Becker, Jurek

Bronsteins Kinder

Bronsteins Kinder
  • Verlag: Suhrkamp
  • Erscheinungsdatum: 1997
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 302
  • ISBN: 3518222538
  • EAN: 9783518222539
  • Amazon.de Verkaufsrang: 758.418
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Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Stefan fanden 14 von 14 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Geistreich und ein Lesevergnügen

Es gibt sehr viele Gründe, dieses Buch zu lesen. Die Sprache ist sehr genau, jedes Wort, jede Pointe passt. Dabei wirkt dies alles wie selbstverständlich und leicht, die Geschichte ist einfach gut erzählt.

Im Kern geht es um die Frage: wie soll man selber mit der NS-Vergangenheit leben? Und konkreter: wie geht das, wenn man zur deutschen Nachkriegsgeneration gehört und zugleich zur jüdischen? Erzählt wird die Geschichte von Hans, einem Abiturienten in Ost-Berlin Anfang der 70er Jahre. Hans ist seit einem Jahr Vollwaise, die Mutter ist schon sehr früh nach seiner Geburt gestorben.

Der Tod des Vaters aber ist der Wendepunkt in Hans' Leben. Erzählt wird im Rückblick, wie es zu diesem tragischen Ereignis kommen konnte. Hans lebte mit seinem Vater allein. Beide entfremdeten sich zunehmend, als der Vater - als - jüdisches- sog. „Opfer des Antifaschismus" in der DDR zwar privilegiert, aber nie angenommen gemeinsam mit zwei Freunden, die die gleiche Biographie mit ihm teilen, eher zufällig auf einen früheren Lagerwärter stossen. Die Drei entführen ihn in das Wochenendhäuschen des Vaters und halten ihn dort mit Verhören fest, ohne recht zu wissen, mit welchem Ziel. Hans wird zum Zeugen und gerät zunehmend mit seinem Vater in Gegnerschaft, weil er das sichere Gefühl hat, das die Erwachsenen kein Recht für ihr Handeln haben.

In der gewissen Leere nach seinem Abitur hat Hans bei der Suche nach eigener Identität ein besonderes Problem: er will nicht zum Juden gemacht werden, der immer Opfer des Faschismus bleibt. Damit entfremdet er sich zunehmend auch von seiner Freundin, die als Jüdin aufgrund ihres „typischen" Aussehens als Statistin bei einem Film mitwirken darf und keinerlei Problembewusstsein hat. Und dann ist da noch die sehr viel ältere Schwester, die in einem Heim für psychisch Kranke dahin dämmert, aber auch eine eigene Geschichte hat...

Die Geschichte soll nicht zu Ende erzählt werden, aber sie endet tragisch. Ein Buch, über das ich viel nachgedacht habe.

Diese Rezension von Mag Wolfgang Neubacher fanden 14 von 15 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ist Selbstjustiz gerechtfertigt?

Knapp 30 Jahre nach dem 2. Weltkrieg? Diese Frage muss sich Hans Bronstein 1973 in Ost-Berlin stellen, als er draufkommt, dass sein Vater, ein ehemaliger KZ-Häftling, zusammen mit 2 einstigen Mithäftlingen einen KZ-Aufseher von damals auf seiner "Datscha" gefangenhält. Bis zu dieser Entdeckung war diese Datscha die "Liebeslaube" für Hans und Martha...

Jurek Becker, vielen Lesern als Drehbuchschreiber für die Fernsehserie "Liebling Kreuzberg" bekannt, rüttelt an einem Tabuthema: Sind Folter und Selbstjustiz (wenn auch an einem ehemaligen KZ-Aufseher) gerechtfertigt? Kann, soll, darf man Geständnisse erpressen, wenn - angeblich - der Staat bei der Aufarbeitung von NS-Verbrechen versagt?

Jurek Beckers Buch ist nicht "fertig", so manches bleibt offen - zB auch der Grund, warum die Liebe zwischen Hans und Martha scheitert. Oder ist doch letztlich alles klar und eindeutig?

Diese Rezension fanden 6 von 6 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Opfer als Täter

Jurek Becker gelingt es auch in diesem Roman wieder, Hauptpersonen zu präsentieren, die sich dem Leser nicht anbiedern und nicht unbedingt zu großen Sympathieträgern avancieren. Gerade dadurch setzt sich der Roman von vielen anderen Werken der zeitgenössischen Literatur ab. Beckers direkte, teilweise sehr ironische und oftmals entlarvende Sprache ist zwar meist sehr tiefgründig, jedoch leicht zu lesen. Die verschiedenen Themen dieses Romans, wie der Vater-Sohn-Konflikt, die Situation der Opfer des Faschismus, die hier zu Tätern werden und die schwierige Situation deren Nachkommen machen das Buch zu einer intelligenten und zum Nachdenken anregenden Lektüre.

Diese Rezension von vxlf fanden 10 von 11 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Genial...

Nun, meine Freundin "müsste" dieses Buch in der Schule ( 11. Klasse ) lesen, ich bekam es in meine Finger und verschlang es am selben Tag... Ich las davor Franz Kafka "Der Prozess", dachte also, dass kein Buch besser sein kann - Kann es auch nicht. Aber "Bronsteins Kinder" kann durchaus mitthalten. Es behandelt die Thematik, der Juden im Nachkriegsdeutschland von einem etwas anderen Blickwinkel wie ich finde. Das Opfer wird zum Täter. Jedoch kommt man ständig ins Zweifeln bei diesem Buch, was richtig und was falsch ist. Die Charaktäre wirken sehr gut aufeinander ein, die Kapitel sind genial eingeteilt ( auch wenn es am Anfang verwirrend ist ), die Spannung baut sich mehr und mehr auf, wie ich es selten erlebt habe...EIN MUSS !

Diese Rezension von suikerbuik fanden 3 von 3 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen nicht abschrecken lassen

dieses buch hat mich wirklich überrascht! zuerst war ich etwas unschlüssig, ob ich es wirklich lesen will. "nicht schon wieder was über den holocaust!", dachte ich, aber es kam dann wirklich anders. es war in einer gewissen weise spannend & fesselnd, es gab keine längen & war wirklich gut zu lesen. vor allem die zeitsprünge machen das buch interessant.

ich bin richtig begeistert & würde es jedem weiter empfehlen.

Bronsteins Kinder



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