Heine, Heinrich

Deutschland. Ein Wintermärchen

Deutschland. Ein Wintermärchen
  • Verlag: Insel, Frankfurt
  • Erscheinungsdatum: 2006-03-21
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 126
  • ISBN: 3458324232
  • EAN: 9783458324232
  • Amazon.de Verkaufsrang: 539.258
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Amazon.de-Hörbuchrezension

Heine war davon überzeugt, daß er mit seinem "Werkchen" Deutschland. Ein Wintermärchen etwas verfaßt hatte, das "mehr Furore machen wird, als die populärste Broschüre, und das dennoch den bleibenden Wert einer klassischen Dichtung haben wird". Recht hatte er. Mit seinem Versepos sollte er zwar in kürzester Zeit die gesamte empörte Presse gegen sich haben, aber auch heute noch ist es aus unseren Bücherschränken nicht wegzudenken. Was hier zunächst als genauer Reisebericht über eine Reise daherkommt, die Heine im Jahre 1843 von Paris über Aachen und Köln nach Hamburg führte, entpuppt sich auf den zweiten Blick als eine bissige politische Satire. Heine prangert u.a. die politische Rückständigkeit an, die das in viele Kleinstaaten zersplitterte Deutschland kennzeichnete; die drastischen Zensurpraktiken, mit denen die freie Meinungsäußerung verhindert wurde; sowie die Willkür des Polizeistaats Preußen unter der Herrschaft von Friedrich Wilhelm IV. Es verwunderte niemanden, daß Heines Werk sofort nach dem Erscheinen verboten wurde. Was ihm als besonders negativ vorgeworfen wurde, war nicht nur der brisante Inhalt, sondern vielmehr die Verbindung von Form und Inhalt. Der Dichter hatte hier nämlich eine Variation der Vagantenstrophe verwendet, durch die die Strophen eine besondere Leichtigkeit erhielten und die zusammen mit der saloppen Sprache den Kritikern und Bewahrern der politischen Zustände geradezu wie schallendes Hohngelächter anmuteten. Gerd Wameling bringt in der Erarbeitung für das Hörbuch diese pointierte Sprache zum Schillern und läßt in seiner Lesung die originellen Wortspiele und den scharfen Sprachwitz des großen Dichters von neuem aufblitzen. So erwarten den Hörer fast eineinhalb Stunden Vergnügen auf höchstem Niveau bei diesem -- erfreulicherweise ungekürzten -- Hörgenuß. --Anne Hauschild

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension fanden 14 von 14 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen sehr guter Klassiker, sollte man gelesen haben!

Heines „Wintermärchen" von Deutschland ist entstanden von Januar bis April 1844. In diesem Gedichtszyklus verarbeitet Heine die Eindrücke, die er bei seiner Deutschlandreise ein Jahr zuvor unternommen hat. Er zeigt die Misere der deutschen Verhältnisse auf. Dabei besitzen die Verse eine beißende Satire. Man kann den Text so erklären: Heine besucht seine Mutter in Deutschland, die er viele Jahre schon nicht mehr gesehen hat und verarbeitet das in seinem „Wintermärchen". Nichts weiter. Aber das wäre nur die halbe Geschichte, denn das „Wintermärchen" ist mehr! Es ist grundsätzliche Kritik an den deutschen Verhältnissen der Zeit in einer Bissigkeit, die sie nur außerhalb des Einflußbereichs der deutschen Zensoren haben konnte. Das Buch ist nicht umsonst heute Schulstoff. Aber man sollte es sich auch mal (wieder) außerhalb des schulischen Drucks durchlesen, denn allein die Dichtung ist es wert. Aber auch für die historische Betrachtung kann Heines Wintermärchen ein übriges tun. Und wer zu faul zum Lesen ist, kann es sich ja von Eberhard Esche vorlesen lassen.. dazu müsste dann aber diese CD gekauft werden oder man müsste ins Deutsche Theater Berlin gehen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

Diese Rezension fanden 38 von 40 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Heines geniale Deutschland-Satire

Heines "Deutschland. Ein Wintermärchen" ist eine - 1844 gedruckte - Satire auf deutsche Zustände um 1840. Das Werk, das nach Heines Deutschland-Reise 1843 entstanden ist (er lebte seit 1831 im Pariser Exil), ist in Form einer Reisebeschreibung organisiert; die wichtigsten Stationen sind Aachen, Köln (Kölner Dom), der Teutoburger Wald (Hermannsdenkmal), Minden, Hannover und Hamburg. Jeder Ort wird von Heine mit einem speziellen Thema verknüpft, mit einem spezifischen Aspekt seiner Deutschland-Kritik, z.B. Aachen mit dem stocksteifen preußischen Militär, Köln mit der Kritik an der katholischen Kirche, Hannover mit dem Verfassungsbruch von König Ernst August, Hamburg mit philiströser Geschäftstüchtigkeit etc. Im Zentrum stehen vier Barbarossa-Kapitel, die im Kyffhäuser (Thüringen) angesiedelt sind. In diesen Kapiteln reagiert Heine auf die politische Instrumentalisierung der Barbarossa-Sage, wie sie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von zeitgenössischen Autoren (u.a. Geibel) vorgenommen wurde. Für Heine ist Barbarossa ein anachronistisches Idol, und deshalb wird er als vertrottelter Antiquar, als "altes Fabelwesen" karikiert. Eigentlich treffen aber will er mit seiner Satire Friedrich Wilhelm IV., den reaktionären König von Preußen, der ihn mit Haftbefehlen verfolgt und den er im Schlusscaput direkt attackiert. Berühmtheit erlangte insbesondere das erste Caput, in dem Heine der christlichen Jenseitsvertröstung seine sensualistische Doktrin entgegenstellt: "Wir wollen hier auf Erden schon / Das Himmelreich errichten." - Eine glänzende Satire. Sehr witzig! Sehr amüsant! Sehr polemisch! Deutschtümelnde Kritiker sprachen indes vom schlimmsten Pamphlet, das je gegen die Deutschen geschleudert wurde. Die jetzt vom Reclam-Verlag vorgelegte Ausgabe erhält ihren besonderen Wert durch die kongenialen Bilder, die Hans Traxler gezeichnet hat. Jedes der 27 Kapitel ist mit einer farbigen Illustration versehen und auch der gesamte Buchschmuck stammt aus der Feder des Mitbegründers von "Pardon" und "Titanic". Eine wunderschöne Ausgabe!

