Morus, Thomas

Utopia

Utopia
  • Verlag: Diogenes Verlag
  • Erscheinungsdatum: 1981
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 199
  • ISBN: 3257204205
  • EAN: 9783257204209
  • Amazon.de Verkaufsrang: 57.416
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Beschreibung von buecher.de

Mit seinem Hauptwerk, der staatsphilosophischen Schrift 'Utopia'(d.h. 'Nirgendwo'), 1516 in lateinischer Sprache erschienen, wurde Morus - Richter, Parlamentarier, Diplomat und Märtyrer der Römischen Kirche - zum Schöpfer des Begriffs und der Gattung der Utopie.

Aus der Amazon.de-Redaktion

Utopie, das schöne Wort vom Nirgend-Ort, hat am Ende dieses Jahrhunderts seinen Zauberklang verloren. Die Welt ist vermessen, der Bericht von einem unentdeckten Ort, an dem sich besser leben läßt, müßte heute aus dem Weltall zu uns dringen, um wenigstens minimale Chancen auf Glaubwürdigkeit zu haben. In dieser Hinsicht hatte es der Londoner Rechtsgelehrte Thomas More vor fast 500 Jahren einfacher. Amerikas Entdeckung lag 24 Jahre zurück, da schrieb er einen Bericht über ein Gespräch mit einem Seefahrer, der ein Land gesehen haben wollte, in dem "Menschen in vernünftig und weise geordneten Verhältnissen" leben. Wenn das keine Entdeckung war! Utopia nannte More dieses Land, wobei er die griechische Vorsilbe für "schön" zum gleichklingenden englischen "U" verkürzt. Höchstes Ziel der Utopier: das Glück. Billigstes Mittel: die Lust. Also "jeder Zustand des Körpers oder der Seele, in dem zu leben ein Genuß ist und zu dem die Natur uns den Weg wies". Sie verachten Gold und Edelsteine, Grausamkeiten an Mensch und Tier, und die wenigen Gesetze sind derart klar bestimmt, daß jeder sie versteht. Das Gemeinwohl steht den Utopiern über alles. Sicher, in diesem Buch steckt eine erhabene Anleitung des öffentlichen Lebens, die mit unserer gesellschaftlichen, politischen und ethischen Realität sowenig zu tun hat wie mit der Aussicht auf ihre Verwirklichung. Möglicherweise aber täuschen wir uns, wenn wir annehmen, das wäre damals anders gewesen. Neben Machiavellis Handbuch für den modernen Machtmenschen, Der Fürst, das zur selben Zeit geschrieben wurde, erscheint Morus' Plädoyer für das Utopische schon zur Wiegenstunde dieser geistesgeschichtlichen Kategorie altmodisch. Grund genug, dieses so wirkungsvoll wirkungslose Buch auch heute immer noch Ernst zu nehmen. --Nikolaus Stemmer

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Klaus Grunenberg fanden 85 von 86 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein Bild von einem Staat

Thomas Morus, der von der kath. Kirche heilig gesprochene Staatsmann aus dem alten England hat hiermit ein Idealbild eines Staates geschaffen, das nicht von Pappe ist.Wäre das Geld nicht, so meinte er in diesem seinem bekanntesten Werk (und wäre die Hoffart nicht!), so könnten die Menschen glücklich zusammen in einem gesicherten Staatsgebilde leben.Damit steht er nicht alleine, der ehemalige Lordkanzler Heinrichs des Achten und der Ausdruck "kommunistisch" erscheint denn auch irgendwann einmal.Interessant ist auch der Hinweis auf die Religion der Utopier, die ihren Gott, bzw. die allmächtige Kraft "Mithras" nennen.

Da gibt es natürlich bei Kennern dieser Materie schon mal ein Aha! und das ist gut so.Thomas Morus läßt in seinem Buch einen gewissen Hythlodeus, einem Gefolgsmann des Amerigo Vespucci aus seinen Erinnerungen von der Insel Utopia erzählen. Diesen Hythlodeus traf er (so sein Bericht!) rein zufällig bei einem Besuch in Antwerpen, als er in Mission seines Königs in Flandern eine delikate Aufgabe zu erledigen hatte.Wir sehen also, wie geschickt Morus seinen Bericht bringt und schon allein diese Einleitung zeigt den ungemein geschickten und sehr interessanten Erzähler von literarischer Größe.Übrigens hat er unter einem anderen Namen auch gegen Luther geschrieben, mit dem er nicht unbedingt immer einer Meinung war.Dieser Bericht: "Utopia" ist, sagen wir mal, ein durchaus ironischer Versuch eines sehr gebildeten Menschen der Renaissance, sich Gedanken über den idealen Staat zu machen.

