Terzani, Tiziano

Fliegen ohne Flügel

Fliegen ohne Flügel
  • Verlag: Goldmann
  • Erscheinungsdatum: 2008-04-17
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 478
  • ISBN: 3442129524
  • EAN: 9783442129522
  • Amazon.de Verkaufsrang: 4.409
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Beschreibung von buecher.de

In diesem Jahr darfst du nicht fliegen. Nicht ein einziges Mal.' Aufgrund der Warnung eines chinesischen Wahrsagers vor einem Flugzeugabsturz begann für den Asienkorrespondenten des Spiegel ein ungewöhnliches Jahr der Reisen mit allem, was keine Flügel hat. Entstanden ist ein faszinierender Länderbericht mit tiefen Einblickenin asiatische Lebensweisen zwischen materialistischer Moderne und traditionellen magischen Praktiken.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von ludwigwitzani fanden 60 von 68 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Dreimal Asien auf einen Blick

Tiziano Terzani: Fliegen ohne Flügel. Eine Reise zu Asiens Mysterien

„Vorsicht! 1993 läufst Du Gefahr zu sterben. In diesem Jahr darfst Du nicht fliegen. Nicht ein einziges Mal." Aus der Spiegelkorrespondent Tiziano Terzani im Jahre 1976 diesen Hinweis von einem chinesischen Wahrsager in Hongkong erhielt, war das nichts weiter als ein Anlass zum Schmunzeln. Doch je näher das Jahr 1993 heranrückte, desto mehr wurde die Prophezeiung im Bewusstsein des Autors zu einer Lebensentscheidenden Warnung. Natürlich ist man gespannt, was die Gurus und Mönche, Priester, Hexen und Einsiedler dem Sohn der Stadt Florenz hinsichtlich dieser Warnung alles mitzuteilen haben. Um es gleich vorweg zu sagen: erstaunliche und banale, erheiternde und verdrießliche Diagnosen wechseln in so bunter Folge, dass nicht nur der Leser, sondern auch der Autor selbst bald nicht mehr wissen, was sie eigentlich glauben sollen. Die intensive Untersuchung, die ein chinesischer Experte in Malakka an den Fußsohlen Terzanis vornimmt, fördert ein wenig erfreuliches Ergebnis zutage: mit übermäßigem Reichtum wird der Autor für den Rest seines Lebens nicht mehr rechnen dürfen. Ein buddhistischer Bonze in Bangkok konnte trotz mancherlei Finten und einer geradezu investigativer Fragetechnik zur Erhellung der Terzani-Existenz nur ein Details beisteuern, das dem Autor ohnehin schon bekannt war: „Deine Frau hat einen stärkeren Charakter als Du." Auch die mongolischen Wahrsager von Ulan Bator wissen nicht weiter, wenn auch der Leser bei dieser Gelegenheit von einer bemerkenswerten Methode der landwirtschaftlichen Wasserversorgung erfährt. Ein mongolischer Dalcin hängt bei großer Trockenheit einfach sein Hemd so lange auf eine Leine, bis sich aus dem kleinen Schatten eine große Regenwolke bildet. So etwa sehen die asiatischen Mysterien aus, die Terzani immer aufs Neue präsentiert, und ganz vergeblich sucht der Leser hinter diesen und ähnlichen Geschichten nach jener leichten Prise Ironie, die auch den größten Nonsens mit ein wenig Humor erträglich machen könnte.