Ein informatives Nachwort und einen knappen, aber hilfreichen Kommentar, der heute nicht mehr verständliche Anspielungen und Zeitbezüge erklärt, hat der Wuppertaler Literaturwissenschaftler Werner Bellmann beigesteuert.

Diese Rezension von Klaus Grunenberg fanden 62 von 70 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Unglaubliche Geschichte

Dieses Werk hier ist überhaupt ein Schlüsselwerk der Überzeugung, daß es gelingen könnte, mit Geist und

der daraus entstehenden Möglichkeit soetwas wie Frieden oder Befriedung, Freiheit womöglich für die Menschen zu bringen.

Für die Menschen, die "guten Willens" sind, wie es geschrieben steht.Und so ist allein das Vorwort des Dichters zu diesem wunderschönen und bildungsreichen Werk ein Fanal des guten Willens.Geschrieben im Januar 1844, so steht es unter der Bezeichnung:

Deutschland

Ein Wintermärchenund gleich im CaputI beginnt es wehmütig und süß: "Im traurigen Monat November war`s,

Die Tage wurden trüber,

Der Wind riß von den Bäumen das Laub,

Da reist`ich nach Deutschland hinüber."Und dann geht es durch die damaligen deutschen Lande, daß es ein Vergnügen ist.Die Landschaften, die Bewohner, die Preußen zumal, die er aufs Korn nimmt, alles, die Liebe zu einigen ganz speziellen Landschaften und deren Charaktere, alles wird kunstvoll und geistvoll zu Papier gebracht in einem Sington, in einem liedhaften, einem deutschen volksliedhaften Grundton dargebracht.Natürlich kann man nicht nur schmunzeln, denn es geht gewaltig zu mitunter, wenn z.B. die Zukunft dieses Deutschlands geruchsmäßig an einem ganz besonderen Ort, einem hehren sozusagen, vorausgesagt wird. Und hier ist denn auch seine Kritik damals zu verstehen, denn heute ist ja fast alles nachweislich - leider - als richtig anzusehen, was er beschreibt.Gut, das schmälert keinesfalls seine Kunst, das schmälert nicht seine Liebe zu Deutschland, dem er viel zutraut, wenn es sich der Menschlichkeit zuwendet, (er sagt: Menschtum!).Somit ist dieses Werk, im Versmaß geschrieben, ein überaus dramatisches und ein sehr deutliches Zeugnis seiner damaligen Voraussicht und ein mutiges zugleich für den, der es heute noch zitiert und sich zu Herzen nimmt.

Diese Rezension von Fenja Klöckner fanden 4 von 4 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Große Literatur - kurzweilig zu lesen

Ein satirischer Blick auf das Deutschland 1844 in Versform ist es,

den Heine, aus dem französischen Exil zurückkehrend, auf seine Heimat wirft.

Gezielte Seitenhiebe gehen in die Richtung der Kirche, der Zensur, der reaktionären

Politik und des übertriebenen Nationalismus.

Das alles in flotten Versen, die schon fast Volkslied-Charakter haben.

Das Wintermärchen läßt einen schmunzeln, nachdenken und regt sogar dazu

an, das Geschichtsbuch hervorzukramen, um sich noch einmal mit den historischen

Fakten auseinander zu setzen.

Wer große Literatur sucht, die kurzweilig zu lesen ist, der wird bei

diesem Buch fündig!

Diese Rezension fanden 4 von 4 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Beste deutsche Satire

Das "längste Gedicht der Welt" ist eines der spannensten Bücher deutscher Geschichte. Es beschreibt in frischer Art und Weise die gesellschaftliche Situation in Deutschland des des Frühmärzes und übt daran Kritik. Heine hat dieses Buch leicht verständlich geschrieben - es sind keine "literarischen Vorkenntnisse" nötig. Manche Anspielungen verlangen etwas Geschichtswissen, sie sind für den Gesamteindruck aber nicht nötig. Es ist erstaunlich wie aktuell dieser "alte Schinken" heute noch ist. Ein Pflichtbuch für jeden!

Deutschland. Ein Wintermärchen



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