Fußnoten

1 Meine Meinung darüber habe ich ausgesprochen in den Philosophischen Monatsheften, Band 30, S. 337 ff., bes. 348.


2 S. m. Forschungen zur Geschichte des Erkenntnisproblems im Altertum S. 147-154.


3 S. ebenda S. 150.


4 Gleichsinnig tritt in dem kleinen Dialog Euthyphro (5 D, 6 D) die Idee auf. Das wäre das früheste Vorkommen dieses Terminus – wenn die Echtheit dieser Schrift genügend sicher stände. Aber sie scheint in zu auffallender Weise ihren ganzen wesentlichen Inhalt andern, echten Schriften PLATOS zu entnehmen; und sonst hat sie viel Befremdliches. Sie bedürfte zum wenigsten erst einer befriedigenderen Erklärung als sie bisher gefunden hat, wenn man sie als platonisch gelten lassen sollte. Wenn echt, gehört sie unbedingt in die nächste Nähe des Meno; keinesfalls mit Apologie und Krito zusammen.


5 Und Euthyphro? (Siehe Anmerkung auf S. 39.)


6 Zur Rechtfertigung dieses chronologischen Ansatzes s. Archiv f. Gesch. d. Philos. II, 394 ff. und HERMES XXXV, 401 f. Und GOMPERZ, Griechische Denker II, 278.


7 tetagmenon te kai kekosmêmenon pragma besagt hier durchweg, fast synonym mit taxis, an erster Stelle systematische Verfassung, gehörige Gliederung und zweckmäßiges Ineinandergreifen der Teile, in welchem Sinne das Wort von der Heeresordnung und dann von der Weltordnung gebraucht wird. Nur sekundär liegt darin auch ein ästhetisches Moment. Daher diesmal nicht gut SCHLEIERMACHERS Wiedergabe: »mit Schönheit dargestellt«, und hernach »Anstand«.


8 Vgl. die früheren Abhandlungen; Philologus XLVIII (N. F. II), S. 428 ff., 583 ff. und Hermes XXXV, 385 ff., wozu vorbereitend Archiv für Geschichte der Philosophie, Bd. XII, 1ff., 159 ff., XIII, 1ff.


9 Ich verdanke diese für mich überzeugende Deutung der feinen Schrift L. VON SYBELS, PLATOS Symposion ein Programm der Akademie. Marburg, ELWERT, 1888.


10 Archiv für Geschichte der Philosophie, Bd. III, 347 ff.


11 Ausschließlich um die praktische Beredsamkeit handelt es sich, nach 172 D ff., und nach dem ganzen, klaren Zusammenhang dieser Polemik. Das muß völlig übersehen, wer eine Beziehung, sei es auf ISOKRATES oder andre »Redenschreiber«, insbesondre auf veröffentlichte Lobschriften, die es vor dem Euagoras des ISOKRATES nicht gegeben habe, aus dieser Episode herauslesen will. Das Lob der Ahnen war in Gerichts- und andern öffentlichen Reden längst vor dem Euagoras im Schwange. Auch an literarischen Beispielen fehlt es ja nicht.


12 Über die Deutung dieses Satzes sowie die Disposition und Einzelerklärung des ganzen auf diesen bezüglichen Teiles des Dialogs vgl. meine Forschungen zur Geschichte des Erkenntnisproblems im Altertum, I; Archiv für Geschichte der Philosophie, Bd. III, S. 347 ff.; Philologus, Bd. L (N. F. IV), 262 ff. Wer wenigstens diese Dinge genauer erforschen will, den muß ich bitten diese Ausführungen nicht zu ignorieren.


13 S. die Zusammenstellung, Philol. N. F. II, S. 616, Anm. 64.


14 Das Wortspiel ist nicht wiederzugeben: stasiôtai sind sonst die Aufständischen, oder die eine (feindliche) Sonderstellung einnehmen. Das Unerhörte, gleichsam Revolutionäre der Leugnung aller Bewegung, die alle Naturwissenschaft zunichte macht, wird dadurch stark zum Ausdruck gebracht.


15 PLATOS Staat und die Idee der Sozialpädagogik, Arch. f. soz. Gesetzg. u. Stat. VIII, 155 f. (sep. Berlin, CARL HEYMANN, 1895, S. 16 u. 30, und Ges. Abh. z. Sozialpädagogik, Stuttgart, 1907, I). Es könnte daher wohl GOMPERZ (Griechische Denker, II, 319) das Richtige getroffen haben, wenn er der ganzen Liebeslehre der DIOTIMA eine Beziehung auf DIO gibt.


