Nipperdey, Thomas

Arbeitswelt und Bürgergeist

Arbeitswelt und Bürgergeist
  • Verlag: C.H.Beck
  • Erscheinungsdatum: 1990-08-06
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 885
  • ISBN: 3406344534
  • EAN: 9783406344534
  • Amazon.de Verkaufsrang: 346.163
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Beschreibung von buecher.de

Mit diesem Band setzt Thomas Nipperdey seine großangelegte Unternehmung fort, Franz Schnabels `Deutsche Geschichte des 19. Jahrhunderts` für unsere Zeit neu zu schreiben. Die Totalität von Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur des deutschen Kaiserreichs wird hier in anschaulicher Darstellung und begreifender Analyse gegenwärtig gemacht.
Rezension:
»Ich schmökerte zunächst in dem Teil über die Schule, weil ich in eine gegangen bin, nahm mir dann die Kirche vor, weil sie mir fremd ist, den Abschnitt über Frauen, weil ich welche kenne, die Wissenschaft, weil ich sie still weiterhin liebe. Schließlich las ich alles in der gegebenen Reihenfolge, vier gewonnene Tage lang.« (Sten Nadolny, FAZ)

Aus der Amazon.de-Redaktion

Angesichts der immensen Umbrüche, die Thomas Nipperdey in seinem ersten Halbband zur deutschen Geschichte von 1866-1918 für die soziale, wirtschaftliche und wissenschaftliche Ebene konstatiert und so gekonnt nachzeichnet, verliert die Diskussion über die epochalen Zäsuren unserer Tage etwas von ihrer aufgesetzten Einzigartigkeit. Die Akzeleration der Zeitläufe begann nicht erst mit der Erfindung des Mikrochips, sondern spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts. Gegründet auf einem geradezu explosiven Bevölkerungswachstum vollzogen sich im deutschen Kaiserreich Entwicklungen, die für die damaligen Zeitgenossen von zumindest genauso tief greifender Wirkung gewesen sein mussten wie der Wandel zur Informationsgesellschaft des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Industrialisierung und soziale Frage, Urbanisierung und städtisches Proletariat, viktorianische Moralvorstellungen und ein nie gekannter Höhepunkt der Diskussion um Schulreformen zur Jahrhundertwende mit über 400 pädagogischen Zeitschriften (!) sind nur einige Spannungslinien jener Epoche. Nipperdeys Bild der deutschen Gesellschaft vor dem traumatischen Einschnitt des Ersten Weltkrieges ist nuancenreich und differenziert. So widmet er sich den vielen Facetten der Alltagsgeschichte ebenso wie dem Wandel Deutschlands vom wirtschaftlichen "Nachfolge-" zum "Pionierland". Denn gerade bei den neuen Industriezweigen wie der Chemie- und Elektroindustrie war Deutschland spätestens 1890 in Europa zum Maß der Dinge geworden. Dazu trugen auch die vielen bahnbrechenden Erfindungen bei, welche die deutschen Universitäten zu Zentren der physikalischen und chemischen Forschung und Lehre machten. Einstein entwickelte 1905 seine Relativitätstheorie, erhielt aber erst 1913 einen Ruf an das renommierte Kaiser-Wilhelm Institut nach Berlin. Warum hatte es so lange gedauert? Weil er Jude war -- eine andere Kontinuität deutscher Geschichte. Arbeitswelt und Bürgergeist ist der erste Teil der Trilogie Thomas Nipperdeys, die mit Band II, Machtstaat vor der Demokratie, ihre Fortsetzung findet. Und wer sich über das 19. Jahrhundert von den Anfängen bis zum Zusammenbruch der Monarchie ein Bild machen möchte, dem sei Nipperdeys umfassende Deutsche Geschichte 1800-1918 empfohlen. --Manfred Schwarzmeier

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension fanden 6 von 6 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Gelungener struktureller Überblick über die das Kaiserreich