Dabei wird rigoros (und mutig-ironisch!) Geld und Stolz, wie schon gesagt, als die Ursache allen Unglücks aufgezeigt.

Allen ist Alles gemeinsam und die Verteidigung des Staates (im Kriegsfall!) wird gerne gemieteten Söldnern aus der Nachbarschaft anvertraut.

Völlig überflüssige Gesetze, unerlaubter Reichtum, weil sowieso irgendwie gestohlen, Adel aus Stolz und vor allem die Freude an dem Leid der Armen (die ja erst die Erhebung über sie ermöglicht!), werden wie gesagt gebrandmarkt. So ist es nur allzu gut zu verstehen, daß sich Philosophen und Leute, die sich aus historischen Gründen mit diesem Autor der Renaissance befassen, oftmals nur schmunzeln und ihn beiseite tun.Nicht so die kath. Kirche, die ihn heiliggesprochen hat, aber wohl mehr aus religiös-politischen Gründen, weil er nämlich später gegen seinen "siegreichen" König Heinrich VIII. agierte und dessen Ehegewohnheiten mißbilligte. Das hat ihm schlussendlich seinen Kopf gekostet.

Thomas Morus hat hiermit einen anderen Entwurf eines Staates aufgezeigt, etwas weiter entfernt von seinem Zeitgenossen Niccolo Machiavelli und trotzdem irgendwie sehr sympathisch anmutend.

Diese Rezension von V. Spillner fanden 16 von 16 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Der Traum vom Gemeinwohl

Thomas Morus wurde 1477 geboren und als Lordkanzler aufgrund seiner unveraenderlichen Ueberzeugungen 1535 hingerichtet.

Mit seinem Buch "Utopia" verfasste er die erste literarische Utopie von einem Staat, in dem das Gemeinwohl ueber dem Wohl des Despoten stehen soll.

Wie die Not der aermeren Bevoelkerungsschichten abzuschaffen sei durch fast schon kommunistisches Gedankengut (wie beispielsweise die Abschaffung des Privateigentums), wie gesellschaftlicher Aufstieg moeglich sein soll fuer alle Buerger, wie man Diebe bestrafen kann, ohne die Todesstrafe benutzen zu muessen, warum es fuer Intellektuelle schwierig, aber notwendig ist, politisch - also: Berater eines Despoten zu sein - all dies und mehr noch eroertert Morus in einem beinahe sokratischen Dialog.

Kann es ein gerechtes Staatswesen geben, das alle Menschen glücklich und wohl versorgt leben lässt? Geschrieben wurde dieser Roman im England des 16. Jahrhunderts, im Zeitalter der Renaissance, der Reformation und der Glaubenskriege. Imperialismus praegt die Zeit, Expeditionen brechen auf ins Unerforschte, ständig dringt Kunde von neu entdeckten Weltengegenden nach Europa. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der Gespraechspartner, auf den Morus in seinem Buch trifft, ein Seefahrer ist, der ein ideales Staatswesen auf der Insel Utopia irgendwo jenseits des Äquators erlebt haben will. Der moderne Leser lauscht und erkennt erstaunt, dass neben demokratischen Ideen auch sozialistisches Gedankengut schon 300 Jahre vor Marx formulierbar war.

Beide Gespraechspartner vertreten oft je eine der anderen Meinung diametral entgegenstehende Auffassung - dennoch kommen beide Partner gleichermassen zu Worte und keiner erlangt ein Uebergewicht, so dass der interessierte Leser erstaunt ist ueber eine so kluge Gewichtung ganz gegensaetzlicher Standpunkte. Zugleich wird man aufgefordert, noch einmal selbst ueber ein "ideales Staatswesen" und die einzelnen Diskussionsfragen nachzudenken.

Historisch, modern und spannend erzaehlt, sehr lesenswert.