16 So auffallend die Tatsache ist, so scheint sie in der PLATO-Literatur nicht vor F. DÜMMLER (Zur Komposition des Platonischen Staats, Basel 1895) und I. BRUNS (Das literarische Porträt der Griechen, Berlin 1896) die ihr gebührende Beachtung gefunden zu haben. (Ganz unannehmbar aber ist DÜMMLERS Deutungsversuch.)


17 Nach DÜMMLERS Beobachtung (Chronol. Beiträge zu einigen Platonischen Dialogen aus den Reden des ISOKRATES, Basel 1890) bezieht sich die Rede des ISOKRATES »An NIKOKLES« (in §§ 5 und 8) auf den Staat als veröffentlichtes Werk. HIRMERS Deutung der Bemerkungen PLATOS im Staat, 498 DE auf ISOKRAKES Euagoras (Jahrbücher f. klass. Philologie, Suppl.-Bd. XXIII) ist bestechend, doch paßt die Anspielung auch und, wie mir scheint, besser auf die Zeichnung des Theseus in ISOKRATES Helena. PLATO stellt dieser bloßen willkürlichen Fiktion des Schönredners sein theoretisch begründetes Ideal des Herrschers (dessen Realisierbarkeit er eben hier mit Nachdruck behauptet) gegenüber, als nicht bloß pros doxan kai erin, sondern tou gnônai charin entworfen. Darauf mag dann ISOKRATES als Trumpf seinen Euagoras gesetzt haben, der einen wirklichen Mann und sogar Zeitgenossen als Realisierung des Ideals eines Herrschers vorführt und dabei – bezeichnend für die Arbeitsweise dieses Rhetors – dieselbe Schablone nochmals verwendet, die in der Helena für Theseus gedient hatte.


18 Vgl. Philosophische Monatshefte, Bd. XXX, S. 63 ff.


19 So deuten sich die Worte: »da wir ja unter uns sind« (137 A) und »Es ist unziemlich dergleichen vor den Ohren Vieler (vor dem Publikum) zu verhandeln« (136 D). Man beachte den durch die ganze Schrift festgehaltenen Schulton.


20 Und auch neuere Darsteller PLATOS kopieren ihn darin getreulich (so GOMPERZ, S. 321.)


21 Die Anlehnung an den Text des parmenideischen Gedichts ist auffallend; vgl. anêsei 162 in. mit Parm. 8, 14 anêke pedêsin, echein mit P. 8, 15. 31; ei ai ê mit esti gar einai – "Sein sei"; es ist zu verstehen: damit auch völlig "Sein ist" (die Aussage "es ist" im Vollsinn gelte).


22 Metaph. VI 2, 1026 b 14, vgl. XI 8, 1064 b 29 bezieht sich zweifellos auf Pl. Soph. 254 A. Der von mir selbst erhobene Zweifel gegen die Echtheit des ganzen Buches XI macht die Beziehung nicht etwa unsicher, wie ZELLER, Philos. d. Gr, II a S. 447, Anm. 2 meint, da der Sache nach Dasselbe auch VI 2 steht. Jedenfalls beweist die Stelle in XI, daß man die in VI nur auf den Sophisten zu beziehen gewußt hat. Ebenfalls schwerlich zu bestreiten ist die Beziehung von Metaph. XIV 2, 1089 a 1-5 auf Pl. Soph. 237 A und 242 A.


23 Ich weiß mich aus der schwierigen Periode (15 B) nicht anders herauszuwinden, als indem ich annehme, daß die Worte homôs – tautên nach chôois zu setzen sind.


24 Vgl. JAKOB HOROVITZ, Untersuchungen über PHILONS und PLATONS Lehre von der Weltschöpfung, Marburg, 1900.


25 So ist zu übersetzen, da hernach, 35 B und 37 A, das Dritte schlechtweg Sein (ousia) heißt.


26 Man sehe über diese Frage den Kommentar von CONSTANTIN RITTER S. 229 ff. und dessen Schrift »Platons Stellung zu den Aufgaben der Naturwissenschaft« (Heidelberg 1919).


27 Vgl. auch RITTER, in der oben angeführten Schrift S. 76 – 83.


28 Man vergleiche hierzu die Ausführungen des Verfassers in dem Sammelwerk: »Die deutsche Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen«, Bd. I (Leipzig, Felix Meiner).


29 S. die Dissertation von H. KNITTERMEYER: »Der Terminus transzendental in seiner historischen Entwickelung bis auf KANT,« Marburg 1920.


