IV. Für Republik zu sterben!

[162] Nur im Sturz von sechsunddreißig Thronen

Kann die deutsche Republik gedeihn;

Darum, Brüder, stürzt sie ohne Schonen,

Setzet Gut und Blut und Leben ein.

Für Republik zu sterben,

Ist ein Los, hehr und groß, ist das Ziel unsres Muts!


So sangen die Freischärler auf der Eisenbahn, als ich nach Neustadt fuhr, um dort Willichs momentanes Hauptquartier zu erfragen.

Für Republik zu sterben, war also von nun an das Ziel meines Muts oder sollte es wenigstens sein. Ich kam mir sonderbar vor mit diesem neuen Ziel. Ich sah mir die Freischärler an, junge, hübsche, flotte Burschen. Sie sahen gar nicht aus, als ob der Tod für Republik vorderhand das Ziel ihres Mutes sei.

Von Neustadt aus fuhr ich mit einem requirierten Bauerwagen nach Offenbach, zwischen Landau und Germersheim, wo Willich noch war. Dicht hinter Edenkoben stieß ich auf die ersten, von den Bauern auf seinen Befehl ausgestellten Wachtposten, die sich von nun an beim Ein- und Ausgang jedes Dorfs und auf allen Kreuzwegen wiederholten und niemanden ohne schriftliche Legitimation von den Insurrektions behörden durchließen. Man sah, daß man dem Kriegszustand etwas näher kam. Spät in der Nacht traf ich in Offenbach ein und übernahm sogleich bei Willich Adjutantendienste.

Während dieses Tages – es war der 13. Juni – hatte ein kleiner Teil des Willichschen Korps ein glänzendes Gefecht bestanden. Willich hatte zu seinem Freikorps einige Tage vorher noch ein badisches Volkswehrbataillon, das Bataillon Dreher-Obermüller, als Verstärkung bekommen und von diesem Bataillon etwa fünfzig Mann gegen Germersheim, nach Bellheim vorgeschoben. Hinter ihnen lag noch in Knittelsheim eine Kompanie des Freikorps nebst einigen Sensenmännern. Ein Bataillon Bayern mit zwei Geschützen und[162] einer Schwadron Chevaulegers machten einen Ausfall. Die Badenser flohen, ohne Widerstand zu leisten; nur einer von ihnen, von drei reitenden Gendarmen überholt, verteidigte sich wütend, bis er endlich, ganz zerhackt von Säbelhieben, hinfiel und von den Angreifern vollends getötet wurde. Als die Flüchtigen in Knittelsheim ankamen, brach der dort stationierte Hauptmann mit nicht ganz 50 Mann, von denen einige noch Sensen hatten, gegen die Bayern auf. Er verteilte seine Leute geschickt in mehre Detachements und ging in Tirailleurlinie mit solcher Entschiedenheit vor, daß die mehr als zehnfach überlegnen Bayern nach zweistündigem Kampf in das von den Badensern im Stich gelassene Dorf zurückgedrängt und endlich, als noch einige Verstärkung vom Willichschen Korps ankam, aus dem Dorf wieder hinausgeworfen wurden. Mit einem Verlust von etwa zwanzig Toten und Verwundeten zogen sie sich nach Germersheim zurück. Es tut mir leid, daß ich den Namen dieses tapfern und talentvollen jungen Offiziers nicht nennen darf, da er sich wahrscheinlich noch nicht in Sicherheit befindet. Seine Leute hatten nur fünf Verwundete, unter denen keiner gefährlich. Der eine dieser fünf, ein französischer Freiwilliger, hatte einen Schuß in den Oberarm bekommen, ehe er selbst zum Feuern kam. Trotzdem verschoß er noch seine sämtlichen sechzehn Patronen, und als seine Wunde ihn am Laden hinderte, ließ er sein Gewehr durch einen Sensenmann laden, um nur feuern zu können. Am nächsten Tage gingen wir nach Bellheim, um den Kampfplatz anzusehen und neue Dispositionen zu treffen. Die Bayern hatten mit Vollkugeln und Kartätschen auf unsre Tirailleure gefeuert, aber nichts getroffen als die Zweige der Bäume, mit denen die ganze Straße übersät war, und den Baum, hinter dem der Hauptmann stand.

Das Bataillon Dreher-Obermüller war heute vollzählig gegenwärtig, um sich jetzt ganz in Bellheim und Umgegend festzusetzen. Es war ein schönes, gutbewaffnetes Bataillon, und namentlich die Offiziere sahen mit ihren Knebelbärten und braunen Gesichtern voll Ernst und Begeisterung wie wahre denkende Menschenfresser aus. Zum Glück waren sie so gefährlich nicht, wie wir mehr und mehr sehen werden.

Zu meiner Verwunderung erfuhr ich, daß fast gar keine Munition vorhanden sei, daß die meisten Leute nur fünf bis sechs, einige wenige zwanzig Patronen besäßen und daß der Vorrat nicht einmal ausreiche, um die ganz leeren Patrontaschen der gestern im Feuer gewesenen Mannschaft zu füllen. Ich erbot mich sogleich, nach Kaiserslautern zu gehen, um Munition zu holen, und machte mich denselben Abend noch auf den Weg.

Die Bauerwagen fahren schlecht; die Notwendigkeit, stationsweise neue Wagen zu requirieren, die Unkenntnis der Wege usw. halten ebenfalls auf.[163] Es war Tagesanbruch, als ich nach Maikammer, etwa halbwegs Neustadt, kam. Hier stieß ich auf eine Abteilung Pirmasenser Volkswehr nebst den vier nach Homburg geschickten Kanonen, die man in Kaiserslautern schon verloren geglaubt hatte. Über Zweibrücken und Pirmasens, von da auf den elendesten Bergwegen war es ihnen gelungen, bis hierher durchzukommen, wo sie endlich in die Ebene debouchierten. Die Herren Preußen waren so eilig mit der Verfolgung nicht, obgleich unsere Pirmasenser, durch Strapazen, Nachtmärsche und Wein aufgeregt, sie schon auf ihren Fersen glaubten.

Einige Stunden später – es war am 15. Juni – kam ich nach Neustadt. Die ganze Bevölkerung war auf den Straßen, dazwischen Soldaten und Freischärler, wie man in der Pfalz alle Volkswehren in Blusen ohne Unterschied nannte. Wagen, Kanonen und Pferde versperrten die Zugänge. Kurz, ich war mitten in die Retirade der gesamten pfälzischen Armee geraten. Die provisorische Regierung, der General Sznayde, der Generalstab, die Büros, alles war da. Kaiserslautern war aufgegeben, die Fruchthalle, der »Donnersberg«, die Bierhäuser, der »strategisch gelegenste Punkt der Pfalz«, und für den Moment war Neustadt das Zentrum der pfälzischen Verwirrung, die erst jetzt, wo es zum Kampf kam, ihren Höhepunkt erreichte. Genug, ich unterrichtete mich über alles, nahm möglichst viele Fässer Pulver, Blei und fertige Patronen mit – was sollte die Munition auch dieser ohne eine Schlacht in Trümmer aufgelösten Armee weiter nützen? –, schaffte mir nach zahllosen vergeblichen Versuchen endlich in einem benachbarten Dorfe einen Leiterwagen und fuhr mit meiner Beute und einigen Mann Bedeckung abends wieder ab.

Vorher ging ich zu Herrn Sznayde und trug, ob er nichts für Willich zu bestellen habe. Der alte Gourmand gab mir einige nichtssagende Bescheide und fügte mit wichtiger Miene hinzu: »Sehen Sie, wir machen es jetzt gerade wie Kossuth.«

Wie die Pfälzer aber dazu kamen, es geradeso wie Kossuth zu machen, das hing folgendermaßen zusammen. Die Pfalz besaß in der blühendsten Epoche der »Erhebung«, d.h. am Tage vor dem Einrücken der Preußen, etwa 5000 bis 6000 Mann, die mit Gewehren aller Art bewaffnet waren, und an 1000 bis 1500 Sensenmänner. Diese 5000 bis 6000 möglichen Kombattanten bestanden erstens aus dem Willichschen und rheinhessischen Freikorps und zweitens aus der sogenannten Volkswehr. In jedem Landkommissariatsbezirk war ein Militärkommissär mit dem Auftrage, ein Bataillon zu organisieren. Als Kern und Instruktoren dienten die dem Bezirk angehörigen übergegangenen Soldaten. Dies System der Vermischung der Linientruppen mit den neuausgehobenen Rekruten, das während eines aktiven Feldzugs mit strenger Disziplin und fortwährender Waffenübung zu den besten Resultaten geführt[164] hätte, verdarb hier alles. Die Bataillone kamen aus Mangel an Waffen nicht zustande; die Soldaten, die nichts zu tun hatten, verbummelten alle Disziplin und kriegerische Haltung und liefen großenteils auseinander. Endlich kam in einigen Bezirken eine Art Bataillon zusammen, in den andern existierten nur einige bewaffnete Haufen. Mit den Sensenmännern war vollends nichts anzufangen; überall im Wege, nie wirklich zu gebrauchen, hatte man sie teils als interimistisches Anhängsel bei ihren respektiven Bataillonen gelassen, bis man Gewehre für sie bekäme, teils in ein besondres Korps unter dem halbnärrischen Hauptmann Zinn vereinigt. Der Bürger Zinn, der vollständigste Shakespearesche Pistol, den man sehen kann, der beim Ausreißen vor Landau unter Held Blenker über seine Säbelscheide gestolpert war, daß sie zerbrach, der aber nachher mit großem Pathos schwor, eine »vierundzwanzigpfündige feurige Bombenkugel« habe sie ihm entzweigerissen, dieser selbe unüberwindliche Pistol wurde bisher zu Exekutionen gegen reaktionäre Dörfer verwandt. Er unterzog sich diesem Amte mit großem Eifer, so daß die Bauern zwar sehr großen Respekt vor ihm und seinem Korps hatten, ihn aber auch jedesmal gehörig durchprügelten, wo sie ihn allein zu fassen bekamen. Auf ihrer Rückkehr von solchen Fahrten mußten dann die Sensenmänner ihre Sensen in Scharten und Splitter schlagen, und wenn er nach Kaiserslautern kam, erzählte er mörderliche Falstaffiaden von seinen Kämpfen mit den Bauern.

Da mit solchen Kräften natürlich wenig auszurichten war, so befahl Mieroslawski, der erst am 10. im badischen Hauptquartier eintraf, daß die Pfälzer sich fechtend an den Rhein zurückziehen, womöglich den Rheinübergang bei Mannheim gewinnen, sonst aber bei Speyer oder Knielingen auf das rechte Rheinufer gehen und sodann von Baden aus die Rheinübergänge verteidigen sollten. Gleichzeitig mit diesem Befehl traf die Nachricht ein, daß die Preußen von Saarbrücken aus in die Pfalz eingedrungen seien und unsre wenigen an der Grenze aufgestellten Leute nach einigen Flintenschüssen gegen Kaiserslautern zurückgeworfen hätten. Zugleich konzentrierten sich fast alle mehr oder weniger organisierten Truppenteile in der Richtung auf Kaiserslautern und Neustadt; es entstand eine grenzenlose Verwirrung, und ein großer Teil der Rekruten lief auseinander. Ein junger Offizier der schleswig-holsteinischen Freischaren von 1848, Rakow, ging mit 30 Mann aus, die Deserteure wieder zu sammeln, und brachte in zweimal vierundzwanzig Stunden ihrer 1400 zusammen, die er in ein »Bataillon Kaiserslautern« formierte und bis zum Ende des Feldzugs führte.

Die Pfalz ist in strategischer Beziehung ein so einfaches Terrain, daß selbst die Preußen hier keine Schnitzer machen konnten. Längs dem Rhein liegt[165] ein vier bis fünf Stunden breites Tal ohne alle Terrainhindernisse. In drei bequemen Tagemärschen kamen die Preußen von Kreuznach und Worms bis nach Landau und Germersheim. Über die gebirgige Hinterpfalz führt die »Kaiserstraße« von Saargemünd nach Mainz, meist auf dem Bergrücken oder durch ein breites Bachtal. Auch hier sind so gut wie gar keine Terrainhindernisse, hinter denen eine numerisch schwache und taktisch ungebildete Armee sich nur einigermaßen halten könnte. Von der Kaiserstraße endlich trennt sich hart an der preußischen Grenze, bei Homburg, eine vortreffliche Straße, die teils durch Flußtäler, teils über den Rücken der Vogesen über Zweibrücken und Pirmasens direkt nach Landau führt. Diese Straße bietet freilich größere Schwierigkeiten dar, ist aber auch mit wenig Truppen und ohne Artillerie nicht zu versperren, besonders wenn ein feindliches Korps in der Ebene manövriert und den Rückzug über Landau und Bergzabern verlegen kann.

Hiernach war der Angriff der Preußen sehr einfach. Der erste Einfall geschah von Saarbrücken gegen Homburg; von hier aus marschierte eine Kolonne direkt auf Kaiserslautern, die andre über Pirmasens auf Landau. Gleich darauf griff ein zweites Korps im Rheintal an. Dies Korps fand in Kirchheimbolanden den ersten heftigen Widerstand an den dort liegenden Rheinhessen. Die Mainzer Schützen verteidigten den Schloßgarten mit großer Hartnäckigkeit und trotz bedeutender Verluste. Sie wurden endlich umgangen und zogen sich zurück. Ihrer siebenzehn fielen den Preußen in die Hände. Sie wurden sogleich an die Bäume gestellt und von den schnapstrunkenen Heroen des »herrlichen Kriegsheers« ohne weiteres erschossen. Mit dieser Niederträchtigkeit begannen die Preußen ihren »zwar kurzen, aber ruhmvoll in Feldzug« in der Pfalz.

Hiermit war die ganze nördliche Hälfte der Pfalz gewonnen und die Verbindung der beiden Hauptkolonnen hergestellt. Sie brauchten jetzt nur noch in der Ebene vorzugehen und Landau und Germersheim zu entsetzen, um sich die ganze übrige Pfalz zu sichern und alle im Gebirg sich etwa noch haltenden Korps gefangenzunehmen.