Würde das Buch nichts anderes zur Sprache bringen, könnte die Besprechung an dieser Stelle beendet sein. Doch die „Reise zu Asiens Mysterien", wenngleich im Titel plakativ herausgestellt, ist nur ein einziger und wahrscheinlich der schwächste Teil des vorliegenden Buches. Viel ergiebiger sind die zahlreichen Reiseminiaturen, die in ihrer Gesamtheit nicht weniger ergeben als das Portrait eines ganzen Weltteiles - eben des südostasiatischen und ostasiatischen Raumes, der bei Terzani cum grano salis als das klassische „Asien" firmiert. Am Grab Henri Mouhots in Luang Prabang und auf den Spuren Ferdinand Ossendowskis in Ulan Bator, vor den Gewehren der Roten Khmer, in den Straßenschluchten Bangkoks oder auf der „vollklimatisierten Insel Singapur" - immer gelingt es dem Autor mit wenigen prägnanten Strichen Geschichte und Gegenwart des jeweiligen Platzes zu einem exemplarischen Baustein im großen asiatischen Gebäude zu verdichten. In Ho Mong, der Welthauptstadt des Drogenhandels, konferiert Terzani mit dem Drogenpräsidenten Khun Sa, und in den Abteilen der transsibirischen Eisenbahn wird er zum Augenzeugen eines zusammenbrechenden Russlands, dessen unterversorgte Menschen den mongolischen Wanderhändlern auch die minderwertigsten Waren aus den Händen reißen. Terzanis kurze Portraits der laotischen Lebenswelt, der Ruinen von Angkor oder auch nur eines Sonnenunterganges in Ulan Bator sind faszinierend für Asien-Anfänger und Asien-Kenner zugleich Und so mag es sein, dass manch einer, zwischen diesen beiden Polen hin- und hergerissen, möglicherweise das dritte Thema zunächst übersehen wird, ehe es sich jedoch im weiteren Verlauf des Buches immer deutlicher entfaltet. Wie ein gigantischer Strudel hat der die Modernisierung den asiatischen Kontinent erfasst, und auch wenn der Autor den Untergang der alten Traditionen beklagt, verharrt er nicht in der Pose der nostalgischen Verklärung sondern benennt die Träger dieses epochalen Wandels. Seine Antwort ist eindeutig: es sind die Chinesen, die Asiens Schicksal in die Hand nehmen werden. Aus ihrer unglaublichen Tüchtigkeit speisen sich die Kräfte, die derzeit die Metamorphose Asiens vorantreiben. Dabei sind die Chinesen Täter und Opfer zugleich: den Ursprüngen ihrer eigenen Kultur zunehmend entfremdet sind sie den Verlockungen der westlichen Konsumgesellschaft vollständig erlegen und hegen nach der Auffassung des Autors keinen heißeren Wunsch als „kleine Amerikaner" zu werden - auch wenn das chinesische Selbstbewusstsein und die Widerstände gegenüber dem Westen zunehmen Im Abstand von einem Dutzend Jahren nach seinem ersten Erscheinen gelesen, ist es erstaunlich, wie genau, der Autor den asiatischen Aspekt des weltweiten Prozesses vorausgesehen hat, den wir heute als „Globalisierung" bezeichnen. Auch für die immer nostalgischere Rolle Europas in der Welt findet der Autor die richtigen Worte. Erstaunlich, schreibt er am Ende des Buches, „wie gut dieser Kontinent sein Alter verkraftete. Er gab sich keine Mühe sich ein anderes Gesicht zuzulegen, vielmehr war er stolz auf sein Aussehen und bestrebt, es zu erhalten. Verglichen mit dem Selbstzerstörungsdrang Asiens war dies eine große Wohltat." So endet Tiziano Terzanis Reise zu den Geheimnissen einer fremden Welt in einem Lob der europäischen Ordnung. Wenn das kein Mysterium ist.

Diese Rezension von ludwigwitzani fanden 36 von 39 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Das existierende "alte" Asien von der okkulten Seite

Ein Vergnügen ist es, dem Autor auf seiner Reise durch alle Winkel Asiens zu begleiten, die er hauptsächlich aus beruflichen Gründen aufsucht (Journalist für den Spiegel, dabei schwor er sich in diesem Jahr kein Flugzeug zu betreten), jedoch dann mehr seinem Interesse an Wahrsagern nachgeht. So lässt er sich in jedem Dörfchen die Zukunft vorhersagen - mit unterschiedlichsten Methoden und Ergebnissen. Auch für den Leser sehr faszinierend, geht Tiziano doch ohne Scheu und Angst auf die Menschen zu, wie es nur jemand machen kann, der lange in diesen Ländern lebt, und vermittelt dabei Einblicke, die sicher auch den normalen Touristen meist verborgen bleiben. Wenngleich politisch etwas überholt (unternahm er diese Reisen doch 1993), kommt die Seele Asiens doch bestens rüber und lädt gleich zum (Be-)Reisen ein. Wunderbare Lektüre, da endlich mal nicht aus der Sicht eines neureichen Amerikaners auf dem Offroad-Trip, sondern mit den Augen eines weltoffenen Italieners betrachtet, nur empfehlenswert.

