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Der Band »Deutschland in frühen Farbfotografien« bietet mehr als 1000 beeindruckende Farbfotos aus den Jahren 1913 bis 1930. Sie waren zu ihrer Zeit höchst ungewöhnlich: Die technischen Grundlagen der modernen Farbfotografie wurden erst später entwickelt, und um Farbfotos (Farbenfotos, wie man sie damals nannte) zu erstellen, war eine sehr aufwändige und entsprechend selten eingesetzte Vorgehensweise notwendig. Das Ergebnis erstaunt noch heute und man kann sich ihrer faszinierenden Wirkung kaum entziehen die farbechten, wohlkomponierten Stadtszenen und Landschaften aus dem beginnenden 20. Jahrhundert bringen eine vergangene Welt vor Augen, die man so lebensnah vielleicht noch nie gesehen hat. Die Sammlung basiert auf der Reihe Deutschland in frühen Farbfotografien aus der Berliner Verlagsanstalt für Farbenfotografien, die in 13 Bänden von den Hansestädten bis Bayern das Reichsgebiet abdeckten und jeweils 40 hochwertige Farbtafeln und eine Textbeilage mit weiteren 20 bis 50 Abbildungen umfassten. Ergänzt wird sie um die seinerzeit höchst erfolgreiche dreibändige Sammlung Die Welt in Farben mit 120 Farbtafeln und 49 Textabbildungen, die bereits ab 1906 erschien und die Vorstellung von fremden Regionen und Kulturen in vielen Köpfen stark (mit-)geprägt haben dürfte.
Deutschland in frühen Farbfotografien. Für Windows Vista/XP/
Mehr vom dunklen Zeitalter (Digital Dark Age)Unter "Digital Dark Age" versteht man den Umstand, daß zukünftige Generationen mit unseren digitalen Erzeugnissen nichts mehr anfangen können, weil die technische Infrastruktur nicht mehr vorliegt. Beispielsweise können heute (2008) viele Personen ihre eigenen Dokumente nicht mehr lesen, die sie mit Microsoft WinWord 2 vor erst 10 Jahren geschrieben haben.
Die DIRECTMEDIA Publishing GmbH legt nun im Rahmen ihrer hochtrabend benannten Reihe "Digitale Bibliothek" eine eigentlich wunderbare und einmalige Sammlung alter Farbphotographien vor und sperrt sie gleich wieder in proprietären Formaten weg. Statt sich an minimale Standards zur digitalen Erhaltung von Objekten des Kulturerbes zu halten, wie sie z.B. vom EU-Projekt ERPANET empfohlen werden, findet man auf der DIRECTMEDIA-CD ... nichts! Die Bilder sind in einer proprietären Bibliothek weggepackt und man muß sie mit der mitgelieferten proprietären Benutzungsoberfläche betrachten. Die läuft aktuell unter einigen Microsoft- und Apple- Betriebssystemversionen, also innerhalb eines etwa 10-jährigen Zeitfensters Anfang des 21. Jahrhunderts! Man kann die Bilder mit Hilfe der Benutzungsoberfläche zwar nach JPEG exportieren, aber es ist zweifelhaft, ob das die Original-Qualität ist (ein Testbild hatte eine 400x400 Pixel Auflösung). Wenn man die CD kauft, muß man sich also im klaren darüber sein, daß man nichts "Bleibendes" erwirbt, im Gegensatz zu einem (gedruckten) Bildband.
Ein weiteres Ärgernis ist, daß man die CD nicht auf Festplatte installieren kann. Dazu ist die Teilnahme am DigibibPlus-Programm notwendig, was eine aktive Internetverbindung und Registrierung voraussetzt.
Die Amerikaner nennen solche Produkte "Crippleware".
Realistisch gesehenIch wundere mich immer wieder, wie hier Softwar rezensiert wird. Für einen schlappen Zehner soll hier also das Weltkkulturerbe gerettet werden.
Mit realistische Maßstäben sehe ich die Sache so: Diese Bildersammlung ist aufregend, die Bilder faszinierend, die Software grundsolide und ausgereift. Über Bildqualität kann man ja trefflich diskutieren, fest steht aber auch: Die Bildqualität ist erheblich über dem handelsübrlichen, es gibt keine ansatzweise vergleichbaren Alternativen. Auch nicht in deutlich höhren Preisregionen.
Also ganz einfach: Tolle Schreibe, toller Inhalt.
Gute Idee schlecht umgesetztIch mag die Digitale Bibliothek and sehe mir viele meiner Bände immer wieder an oder lese darin. Aber hier ist die Abteilung "Kann man haben, muß man aber nicht." Viele Bilder sind Landschaftsaufnahmen des Typus "Wiese mit Baum und Bach". Die Aufnahmen könnten sowohl im Alten Land als auch in der Holledau entstanden sein. Irgendeinen lokalen Bezug sehe ich nicht. Ich hätte mehr Stadtaufnahmen gesehen. Deutsche Städte und Dörfer vor dem Krieg. Dafür nehme ich sogar die Hinterhöfe von irgendwelchen Hotels in Kauf.
Ein großes Stück KulturgeschichteIn einem Punkt muss ich meinem Vorredner recht geben, diese hier angebotene Sammlung ist wunderbar und einmalig. Insgesamt 1.420 Abbildungen von Sehenswürdigkeiten, Straßenszenen, Landschaften aber auch Menschen geben einem einen schönen Einblick in eine von Kriegen noch nicht zerstörte, von Werbung und Straßenverkehr nicht überhäufte Zeit.
Mit Hilfe von Tabellen und der ausgefeilten Suchfunktion finden sich schnell erste Schätze oder man nimmt sich einfach die Zeit und geht die Bilder der Reihe nach durch. An der Auflösung der Bilder ist meines Erachtens nichts zu kritisieren. Man kann stufenlos sehr weit in die Bilder reinzoomen, bei einer Bildgröße von 1,2 bis zu 12 Megapixeln!
Und wenn man mag kann man kostenlos per Internet oder Telefon die Bibliotheksverwaltung frei schalten, und somit diesen und auch weitere Bände auf Festplatte installieren, und gleichzeitig in allen Ausgaben suchen und arbeiten. Dafür verzichtet der Verlag komplett auf einen Kopierschutz.
Noch ein Wort zu dem hochtrabenden Kommentar meines Vorredners: Der Verlag Directmedia hat ca. 50% seiner in proprietärer Software weggeschlossenen Inhalte kostenlos auf zeno.org zur Verfügung gestellt, und steht damit in meinen Augen auf einer Höhe mit der Wikipedia was Erhalt und Vertrieb von freiem Wissen und Kulturgut angeht. Bei über 1 Mio. Seiten Literatur, Kunst, Nachschlagewerken etc. darf man seine Reihe auch schon mal "Digitale Bibliothek" nennen, denke ich.
Ich bin mir sicher, dass auf auch die Farbfotografien irgendwann auf zeno.org landen werden, sobald die Urheberrechte dies hergeben.
Das Leben ist halt nicht ganz so einfach und vermutlich eins der proprietärsten!
Fünf Punkte für diese sehr schöne Fotosammlung und die leicht zu bedienende Software. Einen Punkt für meinen Vorredner wegen Themaverfehlung.
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