Es waren etwa 30000 Preußen in der Pfalz, mit zahlreicher Kavallerie und Artillerie versehen. In der Ebene, wo der Prinz von Preußen und Hirschfeld mit dem stärksten Korps vordrangen, stand zwischen ihnen und Neustadt nichts als ein paar widerstandsunfähige, schon halb aufgelöste Volkswehrabteilungen und ein Teil der Rheinhessen. Ein rascher Marsch auf Speyer und Germersheim, und die ganzen bei Neustadt und Landau konzentrierten oder vielmehr verworren durcheinanderzottelnden 4000 bis 5000 Mann Pfälzer waren verloren, zersprengt, aufgelöst und gefangen. Aber die Herren Preußen,[166] so aktiv, wenn es ans Füsilieren wehrloser Gefangener ging, waren höchst zurückhaltend im Gefecht, höchst schläfrig in der Verfolgung.

Wenn ich im ganzen Lauf des Feldzugs auf diese höchst seltsame Lauheit der Preußen und übrigen Reichstruppen, sowohl im Angriff wie in der Verfolgung, gegenüber einer meist sechsfach, stets wenigstens dreifach geringeren, schlecht organisierten und stellenweise erbärmlich kommandierten Armee, wenn ich auf diesen Umstand häufiger zurückkommen muß, so ist es klar, daß ich ihn nicht auf Rechnung einer aparten Feigheit der preußischen Soldaten schiebe, um so weniger, als man schon gesehen haben wird, daß ich mir über die besondre Tapferkeit unsrer Truppen durchaus keine Illusionen mache. Ebensowenig führe ich ihn, wie dies von Reaktionären geschieht, auf eine Art von Großmut oder auf den Wunsch zurück, sich nicht mit zu vielen Gefangenen zu belästigen. Die preußische bürgerliche und militärische Bürokratie hat von jeher ihren Ruhm darin gesucht, Triumphe über schwache Feinde mit großem Eklat davonzutragen und sich an den Wehrlosen mit der ganzen Wollust des Blutdurstes zu rächen. Sie hat dies auch in Baden und der Pfalz getan – Beweis: die Füsilladen von Kirchheim, die nächtlichen Erschießungen in der Fasanerie von Karlsruhe, die zahllosen Niedermetzelungen von Verwundeten und sich Ergebenden auf allen Schlachtfeldern, die Mißhandlungen der wenigen, die zu Gefangenen gemacht wurden, die standrechtlichen Morde in Freiburg und Rastatt und endlich die langsame, heimliche und darum um so grausamere Tötung der Rastatter Gefangenen durch Mißhandlung, Hunger, Aufhäufung in feuchten, erstickenden Löchern und den durch alles dies hervor gebrachten Typhus. Die laue Kriegführung der Preußen hatte ihren Grund allerdings in der Feigheit, und zwar in der Feigheit der Kommandierenden. Abgesehen von der langsamen, ängstlichen Präzision unsrer preußischen Gamaschen- und Manöverhelden, die allein jeden kühnen Zug, jeden raschen Entschluß unmöglich macht, abgesehen von den umständlichen Dienstreglements, die die Wiederkehr so vieler schmählicher Niederlagen auf Umwegen hintertreiben sollen – wo würden die Preußen jemals diese für uns so unerträglich langweilige, für sie so höchst blamable Kriegführung angewandt haben, wenn sie ihrer eignen Leute sicher gewesen wären? Aber darin lag die Ursache. Die Herren Generäle wußten, daß ein Drittel ihrer Armee aus widerspenstigen Landwehrregimentern bestand, die nach dem ersten Sieg der Insurrektionsarmee sich zu ihr schlagen und sehr bald den Abfall der Hälfte auch der Linie und namentlich aller Artillerie nach sich ziehen würde. Und wie es dann um das Haus Hohenzollern und die ungeschwächte Krone gestanden haben würde, ist wohl ziemlich klar.

In Maikammer, wo ich auf neue Fuhre und Bedeckung bis zum Morgen[167] des 16. warten mußte, holte mich die in aller Frühe von Neustadt aufgebrochne Armee schon wieder ein. Man hatte tags vorher noch von einem Marsch auf Speyer gesprochen, dieser Plan war also aufgegeben, und man zog direkt nach der Knielinger Brücke. Mit fünfzehn Pirmasensern, halbwilden Bauernjungen aus den Urwäldern der Hinterpfalz, marschierte ich ab. Erst in der Nähe von Offenbach erfuhr ich, daß Willich mit allen seinen Truppen nach Frankweiler, einem nordwestlich von Landau gelegenen Ort, abmarschiert sei. Ich kehrte also um und kam gegen Mittag in Frankweiler an. Hier fand ich nicht nur Willich, sondern abermals den ganzen Vortrab der Pfälzer, die, um nicht zwischen Landau und Germersheim durchzumarschieren, den Weg westlich von Landau eingeschlagen hatten. Im Wirtshaus saß die provisorische Regierung mit ihren Beamten, der Generalstab und die zahlreichen demokratischen Bummler, die sich an beide angeschlossen hatten. Der General Sznayde frühstückte. Alles lief durcheinander – im Gasthof die Regenten, Kommandanten und Bummler, auf der Straße die Soldaten. Allmählich zog das Gros der Armee ein: Herr Blenker, Herr Trocinski, Herr Straßer und wie sie alle heißen, hoch zu Roß, an der Spitze ihrer Tapfern. Die Verwirrung wurde immer größer. Nach und nach gelang es, einzelne Korps weiter fortzuschicken, in der Richtung auf Impflingen und Kandel zu.

Man sah es dieser Armee nicht an, daß sie auf dem Rückzug war. Die Unordnung war von Anfang an bei ihr zu Hause, und wenn die jungen Krieger auch schon anfingen, über das ungewohnte Marschieren zu jammern, so hielt sie das nicht ab, in den Wirtshäusern nach Herzenslust zu zechen, zu lärmen und den Preußen mit baldigster Vernichtung zu drohen. Trotz dieser Siegesgewißheit hätte ein Regiment Kavallerie mit einigen reitenden Geschützen hingereicht, die ganze heitre Gesellschaft in alle vier Winde zu zersprengen und das »rheinpfälzische Freiheitsheer« total aufzulösen. Es gehörte nichts dazu als ein rascher Entschluß und etwas Verwegenheit; aber von beidem war im preußischen Lager keine Rede.

Am nächsten Morgen brachen wir auf. Während das Gros der Flüchtigen nach der Kniffliger Brücke abzog, marschierte Willich mit seinem Korps und dem Bataillon Dreher ins Gebirge gegen die Preußen. Eine unsrer Kompanien, etwa fünfzig Landauer Turner, waren ins höchste Gebirg, nach Johanniskreuz, vorgegangen. Schimmelpfennig stand mit seinem Korps auch noch auf der Straße von Pirmasens nach Landau. Es galt, die Preußen aufzuhalten und ihnen in [Hinter]weidenthal die Straßen nach Bergzabern und ins Lautertal zu verlegen.[168]

Schimmelpfennig hatte indes [Hinter]weidenthal schon aufgegeben und stand in Rinnthal und Annweiler. Die Straße macht hier eine Biegung, und grade in dieser Biegung bilden die das Queichtal einschließenden Berge eine Art Defilee, hinter dem das Dorf Rinnthal liegt. Dies Defilee war mit einer Art Feldwache besetzt. In der Nacht hatten seine Patrouillen gemeldet, daß auf sie geschossen worden sei; frühmorgens brachten der Exzivilkommissär Weiß von Zweibrücken und ein junger Rheinländer, M. J. Becker, die Nachricht, daß die Preußen heranrückten, und forderten zu Rekognoszierungspatrouillen auf. Aber weder Rekognoszierungen wurden vorgenommen noch die Höhen zu beiden Seiten des Defilees besetzt, so daß Weiß und Becker sich entschlossen, auf eigne Faust rekognoszieren zu gehen. Als sich die Berichte vom Herannahen des Feindes mehrten, fingen Schimmelpfennigs Leute an, das Defilee zu verbarrikadieren; Willich kam an, rekognoszierte die Position, gab einige Befehle zur Besetzung der Höhen und ließ die ganz nutzlose Barrikade wieder forträumen. Er ritt dann rasch nach Annweiler zurück und holte seine Truppen.

Als wir durch Rinnthal marschierten, hörten wir die ersten Schüsse fallen. Wir eilten durchs Dorf und sahen auf der Chaussee Schimmelpfennigs Leute aufgestellt, viel Sensenmänner, wenig Flinten, einige schon vor ins Gefecht. Die Preußen rückten tiraillierend auf den Höhen vor; Schimmelpfennig hatte sie ruhig in die Position kommen lassen, die er selbst besetzen sollte. Noch fiel keine Kugel in unsre Kolonnen; sie flogen alle hoch über uns weg. Wenn eine Kugel über die Sensenmänner hinpfiff, schwankte die ganze Linie, schrie alles durcheinander.

Mit Mühe kamen wir an diesen Truppen vorbei, die fast die ganze Straße versperrten, alles in Unordnung brachten und mit ihren Sensen doch ganz nutzlos waren. Die Kompanieführer und Leutnants waren so ratlos und verwirrt wie die Soldaten selbst. Unsre Schützen wurden vorkommandiert, einige rechts, einige links auf die Höhen, dazu links noch zwei Kompanien zur Verstärkung der Schützen und zur Umgehung der Preußen. Die Hauptkolonne blieb im Tal stehen. Einige Schützen postierten sich hinter die Trümmer der Barrikade in der Biegung der Straße und schossen auf die preußische Kolonne, die einige Hundert Schritt weiter zurück stand. Ich ging links mit einigen Leuten den Berg hinauf.

Wir hatten kaum den buschigen Abhang erklettert, als wir auf ein freies Feld stießen, von dessen jenseitigem, waldigem Rand uns preußische Schützen ihre Spitzkugeln herüberschickten. Ich holte noch einige der ratlos und etwas scheu am Abhang herumkletternden Freischärler hinauf, stellte sie möglichst gedeckt auf und sah mir das Terrain näher an. Vorgehen konnte ich nicht mit[169] den paar Mann über ein ganz offenes Feld von 200 bis 250 Schritt Breite, solange nicht das weiter links vorgeschickte Umgehungsdetachement die Flanke der Preußen erreicht hatte; wir konnten uns höchstens halten, da wir ohnehin nur schlecht gedeckt waren. Die Preußen schossen trotz ihrer Spitzkugelbüchsen übrigens herzlich schlecht; wir standen fast gar nicht gedeckt über eine halbe Stunde im heftigsten Tirailleurfeuer, und die feindlichen Scharfschützen trafen nur einen Flintenlauf und einen Blusenzipfel.

Ich mußte endlich sehn, wo Willich war. Meine Leute versprachen, sich zu halten, ich kletterte den Abhang wieder hinab. Unten stand alles gut. Die Hauptkolonne der Preußen, von unsern Schützen auf der Straße und rechts von der Straße beschossen, mußte sich etwas weiter zurückziehn. Auf einmal springen links, wo ich gestanden hatte, unsre Freischärler eilig den Abhang hinunter und lassen ihre Position im Stich. Die auf dem äußersten linken Flügel vorgegangenen Kompanien, durch Hinterlassung zahlreicher Tirailleure geschwächt, fanden den Weg durch ein weiter liegendes Gehölz zu lang; den Hauptmann, der das Gefecht von Bellheim gewonnen, an der Spitze, gingen sie quer über die Felder vor. Ein heftiges Feuer empfing sie; der Hauptmann und mehrere andere stürzten, und der Rest, ohne Führer, wich der Übermacht. Die Preußen gingen nun vor, nahmen unsre Tirailleure in die Flanke, schossen von oben auf sie herab und zwangen sie so zum Rückzug. Der ganze Berg war bald in den Händen der Preußen. Sie schossen von oben in unsre Kolonnen; es war nichts mehr zu machen, und wir traten den Rückzug an. Die Straße war versperrt durch die Schimmelpfenningschen Truppen und durch das Bataillon Dreher-Obermüller, das nach löblicher badischer Sitte nicht in Sektionen von vier bis sechs, sondern in Halbzügen von zwölf bis fünfzehn Mann Front marschierte und die ganze Breite der Chaussee einnahm. Durch sumpfige Wiesen mußten unsre Leute ins Dorf marschieren. Ich blieb bei den Schützen, die den Rückzug deckten.

Das Gefecht war verloren, teils dadurch, daß Schimmelpfennig gegen Willichs Befehl die Höhen nicht hatte besetzen lassen, die wir mit den wenigen verwendbaren Truppen den Preußen nicht wieder abnehmen konnten, teils durch die gänzliche Unbrauchbarkeit der Schimmelpfennigschen Leute und des Bataillons Dreher, teils endlich durch die Ungeduld des zur Umgehung der Preußen kommandierten Hauptmanns, die ihm fast das Leben kostete und unsern linken Flügel bloßstellte. Es war übrigens unser Glück, daß wir geschlagen wurden; eine preußische Kolonne war schon auf dem Weg nach Bergzabern, Landau war entsetzt, und so wären wir in [Hinter]weidenthal von allen Seiten umzingelt gewesen.

Auf dem Rückzug verloren wir mehr Leute als im Gefecht. Von Zeit zu[170] Zeit schlugen die preußischen Büchsenkugeln in die dichte Kolonne, die sich größtenteils in erbaulicher Unordnung, schreiend und polternd fortbewegte. Wir hatten etwa fünfzehn Verwundete, darunter Schimmelpfennig, der ziemlich im Anfang des Gefechts einen Schuß ins Knie erhalten hatte. Die Preußen verfolgten uns wieder sehr lau und hörten bald auf zu schießen. Es waren nur einige Tirailleure an den Bergabhängen, die uns nachfolgten. In Annweiler, eine halbe Stunde vom Kampfplatz, nahmen wir sehr ruhig einige Erfrischungen zu uns und marschierten dann nach Albersweiler. Die Hauptsache hatten wir: 3000 Gulden Einzahlungen für die Zwangsanleihe, die in Annweiler bereitgelegen hatten. Die Preußen nannten das nachher Kassenraub. Sie behaupteten auch in ihrem Siegesrausch, den Hauptmann Manteuffel von unserm Korps, Vetter Ehren-Manteuffels in Berlin und übergegangnen preußischen Unteroffizier, bei Rinnthal getötet zu haben. Herr Manteuffel ist so wenig tot, daß er seitdem in Zürich noch einen Turnpreis gewonnen hat.

