Genazino, Wilhelm

Die Kassiererinnen

Die Kassiererinnen
  • Verlag: Rowohlt, Reinbek
  • Erscheinungsdatum: 1998-07
  • Bindung: Gebundene Ausgabe
  • Seitenzahl: 155
  • ISBN: 3498024841
  • EAN: 9783498024840
  • Amazon.de Verkaufsrang: 234.617
Bestellen Sie über obige Links! Sie fördern dadurch die Digitalisierung weiterer Bücher, da Zeno.org eine Provision von dem Sponsor erhält. Wann immer Sie etwas bestellen möchten - prüfen Sie vorher die Millionen von Angeboten, die im Zeno.org-Shop beschrieben sind. Bookmarken Sie die Einstiegsseite in den Zeno.org-Shop für spätere Gelegenheiten. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
Beschreibung von buecher.de

Ein verstecktes Gelächter eröffnet den neuen Roman von Wilhelm Genazino. Es gilt einem Mann, der sich auf seine Ernsthaftigkeit immer etwas zugute gehalten hat. Jetzt, auf einmal, löst seine Person öffentliche Heiterkeit aus. Bestürzt untersucht der Erzähler seine Gewohnheiten und seinen Alltag und stellt fest, daß an seiner äußeren Erscheinung dann und wann Momente einer Verschrobenheit aufblitzen, die nichts weiter sind als Hinweise darauf, daß er sich selbst näher gekommen ist, als er je beabsichtigt hatte.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von ludwigwitzani fanden 41 von 41 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Zaubermeister des Alltagseinerleis

Nichts von Bedeutung geschieht in dem vorliegenden kleinen Buch, und doch ist keine einzige Seite langweilig zu lesen. Auf der „Flucht vor der eigenen Lächerlichkeit“ durchstreift der Protagonist die Straßen, die Supermärkte und Gartenfeste seiner Zeit und trifft dabei auf einen ganzen Kosmos von Belanglosigkeiten, die er durch die Art seiner Anschauung und Auffassung in blitzgescheite, amüsante Miniaturen verwandelt. Sei es das „Tschilpen der Wellensittiche“, „das Lebensgebrumm“ in den Kneipen, die erst noch ins Leben zu berufene „Zeitpunktforschung“, der „Leidbeobachter“ als neues berufliches Profil, Wandas großer weicher Busen als Peinlichkeitsimplus oder Furz in der U-Bahn aus „Ausdruck radikaler Einsamkeit“ - schier unerschöpflich sind die sprachschöpferischen und humoristischen Zugänge, die der Protagonist auf seiner Reise durch den modernen Alltag entdeckt. Das hat etwas ungemein Tröstliches – nicht nur, weil es unterhält und belehrt, sondern auch, weil es zwischen dem Leben und seinen Zudringlichkeiten einen katharsischen Spalt der Entspannung und Erheiterung schafft. Genazino Fans kennen das und sind ganz süchtig danach.

Diese Rezension von ludwigwitzani fanden 2 von 12 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Kleine Reiselektüre

Lächerlichkeit ist ein Problem. Peinlich berührt ist der Erzähler, wenn Leute lachen. Denn sie lachen über ihn - glaubt er wenigstens. Am gelungensten ist der Freund, der nur Hirngespinste hat aber überhaupt keinen Sinn für das praktische Leben. Bei der Gründung des Zeitpunktinstitus wäre ich gern dabei. Der Roman verfügt in seiner Kürze über einen großen Facettenreichtum (+), doch sie ergibt er leider kein geschlossenes Ganzes (-).

Diese Rezension von Veit Schumacher fanden 2 von 3 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Traumhafte Beobachterlektüre aus der Hand des Detailmeisters

Haben Sie sich als Leser schon einmal gefragt, wie es wohl aussieht, wenn Sie in einem Kaffee sitzen und gerade dieses Buch lesen? Wie es andere empfinden, wenn Sie sich gekrümmt in Ihr Buch vertiefen? Vielleicht finden die anderen es lächerlich...und was, wenn Sie es dann obendrein auch noch bemerken? Der Roman "Die Kassierinnen" ist ein wunderbares Kunstwerk der Beobachtung. Unglaublich mit wieviel Details Genazino die scheinbar uninteressantesten Szenen förmlich pulsieren lässt. Lesen Sie dieses Buch und entdecken Sie Ihre Welt mit neuen Augen.

