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Zigeuner stehlen einen Citroen aus Marseille, in dem ein kleiner Junge schläft. Sie nehmen das Kind in ihren Clan auf, nennen es Aziz, verschaffen ihm einen falschen marokkanischen Paß und machen aus ihm einen Spezialisten für den Diebstahl von Autoradios. Verhaftet wird Aziz erst auf seiner eigenen Hochzeitsfeier. Als illegalen Ausländer schiebt man ihn in seine 'Heimat' ab - unter großem Medienspektakel, denn begleitet wird er von einem französischen Regierungsbeamten, dem 'Attache für Humanitäres', der ihm bei seinem Neuanfang helfen soll. Doch leider weiß dieser ebensowenig über Marokko wie sein Schützling. Vor dem realistischen Hintergrund der Fremdenfeindlichkeit ist van Cauwelaert eine Romankomödie voller Gefühl und Sarkasmus gelungen, 'ein kleines Meisterwerk, das in Form einer Satire über die aktuelle Einwanderungspolitik wie nebenbei eine Allegorie der Literatur erhält.' (Le Monde.)
Tragisch, ironisch, amüsant und unvorhersehbarDer Protagonist wurde als Baby in einem Ami 6 gefunden, woraus sich der Name Aziz ergab, wurde von den Zigeunern die in einem Stadtteil von Marseille leben, aufgezogen und zum Spezialist für Autoradios ausgebildet. Er erzählt sein Leben, wie er am Tag seiner Verlobung verhaftet wurde, wie er den "Attaché humanitaire" kennenlernte und mit ihm zusammen nach Marokko reiste, dem Land seiner vermeintlichen Herkunft, jedenfalls steht das in seinem gefälschten Pass. Da er noch nie über Marseille hinausgekommen war, nur in seinen Traumreisen, erfindet er ein Märchen über ein abgelegenes Tal mitten im Atlas-Gebirge. Die Reise entwickelt sich abenteuerlich, aus der geplanten Rückführung von Aziz in seine Heimat ergibt sich eine Liebesgeschichte, eine tiefe Freundschaft und ein Buch.
Man kann Aziz nicht anders als mögen, den stolzen Araber, der mit dem Herz dabei ist, der jedoch auch seine Prinzipien hat. Er weiss nicht viel über Gefühle zu sagen, doch zwischen den Zeilen liest man seine tiefen freundschaftlichen Gefühle für den "Attaché humanitaire" heraus, für welchen er sogar eine weite Reise durch die Wüste wagt, um ihm einen Traum zu erfüllen.
verpasste Chancen So ging es mir schon mit anderen Romanen Van Cauwelaerts: Von der Grundidee war ich begeistert, von der Entwicklung eher enttäuscht. In "Das Findelkind" verliert der Autor meiner Meinung nach den interessanteren Erzählstrang aus den Augen. Das bei "Zigeunern" aufgewachsene Findelkind Aziz soll mit Anfang 20, aufgrund falscher Papiere fälschlich als Marokkaner mit abgelaufener Aufenthaltsgenehmigung identifiziert, aus Frankreich ausgewiesen, von einem "Attaché humanitaire" heimgeführt und resozialisiert werden. Der Attaché selbst ist mit der Aufgabe heillos überfordert. Für ihn soll die Reise initiierenden Charakter bekommen, ermöglicht sie ihm doch, den nötigen Abstand zu seiner Ex-Frau zu gewinnen, sich im Stillen mit seinen Eltern und seiner Herkunft auszusöhnen, sich noch einmal zu verlieben und schließlich ganz in seinen Träumen aufzugehen.
Die Geschichte, die man aber eigentlich hören will, ist die von Aziz. Schon allein seine Herkunft, seine Kindheit bei den Zigeunern und seine Jugend als Delinquent in einem Marseiller Vorort, bergen so viel Potenzial; da hätte Van Cauwelaert ganz weit ausholen müssen! Er hat fantastische Ideen, einen Sinn für verquere Biographien und Geschichten, aber unbegrenzte Fabulierlust packt ihn nie. So bleiben Charaktere und Geschichte in unzähligen Ansätzen stecken, bekommen nicht den Raum, der ihnen gebierte, und der Leser bleibt im Regen stehen. Noch dazu ist der Attaché, der in der zweiten Hälfte zum eigentlichen Helden des Romans gemacht wird, ein echter Unsympath: unreif, selbstmitleidig, dauernd kränkelnd, naiv, egoistisch, nervig. - Schade.
Nichtsdestotrotz machen die Romane (ich würde sie eher Erzählungen nennen) Van Cauwelaerts Spaß, sind unterhaltsam, humorvoll und manchmal herrlich schräg. Die Sprache ist einfach im besten Sinne des Wortes, frisch und voller Wärme für die Protagonisten.
Für Leute mit mäßigen Französischkenntnissen eignet sich Van Cauwelaert im französischen Original ("Un Aller simple") hervorragend als nicht allzu schwerer Einstieg!