In Albersweiler stießen zwei badische Geschütze zu uns, ein Teil der von Mieroslawski gesandten Verstärkung. Wir wollten sie benutzen, um uns in der Nähe noch einmal zu stellen; da brachte man uns die Nachricht, die Preußen seien schon in Landau, und hiernach blieb uns nichts, als direkt nach Langenkandel abzumarschieren.

In Albersweiler wurden wir glücklich die unbrauchbaren Truppen los, die mit uns marschierten. Das Korps Schimmelpfennig hatte sich nach dem Verlust seines Führers schon teilweise aufgelöst und marschierte auf eigene Faust seitwärts nach Kandel ab. Es ließ noch jeden Augenblick Marode und sonstige Nachzügler in den Wirtshäusern zurück. Das Bataillon Dreher fing in Albersweiler an, rebellisch zu werden. Willich und ich gingen hin und trugen, was sie wollten. Allgemeines Schwelgen. Endlich rief ein schon ziemlich bejahrter Freischärler: »Man will uns auf die Schlachtbank führen!« Diese Exklamation war höchst komisch bei einem Korps, das gar nicht einmal im Gefecht gewesen war und auf dem Rückzug zwei, höchstens drei Leichtverwundete gehabt hatte. Willich ließ den Mann vortreten und sein Gewehr abgeben. Der etwas angetrunkene Graubart tat es, machte eine tragikomische Szene und heulte eine lange Rede, deren kurzer Sinn war, daß ihm das noch nie passiert sei. Darüber erhob sich eine allgemeine Entrüstung unter diesen sehr gemütlichen, aber schlecht disziplinierten Kämpfern, so daß Willich der ganzen Kompanie befahl, sofort abzumarschieren, er sei des Schwatzens und Murrens satt und wolle solche Soldaten keinen Augenblick länger führen. Die Kompanie ließ sich das nicht zweimal sagen, schwenkte rechts ab und setzte sich in Marsch. Fünf Minuten darauf folgte ihr der Rest des Bataillons,[171] dem Willich noch zwei Geschütze beigab. Das war ihnen zu arg, daß sie »auf die Schlachtbank geführt« werden und Disziplin halten sollten Wir ließen sie mit Vergnügen ziehn.

Wir schlugen uns rechts ins Gebirg in der Richtung auf Impflingen zu. Bald kamen wir in die Nähe der Preußen; unsre Schützen wechselten einige Kugeln mit ihnen. Überhaupt wurde den ganzen Abend von Zeit zu Zeit geschossen. Im ersten Dorf blieb ich zurück, um unsrer Landauer Turnerkompanie durch Boten Nachrichten zuzuschicken; ob sie sie erhielt, weiß ich nicht, doch ist sie glücklich nach Frankreich und von da nach Baden herübergekommen. Durch diesen Aufenthalt verlor ich das Korps und mußte meinen Weg nach Kandel selbst suchen. Die Wege waren bedeckt mit Nachzüglern der Armee; alle Wirtshäuser lagen voll; die ganze Herrlichkeit schien in Wohlgefallen aufgelöst. Offiziere ohne Soldaten hier, Soldaten ohne Offiziere dort, Freischärler aller Korps bunt durcheinander eilten zu Fuß und zu Wagen nach Kandel zu. Und die Preußen dachten gar nicht an ernsthafte Verfolgung! Impflingen liegt nur eine Stunde von Landau, Wörth (vor der Knielinger Brücke) nur vier bis fünf Stunden von Germersheim; und die Preußen schickten weder nach dem einen noch nach dem andern Punkt rasch Truppen hin, die hier die Zurückgebliebenen, dort die ganze Armee abschneiden konnten. In der Tat, die Lorbeeren des Prinzen von Preußen sind auf eine eigene Art errungen worden!

In Kandel fand ich Willich, aber nicht das Korps, das weiter zurück einquartiert war. Dafür fand ich wieder die provisorische Regierung, den Generalstab und das zahlreiche Gefolge von Bummlern. Dieselbe Überfüllung von Truppen, nur eine noch viel größere Unordnung und Verwirrung als gestern in Frankweiler. Jeden Augenblick kamen Offiziere, die nach ihren Korps, Soldaten, die nach ihren Führern trugen. Kein Mensch wußte ihnen Bescheid zu geben. Die Auflösung war komplett.

Am nächsten Morgen, 18. Juni, definierte die ganze Gesellschaft durch Wörth und über die Knielinger Brücke. Trotz der vielen Versprengten und Heimgegangenen betrug die Armee mit den aus Baden gekommenen Verstärkungen doch an 5000 bis 6000 Mann. Sie marschierten so stolz durch Wörth, als hätten sie das Dorf soeben erobert und zögen neuen Triumphen entgegen. Sie machten es noch immer wie Kossuth. Ein badisches Linienbataillon war übrigens das einzige, das militärische Haltung hätte und das an einer Kneipe vorbeimarschieren konnte, ohne daß einige davon hineinsprangen. Endlich kam unser Korps. Wir blieben zur Deckung zurück, bis die Brücke abgefahren werden konnte; als alles in Ordnung war, marschierten wir nach Baden hinüber und halfen die Joche ausfahren.[172]

Die badische Regierung, um die braven Karlsruher Spießbürger zu schonen, die sich am 6. Juni so tapfer gegen die Republikaner gehalten hatten, quartierte die ganze pfälzische Gesellschaft in der Umgegend ein. Wir hatten gerade darauf gedrungen, mit unserm Korps nach Karlsruhe zu kommen; wir hatten eine Menge Reparaturen und Kleidungsgegenstände nötig und hielten außerdem die Anwesenheit eines zuverlässigen, revolutionären Korps in Karlsruhe für sehr wünschenswert. Aber Herr Brentano hatte für uns gesorgt. Er dirigierte uns auf Daxlanden, ein Dorf anderthalb Stunden von Karlsruhe, das uns als ein wahres Eldorado geschildert wurde. Wir marschieren hin und finden das reaktionärste Nest der ganzen Gegend. Nichts zu essen, nichts zu trinken, kaum etwas Stroh; das halbe Korps mußte auf dem harten Fußboden schlafen. Dazu saure Gesichter an allen Türen und Fenstern. Wir machten kurzen Prozeß. Herr Brentano wurde avertiert: Wenn uns nicht vorher ein anderes, besseres Quartier angewiesen sei, würden wir am nächsten Morgen, den 19. Juni, in Karlsruhe sein. Gesagt, getan. Um neun Uhr morgens wird abmarschiert. Noch keinen Büchsenschuß vor dem Dorf kommt uns Herr Brentano mit einem Stabsoffizier entgegen und bietet alle Schmeicheleien, alle Künste der Beredsamkeit auf, um uns von Karlsruhe entfernt zu halten. Die Stadt beherberge schon 5000 Mann, die reichere Klasse sei fortgereist, der Mittelstand mit Einquartierung überladen; er werde nicht dulden, daß das tapfre Willichsche Korps, des Lob auf allen Zungen sei, schlecht untergebracht werde, usw. Half alles nichts. Willich forderte einige leere Paläste fortgereister Aristokraten, und als Brentano sie nicht geben wollte, gingen wir in Karlsruhe in Quartiere.

In Karlsruhe erhielten wir Gewehre für unsre Sensenkompanie und einiges Tuch zu Mänteln. Wir ließen Schuhe und Kleider so rasch wie möglich reparieren. Auch neue Leute kamen zu uns, mehre Arbeiter, die ich vom Elberfelder Aufstand her kannte, ferner Kinkel, der als Musketier in die Besançoner Arbeiterkompanie eintrat, und Zychlinski, Adjutant des Oberkommandos im Dresdner Aufstand und Führer der Arrieregarde beim Rückzug der Insurgenten. Er trat als Schütze in die Studentenkompanie.

Neben der Vervollständigung der Ausrüstung wurde die taktische Ausbildung nicht vergessen. Es wurde fleißig exerziert und am zweiten Tage unsrer Anwesenheit ein simulierter Sturm auf Karlsruhe vom Schloßplatz aus vorgenommen. Die Spießbürger bewiesen durch ihre allgemeine und tiefgefühlte Entrüstung über dies Manöver, daß sie die Drohung vollständig verstanden hatten.

Man faßte endlich den kühnen Entschluß, die Waffensammlung des Großherzogs in Requisition zu setzen, die bisher wie ein Heiligtum unangetastet[173] geblieben war. Wir waren eben im Begriff, zwanzig daraus erhaltene Büchsen pistonieren zu lassen, als die Nachricht kam, die Preußen seien bei Germersheim über den Rhein gegangen und ständen in Graben und Bruchsal.

Wir marschierten sogleich – am 20. Juni abends – nebst zwei pfälzischen Kanonen ab. Als wir nach Blankenloch kamen, anderthalb Stunden von Karlsruhe gegen Bruchsal zu, fanden wir dort Herrn Clement mit seinem Bataillon und erfuhren, daß die preußischen Vorposten bis etwa eine Stunde von Blankenloch vorgeschoben seien. Während unsre Leute unterm Gewehr zu Abend speisten, hielten wir Kriegsrat. Willich schlug vor, die Preußen sogleich anzugreifen. Herr Clement erklärte, mit seinen ungeübten Truppen keinen nächtlichen Angriff machen zu können. Es wurde also beschlossen, daß wir sogleich auf Karlsdorf vorgehn, etwas vor Tagesanbruch angreifen und die preußische Linie zu durchbrochen suchen sollten. Gelang uns dies, so wollten wir auf Bruchsal marschieren und uns womöglich hineinwerfen. Herr Clement sollte dann bei Tagesanbruch über Friedrichsthal angreifen und unsre linke Flanke unterstützen.

Es war etwa Mitternacht, als wir aufbrachen. Unser Unternehmen war passabel verwegen. Wir waren nicht ganz siebenhundert Mann mit zwei Kanonen; unsre Truppen waren besser exerziert und zuverlässiger als der Rest der Pfälzer Truppen, auch ziemlich ans Feuer gewöhnt. Wir wollten mit ihnen ein feindliches Korps angreifen, das jedenfalls viel geübter und mit geübtem Subalternoffizieren versehen war als wir, bei denen einzelne Hauptleute kaum in der Bürgerwehr gewesen waren; ein Korps, dessen Stärke wir nicht genau kannten, das aber nicht unter 4000 Mann zählte. Unser Korps hatte indessen schon ungleichere Kämpfe bestanden, und auf minder ungünstige Zahlenverhältnisse war ja in diesem Feldzug überhaupt nicht zu rechnen.

Wir schickten zehn Studenten als Avantgarde hundert Schritt vor; dann folgte die erste Kolonne, an der Spitze ein halbes Dutzend badische Dragoner, die uns zum Stafettendienst zugeteilt waren, dahinter drei Kompanien. Die Geschütze nebst den drei übrigen Kompanien blieben etwas weiter zurück, die Schützen bildeten den Schluß. Der Befehl war gegeben, unter keiner Bedingung zu schießen, mit der größten Stille zu marschieren und, sowie der Feind sich zeige, mit dem Bajonett auf ihn loszugehn.

Bald sahen wir in der Ferne den Schein der preußischen Wachtfeuer. Wir kommen unangefochten bis Spöck. Das Gros hält; die Avantgarde allein marschiert vor. Plötzlich fallen Schüsse; auf der Straße am Eingang des Dorfes flackert ein helles Strohfeuer auf, die Glocke läutet Sturm. Rechts und links gehen unsre Plänkler um das Dorf, und die Kolonne marschiert hinein.[174] Drinnen brennen ebenfalls große Feuer; an jeder Ecke erwarten wir eine Salve. Aber alles ist still, und nur eine Art Wachtposten von Bauern kampiert vor dem Rathaus. Der preußische Posten hatte sich bereits davongemacht.

Die Herren Preußen – das sahen wir hier – hielten sich trotz ihrer kolossalen Überzahl nicht für sicher, wenn sie nicht ihre pedantischen Vorpostendienstreglements bis ins langweiligste Detail ausgeführt hatten. Eine ganze Stunde weit von ihrem Lager stand dieser äußerste Posten. Hätten wir unsre, an Kriegsstrapazen ungewohnten Leute in derselben Weise durch Vorpostendienst abmatten wollen, wir hätten zahllose Marode gehabt. Wir verließen uns auf die preußische Ängstlichkeit und waren der Meinung, sie würden mehr Respekt vor uns haben als wir vor ihnen. Und mit Recht. Unsre Vorposten wurden bis an die Schweizer Grenze nie angegriffen, unsre Quartiere nie überfallen.

Jedenfalls waren die Preußen jetzt avertiert. Sollten wir umkehren? Wir waren nicht der Ansicht, wir marschierten durch.

Bei Neuthard abermals die Sturmglocke; diesmal aber weder Signalfeuer noch Schüsse. Wir marschieren in etwas geschlossener Ordnung auch hier durch das Dorf und die Höhe gegen Karlsdorf hinan. Unsre Avantgarde, jetzt nur noch dreißig Schritt vor, ist kaum auf der Höhe angekommen, als sie die preußische Feldwache dicht vor sich sieht und von ihr angerufen wird. Ich höre das »Wer da?« und springe vor. Einer meiner Kameraden sagte: »Der ist verloren, den sehn wir auch nicht wieder.« Aber gerade mein Vorgehn war meine Rettung.