Diese Rezension von Rolf Dobelli fanden 11 von 11 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Der erste utopische Staatsroman ist erstaunlich modern:

Kann es ein gerechtes Staatswesen geben, das alle Menschen glücklich und wohl versorgt leben lässt? Diese Frage treibt den englischen Jurist Thomas Morus um. Er lebt im England des 16. Jahrhunderts, im Zeitalter der Renaissance, der Reformation und der Glaubenskriege, in der ständig Kunde von neu entdeckten Weltengegenden nach Europa dringt. Vor diesem Hintergrund entsteht "Utopia": der angebliche Reisebericht eines Seefahrers, der ein ideales Staatswesen auf der Insel Utopia irgendwo jenseits des Äquators erlebt haben will. Morus diskutiert mit ihm: Soll es Privateigentum geben? Ist soziale Gleichheit gut? Kann eine Gesellschaft genügend Güter erwirtschaften, wenn niemand nach Gewinn strebt? Gibt es das gute und gerechte Staatsoberhaupt, das nicht aus Eigennutz Kriege anzettelt und seine Untertanen auspresst? Die Fragen zeigen: Morus' "Utopia" ist erstaunlich modern. Tatsächlich sind viele Ideen frühsozialistisch, sogar kommunistisch - 300 Jahre vor Karl Marx. Die Suche nach dem glücklichen Idealzustand treibt Schriftsteller und Philosophen bis heute um. Und ob das Privateigentum ein Glück oder ein Unglück für die Gesellschaft ist, wird immer noch diskutiert. Ein weiteres Verdienst hat dieser Text: "Utopia" hat die Literaturgattung der Utopie geschaffen.

Diese Rezension von kpoac fanden 8 von 8 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Wirkungsvoll wirkungslose Idee und daher immer modern.

"Ferner glaube ich, daß es dem gut geht, der in seiner

Handlungsweise mit dem Geiste der Zeit zusammentrifft."

(Niccolò Machiavelli in: Der Fürst, 1516)

Wenn man aus dem frühen 16. Jahrhundert diese Welt betrachtet, dann ist es die Welt des Aufbruchs. Aus der terranen Depression und dessen Begrenztheit fliehen zu wollen, heißt, einfach an Bord zu gehen. Herman Melville im Moby Dick hat es verstanden, diesen einfachen Topos zu beschreiben und so ist die Welt um Thomas Morus (1478-1535) nicht anders zu sehen.

Geboren 1478 wurde Thomas More (Morus) zu einem geachteten Mann, Diplomat, Richter und auch Freund von Erasmus von Rotterdam. Sein Lebensziel war die Eintracht mit sich selbst. Sich daher zu verweigern gegenüber Heinrich VIII war notwendige Konsequenz über den Tod hinaus. Hingerichtet im Jahre 1535 wurde er im Sinne der Kirche heilig gesprochen ca. 400 Jahre später. Utopia, erschienen im Jahre 1516, ist eine Vision eines Staatsgebildes auf Basis eines christlichen Weltbildes mit dem Verzicht auf Privateigentum, Geldwirtschaft und Hierarchie. Stolz, Neid, Machtgier wurden geopfert zu Gunsten einer Gleichheit unter dem Verzicht der Freiheit durch Differenz.

Thomas Morus hat erkannt, dass in Wonne schwelgen unter Stöhnenden heißt, ein Kerkermeister zu sein. Dieses zu sehen und den Willen zu ändern zu haben, heißt, sich den Gegebenheiten der Zeit zu widersetzen. Eine stumme Rolle sagt mehr, als Unpassendes aufzusagen, so die Morus Idee einer Zeit, die Klarheit im Aufbruch wünscht. So gelingt es ihm, in den Worten alter Meister, Gemeinwohl zu fördern im Sinne der Lehre Christi und der gültigen Sitten, ohne andern zu folgen, die mit besserem Gewissen Böses tun. Und so waren vielleicht die Zweifel berechtigt: "Um die Wahrheit zu sagen, so bin ich mit mir selbst noch nicht einig, ob ich die Utopie überhaupt herausgeben soll". Schließlich und mit Zureden des Erasmus von Rotterdam erschien der "Bericht des vortrefflichen Herrn Raphael Hythlodeus über die beste Staatsverfassung: Herausgegeben von dem berühmten Herrn Thomas Morus, Bürger und Vicecomes der weltbekannten britischen Hauptstadt London".