Diese Rezension von Daniel Düsentrieb fanden 2 von 2 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Genazino in Reinform

In seinem kleinen Roman "Die Kassiererinnen" offenbart sich der Erzähltil, mit dem Wilhelm Genazino berühmt wurde, meines Erachtens am deutlichsten. Wer einen Einstieg in Genazinos literarisches Werk und Stil sucht, kann mit diesem Roman beginnen, selbst, wenn es chronologisch gesehen nicht Genazinos erster ist.- Eine Handlung in dem Sinne gibt es nicht; es handelt sich hier vielmehr um ein Panoptikum von alltäglichen Situationen, die der Protagonist, dessen Namen und Beruf der Leser nicht erfährt, miterlebt und durch bewußtes Miterleben und bewußtes darüber-Reflektieren mit Sinn zu füllen versucht - ein häufiger, immer wieder neu dargestellter Inhalt bei Genazino. Genauso wie ein Panoptikum bzw. fast schon wie eine Art Kuriositätenkabinett wirken die anderen Personen, die in dem Buch immer wieder wie aus heiterem Himmel auftauchen und die der Protagonist alle persönlich kennt, obwohl sie alle so verschieden voneinander sind, z. B. der Hochstapler Wischinski, der Privatdozent Dr. Wolters oder die Kassiererinnen des Prezzoprezzo-Supermarktes. Es geht im Roman allerdings nicht nur um das Erleben von Alltag und die Beobachtung von Passanten, Gegenständen und Situationen (dem Äußeren), sondern dabei vor allem um den Aspekt der Lächerlichkeit, der der Protagonist sich ausgesetzt sieht (dem Inneren). Er fürchtet, die Banalität des Alltags mit seinen Gestalten und Situationen, die von ihm wahrgenommen wird (und bei der es letztlich fraglich ist, ob banale/lächerliche Geschehnisse überhaupt mit Sinn gefüllt werden können), könne sich auch durch sein eigenes banal-alltägliches Verhalten offenbaren - was andere zum Lachen reizen könnte bzw. reizt, so z. B. Verkäuferinnen in der Lebensmittelabteilung eines Kaufhauses, die ihn mit einem Einkaufswagen, worin nur eine Tafel Schokolade liegt, an der Kasse sehen. Im Zuge solchen Gedankengangs sucht der Protagonist nach verschiedenen "Definitionen" für Lächerlichkeit - und kommt am Ende des Roman zu dem Schluß, daß das ganze Alltagsleben eigentlich eine einzige Lächerlichkeit ist und man es demzufolge mit einem Augenzwinkern betrachten sollte - was ja nicht ganz falsch ist.- Insgesamt ein nettes kleines Buch über das, was uns alle umgibt und was man nach der Lektüre vielleicht mit anderen Augen sieht.

Diese Rezension von F. Martin fanden 1 von 1 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Ein Gefühl der Weltbitternis