In demselben Augenblick nämlich gibt die feindliche Feldwache eine Salve, und unsre Avantgarde, statt sie mit dem Bajonett über den Hauten zu werfen, feuert wieder. Die Dragoner, neben denen ich marschiert hatte, machen mit ihrer gewöhnlichen Feigheit sofort kehrt, sprengen im Galopp in die Kolonne hinein, reiten eine Anzahl Leute nieder, sprengen die ersten vier bis sechs Sektionen total auseinander und galoppieren davon. Zugleich geben die in den Feldern rechts und links aufgestellten feindlichen Vedetten Feuer auf uns, und um die Verwirrung vollständig zu machen, fangen mitten in unsrer Kolonne einige Tölpel an, auf ihre eigne Spitze zu feuern, und andere Tölpel machen es ihnen nach. In einem Nu ist die erste Hälfte der Kolonne zersprengt, teils in den Feldern zerstreut, teils auf der Flucht, teils auf der Straße in verworrenem Knäul zusammengeballt. Verwundete, Tornister, Hüte, Flinten liegen bunt durcheinander im jungen Korn. Dazwischen wildes, verworrenes Geschrei, Schüsse und Kugelpfeifen in allen möglichen Richtungen.[175] Und wie der Lärm etwas nachläßt, höre ich weit hinten unsre Kanonen in eiliger Flucht davonrollen. Sie hatten der zweiten Hälfte der Kolonne denselben Dienst geleistet wie die Dragoner der ersten.

So wütend ich in diesem Augenblick über den kindischen Schrecken war, der unsre Soldaten ergriffen hatte, so erbärmlich kamen mir die Preußen vor, die, avertiert, wie sie von unsrer Ankunft waren, das Feuer nach ein paar Schüssen einstellten und ebenfalls eiligst ausrissen. Unsre Avantgarde stand noch auf ihrem alten Platz, und ganz unangegriffen. Eine Schwadron Kavallerie oder ein erträglich genährtes Tirailleurfeuer hätte uns in die wildeste Flucht aufgelöst.

Willich kam von der Avantgarde eilig herangesprungen. Die Besançoner Kompanie war zuerst wieder formiert; die andern, mehr oder minder beschämt, schlössen sich an. Es wurde eben Tag. Unser Verlust betrug sechs Verwundete, worunter einer unsrer Stabsoffiziere, der an derselben Stelle von einem Dragonerpferd zu Boden gestampft war, die er den Augenblick vorher verlassen hatte, um zur Avantgarde zu eilen. Mehrere andere waren offenbar von den Kugeln unsrer eignen Leute getroffen. Wir sammelten sorgfältig alle weggeworfenen Armaturstücke auf, damit den Preußen auch nicht die geringste Trophäe zufiele, und zogen uns dann langsam nach Neuthard zurück. Die Schützen postierten sich zur Deckung hinter die ersten Häuser. Aber kein Preuße kam; und als Zychlinski noch einmal rekognoszieren ging, fand er sie noch hinter der Höhe, von woher sie ihm ein paar Kugeln sandten, ohne etwas zu treffen.

Die Pfälzer Bauern, die unsre Geschütze fuhren, waren mit der einen Kanone bis durch das Dorf gefahren; die andere hatte umgeworfen, und die Führer waren mit fünf Pferden, deren Stränge sie abhieben, fortgeritten. Wir mußten das Geschütz aufrichten und mit dem einen Stangenpferde allein fortschaffen.

Bei Spöck angekommen, hörten wir rechts, nach Friedrichsthal zu, eine allmählich lebhafter werdende Füsillade. Herr Clement hatte, eine Stunde später als verabredet, endlich angegriffen. Ich schlug vor, ihn durch einen Flankenangriff zu unterstützen, um die erhaltene Scharte auszuwetzen. Willich war derselben Meinung und befahl, den ersten Weg rechts einzuschlagen. Ein Teil unsres Korps hatte schon eingebogen, als ein Ordonnanzoffizier von Clement meldete, dieser ziehe sich zurück. Wir gingen also nach Blankenloch. Bald begegnete uns Herr Beust vom Generalstab und war höchst erstaunt, uns am Leben und das Korps in bester Ordnung zu sehn. Die schuftigen Dragoner hatten auf ihrer Flucht, die bis Karlsruhe ging, überall erzählt. Willich sei tot, die Offiziere seien alle tot und das Korps in alle vier Winde zersprengt und[176] vernichtet. Man habe mit Kartätschen und »feurigen Bombenkugeln« auf uns geschossen.

Vor Blankenloch kamen uns pfälzische und badische Truppen entgegen und endlich Herr Sznayde mit seinem Stab. Der alte Kauz, der die Nacht wahrscheinlich sehr ruhig im Bette zugebracht hatte, war unverschämt genug, uns zuzurufen: »Meine Herren, wo gehen Sie hin? Dort ist der Feind!« Wir antworteten ihm natürlich, wie sich's gebührte, marschierten vorbei und sorgten in Blankenloch für etwas Ruhe und Erfrischung. Nach zwei Stunden kam Herr Sznayde mit seiner Truppe zurück, natürlich ohne den Feind gesehen zu haben, und frühstückte.

Herr Sznayde hatte jetzt mit den aus Karlsruhe und Umgegend erhaltenen Verstärkungen ungefähr 8000 bis 9000 Mann unter seinem Befehl, darunter drei badische Linienbataillone und zwei badische Batterien. Im ganzen mochten 25 Geschütze dabei sein. Infolge der etwas unbestimmten Befehle Mieroslawskis und noch mehr der totalen Unfähigkeit des Herrn Sznayde blieb die ganze pfälzische Armee in der Gegend von Karlsruhe stehn, bis die Preußen unter dem Schutz des Germersheimer Brückenkopfs über den Rhein gegangen waren. Mieroslawski (s. seine Rapporte über den Feldzug in Baden) hatte den allgemeinen Befehl gegeben, nach dem Rückzug aus der Pfalz die Rheinübergänge von Speyer bis Knielingen zu verteidigen, und den speziellen, Karlsruhe zu decken und die Knielinger Brücke zum Sammelplatz des ganzen Armeekorps zu machen. Herr Sznayde legte dies so aus, daß er bis auf weiteres bei Karlsruhe und Knielingen stehenbleiben sollte. Hätte er, wie die allgemeinen Befehle Mieroslawskis implizierten, ein starkes Korps mit Artillerie gegen den Germersheimer Brückenkopf geschickt, so wäre nicht der Unsinn passiert, daß man dem Major Mniewski, mit 450 Rekruten ohne Geschütz, den Befehl gab, den Brückenkopf wegzunehmen, so wären nicht 30000 Preußen unangefochten über den Rhein gekommen, so wäre nicht die Verbindung mit Mieroslawski abgeschnitten worden, so hätte die Pfälzer Armee rechtzeitig auf dem Schlachtfeld von Waghäusel erscheinen können. Statt dessen trieb sie sich am Tage des Waghäuseler Gefechts, am 21. Juni, ratlos zwischen Friedrichsthal, Weingarten und Bruchsal umher, verlor den Feind aus den Augen und vergeudete die Zeit mit Kreuz- und Quermärschen.

Wir erhielten Befehl, nach dem rechten Flügel aufzubrechen und über Weingarten am Bergrande vorzugehn. Wir brachen also an demselben Mittag – den 21. Juni – von Blankenloch und abends gegen fünf von Weingarten auf. Die Pfälzer Truppen fingen endlich an, unruhig zu werden; sie merkten, welche Überzahl ihnen entgegenstand, und verloren die prahlerische Sicherheit, die sie bisher wenigstens vor dem Gefecht gehabt hatten. Von jetzt[177] an begann bei der pfälzischen und badischen Volkswehr und allmählich auch bei der Linie und Artillerie jene Preußenriecherei, jene alltägliche Wiederholung blinden Lärms, die alles in Verwirrung brachte und zu den ergötzlichsten Szenen Anlaß gab. Gleich auf der ersten Höhe hinter Weingarten stürzten uns Patrouillen und Bauern mit dem Ruf entgegen: Die Preußen sind da! Unser Korps formierte sich in Schlachtordnung und ging vor. Ich ging ins Städtchen zurück, um dort Alarm schlagen zu lassen, und verlor dadurch das Korps. Der ganze Lärm war natürlich grundlos. Die Preußen hatten sich gegen Waghäusel zurückgezogen, und Willich rückte noch denselben Abend in Bruchsal ein.

Ich brachte die Nacht mit Herrn Oßwald und seinem Pfälzer Bataillon in Obergrombach zu und marschierte mit diesem am nächsten Morgen nach Bruchsal. Vor der Stadt kommen uns Wagen mit Nachzüglern entgegen: Die Preußen sind da! Sogleich geriet das ganze Bataillon ins Schwanken, und nur mit Mühe war es vorwärts zu bringen. Natürlich wieder blinder Lärm; in Bruchsal lag Willich und der Rest der Pfälzer Avantgarde; die ihrigen rückten nach der Reihe ein, und von den Preußen war keine Spur. Außer der Armee und ihren Führern waren d'Ester, die pfälzische Exregierung und Goegg dort, der überhaupt seit Brentanos unwidersprechlich gewordener Diktatur sich fast ausschließlich bei der Armee aufhielt und die laufenden Zivilgeschäfte besorgen half. Die Verpflegung war schlecht, die Verwirrung groß. Nur im Hauptquartier wurde, wie immer, gut gelebt.

Wir erhielten abermals eine ansehnliche Zahl Patronen aus den Karlsruher Vorräten und marschierten abends ab, mit uns die ganze Avantgarde. Während diese in Ubstadt ihr Quartier aufschlug, zogen wir nach Unteröwisheim rechts ab, um im Gebirg die Flanke zu decken.

Wir waren jetzt, dem Ansehen nach, eine ganz respektable Macht. Unser Korps hatte sich durch zwei neue Abteilungen verstärkt. Erstens durch das Bataillon Langenkandel, das auf dem Wege von seiner Heimat bis zur Knielinger Brücke auseinandergelaufen war und dessen beaux restes sich uns angeschlossen hatten; sie bestanden aus einem Hauptmann, einem Leutnant, einem Fahnenträger, einem Feldwebel, einem Unteroffizier und zwei Mann. Zweitens die »Kolonne Robert Blum« mit einer roten Fahne, ein Korps von ungefähr sechzig Mann, die wie die Kannibalen aussahen und im Requirieren bedeutende Heldentaten verrichtet hatten. Außerdem waren uns noch vier badische Geschütze und ein Bataillon badischer Volkswehr zugeteilt, das Bataillon Kniery, Knüry oder Knierim (die richtige Lesart des Namens war[178] nicht zu entdecken). Das Bataillon Knierim war seines Führers, und Herr Knierim war seines Bataillons würdig. Beide waren gesinnungstüchtig, erschreckliche Maulhelden und Lärmschläger und stets besoffen. Die bekannte »Begeisterung« durchzuckte ihre Herzen, wie wir sehen werden, zu den gewaltigsten Heldentaten.

Am Morgen des 23. erhielt Willich ein Billett von Anneke, der die pfälzische Avantgarde in Ubstadt kommandierte, des Inhalts: Der Feind rücke heran, man habe Kriegsrat gehalten und beschlossen, sich zurückzuziehn. Willich, im höchsten Grade erstaunt über diese seltsame Nachricht, ritt sogleich hinüber, bewog Anneke und seine Offiziere, das Gefecht bei Ubstadt anzunehmen, rekognoszierte selbst die Position und gab die Aufstellung der Geschütze an. Er kam dann zurück und ließ seine Leute unters Gewehr treten. Während unsre Truppen sich aufstellten, erhielten wir folgenden Befehl aus dem Hauptquartier Bruchsal, unterzeichnet von Techow: Das Gros der Armee werde auf der Straße nach Heidelberg vorgehn und hoffe, denselben Tag noch bis Mingolsheim zu kommen, und wir sollten gleichzeitig über Odenheim auf Waldangelloch marschieren und dort übernachten. Weitere Nachrichten über die Erfolge des Hauptkorps und Befehle über unser ferneres Verhalten würden uns dorthin nachgeschickt werden.

Herr Struve hat in seiner abenteuerlichen »Geschichte der drei Volkserhebungen in Baden«, p. 311-317, einen Bericht über die Operationen der Pfälzer Armee vom 20. bis 26. Juni veröffentlicht, der nur eine Apologie des unfähigen Sznayde ist und von Unrichtigkeiten und Entstellungen wimmelt. Schon aus dem Erzählten geht hervor, 1. daß Sznayde keineswegs »einige Stunden nach seinem Einrücken in Bruchsal (am 22.) sichere Kunde über das Treffen von Waghäusel und dessen Ausgang erhielt«; 2. daß also keineswegs »hierdurch sein Plan ein andrer wurde und daß er, statt nach Mingolsheim zu marschieren, wie anfangs die Absicht gewesen«, keineswegs schon am 22. »beschloß, mit dem Gros seiner Division in Bruchsal zu bleiben« (das erwähnte Billett von Techow war in der Nacht vom 22. auf den 23. geschrieben); 3. daß keineswegs »am Morgen des 23. eine große Rekognoszierung vorgenommen werden sollte«, sondern allerdings der Marsch auf Mingolsheim. Daß 4. »alle Detachements Befehl erhielten, sobald sie feuern hörten, in der Richtung des Feuers zu marschieren«, und 5. »das Detachement des rechten Flügels (Willich) sein Nichterscheinen beim Gefecht von Ubstadt damit entschuldigte, es habe vom Feuern nichts gehört«, sind, wie sich zeigen wird, grobe Lügen.

Wir marschierten sogleich ab. In Odenheim sollte gefrühstückt werden. Einige bayrische Chevaulegers, die uns zum Stafettendienst zugeteilt waren,[179] ritten links um das Dorf, um etwaige feindliche Korps zu rekognoszieren. Preußische Husaren waren im Dorf gewesen und hatten Fourage requiriert, die sie später abholen wollten. Wahrend wir diese Fourage mit Beschlag belegten und unsre Leute unterm Gewehr Wein und Eßwaren verteilt erhielten, kam einer der Chevaulegers hereingesprengt und schrie: Die Preußen sind da! in einem Nu war das Bataillon Knierim, das zunächst stand, aus den Gliedern und wälzte sich in einem wilden Knäuel schreiend, fluchend und polternd in allen Richtungen durcheinander, während der Herr Major über seinem scheu gewordnen Pferd seine Leute im Stich lassen mußte. Willich kam herangeritten, stellte die Ordnung wieder her, und wir marschierten ab. Die Preußen waren natürlich nicht da.