Thomas Morus gelingt es über die Insel der Utopier so berichten zu lassen, dass die Insel der Jetztzeitigen genügend Motivation erhält, die eigene Situation zu überdenken. Utopia liefert eine Gesellschaft, die schon im 16. Jahrhundert die Welt des Karl Marx vorweg denkt. Unter dem Primat der Gleichheit werden die Vorteile geboren, die jeden in Utopia treffen und zu einem zufriedenen Bürger machen. Und doch verwundert, dass die Idee der Religion auch hier von herausragender Bedeutung ist. Jenseits, epikureerisches Denken und naturgemäße Tugend sind die Botschaften aus einer anderen Welt ins Diesseits. Nicht jedoch ohne auf Ironie zu verzichten. Ist Morus der Verfasser und gleichzeitig der Protagonist als kritischer Dialogpartner des Erzählers, verfremdet er denjenigen zusätzlich als Possenreißer. In einer Zeit der diktatorischen Herrschaft lässt man sich besser alle Seiten offen, folgt man Machiavellis Ratschlag.

Morus Idee eines Staates Utopia findet neue Diskussion im Diskurs von Ungleichheit. So wie Morus sich den Themen Gleichheit und Gerechtigkeit gewidmet hat, so tat es Rousseau zur Aufklärung und später im Jahre 2009 Norbert Bolz im "Diskurs über Ungleichheit". Auch wenn Morus mit seiner Idee nicht nur den glücklichen Staat, sondern auch einen, der ewig dauern wird, projiziert, so ist sein Bestreben eine Grundfeste aller Staatsgründer. Zwietracht zwischen den Richtungen zu vermeiden, scheint Morus Ziel in den übertragenden Ausführungen von Raphael, einem Seemann.

Morus Hommage an die Zeit ist, einem Seemann das Wort zu geben, weil dieser berichten kann von der terra incognica, dem unbekannten Land und den gewünschten Verhältnissen. Dass Morus Jahrhunderte später Auslöser neuer Ideen und Romane war, zeigt sich bei H.G. Wells Literatur-Spektrum. Bloch hält Utopia für menschenwürdig, weil die Menschen von der Arbeitsfron befreit sind. Für ihn ist somit das Leben jenseits der Arbeit maßgebend für die Beurteilung und die Definition von Utopia. Nun obliegt es dem Leser, sich die Welt neu anzusehen und neu zu beurteilen. Für Morus bleibt der Schluss: "so muss ich doch ohne weiteres gestehen, dass es im utopischen Staatswesen eine Menge Dinge gibt, die ich in anderen Staaten verwirklicht zu sehen wünsche. Freilich wünsche ich das mehr, als ich es hoffe".

Die beiden Gesprächspartner im Dialog haben sich profund geschlagen, überraschend ist, dass die Gewichtung beider Meinungen in einer Dritten sein muss. Daher ist der Leser Teil der immerwährenden Diskussion um eine Utopie (Utopia wie Dystopia), die seit Platons Politeia in der Idee des Idealstaates die Menschen in den Bann zieht.

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Diese Rezension von M. Thomas fanden 15 von 16 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen "Ein vortrefflicheres Volk gibt es nirgends"