30 Nur so versteht sich, wieso HERAKLIT in den Verdacht einer beabsichtigten Erschütterung des »Satzes des Widerspruchs« kommen konnte. Es war kein Umsturz – kaum Einer hat sich so unablässig auf Vernunft und Gesetz und Logos berufen wie HERAKLIT – aber wohl ein mächtiger Schrill darüber hinaus. Widersprach selbst ist, und ist etwas Logisches, weil doch Spruch. Das hat HEGEL richtig verstanden. – Nebenbei sei darauf hingewiesen, wie stark ein Grieche zur Entdeckung der Reflexivität prädisponiert, fast prädestiniert sein mußte durch seine Sprache: durch den reflexivischen Sinn der Medialform des Verbum.


31 Politic. 283 DE kata tên geneseôs anankaian ousian ... ontôs gignomenon. Soph. 256 B, 257 A, 259 A.


32 So wenig es in meiner Macht steht an diesem Tatbestand etwas zu ändern, so wenig steht es in meiner Macht, die objektive Folge daraus zu verneinen: daß die hier fraglichen Aufstellungen des Theaetet dem Phaedo nicht bloß im eignen Denken PLATOS, sondern auch in der Bekanntgebung seiner Gedanken zeitlich vorangegangen sein müssen. Ist andrerseits der äußere Beweis für die späte Herausgabe des Theaetet in der uns vorliegenden Gestalt wohl unumstößlich geführt, so bleibt, ebenfalls rein objektiv, jenseits aller individuellen Willkür des einzelnen Forschenden, als einzig möglicher Ausweg die Annahme übrig, daß das uns überlieferte Werk die umgearbeitete zweite Ausgabe eines älteren ist, äußerlich, nach hoher Wahrscheinlichkeit, veranlaßt durch das Ereignis des Todes des THEAETET, innerlich begründet durch die Bedeutung, die der Philosoph gerade diesem Werke bleibend beimaß, und die innere Beziehung, in die er es glaubte setzen zu sollen zu den Gedanken, die er gerade vorzutragen im Begriff stand; zu deren Vorführung er deshalb, statt eine neue Gesprächseinkleidung zu ersinnen, den einfacheren Weg einschlug, dem alten, ursprünglich ganz in sich beschlossenen, auf keine Fortsetzung berechneten Werk eine solche, und zwar in einem dreiteiligen Werke zu geben, von dem die zwei ersten Stücke als »Sophist« und »Staatsmann« vorliegen, das dritte, wohl wieder nur aus äußeren Gründen, nicht zur Ausführung kam. Was und wieviel von dem vorliegenden Werk erst der zweiten Ausgabe zuzuweisen ist, bleibt dabei offene Frage. Der entscheidende Gedankengang wird schon in erster Fassung kein andrer gewesen sein.


33 Dem entspricht ganz der Phaedo (73 C, 74 BC, 75 ABE), vgl. Phdr. 249 B. Staat 523 ff.


34 Das besagt die Unterscheidung des und di ou (184 C), deren gleichsinnige Wiederkehr im Phaedo (65 f. u. 79 C) für dessen genaue Zurückbeziehung auf den Theaetet besonders beweisend ist; s. o S. 139 f.


35 mia tis idea – hier wie 184 B einfach = »Einheit«, und zwar zentraler Beziehung – ameristos (205 C)... auto kath' hauto (vgl. 206 A) asyntheton – welche die Möglichkeit der Aussage des einai (Sein) und touto (des Diesen) begründet; monoeides te kai ameriston (D), hen te kai ameres (E). Vgl. Phaedo 78 B – D, 80 B u. ö. axyntheton, monoeides, auto kath' hauto.


36 S. bes. 190 A. Im dianoeisthai, »Durchdenken« liegt durchaus der »diskursive« also bewegliche Charakter der Denktätigkeit. Vgl. das Bild des Bogenschützen (194 A), wobei man sich am die Etymologie (Crat. 420 B): doxa von toxou bolê, erinnere. So könnte auch die andere Deutung der doxa als diôxis auf die Jagd (thêreusis) nach den im Taubenschlag der Seele eingefangenen Epistemai (The. 197 ff.) zurückweisen.


37 Zur abschätzigen Beurteilung der nur triebmäßig begründeten, nur berechnenden Sophrosyne bietet die nächste Analogie der Phaedo (68 E f., 82 B).


38 Am nächsten kommt den späteren Fassungen die Dreieinheit des Göttlichen (theion) als kalon, sophon, agathon – wo gleichwohl der Zusatz kai pan ho ti toiouton, auch die Reihenfolge, in der die drei Begriffe hier auftreten, hinter der Klarheit des Gastmahls, des Staats und des Philebus merklich zurückbleibt.