Auf der Höhe hinter Odenheim hörten wir den Kanonendonner von Ubstadt herüber. Die Kanonade wurde bald lebhafter. Geübtere Ohren konnten schon die Kugelschüsse von den Kartätschenschüssen unterscheiden. Wir hielten Rat, ob unser Marsch fortgesetzt oder die Richtung des Feuers eingeschlagen werden sollte. Da unser Befehl positiv war und da das Feuer sich nach der Richtung von Mingolsheim zu ziehen schien, was ein Vorrücken der Unsern bezeichnete, entschlossen wir uns für den gefährlicheren Marsch, den auf Waldangelloch. Wurden die Pfälzer bei Ubstadt geschlagen, so waren wir dort oben im Gebirg so gut wie abgeschnitten und in einer ziemlich kritischen Position.

Herr Struve behauptet, das Gefecht bei Ubstadt hätte »zu glänzenden Resultaten führen können, wenn die Seitendetachements im gehörigen Moment eingegriffen hätten« (p. 314). Die Kanonade dauerte keine Stunde, und wir hätten zwei bis zweieinhalb Stunden gebraucht, um zwischen Stettfeld und Ubstadt auf dem Kampfplatz erscheinen zu können, daß heißt anderthalb Stunden, nachdem er aufgegeben war. So schreibt Herr Struve »Geschichte«.

In der Nähe von Tiefenbach wurde haltgemacht. Während unsre Truppen sich erfrischten, expedierte Willich einige Depeschen. Das Bataillon Knierim entdeckte in Tiefenbach eine Art Gemeindekeller, belegte ihn mit Beschlag, holte die Weinfässer heraus, und in Zeit von einer Stunde war alles berauscht. Der Ärger über den Preußenschrecken vom Morgen, der Kanonendonner von Ubstadt, das geringe Vertrauen dieser Helden ineinander und in ihre Offiziere, alles das, durch den Wein gesteigert, brach plötzlich in offene Rebellion aus. Sie verlangten, es solle sofort zurückmarschiert werden; das ewige Marschieren in den Bergen vor dem Feind gefalle ihnen nicht. Als davon natürlich keine Rede war, machten sie kehrt und marschierten auf eigene[180] Faust ab. Die menschenfressende »Kolonne Robert Blum« schloß sich ihnen an. Wir ließen sie ziehn und marschierten nach Waldangelloch.

Hier, in einem tiefen Talkessel, war es unmöglich, mit einiger Sicherheit zu übernachten. Es wurde also haltgemacht und Nachrichten über die Terrainverhältnisse der Umgegend und die Stellung des Feindes eingezogen. Inzwischen hatten sich durch Bauern einzelne vage Gerüchte vom Rückzug der Neckararmee verbreitet. Man wollte wissen, daß über Sinsheim und Eppingen bedeutende badische Korps auf Breiten zu marschiert seien, daß Mieroslawski selbst in strengstem Inkognito durchgekommen sei und man ihn in Sinsheim habe verhaften wollen. Die Artillerie wurde unruhig, und selbst unsere Studenten fingen an zu murren. Die Artillerie wurde also zurückgeschickt:, und wir marschierten auf Hilsbach. Hier erfuhren wir Näheres über den seit 48 Stunden bewerkstelligten Rückzug der Neckararmee und über die anderthalb Stunden von uns, in Sinsheim, stehenden Bayern. Ihre Zahl wurde auf 7000 angegeben, war aber, wie wir später erfuhren, gegen 10000. Wir waren nur 700 Mann höchstens. Unsre Leute konnten nicht weitermarschieren. Wir quartierten sie also in Scheunen ein, wie immer, wenn wir sie möglichst zusammenhalten mußten, stellten starke Feldwachen aus und legten uns schlafen. Als wir am nächsten Morgen, dem 24., ausmarschierten, hörten wir ganz deutlich bayrischen Feldschritt schlagen. Eine gute Viertelstunde nach unserm Abmarsch waren die Bayern in Hilsbach.

Mieroslawski hatte zwei Tage vorher, am 22., in Sinsheim übernachtet und war bereits mit seinen Truppen in Breiten, als wir in Hilsbach einrückten. Becker, der die Arrieregarde führte, war ebenfalls schon durch. Er kann also nicht, wie Herr Struve p. 308 behauptet, die Nacht vom 23. auf den 24. in Sinsheim zugebracht haben, denn dort standen abends acht Uhr, und wahrscheinlich schon früher, die Bayern, die schon den Abend vorher Mieroslawski ein kleines Gefecht geliefert hatten. Der Rückzug Mieroslawskis von Waghäusel über Heidelberg nach Breiten wird von den Beteiligten als ein höchst gefährliches Manöver dargestellt. Die Operationen Mieroslawskis vom 20. Juni bis zum 24., die rasche Konzentrierung eines Korps bei Heidelberg, mit dem er sich auf die Preußen warf, und sein rascher Rückzug nach dem Verlust des Gefechts bei Waghäusel, bilden allerdings den glänzendsten Teil seiner gesamten Tätigkeit in Baden; daß aber gegenüber einem so schläfrigen Feind dies Manöver keineswegs so gefährlich war, beweist unser mit einem kleinen Korps von Hilsbach aus 24 Stunden später ganz unbelästigt bewerkstelligter Rückzug. Selbst durch das Defilee von Flehingen, wo schon[181] Mieroslawski am 23. einen Angriff erwartet hatte, kamen wir unangegriffen und marschierten auf Büchig. Hier wollten wir bleiben, um das von Mieroslawski bei Breiten aufgeschlagene Lager vor einem ersten Angriff zu decken.

Überall auf unserm Marsch, der über Eppingen, Zaisenhausen und Flehingen ging, erregten wir Verwunderung, da schon alle Korps der Neckararmee, auch die Arrieregarde, durchmarschiert waren. Als wir in Büchig einmarschierten und unser Hornist anblies, erregten wir dort einen Preußenschrecken. Ein Kommando Brettener Bürgerwehr, das Lebensmittel für Mieroslawskis Lager requirierte, hielt uns für Preußen und bot das schönste Beispiel von Verwirrung dar, bis wir um die Ecke bogen und der Anblick unsrer Blusen sie beruhigte. Wir nahmen die Lebensmittel sogleich in Beschlag und hatten sie kaum verzehrt, als die Nachricht, Mieroslawski sei mit allen Truppen von Breiten aufgebrochen, unsern Abzug nach Breiten veranlaßte.

In Breiten blieben wir über Nacht, während die Bürgerwehr Vorposten ausstellte. Für den nächsten Morgen waren Wagen requiriert, um das ganze Korps nach Ettlingen zu führen. Da Bruchsal schon am 24. von den Preußen genommen war und wir uns für den Fall, daß die Straße über Diedelsheim nach Durlach vom Feinde besetzt war (sie war es, wie wir später erfuhren, wirklich), in kein Gefecht einlassen konnten, so blieb uns kein andrer Weg zur Hauptarmee.

In Breiten kam eine Deputation der Studenten zu uns mit der Erklärung, das ewige Marschieren vor dem Feinde gefalle ihnen nicht und sie bäten um ihre Entlassung. Sie erhielten, wie sich versteht, zur Antwort, vor dem Feinde werde niemand entlassen; wenn sie aber desertieren wallten, so stehe ihnen das frei. Ungefähr die Hälfte der Kompanie marschierte darauf ab; der Rest schmolz durch Einzeldesertation bald so zusammen, daß nur noch die Schützen übrigblieben. Überhaupt zeigten sich die Studenten während des ganzen Feldzugs als malkontente, ängstliche junge Herrchen, die immer in alle Operationspläne eingeweiht sein wollten, über wunde Füße klagten und murrten, wenn der Feldzug nicht alle Annehmlichkeiten einer Ferienreise bot. Unter diesen »Vertretern der Intelligenz« waren nur einige, die durch wirklich revolutionären Charakter und glänzenden Mut eine Ausnahme machten.

Eine halbe Stunde nach unserm Abmarsch, wurde uns später berichtet, rückte der Feind in Breiten ein. Wir kamen nach Ettlingen, wo uns Herr Corvin-Wiersbitzki aufforderte, nach Durlach zu marschieren, wo Becker den Feind aufhalten solle, bis Karlsruhe ausgeräumt sei. Willich schickte einen Chevauleger mit einem Billett an Becker, um zu erfahren, ob er sich noch[182] einige Zeit halten wolle; der Mann kam in einer Viertelstunde mit der Nachricht zurück, die Truppen Beckers seien ihm schon in vollem Rückzug entgegengekommen. Wir marschierten also nach Rastatt ab, wo sich alles konzentrierte.

Die Straße nach Rastatt bot das Bild der schönsten Unordnung dar. Eine Menge der verschiedensten Korps marschierten oder lagerten bunt durcheinander, und nur mit Mühe hielten wir unter der glühenden Sonnenhitze und der allgemeinen Verwirrung unsre Leute zusammen. Auf dem Glacis von Rastatt lagerten die Pfälzer Truppen und einige badische Bataillone. Die Pfälzer waren sehr zusammengeschmolzen. Das beste Korps, das rheinhessische, war vor dem Gefecht von Ubstadt durch die Herren Zitz und Bamberger in Karlsruhe zusammenberufen worden. Diese tapfern Freiheitskämpfer eröffneten dem Korps: Es sei alles verloren, die Übermacht sei zu groß, noch könnten sie alle ungefährdet heimkehren; sie, der Parlamentspolterer Zitz und der mutige Bamberger, wollten ihr Gewissen frei halten von unschuldig vergossenem Blut und sonstigem Unheil und erklärten damit das Korps für aufgelöst. Die Rheinhessen waren über diese infame Zumutung natürlich so entrüstet, daß sie die beiden Verräter arretieren und erschießen wollten; auch d'Ester und die Pfälzer Regierung stellten ihnen nach, um sie zu verhaften. Aber die ehrenwerten Bürger waren bereits entflohen, und der tapfere Zitz sah sich schon vom sichern Basel aus den weitem Verlauf der Reichsverfassungskampagne an. Wie im September 1848 mit seiner »Frakturschrift«, so im Mai 1849 hatte Herr Zitz zu denjenigen Parlamentsrenommisten gehört, die das Volk am meisten zum Aufstand gereizt hatten, und beide Male nahm er einen rühmlichen Platz unter denen ein, die es im Aufstand zuerst im Stich ließen. Auch bei Kirchheimbolanden war Herr Zitz unter den ersten Ausreißern, während seine Schützen sich schlugen und füsiliert wurden. – Das rheinhessische Korps, ohnehin wie alle Corps durch Desertion schon sehr geschwächt, durch den Rückzug nach Baden entmutigt, verlor momentan allen Halt. Ein Teil löste sich auf und ging nach Hause; der Rest formierte sich neu und focht bis ans Ende des Feldzugs mit. Die übrigen Pfälzer wurden bei Rastatt durch die Nachricht demoralisiert, daß alle, die bis zum 5. Juli nach Hause zurückkehrten, Amnestie erhalten sollten. Mehr als die Hälfte lief auseinander, Bataillone schmolzen zu Kompanien zusammen, die Subalternoffiziere waren zum großen Teil fort, und die etwa 1200 Mann, die noch zusammenblieben, waren fast gar nichts mehr wert. Auch unser Korps, wenn auch keineswegs entmutigt, war doch durch Verluste, Krankheiten und die Desertion der Studenten auf wenig mehr als 500 Mann zusammengeschmolzen.[183]

Wir kamen nach Kuppenheim, wo schon andre Truppen standen, ins Quartier. Am nächsten Morgen ging ich mit Willich nach Rastatt und traf dort Moll wieder.

Den mehr oder weniger gebildeten Opfern des badischen Aufstandes sind von allen Seiten in der Presse, in den demokratischen Vereinen, in Versen und in Prosa Denksteine gesetzt worden. Von den Hunderten und Tausenden von Arbeitern, die die Kämpfe ausgefochten, die auf den Schlachtfeldern gefallen, die in den Rastatter Kasematten lebendig verfault sind oder jetzt im Auslande allein von allen Flüchtlingen das Exil bis auf die Hefen des Elends durchzukosten haben – von denen spricht niemand. Die Exploitation der Arbeiter ist eine althergebrachte, zugewohnte Sache, als daß unsre offiziellen »Demokraten« die Arbeiter für etwas andres ansehen sollten als für agitablen, exploitablen und explosiblen Rohstoff, für pures Kanonenfutter. Um die revolutionäre Stellung des Proletariats, um die Zukunft der Arbeiterklasse zu begreifen, dazu sind unsre »Demokraten« viel zu unwissend und bürgerlich. Deswegen sind ihnen auch jene echt proletarischen Charaktere verhaßt, die, zu stolz, um ihnen zu schmeicheln, zu einsichtig, um sich von ihnen benutzen zu lassen, dennoch jedesmal mit den Waffen in der Hand dastehn, wenn es sich um den Umsturz einer bestehenden Gewalt handelt, und die in jeder revolutionären Bewegung die Partei des Proletariats direkt vertreten. Liegt es aber nicht im Interesse der sog. Demokraten, solche Arbeiter anzuerkennen, so ist es Pflicht der Partei des Proletariats, sie so zu ehren, wie sie es verdienen. Und zu den besten dieser Arbeiter gehörte Joseph Moll von Köln.

Moll war Uhrmacher. Er hatte Deutschland seit Jahren verlassen und in Frankreich, Belgien und England an allen revolutionären öffentlichen und geheimen Gesellschaften teilgenommen. Den deutschen Arbeiterverein in London hatte er 1840 mit stiften helfen. Nach der Februarrevolution kam er nach Deutschland zurück und übernahm bald mit seinem Freunde Schapper die Leitung des Kölner Arbeitervereins. Flüchtig in London seit dem Kölner Septemberkrawall von 1848, kam er bald unter falschem Namen nach Deutschland zurück, agitierte in den verschiedensten Gegenden und übernahm Missionen, deren Gefährlichkeit jeden andren zurückschreckte. In Kaiserslautern traf ich ihn wieder. Auch hier übernahm er Missionen nach Preußen, die ihm, wäre er entdeckt worden, sofortige Begnadigung zu Pulver und Blei zuziehen mußten. Von seiner zweiten Mission zurückkehrend, kam er durch alle feindlichen Armeen glücklich durch bis Rastatt, wo er sofort in die Besançoner Arbeiterkompanie unsres Korps eintrat. Drei Tage nachher war er gefallen. Ich verlor in ihm einen alten Freund, die Partei einen ihrer unermüdlichsten, unerschrockensten und zuverlässigsten Vorkämpfer.[184]

Die Partei des Proletariats war ziemlich stark in der badisch-pfälzischen Armee vertreten, besonders in den Freikorps, wie im unsrigen, in der Flüchtlingslegion usw., und sie kann ruhig alle andern Parteien herausfordern, auf nur einen einzigen ihrer Angehörigen den geringsten Tadel zu werfen. Die entschiedensten Kommunisten waren die couragiertesten Soldaten.

