Kafka, Franz

Der Verschollene (in d. Fassung d. Handschr.)

Der Verschollene (in d. Fassung d. Handschr.)
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt
  • Erscheinungsdatum: 1983-04-01
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 432
  • ISBN: 3100381270
  • EAN: 9783100381279
  • Amazon.de Verkaufsrang: 652.510
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Beschreibung von buecher.de

Eine éGeschichte', die allerdings ins Endlose angelegt ist', nannte Kafka diesen Roman in einem Brief an Felice Bauer vom 11.November 1912. Im selben Brief nannte er auch den Titel des Ganzen: ,Der Verschollene' - die einzige authentische Titelformulierung f³r diesen Roman, der dann spõter unter dem Titel ,Amerika' ber³hmt wurde ... ,Es ist die erste gr÷¯ere Arbeit' - so f³gte er hinzu - ,in der ich mich nach 15jõhriger bis auf Augenblicke trostloser Plage seit 11/2 Monaten geborgen f³hle'. Der damals auf diese Weise vorgestellte Roman erscheint hier so, wie er von Kafka hinterlassen wurde: in der Textgestalt der Handschrift, ohne Normalisierungen oder Modernisierungen - und als Torso. Denn ein Ende, einen definitiven Abschlu¯, hat ja diese ,ins Endlose angelegte' Geschichte in der Tat nie gefunden...' Jost Schillemeit 'Amerika: das ist hier trotz vieler mit ³berzeugender Sorgfalt verzeichneter Einzelz³ge die Fremde schlechthin. Sie ist ³berall zu finden, unsere ganze bekannte und gewohnte Welt ist eine einzige Fremde. Karl, der wie Kafka aus Prag stammt und dessen Name dem des Dichters gleich mit K beginnt, m³¯te nicht nach Amerika rei-sen, um sich in seinem Amerika zu befinden; er ist schon ausgewandert, wenn er ein Hotelzimmer bezieht oder ins Telephon spricht. Aber wo in, wo au¯er aller Welt ist er zu Hause? Er wõre in einer Welt zu Hause, in der es gerecht zuginge. Das scheint nicht viel verlangt, und Karl kann auch nicht viel verlangen, denn er ist ein einfacher Bursche, der nicht einmal h÷here Schulkenntnisse besitzt und gewi¯ keine besonderen Anspr³che stellt. Wie gerne nimmt er jede Arbeit auf sich, wie bescheiden ist er im Essen. Nur eben fordert er, t÷richt genug, da¯ gerecht und anstõndig verfahren werde, und genau diese einzige Forderung wird ihm nicht erf³llt, ja seine Existenz scheitert an ihr nahezu ³berall...' Siegfried Kracauer

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von silke.musa@gmx.de fanden 7 von 10 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen sehr aufschlussreich

Karl, Protagonist dieses Werkes, ist wie viele seiner europäischen Landsleute vom unrelistischen Amerikabild, das er aus Erzählungen und Abenteuerromanen kennt, verblendet. Seine Sicht vom "gelobten" Land ändert sich zunächst während des Aufenthaltes bei seinem reichen Onkel kaum. Doch er muss bald feststellen, dass dessen Wohlstand nur auf äußerster Disziplin und Ordnung sowie völliger Rüchsichtslosigkeit gegenüber anderen begründet ist. Bereits hier macht er Bekanntschaft mit einem Phänomen, das exemplarisch für die gesamte amerikanische Gesellschaft steht, nämlich dem Leiszungsprinzip auf sämtlichen sozialen Ebenen. Der Onkel duldet als gewissenhafter Geschäftsmann keinerlei Widersprüche und erwartet auch von Karl absoluten Gehorsam, den ihm dieser aber mangels genügender Kenntnisse über das amerikanische System und auch aus Naivität nicht erweisen kann. Eine kleine Missachtung der Autorität reicht aus und Karl wird von seinem Onkel für immer verbannt. Diese Chancenlosigkeit und Hilflosigkeit angesichts der Mächtigen lässt sich bereits zu Beginn des Romans in der Figur des Heizers erkennen. Karl steht allein da, er kennt keinen und keiner kennt ihn. In den Landstreichern Robinson und Delamarche sieht er zwar zunächst so etwas wie Vertrauenspersonen, da sie ebenso wie er vom Schicksal gebeutelt sind. Doch auch diese haben nur ihren eigene Vorteil vor Augen und scheuen nicht davor zurück, Karl zu betrügen und zu demütigen. Egoismus und Herzlosigkeit erweist sich als weitere Kennzeichen der modernen, amerikanischen Lebensart, die Karl auch im Hotel Occidental zu spüren bekommt. Als Liftjunge unter vielen anderen muss Karl hier um seine materielle Existenz kämpfen. Doch auch diese Mühen sind angesichts der straffen Organisation, die im Hotel vorherrscht, aussichtslos. Ein kleiner unverschuldeter Fehltritt, den er vor den Hoteloberen und somit vor weiteren Autoritätspersonen nicht zu rechtfertigen imstande ist, wird Karl zum Verhängnis. Sein sozialer Abstieg endet zumindest vorläufig als "Mädchen für alles" bei der ehemaligen Sängerin Brunelda. Karl ist das typische Beispiel des von seiner Umwelt ausgebeuteten und unterdrückten Menschen in einer von Konkurrenz und Unmenschlichkeit gekennzeichneten Welt. Jeder kümmert sich nur um sich selbst und scheint nur noch von und für die Arbeit zu leben. Da Karl vollkommen unerfahren und zu vertrauensselig ist, nimmt er jede Möglichkeit wahr, sich an Personen zu binden, die ihm möglicherweise weiterhelfen könnten, die ihm aber letztlich nur ihren Willen aufzwingen wollen, um ihn für sich dienstbar zu machen. Das Bild von Amerika, von der neuen und besseren Gesellschaft, in der die Menschen aus aller Welt schnell und ohne Schwierigkeiten aufsteigen können, erweist sich somit als falsch. Kafka geht im "Verschollenen", im Gegensatz zu vielen anderen Amerikaromanen, mit den populären Vorstellungen über Amerika ins Gericht und deckt die dort herrschenden sozialen Missstände, die die Menschen ihrer Freiheit und Lebensmöglichkeiten berauben, und die ein Produkt des gewaltigen technischen Fortschrittes sind, auf. Entfremdung und Identitätsverlust in einer mechanisierten und von der Arbeit beherrschten Gesellschaft widersprechen als Schlagwörter der Moderne den allgemein propagierten Idealen Amerikas und lassen den "Mythos Amerika" verblassen.

Der Verschollene (in d. Fassung d. Handschr.)



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