Lotman, Jurij M.

Die Struktur literarischer Texte

Die Struktur literarischer Texte
  • Verlag: UTB, Stuttgart
  • Erscheinungsdatum: 1993-01-01
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 429
  • ISBN: 3825201031
  • EAN: 9783825201036
  • Amazon.de Verkaufsrang: 197.699
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Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von weiser111 fanden 21 von 22 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Das Schweizermesser für die Interpretation -- stellenweise etwas schartig

"Die Struktur literarischer Texte" gilt als d a s Standardwerk, wenn es um Literaturinterpretation geht, und das durchaus zu Recht. Allerdings: Leicht zu lesen ist das Werk nicht.

Lotman geht es hier nicht um klare Handlungsanweisungen, wie ein konkreter Text zu interpretieren sei. Es geht ihm vielmehr darum darzulegen, wie ein Kunstwerk, im besonderen Literatur, grundsätzlich "funktioniert".

Lotmans Ansatz beruht darauf, die Besonderheiten der literarischen Sprachverwendung darzulegen: Im Gegensatz zur Alltagssprache haben die einzelnen sprachlichen Elemente in der Literatur verschiedene Funktionen, je nachdem, in welchem Zusammenhang zu anderen Elementen sie stehen. Ein einzelner Satz, ein einzelnes Wort z.B. in einem Roman oder in einem Gedicht kann also je nach dem Kontext, in den man es stellt, verschiedene Informationen vermitteln -- ein Kunstwerk verfügt über verschiedene Kanäle, Informationen zu vermitteln.

Interpretation besteht nach Lotman darin, all diese Subsysteme aufzuspüren und in einen stringenten Zusammenhang zu bringen. Die literarische Detektivarbeit erfolgt keineswegs willkürlich, sondern sie erfordert systematisches Vorgehen: Formale Kriterien bieten z.B. bei der Gedichtanalyse ebenso wichtige Anhaltspunkte wie Wortwahl oder Lautgestalt usw.

Was hier so trocken daherkommt, wird in Lotmans Darstellung zu einem spannenden Abenteuer. Er geht systematisch vor, erklärt zunächst einmal, warum und inwiefern Kunst als Sprache betrachtet werden kann, erläutert, was er unter "Text" versteht, was genau einen Text zu einem System macht und wie dieses System konstruiert sein kann.

Allerdings: Obwohl man auf den über 400 Seiten dieser Einführung keine Redundanzen findet, ist Lotmans Buch stellenweise genauso kompliziert wie sein Thema: Es setzt zwar Maßstäbe in wissenschaftlicher Hinsicht, nicht aber in stilistischer. Außerdem werden zwar alle grundlegenden Gedankengänge anhand von Beispielen erläutert, aber allzu oft sind diese Beispiele der russischen Literatur entnommen. Lotman kann man das nicht vorwerfen, aber dem deutschen Übersetzer durchaus.

Ausdrücklich seien daher die Leser gewarnt: Lotman wendet sich hier an "Fachleute", nicht an interessierte Laien, und eine Bettlektüre ist "Die Struktur literarischer Texte" ohnehin nicht. Dafür aber ist dieser Klassiker der Literaturwissenschaft eine Art Schweizermesser der Interpretation, allerdings stellenweise etwas schartig.

Bedingt nützlich kann das Buch bereits im Deutsch-Leistungskurs sein (aber Vorsicht! Stilistisch ist's stellenweise hart an der Grenze zum Erträglichen!), schier unentbehrlich fürs Philologiestudium und alles, was sich dem anschließt. Da beißt die Maus keinen Fehler ab, trotz der Einwände.

[Stellenweise inhaltliche Änderungen am 18.1.08; die Sternchenzahl lässt sich leider nicht mehr ändern]




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