Am nächsten Tage, am 27., wurden wir etwas weiter ins Gebirg, nach Rothenfels verlegt. Die Einteilung der Armee und die Dislozierung der verschiedenen Korps wurde allmählich festgestellt. Wir gehörten zur Division des rechten Flügels, die von Oberst Thome, demselben, der Mieroslawski in Meckesheim hatte verhaften wollen und dem man kindischerweise sein Kommando gelassen hatte, und vom 27. an von Mersy befehligt wurde. Willich, der das ihm von Sigel angebotene Kommando der Pfälzer ausgeschlagen hatte, fungierte als Chef des Divisionsstabs. Die Division stand von Gernsbach und der württembergischen Grenze bis jenseits Rothenfels und lehnte sich links an die Division Oborski, die um Kuppenheim konzentriert war. Die Avantgarde war bis an die Grenze sowie nach Sulzbach, Michelbach und Winkel vorgeschoben. Die Verpflegung, anfangs regellos und schlecht, wurde vom 27. an besser. Unsre Division bestand aus mehreren badischen Linienbataillonen, dem Rest der Pfälzer unter Held Blenker, unsrem Korps und einer oder anderthalb Batterien Artillerie. Die Pfälzer lagen in Gernsbach und Umgegend, die Linie und wir in und um Rothenfels. Das Hauptquartier war in dem gegenüber Rothenfels liegenden Hotel zur Elisabethenquelle.

Wir saßen – der Divisionsstab und der unsres Korps nebst Moll, Kinkel und andern Freischärlern – in diesem Hotel am 28. nach Tische eben beim Kaffee, als die Nachricht ankam, unsre Vorhut bei Michelbach sei von den Preußen angegriffen. Wir brachen gleich auf, obwohl wir alle Ursache hatten zu vermuten, daß der Feind nur eine Rekognoszierung beabsichtige. Es war in der Tat weiter nichts. Das von den Preußen momentan eroberte, unten im Tal gelegene Dorf Michelbach war ihnen bei unsrer Ankunft schon wieder abgenommen. Man schoß von beiden Bergabhängen über das Tal hin aufeinander und verschoß nutzlos viel Munition. Ich sah nur einen Toten und einen Verwundeten. Während die Linie ihre Patronen auf Entfernungen von 600 bis 800 Schritt zwecklos verschoß, ließ Willich unsre Leute sehr ruhig die Gewehre zusammenstellen und sich dicht neben den angeblichen Kämpfern und im angeblichen Feuer ausruhen. Nur die Schützen gingen den waldigen Abhang hinab und vertrieben, von einigen Linientruppen unterstützt, die Preußen von der gegenüberliegenden Höhe. Einer unsrer Schützen schoß mit seinem kolossalen Standrohr, einer wahren tragbaren Kanone, auf[185] ungefähr 900 Schritt einen preußischen Offizier vom Pferde; seine ganze Kompanie machte sofort Rektum und marschierte in den Wald zurück. Eine Anzahl preußischer Toten und Verwundeten sowie zwei Gefangene fielen in unsre Hände.

Am nächsten Tag fand der allgemeine Angriff auf der ganzen Linie statt. Diesmal störten uns die Herren Preußen beim Mittagessen. Der erste Angriff, der uns gemeldet wurde, war gegen Bischweier, also gegen der Verbindungspunkt der Division Oborski mit der unsrigen. Willich drang darauf, daß unsre Truppen bei Rothenfels möglichst disponibel gehalten werden sollten, da der Hauptangriff jedenfalls in der entgegengesetzten Richtung, bei Gernsbach, zu erwarten sei. Aber Mersy antwortete: Man wisse ja, wie es gehe; wenn eines unsrer Bataillone angegriffen werde und die übrigen kämen ihm nicht gleich in Masse zur Hülfe, so würde über Verrat geschrieen, und alles risse aus. Es wurde also gegen Bischweier zu marschiert.

Willich und ich gingen mit der Schützenkompanie auf dir Straße nach Bischweier auf dem rechten Murgufer vor. Eine halbe Stunde von Rothenfels stießen wir auf den Feind. Die Schützen verteilten sich in Tirailleurlinie, und Willich ritt zurück, um das Korps, das etwas zurückstand, in die Linie zu holen. Eine Zeitlang hielten unsre Schützen, hinter Obstbäumen und Weinbergen gedeckt, ein ziemlich lebhaftes Feuer aus, das sie ebenso lebhaft erwiderten. Als aber eine starke feindliche Kolonne auf der Straße vorrückte, um ihre Tirailleure zu unterstützen, gab der linke Flügel unsrer Schützen nach und war trotz alles Zuredens nicht mehr zum Stehen zu bringen. Der rechte war weiter hinauf gegen die Höhen vorgegangen und wurde später von unserm Korps aufgenommen.

Als ich sah, daß mit den Schützen nichts zu machen war, überließ ich sie ihrem Schicksal und ging nach den Höhen zu, wo ich die Fahnen unsres Korps sah. Eine Kompanie war zurückgeblieben; ihr Hauptmann, ein Schneider, sonst ein braver Kerl, wußte sich nicht zu helfen. Ich nahm sie mit zu den übrigen und traf Willich, als er eben die Besançoner Kompanie in Tirailleurlinie vorschickte und die übrigen da hinter in zwei Treffen, liebst einer zur Flankendeckung rechts gegen das Gebirg vorgeschickten Kompanie, aufstellte.

Unsre Tirailleure wurden von einem heftigen Feuer empfangen. Es waren preußische Schützen, die ihnen gegenüberstanden, und unsre Arbeiter hatten den Spitzkugelbüchsen nur Musketen gegenüberzustellen. Sie gingen aber, unterstützt von dem rechten Flügel unsrer Schützen, der zu ihnen stieß, so entschlossen vor, daß die kurze Entfernung sehr bald, namentlich auf dem rechten Flügel, die schlechtere Qualität der Waffe ausglich und die Preußen geworfen wurden. Die beiden Treffen blieben ziemlich dicht hinter der[186] Tirailleurlinie. Inzwischen waren auch zwei badische Geschütze links von uns, im Murgtal, aufgefahren und eröffneten das Feuer gegen preußische Infanterie und Artillerie, die auf der Straße stand.

Ungefähr eine Stunde mochte der Kampf hier unter dem lebhaftesten Gewehr- und Büchsenfeuer und unter fortwährendem Zurückgehen der Preußen gedauert haben – einige unsrer Schützen waren bereits bis nach Bischweier hereingekommen –, als die Preußen Verstärkung erhielten und ihre Bataillone vorschickten. Unsre Tirailleure zogen sich zurück; das erste Treffen gab Pelotonfeuer, das zweite zog sich eine Strecke links in einen Hohlweg und gab ebenfalls Feuer. Aber die Preußen drangen in dichten Massen auf der ganzen Linie nach; die beiden badischen Geschütze, die unsre linke Flanke deckten, waren schon zurückgegangen. In der rechten Flanke kamen die Preußen vom Gebirg herunter, und wir mußten zurück.

Sobald wir aus dem feindlichen Kreuzfeuer waren, nahmen wir neue Aufstellung am Gebirgsrand. Hatten wir bisher Front gegen die Rheinebene, gegen Bischweier und Niederweier gemacht, so machten wir jetzt Front gegen das Gebirg, das die Preußen von Oberweier her besetzt hatten. Jetzt endlich kamen auch die Linienbataillone in der Schlachtlinie an und nahmen den Kampf auf, in Gemeinschaft mit zwei Kompanien unsres Korps, die abermals zum Tiraillieren vorgeschickt wurden.

Wir hatten starke Verluste gehabt. Ungefähr dreißig fehlten, darunter Kinkel und Moll – die versprengten Schützen nicht zu rechnen. Die beiden Genannten waren mit dem rechten Flügel ihrer Kompanie und einigen Schützen zu weit vorgegangen. Der Schützenhauptmann, Oberförster Emmermann aus Thronecken in Rheinpreußen, der gegen die Preußen marschierte, als ging er auf die Hasenjagd, hatte sie an eine Stelle geführt, wo sie in einen Zug preußischer Artillerie hineinfeuerten und ihn zum eiligen Rückzug brachten. Sogleich aber debouchierte eine Kompanie Preußen aus einem Hohlweg und schoß auf sie. Kinkel stürzte, am Kopf getroffen, und wurde solange mitgeschleppt, bis er wieder allein gehen konnte; bald aber gerieten sie in ein Kreuzfeuer und mußten sehen, wie sie davonkamen. Kinkel konnte nicht mit und ging in einen Bauernhof, wo er von den Preußen gefangengenommen und gemißhandelt wurde; Moll erhielt einen Schuß durch den Unterleib, wurde ebenfalls gefangen und starb nachher an seiner Wunde. Auch Zychlinski hatte einen Prellschuß in den Nacken erhalten, der ihn indes nicht hinderte, beim Korps zu bleiben.

Während das Gros stehenblieb und Willich nach einer andern Gegend des Kampfplatzes ritt, eilte ich nach der Murgbrücke unterhalb Rothenfels, die eine Art Sammelplatz bildete. Ich wollte Nachrichten von Gernsbach haben.[187] Aber schon ehe ich hinkam, sah ich den Rauch des brennenden Gernsbach aufsteigen, und an der Brücke selbst erfuhr ich, daß man den Kanonendonner von dorther gehört habe. Ich ging später noch einigemal nach dieser Brücke; jedesmal schlimmere Nachrichten von Gernsbach jedesmal mehr badische Linientruppen hinter der Brücke versammelt, die, kaum im Feuer gewesen, schon demoralisiert waren. Der Feind war schon in Gaggenau, erfuhr ich zuletzt. Jetzt war hohe Zeit, ihm dort entgegenzutreten. Willich marschierte mit dem Korps über die Murg, um gegenüber Rothenfels Position zu fassen, und nahm noch vier Geschütze mit, die ihm gerade in den Wurf kamen. Ich ging, unsre beiden tiraillierenden Kompanien zu holen, die inzwischen weit vorgegangen waren. Überall kamen mir Linientruppen, großer teils ohne Offiziere, entgegen. Ein Detachement wurde von einem Arzt geführt, der die Gelegenheit benutzte, um sich mir mit folgenden Worten zu introduzieren: »Sie werden mich kennen, ich bin Neuhaus, der Chef der thüringischen Bewegung!« Die guten Leute hatten die Preußen überall geschlagen und kamen jetzt zurück, weil sie keinen Feind mehr sahen. Ich fand unsre Kompanien nirgends – sie waren durch Rothenfels aus demselben Grunde zurückgegangen – und begab mich wieder nach der Brücke. Hier traf ich Mersy mit seinem Stab und seinen Truppen. Ich bat ihn, mir wenigstens ein paar Kompanien zur Unterstützung Willichs mitzugeben. »Nehmen Sie die ganze Division, wenn Sie mit den Leuten noch etwas anfangen können«, war die Antwort. Dieselben Soldaten, die den Feind auf allen Punkten zurückgetrieben hatten, die erst seit fünf Stunden auf den Beinen waren, lagen jetzt aufgelöst, demoralisiert, zu nichts brauchbar auf den Wiesen. Die Nachricht, daß sie in Gernsbach umgangen seien, hatte sie vernichtet. Ich ging meiner Wege. Eine von Michelbach zurückkommende Kompanie, die mir begegnete, war ebenfalls zu nichts zu bewegen. Als ich an unserm alten Hauptquartier das Korps wiederfand, drängten von Gaggenau die flüchtigen Pfälzer – Pistol Zinn mit seiner Schar, die jetzt übrigens Musketen hatte – heran. Während Willich eine Position für die Geschütze gesucht und gefunden hatte, eine Position, die das Murgtal beherrschte und bedeutende Vorteile für ein gleichzeitiges Tirailleurgefecht bot, waren die Artilleristen mit den Kanonen durchgegangen, ohne daß der Hauptmann sie halten konnte. Sie war[en] schon wieder bei Mersy an der Brücke. Zugleich zeigte mir Willich ein Billett von Mersy, worin ihm dieser anzeigte, alles sei verloren, er werde sich nach Oos zurückziehen. Uns blieb nichts übrig, als dasselbe zu tun, und wir marschierten sofort ins Gebirg. Es war etwa sieben Uhr.[188]

Bei Gernsbach war es folgendermaßen zugegangen. Die Peuckerschen Reichstruppen, die unsre Patrouillen schon tags vorher bei Herrenalb auf württembergischem Gebiet gesehen hatten, nahmen die an der Grenze aufgestellten Württemberger mit und griffen am 29. nachmittags Gernsbach an, nachdem sie unsre Vorposten durch Verrat zum Weichen gebracht hatten; sie näherten sich ihnen mit dem Ruf, nicht zu schießen, sie seien Brüder, und gaben dann auf achtzig Schritt eine Salve. Dann schossen sie Gernsbach mit Granaten in Brand, und als den Flammen kein Einhalt mehr zu tun war, gab Herr Sigel, den Mieroslawski hingeschickt hatte, um den Posten um jeden Preis zu halten, gab Herr Sigel selbst den Befehl, Herr Blenker solle sich mit seinen Truppen fechtend zurückziehn. Herr Sigel wird dies nicht leugnen, ebensowenig wie er es in Bern tat, als ein Adjutant des Herrn Blenker in seiner, des Herrn Sigel, und Willichs Gegenwart dies Kuriosum erzählte. Mit diesem Befehl, den Schlüssel der ganzen Murgposition »fechtend« (!) aufzugeben, war natürlich das Treffen auf der ganzen Linie, war die letzte Position der badischen Armee verloren.