Der Roman ‚Utopia' des Thomas Morus ist bis in unsere Tage voller Widersprüche geblieben und von den unterschiedlichsten Gruppen für Ihre Interessen ausgelegt worden. Seien es die Humanisten, welche die Lehre von der Toleranz in den Vordergrund stellten, seien es die Kommunisten, welche den Gleichheitsgrundsatz hervorhoben. Keine Deutung befriedigt wirklich; zu viele Zweifel verbleiben. So kommt der Leser bei der Lektüre in den Genuss, sein eigenes Utopia aufzubauen.Geboren wurde der Sohn des John Morus, Richter am königlichen Gericht, im Jahre 1478 in London. Nach dem Vorbild des Vaters war ihm die Advokatenlaufbahn vorgezeichnet. Seine Karriere führte ihn bis zum Amt des Staatskanzlers. Zum Verhängnis wurde ihm seine Treue zur katholischen Religion. Er verweigerte Heinrich VIII die Gefolgschaft, als dieser sich von seiner ersten Frau trennte und Anna Boleyns ehelichte. Das Schwert des Henkers beendete 1535 sein Leben. Die katholische Kirche sprach ihn wegen seiner Treue heilig.Die Utopia besteht aus zwei ungleichen Teilen. Der erste Teil erzählt vom Zusammentreffen des Morus mit einem portugiesischen Seemann namens Raphael Hythlodeus. Dieser stand zunächst in den Diensten Amerigo Vespuccis und entdeckte dann jene Insel Utopia, von der zu berichten sei. Namen und Orte sind von Morus nicht leichtfertig gewählt sondern aus griechischen Wortstämmen abgeleitet (ou = nicht, topos = Ort, Utopia = Nirgendsland). Im zweiten Teil des Romans schildert Raphael Hythlodeus die Eindrücke und Erlebnisse, die er auf der Insel Utopia sammelte. Utopia ist zwar genau wie England eine Insel, doch hier hören für Morus bereits die Gemeinsamkeiten auf. Denn all die Laster und Ungerechtigkeiten, welche seine Heimat - und nicht nur die - auszeichnen, sind den Utopiern fremd: „Das aber gestehe ich ohne weiteres, dass es im Staatswesen Utopias vieles gibt, was ich in unseren Staaten mehr zu wünschen, als zu hoffen wage". Morus hält seinen Zeitgenossen: den Adligen, der Geistlichkeit, der Regierung aber auch dem einfachen Mann auf der Strasse den Spiegel vor die Augen. Wo liegt die Ursache für die Ungleichverteilung der Güter und Lasten und die zunehmende Kriminalität? Als Quelle allen Übels identifiziert Morus die Gier der Menschen: ...so scheint mir, wo es noch Privatbesitz gibt, wo alles nach dem Geldwert bemessen wird, da wird es kaum jemals möglich sein, gerecht und erfolgreich Staatskunst zu treiben. Du müsstest denn denken, es gehe dort gerecht zu, wo das Beste jeweils immer den Schlechtesten zufällt, oder man sei dort glücklich, wo alles unter ganz wenige aufgeteilt ist ... die übrigen aber vollends im Elend sitzen". Morus bezieht eine urchristliche, eine sozialistische Position. Das Gewinnstreben der Menschen wird angeprangert und mit einem Seitenhieb stellt er fest, dass : "sogar manche Äbte - heilige Männer -, nicht mehr zufrieden mit den Einkünften und Jahreserträgnissen" sind. Als Beispiel führt er die stetig wachsende Schafzucht an, deren Wolle höheren Gewinn abwerfe als der Ackerbau und deshalb fruchtbare Ackerböden zerstört und Häuser eingerissen würden: „... und lassen eben noch die Kirche als Schafstall stehen".Ein weiterer Missstand, den Morus brandmarkt, sind die Müßiggänger „die wie Drohnen, von anderer Leute Arbeit leben". Hierzu zählt neben dem Adel auch der „Schwanz von nichttuenden Trabenten", die in ihrem Gefolge leben. Morus rechnet vor, dass die Arbeitszeit auf sechs Stunden am Tage verkürzt werden könnte, wenn sich alle an der Produktion beteiligen würden.Dem Staat weist er die Aufgabe zu, Kriege zu vermeiden und das Übel zu verringern: "Daher sei des Fürsten vornehmste Sorge das Wohlergehen seines Volkes, nicht sein eigenes". Die Aussetzung eines Kopfgeldes auf den Gegner zwecks Vermeidung eines Krieges, hält er für gerechtfertigt, um „mit dem Tod weniger Schuldiger das Leben zahlreicher Unschuldiger" zu erkaufen.Ähnlich den Politikern unserer Tage spricht sich Morus für eine drastische Vereinfachung der Gesetze aus. Gesetze, die niemand kenne und verstehen könne, würden auch nicht befolgt werden, ist sein Standpunkt. Ganz im Sinne des Humanismus tritt Morus für den Freitod und die Religionsfreiheit ein. Gleichwohl lehnt er dennoch den Atheismus als Entartung der menschlichen Natur ab.Auch 500 Jahre nach der Veröffentlichung des Büchleins sind die Wünsche des Thomas Morus Utopie geblieben. Doch die humanistischen Gedanken sind in den Herzen der Menschen verwurzelt.

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