Das literarische Debüt ein Flop: Wilhelm Genazinos erster Roman „Laslinstraße" konnte 1965 weder Kritik noch Leser überzeugen. Erst knapp 12 Jahre später wurde der 1943 in Mannheim geborene Autor mit seiner grandiosen „Abschaffel"-Romantrilogie (1977-1979) einer breiteren literarischen Öffentlichkeit bekannt. Der eigentliche Durchbruch ließ noch Jahrzehnte auf sich warten. Erst mit der Besprechung seines im Jahre 2001 publizierten Romans „Ein Regenschirm für diesen Tag" im „Literarischen Quartett" (ZDF, 17. August 2001) begann der Aufstieg des Autors. Im Jahre 2004 bekam Wilhelm Genazino für seine Verdienste um die deutschsprachige Literatur den Georg-Büchner-Preis verliehen. Die „Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung" vergibt den Büchner-Preis alljährlich an Schriftsteller und Dichter, „die durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten und an der Gestaltung des gegenwärtigen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben." Zu den bisherigen Preisträgern gehören u. a. Gottfried Benn, Heinrich Böll, Erich Kästner, Friedrich Dürrenmatt und Günter Grass.Spätestens seit der Auszeichnung mit Deutschland renommiertesten Literaturpreis ist die Bedeutung von Wilhelm Genazino für den deutschen Literaturbetrieb unstrittig. Sein neuester Roman „Die Liebesblödigkeit" (2005) ein Geniestreich. Von Kritik und Lesern frenetisch gefeiert. Besondere Kennzeichen des Autors: eine ungekünstelte Sprache und eine messerscharfe Wahrnehmung des täglichen Wahns. Oder wie ein Kritiker lobte: „Genazino beherrscht die Kunst des Nebenbei, die die Hauptsache betrifft". Für den Autor selbst ist die Wirklichkeit „eine willkürliche Ansammlung von Fehlern - wie wir auch". Seine Protagonisten wissen um den ganz gewöhnlichen „Alltagsirrsinn". Mitunter wollen sie sich davon befreien. Wilhelm Genazinos Protagonisten „wissen, wie schwierig es ist, unabhängig zu sein - das heißt auch, unabhängig zu fühlen und zu denken -, aber sie versuchen es trotzdem mit einigem Erfolg", so der Autor. Sein im Jahre 1988 erschienene Roman „Die Kassiererinnen" erzählt unter anderem auch davon.Zur Handlung: Ein Mann flaniert allein durch Frankfurts Innenstadt. Er wandert ziellos durch den Alltag. Seine Frau ist vor zwei Jahren gestorben. Seitdem beobachtet er seine Mitmenschen. Dabei nimmt er auch deren Gelächter gewahr, dass ihm gilt. Selbst die titelgebendenen Kassiererinnen des Prezzoprezzo-Supermarktes, deren Leben sich der Erzähler so gerne farbenfroh ausmalt, kichern über ihn. Das Gefühl der Lächerlichkeit bedrückt ihn. Er sinniert über die innere (man lacht über sich selbst) und äußere Form (man wird von anderen ausgelacht) der Lächerlichkeit. Daneben unterliegt der Ich-Erzähler immer häufiger dem Zwang, in banale Ereignisse Bedeutung zu interpretieren. Auch die Nebenfiguren wie beispielsweise Wanda, die nach ihrer Krankheit das Tanzen aufgeben muss, oder der Hochstapler Wischnewski, der doppelt soviel Begeisterung wie Talent für seine hochtrabende Pläne aufbringen kann, empfinden Scham ob ihrer eigenen Bedeutungslosigkeit. Das Leben kann so schwer sein. Und geht trotzdem weiter.Wilhelm Genazino, der selbstironische Betrachter des Großstadtmilieus, verkündet große Wahrheiten. Und als „Meister der kleinen Wahrnehmungen" liefert er in seinem Roman „Die Kassiererinnen" anregende Sätze wie diesen: „Aber es verstimmte mich, dass ich bis kurz vor meinem Tod in undurchschauten Situationen verfangen sein würde". Oder an anderer Stelle: „Wie großartig wir denken können und wie armselig wir leben müssen". Am Ende des Romans liefert uns Wilhelm Genazino sogar noch einen Erklärungsansatz für sein Schreiben. Er lässt seinen Ich-Erzähler in Beobachtung einer Mutter mit ihrem spielenden Kind in einer Grünanlage schwadronieren: „So hatte ich es gerne: Ich hielt mich absichtslos draußen auf, ich sah eine Szene und empfand darüber überraschend den Drang nach ihrer Beschreibung, der ein Drang nach Unverlierbarkeit und späterer Bearbeitung des Unverlorenen war. Das heißt, so genau wusste ich die Gründe des Schreibens nicht. Es würde sein wie immer: Nur im Schreiben selbst steckte die Erlösung von Deutungen des Schreibens".

Die Kassiererinnen



Empfehlungen
Genazino, Wilhelm
8,90 €

Genazino, Wilhelm
17,90 €

Genazino, Wilhelm
25,00 €

Genazino, Wilhelm
10,00 €

Genazino, Wilhelm
7,50 €

Genazino, Wilhelm
12,90 €

Genazino, Wilhelm
9,95 €

Genazino, Wilhelm
8,90 €

Genazino, Wilhelm
14,90 €



Genazino, Wilhelm
19,90 €
Bookmarks
delicious wong linkarena google
Sponsoren