Die Preußen haben sich übrigens durch das gewonnene Treffen vor Rastatt keinen besondern Ruhm erworben. Wir hatten 13000 größtenteils demoralisierte und mit wenigen Ausnahmen erbärmlich geführte Truppen; ihre Armee zählte mit den Reichstruppen, die auf Gernsbach vorgingen, mindestens 60000 Mann. Trotz dieser kolossalen Überzahl wagten sie keinen ernstlichen Frontangriff, sondern schlugen uns durchfeigen Verrat, indem sie das neutrale, uns verschlossene württembergische Gebiet verletzten. Und selbst dieser Verrat hätte ihnen, wenigstens zunächst, nicht viel genutzt, hätte ihnen schließlich doch einen entscheidenden Frontangriff nicht erspart, wenn nicht Gernsbach so unbegreiflich schlecht besetzt gewesen wäre und wenn nicht Herr Sigel den obigen erbaulichen Befehl gegeben hätte. Die ohnehin gar nicht so formidable Position wäre uns am nächsten Tage entrissen worden, das kann nicht bezweifelt werden; aber der Sieg hätte den Preußen ganz andre Opfer gekostet, hätte ihrem militärischen Ruf unendlich geschadet. Und deshalb zogen sie es vor, die Neutralität Württembergs zu verletzen, und Württemberg ließ es ruhig geschehn.

Wir zogen uns, kaum noch 450 Mann stark, durchs Gebirge nach Oos zurück. Hier war die Straße bedeckt mit Truppen in wildester Auflösung, mit Wagen, Geschützen etc. in der größten Verwirrung. Wir marschierten durch und rasteten in Sinzheim. Am nächsten Morgen sammelten wir hinter Bühl eine Anzahl der Flüchtigen und übernachteten in Oberachern. An diesem Tage fand das letzte Gefecht statt; die deutsch-polnische Legion nebst einigen andern Truppen von der Beckerschen Division schlug bei Oos die Reichstruppen[189] zurück und nahm ihnen eine (mecklenburgische) Haubitze ab, die auch richtig bis in die Schweiz gebracht wurde.

Die Armee war vollständig aufgelöst. Mieroslawski und die übrigen Polen legten ihre Kommandos nieder; Oberst Oborski hatte schon auf dem Schlachtfeld, am Abend des 29., seinen Posten verlassen. Doch hatte diese momentane Auflösung nicht viel zu bedeuten. Die Pfälzer waren schon drei- bis viermal aufgelöst gewesen und hatten sich jedesmal tant bien que mal wieder formiert. Möglichst langsamer Rückzug unter Anschluß aller Aufgebote aus den aufzugebenden Gebietsstrecken, rasche Konzentrierung der Aufgebote des Oberlandes bei Freiburg und Donaueschingen, das waren zwei Mittel, die noch zu versuchen waren. Sie hätten die Ordnung und Disziplin bald wieder auf einen erträglichen Punkt gebracht und einen letzten hoffnungslosen, aber ehrenvollen Kampf, am Kaiserstuhl vor Freiburg oder bei Donaueschingen, möglich gemacht. Aber die Chefs, sowohl der bürgerlichen wie der Militärverwaltung, waren demoralisierter als die Soldaten. Sie überließen die Armee und die ganze Bewegung ihrem Schicksal und gingen niedergeschlagen, ratlos, vernichtet immer weiter zurück.

Seit dem Angriff auf Gernsbach war die Furcht vor der Umgehung durch württembergisches Gebiet allgemein eingerissen und trug sehr zur allgemeinen Demoralisation bei. Das Willichsche Korps ging nun, um die württembergische Grenze zu decken, mit zwei Berghaubitzen – mehrere andere uns zugeteilte Geschütze wollten von Kappel aus nicht weiter mit – durch das Kappeler Tal ins Gebirg. Unser Marsch durch den Schwarzwald, auf dem wir keinen Feind zu sehen bekamen, war eine wahre Vergnügungstour. Wir kamen über Allerheiligen am 1. Juli nach Oppenau, über den Hundskopf am 2. nach Wolfach. Hier er fuhren wir am 3. Juli, daß die Regierung in Freiburg sei und daß man daran denke, auch diese Stadt aufzugeben. Dies veranlaßte uns sogleich, dorthin aufzubrechen. Wir wollten die Herren Regenten und das Oberkommando, das Held Sigel jetzt führte, zwingen, Freiburg nicht ohne Kampf aufzugeben. Es war schon spät, als wir von Wolfach abmarschierten, und so kamen wir erst spät abends nach Waldkirch. Hier erfuhren wir, daß Freiburg schon aufgegeben und daß Regierung und Hauptquartier nach Donaueschingen verlegt sei. Zugleich erhielten wir den positiven Befehl, das Simonswalder Tal zu besetzen und zu verschanzen und in Furtwangen unser Hauptquartier aufzuschlagen. Wir mußten also zurück nach Bleibach.

Herr Sigel hatte seine Truppen jetzt hinter dem Bergrücken des Schwarzwaldes aufgestellt. Die Verteidigungslinie sollte von Lörrach über Todtnau[190] und Furtwangen nach der württembergischen Grenze gehn, in der Richtung auf Schramberg. Den linken Flügel bildeten Mersy und Blenker, die sich durch das Rheintal auf Lörrach zogen; dann folgte Herr Doll, ehemaliger commis voyageur, der in seiner Eigenschaft als Heckerscher General zum Divisionär ernannt worden war und in der Gegend des Höllentals stand; dann unser Korps in Furtwangen und dem Simonswalder Tal und endlich auf dem rechten Flügel Becker bei Sankt Georgen und Triberg. Hinter dem Gebirge stand Herr Sigel mit der Reserve bei Donaueschingen. Die Streitkräfte, durch Desertion bedeutend geschwächt, durch keine herangezogenen Aufgebote verstärkt, betrugen immer noch an 9000 Mann mit 40 Kanonen.

Die Befehle, die uns vom Hauptquartier aus Freiburg, Neustadt an der Gutach und Donaueschingen nacheinander zukamen, atmeten die entschlossenste Todesverachtung. Man erwartete zwar, daß der Feind abermals durch Württemberg über Rottweil und Villingen uns in den Rücken fallen werde; man war aber entschlossen, ihn zu schlagen und den Kamm des Schwarzwaldes unter allen Umständen zu behaupten, und zwar, wie es in einem dieser Befehle heißt, »fast ohne alle Rücksicht auf die Bewegungen des Feindes«, d.h., Herr Sigel hatte sich von Donaueschingen aus einen in vier Stunden zu bewerkstelligenden glorreichen Rückzug auf Schweizer Gebiet gesichert; was aus uns, den im Gebirg Umzingelten, geworden wäre, konnte er dann in Schaffhausen mit aller Gemütsruhe abwarten. Welch ein heitres Ende diese Todesverachtung nahm, und sich bald zeigen.

Am 4. kamen wir nach Furtwangen mit zwei Kompanien (160 Mann), der Rest war zur Besetzung des Simonswalder Tals und der Pässe von Gütenbach und St. Märgen verwandt. Über letztem Orte standen wir mit dem Dollschen Korps, über Schönwald mit Becker in Verbindung. Alle Pässe wurden verbarrikadiert. – Wir blieben den 5. in Furtwangen stehn. Am 6. kam die Nachricht von Becker, die Preußen rückten auf Villingen, nebst der Aufforderung, sie über Vöhrenbach anzugreifen, um Sigels Operation zu unterstützen. Zugleich zeigte er uns an, sein Hauptkorps stehe gehörig verscharrt in Triberg, wohin er selbst gehen werde, sobald Villingen von Sigel besetzt sei.

An einen Angriff von unsrer Seite konnte nicht gedacht werden. Mit weniger als 450 Mann hatten wir drei Quadratmeilen besetzt zu halten und konnten also keinen Mann entbehren. Wir mußten stehenbleiben und setzten Becker davon in Kenntnis. Bald darauf traf eine Depesche aus dem Hauptquartier ein: Willich solle sofort nach Donaueschingen kommen und den Befehl über die gesamte Artillerie übernehmen. Wir bereiteten uns eben,[191] schnell hinüberzufahren, als eine Kolonne Volkswehr, gefolgt von Artillerie und mehreren anderen Bataillonen Volkswehr, nach Furtwangen hineinmarschiert kam. Es war Becker mit seinem Korps. Die Leute seien rebellisch geworden, hieß es. Ich erkundigte mich bei einem mir befreundeten Stabsoffizier, »Major« Nerlinger, und erfuhr folgendes: Er, Nerlinger, hatte die Position bei Triberg unter seinem Befehl und ließ eben die Schanzen aufwerfen, als das Offizierkorps ihm eine schriftliche, von ihnen allen unterzeichnete Erklärung überreichte: Die Leute seien rebellisch, und wenn nicht sofort der Befehl zum Abmarsch gegeben würde, so würden sie mit allen Truppen abmarschieren. Ich sah mir die Unterschriften an: Es war abermals das tapfre Bataillon Dreher-Obermüller! Nerlinger konnte nichts andres tun, als Becker hiervon in Kenntnis setzen und nach Furtwangen marschieren. Becker brach gleich auf, um sie einzuholen, und so kam er mit seiner ganzen Truppe nach Furtwangen, wo die furchtsamen Offiziere und Soldaten von unsern Freischärlern mit immensem Gelächter empfangen wurden. Sie schämten sich, und am Abend konnte Becker sie wieder in ihre Position zurückführen.

Wir fuhren indes, gefolgt von der Besançoner Kompanie, nach Donaueschingen. Die Preußen schwärmten schon bis hart an die Chaussee; Villingen war von ihnen besetzt. Doch kamen wir unangefochten durch, und gegen zehn Uhr abends langten auch die Besançoner an. In Donaueschingen fand ich d'Ester und erfuhr von ihm, daß Herr Struve in der Konstituante in Freiburg verlangt habe, man solle sofort nach der Schweiz gehn, alles sei verloren, und daß Held Blenker diesem Rate gefolgt und schon heute morgen bei Basel auf Schweizer Gebiet übergetreten sei. Beides war ganz richtig. Held Blenker war am 6. Juli nach Basel gegangen, obwohl er gerade am weitesten vom Feinde stand. Er hatte sich bloß noch die Zeit genommen, schließlich eine Anzahl Requisitionen eigener Art vorzunehmen, die zwischen ihm und Herrn Sigel und später den Schweizer Behörden einigen üblen Geruch verursachten. Und Held Struve, derselbe, der am 29. Juni noch Herrn Brentano und jeden, der mit dem Feinde unterhandeln wollte, für einen Volksverräter erklärte, war drei Tage später, am 2. Juli, so vernichtet, daß er sich nicht schämte, in einer vertraulichen Sitzung der badischen Konstituante den Antrag zu stellen:

»Damit nicht das Oberland gleichwie das Unterland die Schrecknisse des Kriegs empfinde und noch viel kostbares Blut vergossen werde und da man retten müsse, was noch zu retten sei (!), so solle, wie der Landesversammlung, jedem bei der Revolution Beteiligten sein Gehalt oder Sold bis zum 10. Juli nebst entsprechendem Reisegeld ausgezahlt werden und alles sich mit Kassen, Vorräten, Waffen etc. auf Schweizer Gebiet zurückziehen!«[192]

Diesen saubern Antrag stellte der tapfre Struve am 2. Juli, als wir in Wolfach oben im Schwarzwald standen, zehn Stunden vor Freiburg und zwanzig Stunden von der Schweizer Grenze! Herr Struve ist naiv genug, in seiner »Geschichte«, p. 237 ff., diesen Vorfall selbst zu erzählen und sich seiner noch zu rühmen. Die einzige Folge, die die Annahme eines solcher Antrags haben konnte, war, daß die Preußen uns so sehr wie möglich drängten, um »zu retten, was noch zu retten war«, um uns nämlich Kassen, Geschützt; und Vorräte abzujagen, da die Gefahrlosigkeit einer lebhaften Verfolgung nach diesem Beschluß feststand; und dann, daß unsre Truppen sofort massenhaft debandierten und ganze Korps auf eigne Faust nach der Schweiz ausrissen, wie dies wirklich geschah. Unser Korps hätte sich am schlechtesten dabei gestanden; es war bis zum 12. auf badischem Gebiet und erhielt seinen Sold bis zum 17. ausbezahlt.

Herr Sigel, statt Villingen wieder zu nehmen, beschloß anfangs, hinter Donaueschingen bei Hüfingen Position zu fassen und den Feind zu erwarten. Aber noch an demselben Abend wurde beschlossen, nach Stühlingen zu marschieren, hart an die Schweizer Grenze. Wir schickten eilig reitende Boten nach Furtwangen, um unser Korps und das Beckersche zu avertieren. Beide sollten über Neustadt und Bonndorf ebenfalls nach Stühlingen gehn. Willich ging nach Neustadt dem Korps entgegen. Ich blieb bei der Besançoner Kompanie. Wir übernachteten in Riedböhringen und kamen am nächsten Nachmittag, 7. Juli, in Stühlingen an. Am 8. hielt Herr Sigel Revue über seine halbauseinandergelaufene Armee, empfahl ihr, in Zukunft nicht mehr zu fahren, sondern zu marschieren (an der Grenze!), und zog ab. Uns hinterließ er eine halbe Batterie und einen Befehl für Willich.

Inzwischen war von Furtwangen aus die Nachricht vom allgemeinen Rückzug zuerst an Becker und sodann an unsere vorwärts stationierten Kompanien geschickt worden. Unser Korps war zuerst in Furtwangen zusammen und traf in Neustadt Willich an. Becker, der näher an Furtwangen stand als unsre vorgeschobnen Korps, traf dennoch erst später dort ein und folgte auf demselben Wege. Er stieß auf Verschanzungen, die seinen Marsch aufhielten und von denen es später in Schweizer Blättern hieß, sie seien von unserm Korps aufgeworfen. Dies ist irrig; unser Korps hat nur jenseits des Schwarzwaldkamms, und zwar nicht auf der Straße von Triberg nach Furtwangen, die es gar nicht besetzt hielt, die Wege verrammelt. Außerdem marschierten unsre Freischärler erst dann von Furtwangen ab, als Beckers Avantgarde dort eingetroffen war.