39 Nicht in Rücksicht auf die Frage der Entstehungszeit des Phaedrus ist dies hier ausgeführt worden. Allerdings ist für mich das Dargelegte ausschlaggebend im Sinne meines früheren Ansatzes. Kann man sich aber den Unsterblichkeitsbeweis des Phaedrus denen des Phaedo (mit der Ergänzung im Staat, Buch X), desgleichen die Dreiteilung der Seele und den hyperoupanios tokos den entsprechenden Ausführungen Im »Staat« nicht zeitlich vorausgehend denken, scheint zugleich manches Stilistische den Phaedrus eher den letzten Werken nahe zu rücken, so bleibt, wie beim Theaetet, als einziger Ausweg die Annahme einer späteren Neubearbeitung. Diese bitte, ohne die ursprüngliche Anlage ganz zu zerstören, die inneren Widersprüche kaum beseitigen können; so sind sie, als Denkmal einer für PLATO längst überwundenen Epoche, stehen geblieben. Vielleicht ist die Betonung seiner Freiheit früher verfaßten Werken gegenüber (277 ff., bes. 278 C) apologetisch in verstehen und nicht zuletzt auf das vorliegende Werk selbst zu beziehen.


40 Zu epitêdeumata kai nomoi (210, 209 BED) vgl Gorg. 474 E.


41 S. »Deutscher Weltberuf« (Jena, E. Diederichs) I S. 10.


42 Neben dem »Sophisten«, der (263 E ff.) genau die Feststellungen des Theaetet (189 f.) wiederholt, dem »Staatsmann« (278 A ff. 309 C, dagegen logon dounai 286 A) sowie dem Parmenides (s. w. u.) ist hier besonders der Philebus hervorzuheben (diadoxazein = krinein 38 C,) als innerer Ausspruch: Es ist das und das (D), also Identischsetzen (tauton pros hauton dianooumenos E); sodaß wieder al doxa und al logos zusammenfallen (39 AC; obgleich ontôs doxazein nicht auch heißt ep' ousin, 40 C). Auch im Timaeus (37 B) wird unter Logos beides: doxai kai pisteis bebaioi kai alêtheis und nous oder epistêmê zusammengefaßt, unter sich (51 D f.) in bekannter Weite unterschieden: das Eine wird durch Lehre uns zuteil, das Andre durch Sicheinreden (peithô), das Eine ist mit der wahren Begründung verbunden (met' alêthous logou), das Andre grundlos (alogon, wie Gstm. 202), das Eine überzeugt unerschütterlich, das Andre läßt sich umstimmen (ist metapeiston). Vgl. auch Ges. 632 C, 653 A (phronêsin kai alêtheis doxas bebaias), 607 E, 869 AB (dagegen orthois logois 696 C; logos als Definition 695 f.) und Epist. VII 342 C, wo nous alêthês te doxa völlig auf gleicher Linie zu stehen scheinen.


43 Vgl. die Betonung des aei (nicht en merei, tote men – tote de) im Koinzidenzsatze des HERAKLIT, Soph. 242 E (s. o. S. 465 f.).


44 S. o. S. 487, Anm. 1.


45 Zweimal: V 7, 1 a. E. und 3 a. E.


46 Sehr gegen ARISTOTELES, nach welchem Unendlichkeit und Ganzheit sich ausschließen.


47 synaisthêsis hautou, synesis hautês (V 8, II) ... hautois synetoi, tên epistêmên hêmôn kai hêmas hen pepoiêkotes.


48 Auf andere Kritiken hier einzeln zu antworten dürfte nach allem Gesagten nicht mehr nötig sein. Gedankt sei ihnen allen; so von Jüngeren: JULIUS STENZEL, Studien zur Entwicklung der platonischen Dialektik von SOKRATES zu ARISTOTELES (Breslau, Trewendt & Granier, 1917) und OTTOMAR WICHMANN, PLATON und KANT (Berlin, Weidmann, 1920).


49 LEOPOLD ZIEGLER, Gestaltwandel der Götter (Berlin, S. Fischer, 1920).


50 Mit Gastm. 202 B E vgl. Phaedr. 242 E: theos hê ti theion.


51 Vgl. A. E. TAYLOR, Varia Socratica I (Oxford, J. Parker & Co., 1911), worüber Bericht: Deutsche Literaturzeitung XXXII Nr. 27, S. 1673 ff.


52 Ich zitiere im Folgenden ÜPI.


53 Im Folgenden zitiert DLZ.

Quelle:
Paul Natorp: Platos Ideenlehre. Eine Einführung in den Idealismus. Leipzig 21921.
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