Diese Rezension von mercedes1801 fanden 19 von 22 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Bestes Infotainment in Schriftform

Dieses Buch hatte einen besonderen Reiz für mich, da ich beruflich 8 Monate in Asien verbracht und einige der Länder besucht habe, von denen der Autor erzählt. Seine sehr persönlichen Kommentare waren wie Gespräche mit einem guten Freund, oftmals den gemachten Eindruck verstärkend und ergänzend, manchmal auch widersprechend. Das spirituell / okkulte Element des Buches ist nicht nur witzig erzählt, sondern unbedingt notwendig - Asien ohne Religion kann man in meinen Augen nicht erfassen.Leseempfehlung für Vietnamreisende: Catfish and Mandala, von Andrew Pham!

Diese Rezension von mercedes1801 fanden 17 von 19 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ideale Begleitung für Asien-Trip

Ich habe das Buch auf meiner letzten Vietnam-Reise gelesen und war vom Schreibstil Terzanis begeistert. Auch hat der Autor einige sehr interessante Ansichten über die Entwicklung des asiatischen Kontinents. Als Reiselektüre für Südostasien habe ich lange Zeit nichts besseres gelesen. Der Autor bewegt sich als Rucksackreisender durch große Teile Asiens. Terzani hat nahezu sein komplettes Leben in Asien verbracht, dadurch hat er die Möglichkeit, das "alte, tradionenbehaftete" Asien mit dem seit den achziger Jahren stark westlich beeinflußten Asien zu vergleichen. Resumee dieses sehr melancholischen Vergleichs ist, daß der westliche Einfluß bereits einen Großteil des "alten" Asien unwiderbringlich zerstört hat. Nachdem meine erste Asienreise im Jahre 1989 war, habe ich leider (oder vielleicht auch Gottseidank) nicht die Möglichkeit, derartige Vergleiche anzustellen. Ein weiterer Pluspunkt des Buches ist, daß es Terzani hervorragend gelingt, die ihm eigene Leidenschaft (fast schon Sucht) fürs Reisen auf den Leser zu übertragen. Spontan habe ich mich nach seinem Hanoi-Kapitel aufgemacht, und drei Stunden lang die vietnamesische Hauptstadt nach einer Opiumhöhle abgesucht. Einziger Kritikpunkt zum Schluß : ich fand es ziemlich ungerecht, zu behaupten, daß "alle Vietnamesen nach Hundfleisch stinken".

Diese Rezension von M. Borsky fanden 16 von 33 Kunden hilfreich:
1 von 5 Sternen Ergüsse eines Nörglers und Egozentrikers

Ich habe mir dieses Buch in der Hoffnung auf eine nette Reiseerzählung durch Asien gekauft. Besonders reizvoll hat auf mich die alternative Art des Reisens gewirkt.

Und was bekommt man?? Nach wenigen Seiten noch einigermaßen erträglicher Erzählung, begann ich zu bemerken, dass der Autor größtenteils über sich selbst schreibt. Nach und nach ging mir das nicht mehr nur auf die Nerven, sondern ich begann auch eine wachsende Abneigung gegen Tiziano Terzani zu entwickeln. Es interssierte mich herzlich wenig was Terzani in seiner Jungend getrieben hat, es ist mir egal was seine Kinder machen und das er sich seit Jahren ausschließlich in Weiß kleidet finde ich nicht spleenig sondern einen peinlichen Versuch sich pseudo-stilvoll von der Masse abzuheben. Die wenigen Seiten die er noch auf die Beschreibung des Gesehenen aufwendet, werden durch sein sofort folgendes Genörgel verdorben.

Fazit: Gemecker und Gezeter gegen ein sich änderndes Asien. Wenn es nach Terzani's Willen ginge, würde in 100 Jahren noch ganz Asien mit Strohhüten auf dem Kopf, einen Wasserbüffel haltend auf Reisenfeldern stehen und mit großen Augen den in einer Dampflok vorbeifahrenden Weissen nachsehen. Für diejenigen die Ehrepräsidenten des Tiziano Terzani Fanclub's werden wollen ein Muß, für jeden anderen Asien-interssierten Leser einfach nur rausgeworfenes Geld.

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