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Platons 'Politeia' gehört zu den bedeutendsten und wirkungsreichsten Texten der Philosophigeschichte. Unter der Leitfrage nach der Gerechtigkeit weist Platon traditionelle Auffassungen zurück und leistet eine Sophistenkritik; er entwickelt im Anschluß dann seineLehre von den drei Seelenteilen und die Lehre von den vier Kardinaltugenden. Er skizziert eine Erziehungstheorie, eine Staatsphilosophie mit der Lehre von der Philosophenherrschaft, eine Erkenntnistheorie und die Ideenlehre. Vor allem aber enthält die 'Politeia' Platons bekannteste Gleichnisse: von der Sonne, der Linie und der Höhle.In Form eines kooperativen Kommentars führen anerkannte Platon-Interpreten, der Gliederung des Werkes folgend, in die Hauptthemen der 'Politeia' und die wichtigsten Forschungsprobleme ein.
Dass Philosophen oder überhaupt Intellektuelle ein problematisches Verhältnis zum politischen Aktivismus haben, ist im 20. Jahrhundert eindringlich klar geworden. Platon musste schon Jahrtausende zuvor die Erfahrung des Scheiterns als Politiker machen, nämlich beim Versuch, die in seinem großangelegten Dialog Politeia, der Staat, dargestellten staatspolitischen Idealforderungen in die Realität umzusetzen. Nicht zuletzt wegen dieser Staatsutopie mit ihren ebenso spektakulären revolutionären Forderungen -- man denke an die Abschaffung des Privatbesitzes oder die Gleichstellung von Mann und Frau -- ist Platon von Karl Popper einer vehementen Kritik unterzogen worden: Die Idee, Philosophen mögen über das Staatswesen herrschen, gehört nach Popper zu den Kernstücken, antiliberalen und autoritären Denkens. Wie immer man sich zu dieser Kritik stellen mag -- gewiss ist sie selbst nur vor dem Hintergrund der Erfahrung des Totalitarismus zu verstehen --, so ist die Politeia auch ein Grundbuch abendländischer Metaphysik. Die im Zentrum des Werkes stehenden drei Gleichnisse: Das Sonnen-, Höhlen- und Liniengleichnis, in denen Platon seine Ideenlehre, Wissenschaftstheorie und Ethik darstellt, gehören nicht nur zu den literarisch eindrucksvollsten Zeugnissen des antiken Denkens, sondern auch zu den Texten, von denen man sagen kann, dass sie den Gang der westlichen Zivilisation mitbestimmt haben. --Jens Kertscher
Politeia nach Friedrich SchleiermacherSich mit Platon auseinanderzusetzen ist eine geziemende Sache für sich.Platon hat für den Laien geschrieben und somit wäre das Verständlichmachen philosophischer Gedankengänge allein schon ein Hauptgrund für eine Herausgabe des Werkes: "Vom Staat".Die Sprache Schleiermachers aber holpert etwas. Hier hat man sich wohl dem Vergnügen etwas veralteter Semantik bedient. Das führt dann mitunter zu Erinnerungen an die eigene jugendliche Übersetzungskunst, die teilweise damals zu entzückenden Ergebnissen führte.Doch nun zum Werk selbst.
Platon, der Schüler Sokrates`s, wollte ja den Auflösungen seinerzeit (der ethischen gesellschaftlichen und politischen Normen!) entgegenwirken und zwar durch das Konzept der "Kunst der Gesprächsführung" (Dialektik).
Dadurch wird sein Werk, weil es in gegenüberliegender Zwiesprache geführt ist, unglaublich lebendig und somit auch entsprechend menschlich.In diesem Werk Politeia (Der Staat) wird das Gespräch in verschiedene Richtungen gelenkt, in zehn einzelnen Büchern wohlgemerkt.Es beginnt am Tage des Festes einer Göttin und die Schilderungen des Festes, der Umzüge und dergleichen leitet dann über zu den Gesprächen über den Staat selbst.Es wird über alles geredet, was den Staat ausmacht, über Gerechtigkeit, über neue Thesen in jeder Beziehung, über das Gute(!), über die Dichtung, über die Wächter des Staates, also die Verantwortlichen, über die Verwirklichung der Gerechtigkeit in einem Staat (also, Probleme, die heute wie damals gelten), über die Philosophie und die Regentschaft, über Bildung und Erkenntnis, über die Veränderungen im Staat (Aristokratie, Oligarchie, Demokratie), über Tyrannen, über alles Mögliche, die Gleichstellung der Geschlechter in jeder Beziehung und über die Kunst.Und es sind die Tugenden: Einsicht, Tapferkeit, Maßhaltung und Gerechtigkeit, die ein Miteinander der Menschen garantieren sollen.Platon hat uns mit seiner Politeia also ein großartiges Werk hinterlassen, das sich immer wieder lohnt, gelesen zu werden, gerade heute.
LesenswertZugegeben, es ist nicht ganz einfach so ein Buch zu lesen. Es ist sehr langatmig aber trotzdem finde ich es lesenswert. Je mehr man über Geschichte weiss, desto weniger Fehler macht man in der Zukunft. Dies ist definitiv ein gutes Buch für alle die sich für Staatsformen interessieren