Mehrere Jahre nach dem Erscheinen seiner "Deutschen Geschichte 1800-1866" legte der mittlerweile verstorbene Müncher Universitätsprofessor Thomas Nipperdey den zweiten Band seiner Trilogie über die Geschichte Deutschlands im 19. Jahrhundert vor. Dieser beschäftigt sich mit den Jahren 1866-1918, mithin vom preußisch-österreichischen Krieg bis zum Ende der Monarchie in den beiden Staaten. Inhaltlich konzentriert sich Nipperdey völlig auf die Sozial-, Wirtschafts-, Kirchen-, Kultur-, Alltags- und Kunstgeschichte und breitet gekonnt auf mehr als 880 Seiten sein fundamentales Wissen zum Thema aus. Recht ausführlich berichtet er dabei über Themen, die in vergleichbaren Darstellungen zumeist unter den Tisch fallen: Das tägliche Leben mit Essen und Trinken, Kleidung, Wohnen, Freizeit, Sport und Reisen. Allein schon diese Überschriften kommen dem Leser Ende des 20. Jahrhunderts sehr modern vor und sie zeigen einmal mehr, bis in welche Zeit die Wurzeln unserer gegenwärtigen Gesellschaft hineinreichen. Nipperdeys Band ist sicherlich kein Buch zum Durchlesen, es ist vielmehr eine äußerst gelungene Zusammenstellung verschiedener Themenkomplexe über die Geschichte einer vergangenen Zeit. So kann man das Buch in der Mitte aufschlagen und sich einfach festlesen (freilich wird dies durch den teilweise etwas gewundenen Stil etwas erschwert). Jedem Interessierten mit Geduld sei es daher empfohlen! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

Diese Rezension fanden 3 von 3 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Politik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Noch monumentaler als die beiden vorausgegangenen Bände ist der dritte Band von Thomas Nipperdeys Geschichte Deutschland im 19. Jahrhundert ausgefallen. Auf mehr als 940 Seiten breitet er unter dem Untertitel "Machtstaat vor der Demokratie" die historisch-politische Entwicklung Deutschlands von 1866 bis 1918 aus. Es ist damit eine erweiterte Geschichte des zweiten Deutschen Kaiserreiches. Dabei gelingt es ihm, die Entwicklung nicht nur auf die Protagonisten Bismarck, Wilhelm I. und Wilhelm II. zu beschränken, sondern breiter gefaßt, die wesentlichen Strukturprobleme und die wichtigsten Gestaltungs- und Formationskräfte dieser wenig rühmlich geendeten Epoche darzustellen. Freilich liest sich das Ganze zuweilen etwas trocken - einige Tabellen, vor allem aber einige Landkarten hätten den Text sicherlich aufgelockert und anschaulicher gemacht. Als Manko erscheint weiterhin, daß Nipperdey - trotz des voluminösen Umfang seines Werks - zusehr auf Reichsebene argumentiert und manchmal übersieht, daß sich die deutsche Geschichte eben auch im Kaiserreich zu einem gewissen Teil auf der territorialen Ebene der Einzelstaaten abgespielt hat. Nichtsdestotrotz ist das Werk jedem Interessierten, der genügend Platz im Regal hat, zu empfehlen! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

Diese Rezension von Stephan Buhr fanden 1 von 1 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Sehr detailfreudig, aber etwas mühselig

Ohne Zweifel enthält Nipperdeys großes Werk eine Fülle an Informationen. Der Autor besitzt offenbar eine ungeheure Sachkenntnis. Man erhält den Eindruck, dass er jeden Aspekt des dargestellten Zeitraumes nicht nur darstellt, sondern fast vollständig interpretiert und durchleuchtet. Wer sich umfassend über die Geschichte des Kaiserreiches informieren will, ist mit diesem Buch gut bedient. Allerdings würde ich es nicht Lesern empfehlen, die einen ersten Überblick gewinnen möchten. Wer das grundlegende Faktengerüst nicht parat hat, könnte es unter Umständen schwierig finden, zu folgen. Der rote Faden ist da, aber er ist natürlich imitten des Informationshaufens manchmal schwer freizulegen. Zudem gefällt mir Nipperdeys Stil nicht immer. Die Sätze sind oftmals zu lang und zu kompliziert, das erschwert das Lesen. Aber das ist Geschmackssache. Tatsache ist, dass es eigentlich kein Fehler ist, dieses Buch im Regal stehen zu haben.

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