwas her.

8. Schon unsrer Leut; die Mūjavat und die Mahāvṛiṣas verzehr;

Die sind's und andre fremde Gaun, die wir dem Takman zeigen an.

9. Was bleibst du nicht im fremden Land? Du hast ja Macht, verschone uns! –

Schon hat sich Takman vorgesehn, er zieht gleich zu den Balhikas.

10. Wenn du eiskalt, dann glühend heiss, zusammt dem Husten schüttelst uns,

Dann, Takman! fasst ein Grauen uns vor deinen Waffen; schon uns doch!

11. Verbinde dich mit diesen nicht: mit Schwindsucht, Husten, Udyuga;

Komm ja von dort nicht wieder her; darum, o Takman, bitt ich dich.

12. Mit deinem Bruder Husten geh, mit deiner Schwester Schwindsucht auch,

Nimm auch die Base Krätze mit, Takman, zu jenem fremden Volk.

13. Komm er am dritten oder sonst, im Herbst nur oder immerfort,

Mit Frost, mit Hitz, – den Takman heil im Sommer und zur Regenzeit!

14. Den Gandhāris und Mūjavat, den A gas und den Magadhas,

Gleich einem Diener, einem Schatz, wird Takman von uns zugestellt.


VI, 24.


1. Sie strömen all vom Himavat zur Sindhu hin, wer weiss nur wo?

– Die Wasser, diese mögen mir das Mittel gegen Brustweh leihn.

2. Was mir am Auge ist verletzt, an Fersen oder vorn am Fuss,

Die Wasser sollen's heilen ganz, sie, die die besten Aerzte sind.

3. Die ihr zur Frau und Königin die Sindhu habt, ihr Flüsse all,

Gebt uns, was diesen Schaden heilt, den Segen möchten wir von euch.
[11]

VI, 90.


1. Den Pfeil, den Rudra auf dich schoss, dir in die Glieder und in's Herz,

Den ziehen wir nunmehr dir aus, aus jedem Glied, in das er drang.

2. Die Adern, die dir hundertfach von Glied zu Glied sich ziehen hin,

Aus diesen allen treiben wir das Gift dir durch Beschwörung aus.

3. Ehr sei dem Rudra, wenn er schiesst! Ehr sei dem angelegten Pfeil,

Dem abgeschossnen Pfeil sei Ehr und Ehre auch dem treffenden!


VI, 91.


1. Diess Korn erwuchs auf einem Feld, das man mit drei und vier Joch pflügt;

Mit diesem zieh den Bresten ich rückwärts vom Leibe dir hinweg.

2. Nach unten geht des Windes Wehn, nach unten geht der Sonne Brand,

Abwärts entströmt der Kuh die Milch, abwärts entweich dein Bresten auch.

3. Die Wasser sind so heilsam ja, die Wasser scheuchen Krankheit fort,

Die Wasser heilen jedes Ding, die seien deine Arzenei.


VI, 112.


1. Lass ihren Besten nicht durch diesen morden,

verhüt Agni, dass er entwurzelt werde;

Lös kundig auf die Stricke der Unholdin,

es sollen alle Götter dich begünstgen.

2. Befreie, Agni! diese von der Fesseln

Dreizahl, womit die drei gebunden waren.

Lös kundig auf die Stricke der Unholdin,

befreie alle, Vater, Sohn und Mutter.

3. Die Schlingen, die ihn fest umfangen hielten,

die Glied für Glied belegten und umstrickten,

Die mögst du lösen; denn sie sind zum Lösen;

auf Kindesmörder wälz das Unheil, Pūṣan!


VI, 113.


1. Auf Tṛita wälzten diesen Bann die Götter,

und Tṛita war's, der ihn den Menschen zuschob;

Wenn daher dich ein Geist der Krankheit anfiel,

soll Göttersegen ihn von dir vertreiben.

3. In Rauch, in Sonnenstäubchen gehe über,

in Dunst verflieg, in Nebel lös dich, Uebel!

Im Schaum der Flüsse magst du dich verlieren!

Auf Kindesmörder wälz das Unheil, Puṣan![12]

3. Was zwölffach Tṛita auferlegt war, hat er

von sich gestreift; es ist nun Menschenunglück:

Wenn daher dich ein Geist der Krankheit anfiel,

soll Göttersegen ihn von dir vertreiben!


VII, 53.


1. Da du, Bṛihaspati! vom Banne Yama's,

vom Loos der Abgeschiedenen erlöstest,

Da rückten von uns weg die Götterärzte,

die Açvin, hilfereich den Tod, o Agni!

2. Vereinigt euch, verlasset nicht den Körper,

dein Ein- und Ausbauen bleibe dir beisammen.

Erlebe hundert Herbste froh gedeihend,

Agni behüte dich als bester Schirmherr!

3. Die Lebenskräfte, die dir sind entschwunden,

der Aus- und Einhauch kehre wieder in dich.

Agni holt solches aus des Grabes Schosse,

und in dich schaffe ich hinein es wieder.

4. Es möge diesem nicht der Odem ausgehn,

der Hauch ihn nicht verlassen und entschwinden.

Den sieben Ṛiṣis übergeb ich diesen,

dass sie ihm hohen Alters Glück bescheren.


5. Einhauch und Aushauch! ziehet ein, wie Stiere in die Herde gehn;

Ein Schatz für's Alter – möge der ganz unversehrt allhier gedeihn.

6. Den Odem treiben wir dir zu, das Siechthum treib ich von dir weg,

Es schenke dieser Agni werth uns allenthalben Lebenskraft.

7. Aus Finsternissen steigen wir zum höchsten Himmelsraum empor,

Zum Sonnengott im Göttersitz, zum höchsten Lichte geben wir.

Quelle:
Hundert Lieder des Atharva-Veda. Tübingen 1879 [in: Schulschriften a. d. Kgr. Würtemberg. Nachtrag 1869–80], S. 8-13.
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