In Donaueschingen war abgemacht, daß die Trümmer der ganzen Armee sich hinter der Wutach, von Eggingen bis Thiengen sammeln und dort die[193] Annäherung des Feindes erwarten sollten. Hier, die Flanken an Schweizer Gebiet gelehnt, konnten wir mit unsrer bedeutenden Artillerie noch ein letztes Gefecht versuchen. Man konnte es sogar abwarten, ob nicht die Preußen das Schweizer Gebiet verletzen und dadurch die Schweiz in den Krieg hineinziehen würden. Aber wie erstaunten wir, als wir bei Willichs Ankunft in dem Befehl des tapfern Sigel lasen: »Das Gros geht nach Thiengen und Waldshut und nimmt dort feste Position (!!). Suchen Sie die Stellung (bei Stühlingen und Eggingen) so lange als möglich zu behaupten.« – »Feste Position« bei Thiengen und Waldshut, den Rhein im Rücken, dem Feind zugängliche Höhen vor der Front! Das hieß weiter nichts als: Wir wollen über die Säckinger Brücke in die Schweiz gehn. Und dennoch hatte Held Sigel bei Gelegenheit des Struveschen Antrags gesagt: Werde dieser angenommen, so werde er, Sigel, der erste sein, der rebelliere.

Wir bezogen nun die Stellung hinter der Wutach selbst und verteilten unsre Truppen von Eggingen bis Wutöschingen, wo unser Hauptquartier war. Hier erhielten wir folgendes noch erbaulichere Aktenstück von Herrn Sigel:

»Befehl. Hauptquartier Thiengen, 8. Juli 1849. – An den Obersten Willich in Eggingen. Da der Kanton Schaffhausen schon jetzt in einer feindseligen Weise gegen mich auftritt, so ist es mir unmöglich, die von uns besprochene Position einzunehmen. Du wirst danach Deine Bewegungen richten und Dich gegen Griessen, Lauchringen und Thiengen zu bewegen. Ich marschiere morgen von hier ab, um entweder nach Waldshut oder hinter die Alb« (d.h. nach Säckingen) »zu gehn... Der Obergeneral, Sigel

Das überstieg alles. Am Abend fuhren Willich und ich nach Thiengen, wo uns der »Generalquartiermeister« Schlinke gestand, es gehe richtig nach Säckingen und dort über den Rhein. Sigel wollte anfangs etwas den »Obergeneral« vorwiegen lassen, aber Willich ließ sich hierauf nicht ein und brachte ihn endlich dahin, daß der Befehl zur Umkehr und zum Marsch auf Griessen gegeben wurde. Der Vorwand für den Marsch nach Säckingen war die Vereinigung mit Doll, der dorthin marschiert sei, und eine angeblich starke Position. Die Position, offenbar dieselbe, von der aus Moreau 1800 dort ein Gefecht lieferte, hatte nur den Nachteil, daß sie nach einer ganz andern Seite Front machte, als woher uns der Feind kam; und was den edlen Doll betrifft, so säumte dieser nicht, zu beweisen, daß er auch ohne Herrn Sigel in die Schweiz gehen könne.

Zwischen den Kantonen Zürich und Schaffhausen liegt ein kleiner Strich badischen Gebiets mit den Ortschaften Jestetten und Lottstetten, der bis auf einen schmalen Zugang, bei Baltersweil, ganz von der Schweiz umschlossen ist. Hier sollte die letzte Position gefaßt werden. Die Höhen hinter Baltersweil[194] zu beiden Seiten der Straße boten vortreffliche Stellungen für unsre Geschütze, und unsre Infanterie war noch zahlreich genug, sie zu decken, bis sie im Notfall das Schweizer Gebiet erreicht hätten. Hier, so wurde ausgemacht, sollten wir erwarten, ob die Preußen uns angreifen oder aushungern würden. Das Gros, dem Becker sich angeschlossen hatte, bezog hier ein Lager. Willich hatte die Position für die Geschütze ausgesucht (später fanden wir dort ihre Parks, wo ihre Gefechtstellung sein sollte). Wir selbst bildeten die Arrieregarde und zogen langsam dem Gros nach. Am 9. abends gingen wir nach Erzingen, am 10. nach Riedern. An diesem Tage wurde im Lager ein allgemeiner Kriegsrat gehalten. Willich allein sprach für die weitere Verteidigung, Sigel, Becker und andre für den Rückzug auf Schweizer Gebiet. Ein Schweizer Kommissär, ich glaube Oberst Kurz, war dagewesen und hatte erklärt, falls noch ein Kampf angenommen würde, werde die Schweiz kein Asyl geben. Bei der Abstimmung blieb Willich mit zwei oder drei Offizieren allein. Von unserm Korps war außer ihm niemand zugegen.

Noch während Willich im Lager war, erhielt die bei uns befindliche halbe Batterie Befehl zum Abmarsch und entfernte sich, ohne daß uns die geringste Anzeige gemacht wurde. Auch alle andern Truppen außer uns erhielten Befehl, ins Lager zu kommen. In der Nacht fuhr ich abermals mit Willich ins Hauptquartier nach Lottstetten; als wir bei Tagesanbruch zurückfuhren, begegneten wir auf der Straße der ganzen Gesellschaft, die aus dem Lager aufgebrochen war und sich in der wildesten Verwirrung der Grenze zuwälzte. An demselben Tage, am 11. frühmorgens, ging Herr Sigel mit seinen Leuten bei Rafz, Herr Becker mit den seinigen bei Rheinau auf Schweizer Gebiet. Wir konzentrierten unser Korps, folgten ins Lager und von da nach Jestetten. Hier erhielten wir gegen Mittag durch einen Ordonnanzoffizier einen Brief Sigels von Eglisau, daß er sich bereits glücklich in der Schweiz befinde, daß die Offiziere ihre Säbel behielten und daß wir möglichst bald nachkommen sollten. Man dachte erst an uns, als man auf neutralem Boden war!

Wir marschierten durch Lottstetten bis an die Grenze, biwakierten die Nacht noch auf deutschem Boden, schossen am Morgen des 12. unsre Gewehre ab und betraten dann, die letzten der badisch-pfälzischen Armee, das Schweizer Gebiet. An demselben Tage, gleichzeitig mit uns, wurde auch Konstanz von dem dortigen Korps verlassen. Eine Woche später fiel Rastatt durch Verrat, und die Kontrerevolution hatte für den Moment wieder Deutschland bis auf den letzten Winkel erobert.


*[195]


Die Reichsverfassungskampagne ging zugrunde an ihrer eignen Halbheit und innern Misere. Seit der Juniniederlage 1848 steht die Frage für den zivilisierten Teil des europäischen Kontinents so: entweder Herrschaft des revolutionären Proletariats oder Herrschaft der Klassen, die vor dem Februar herrschten. Ein Mittelding ist nicht mehr möglich. In Deutschland namentlich hat sich die Bourgeoisie unfähig gezeigt zu herrschen; sie konnte ihre Herrschaft nur dadurch gegenüber dem Volk erhalten, daß sie sie an den Adel und die Bürokratie wieder abtrat. In der Reichsverfassung versuchte die Kleinbürgerschaft, verbündet mit der deutschen Ideologie, eine unmögliche Ausgleichung, die den Entscheidungskampf aufschieben sollte. Der Versuch mußte scheitern: denjenigen, denen es ernst war mit der Bewegung, war es nicht ernst mit der Reichsverfassung, und denen es ernst war mit der Reichsverfassung, war es nicht ernst mit der Bewegung.

Die Reichsverfassungskampagne hat aber darum nicht minder bedeutende Resultate gehabt. Sie hat vor allem die Situation vereinfacht. Sie hat eine endlose Reihe von Vermittlungsversuchen abgeschnitten; nachdem sie verloren ist, kann nur die etwas konstitutionalisierte feudal-bürokratische Monarchie siegen oder die wirkliche Revolution. Und die Revolution kann in Deutschland nicht eher mehr abgeschlossen werden als mit der vollständigen Herrschaft des Proletariats.

Die Reichsverfassungskampagne hat ferner in den deutschen Ländern, wo die Klassengegensätze noch nicht scharf entwickelt waren, zu ihrer Entwicklung bedeutend beigetragen. Namentlich in Baden. In Baden bestanden, wie wir sehen, vor der Insurrektion fast gar keine Klassengegensätze. Daher die anerkannte Herrschaft der Kleinbürger über alle Oppositionsklassen, daher die scheinbare Einstimmigkeit der Bevölkerung, daher die Raschheit, mit der die Badenser wie die Wiener von der Opposition in die Insurrektion übergehn, bei jeder Gelegenheit einen Aufstand versuchen und selbst den Kampf im offnen Feld mit einer regelmäßigen Armee nicht scheuen. Sobald aber die Insurrektion ausgebrochen war, traten die Klassen bestimmt hervor, schieden sich die Kleinbürger von den Arbeitern und Bauern. In ihrem Repräsentanten Brentano blamierten sie sich auf ewige Zeiten. Sie selbst sind durch die preußische Säbelherrschaft so zur Verzweiflung getrieben, daß sie jetzt jedes Regime, selbst das der Arbeiter, dem jetzigen Druck vorziehn; sie werden einen viel tätigeren Anteil an der nächsten Bewegung nehmen als an jeder bisherigen; aber glücklicherweise werden sie nie wieder die selbständige, herrschende Rolle spielen können wie unter der Diktatur Brentanos. Die Arbeiter und Bauern, die unter der jetzigen Säbelherrschaft ebensosehr leiden wie die Kleinbürger, haben die Erfahrung des letzten Aufstands nicht umsonst[196] gemacht; sie, die außerdem ihre gefallenen und gemordeten Brüder zu rächen haben, werden schon dafür sorgen, daß bei der nächsten Insurrektion sie und nicht die Kleinbürger das Heft in die Hand bekommen. Und wenn auch keine insurrektionellen Erfahrungen die Klassenentwickelung ersetzen können, die nur durch einen langjährigen Betrieb der großen Industrie erreicht wird, so ist doch Baden durch seinen letzten Aufstand und dessen Folgen in die Reihe der deutschen Provinzen getreten, die bei der bevorstehenden Revolution eine der wichtigsten Stellen einnehmen werden.

Politisch betrachtet, war die Reichsverfassungskampagne von vornherein verfehlt. Militärisch betrachtet, war sie es ebenfalls. Die einzige Chance ihres Gelingens lag außerhalb Deutschlands, im Sieg der Republikaner in Paris am 13. Juni – und der 13. Juni schlug fehl. Nach diesem Ereignis konnte die Kampagne nichts mehr sein als eine mehr oder minder blutige Posse. Sie war weiter nichts. Dummheit und Verrat ruinierten sie vollends. Mit Ausnahme einiger weniger waren die militärischen Chefs Verräter oder unberufene, unwissende und feige Stellenjäger, und die wenigen Ausnahmen wurden überall von den übrigen wie von der Brentanoschen Regierung im Stich gelassen. Wer bei der bevorstehenden Erschütterung keine anderen Titel aufzuweisen hat als die, Heckerscher General oder Reichsverfassungsoffizier gewesen zu sein, verdient, sogleich die Tür gewiesen zu bekommen. Wie die Chefs, so die Soldaten. Das badische Volk hat die besten kriegerischen Elemente in sich; in der Insurrektion wurden diese Elemente von vornherein so verdorben und vernachlässigt, daß die Misere daraus entstand, die wir des breiteren geschildert haben. Die ganze »Revolution« löste sich in eine wahre Komödie auf, und es war nur der Trost dabei, daß der sechsmal stärkere Gegner selbst noch sechsmal weniger Mut hatte.

Aber diese Komödie hat ein tragisches Ende genommen, dank dem Blutdurst der Kontrerevolution. Dieselben Krieger, die auf dem Marsch oder dem Schlachtfelde mehr als einmal von panischem Schrecken ergriffen wurden – sie sind in den Gräben von Rastatt gestorben wie die Helden. Kein einziger hat gebettelt, kein einziger hat gezittert. Das deutsche Volk wird die Füsilladen und die Kasematten von Rastatt nicht vergessen; es wird die großen Herren nicht vergessen, die diese Infamien befohlen haben, aber auch nicht die Verräter, die sie durch ihre Feigheit verschuldeten: die Brentanos von Karlsruhe und von Frankfurt.[197]


Quelle:
Karl Marx, Friedrich Engels: Werke. Berlin 1960, Band 7.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Schnitzler, Arthur

Reigen

Reigen

Die 1897 entstandene Komödie ließ Arthur Schnitzler 1900 in einer auf 200 Exemplare begrenzten Privatauflage drucken, das öffentliche Erscheinen hielt er für vorläufig ausgeschlossen. Und in der Tat verursachte die Uraufführung, die 1920 auf Drängen von Max Reinhardt im Berliner Kleinen Schauspielhaus stattfand, den größten Theaterskandal des 20. Jahrhunderts. Es kam zu öffentlichen Krawallen und zum Prozess gegen die Schauspieler. Schnitzler untersagte weitere Aufführungen und erst nach dem Tode seines Sohnes und Erben Heinrich kam das Stück 1982 wieder auf die Bühne. Der Reigen besteht aus zehn aneinander gereihten Dialogen zwischen einer Frau und einem Mann, die jeweils mit ihrer sexuellen Vereinigung schließen. Für den nächsten Dialog wird ein Partner ausgetauscht indem die verbleibende Figur der neuen die Hand reicht. So entsteht ein Reigen durch die gesamte Gesellschaft, der sich schließt als die letzte Figur mit der ersten in Kontakt tritt.

62 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Hochromantik

Große Erzählungen der Hochromantik

Zwischen 1804 und 1815 ist Heidelberg das intellektuelle Zentrum einer Bewegung, die sich von dort aus in der Welt verbreitet. Individuelles Erleben von Idylle und Harmonie, die Innerlichkeit der Seele sind die zentralen Themen der Hochromantik als Gegenbewegung zur von der Antike inspirierten Klassik und der vernunftgetriebenen Aufklärung. Acht der ganz großen Erzählungen der Hochromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe zusammengestellt.

390 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon