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Henri-John will nur das eine: dass seine Frau Edith, die er schon seit ihrer gemeinsamen Jugend im Sinn-Fein Ballett kennt und liebt, zu ihm zurückkehrt. Doch bis dahin ist es ein langer Weg, denn die inzwischen arrivierte Schriftstellerin verträgt zwei Dinge gar nicht: dass Henri-John in ihrer Abwesenheit eine Affäre hatte, und dass er bei ihrer Heimkehr ihr neuestes Manuskript in Grund und Boden kritisiert.
Dran bleiben, es lohnt sich!Wer an Djian gerät, wird mit Sicherheit bereits andere von ihm gelesen haben, bis er an Pas de deux gerät. Die Betty Blue- Trilogie ist wohl das Erste, was einem von Djian unter die Nase gehalten wird. Wer dann jedoch an diesen Roman gerät, sollte sich von dem seltsam langsamen Beginn nicht täuschen lassen und dran bleiben. Was Djian im Laufe dieser Geschichte seine Protagonisten erleben, erzählen oder nur beobachten lässt, ist einmalig. Wahrscheinlich nicht sein witzigster, nicht sein wildester, aber vielleicht sein bester Roman. In altbewährter Manier lässt Djian seine Helden flüssig daher kommen und sich selbst die allertiefsten Gräber schaufeln. Und wie üblich hat der Leser einen Heidenspaß daran, mitzuerleben, wie sie versuchen wieder einen Fuß an Land zu bekommen. Seine derben Dialoge kommen dabei ebensowenig zu kurz wie seine knallharte Erotik und wenn die Zeit zurück in die Vergangenheit Henri-Johns springt, fühlt man sich sogar an Irvings "Owen Meany" erinnert. Djian gewährt seinen Lesern wie gewohnt einen ganz tiefen Einblick in seine Charaktere, aber nicht immer hat man so mit ihnen gelitten.
Langsam draussenPhilippe Djians Bücher haben meist nicht sehr glückliche deutsche Titel. Der Titel "Pas de deux" seines Romans aus dem Jahr 1991 weist zwar darauf hin, dass Ballett eine Rolle spielt, aber auch, dass es um Paarbeziehungen bzw. um den Widerstreit zwischen Männern und Frauen geht. Der Originaltitel ist "Lent dehors", was etwa "Langsam draussen" bedeutet. Dies ist wichtig für das Verständnis des Romans, der einen Entfremdungsprozess zeigt, also ein langsames Entfernen von bekannten Verhältnissen.
Der Roman hat zwei zeitliche Ebene. In der Gegenwart wird der Ich-Erzähler Henri-John, Lehrer an einem Internat, von seiner Frau Edith verlassen, weil er diese betrogen hat. Die Vergangenheitsebene spielt 30 Jahre früher, als Henri-John mit einer Ballett-Truppe durch Europa zog, sexuell erwachte und nach einer langen Leidensdauer zu Edith fand. In beiden zeitlichen Ebenen entfremdet er sich von seiner Familie, macht eine Phase der Einsamkeit und Selbstfindung durch, um schliesslich wieder zurück zu finden.
"Pas de deux" gehört zu den besten Romanen von Philippe Djian. Das Buch ist grandios durchkomponiert und Djian ist ein äusserst sensibler Erzähler.
Ein Sprung durch die Zeit, die Liebe und das Leben.-Pas de deux- Djians Werk aus dem Jahr 1991, stammt noch aus einer Schaffensphase des Meisters, wo er bei keinem seiner Anhänger in Ungnade gefallen war. In den darauf folgenden Jahren sollten einige Djian-Jünger von Frankreichs Kultschreiber abfallen, übrigens hat sich diese Entwicklung bis heute schon fast wieder umgedreht. Der -Pas de deux- hat nicht diese strenge, klassische Handlungslinie, die zum Beispiel -Betty Blue- und -Rückgrat- aufweisen. Die Geschichte zwischen Djians Alter Ego Henri-John und Edith wird in drei Zeitebenen erzählt. Einmal aus Henri-Johns Sicht der Gegenwart, dann aus seinen Erinnerungen und aus Ediths Tagebucheintragungen. Die beiden brauchen unendlich lange, um zusammen zu finden, um letztendlich festzustellen, dass es doch nicht klappt. Ihre Ehe zerbricht und Henri-John lässt sein Leben Revue passieren, um herauszufinden, was da nicht funktioniert hat. Nichts Welt bewegendes, was Djian uns da an Inhalt präsentiert, aber: Der Djian des Jahres 1991 brauchte das auch nicht. Der Mann kann schreiben. Berichtet detailgetreu und hochinteressant über zwischenmenschliche Beziehungen, die eigenen Ängste und die Furcht, nicht geliebt zu werden. Das alles in einer Sprache, die jeder versteht und die vielleicht(aber auch wirklich nur ein bisschen) an eine französiche Bukowski Ausgabe erinnert.
Der Roman beginnt langsam und nimmt ständig Fahrt auf. Mit ein wenig Startschwierigkeiten laviert man sich über die ersten 50 Seiten, dann ist man drin in der Geschichte. Und wenn man bei Djian erst einmal eingestiegen ist, dann will man auch nicht wieder hinaus. Mein Fazit: Es gibt Bücher von Phillipe Djian, die lassen einen schweben. -Pas de deux- gehört nicht dazu. Aber um einmal kurzfristig abzuheben, reicht es alle Mal. Das ist doch schon eine ganze Menge.
Djians Meiststück...Was dieses Buch so überaus reizvoll macht, ist der ständige Wechsel der Erzählperspektiven und der zeitlichen Sprünge zwischen der Kindheit von Henri-John und Edith, die ihre Kindheit gemeinsam in der bohemenhaften Welt eines in Europa umherreisenden Tanztheaters erleben, was vor allem in Ediths Tagebüchern zum Ausdruck kommt, und der Erwachsenenwelt, in der die beiden ein gemeinsames Leben führen. Schriftstellerisch lässt Djian in diesem Buch seine Muskeln spielen, und wer an „Betty Blue" und Co. Gefallen gefunden hat, wird sich daran erfreuen zu sehen, mit welchem Geschick der Spassautor Djian, die handwerklich anspruchsvolle Aufgabe meistert, einen kompliziert aufgebauten Roman unterhaltsam, lustig, melancholisch und immer wieder auch erotisch zu verfassen. Nicht nur im Aufbau anspruchsvoller, läuft Djian auch inhaltlich zur Höchstform auf: In der ihm eigenen Art schafft er es, in der ansonsten angenehm dahinplätschernden Geschichte alle zwanzig, dreissig Seiten einen Absatz einzubauen, der den Leser geradezu aufschrecken lässt: da finden sich Sprachperlen, die in ihrer Schönheit und Klarheit, weit über alles hinausreichen, was andere zeitgenössische Autoren zur Zeit verfassen. Die Entwicklung der Charaktere Henri-Johns und Ediths, ihr Erwachsenwerden, ihre Liebe ist so liebevoll und zärtlich geschildert, dass die Lektüre dieses Buches auch nach der Vollendung ein angenehmes Gefühl hinterlässt.
Eindeutig Djians MeistewerkPhilippe Djians Erzählungen plätschern dahin wie eine frische Gebirgsquelle, die sich am neuen Tag erfreut... Pas de deux ist mit Abstand das beste seiner Bücher, da es nichts vom gewohnten Stil vermissen lässt und noch einige neue Elemente beinhaltet. Der rasante Wechsel von der Gegenwart in die Jugend der Protagonisten lässt den Leser unwillkürlich den Atem anhalten, während Djian aus Vergangenheit und dem Jetzt die unweigerliche und doch unerwartete Zukunft zaubert.
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