Becker, Jurek

Jakob der Lügner

Jakob der Lügner
  • Verlag: Suhrkamp
  • Erscheinungsdatum: 2006-02-23
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 320
  • ISBN: 3518394398
  • EAN: 9783518394397
  • Amazon.de Verkaufsrang: 192.013
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Beschreibung von buecher.de

Das Buch erzählt eine Geschichte aus dem Ghetto während des Krieges. Es ist nicht eine Geschichte vom Widerstand, sondern von einem Heldentum ganz anderer Art; eine melancholisch-heitere, leise, eine kunstvolle komponierte Geschichte ist es, die ohne Phantasie und Menschlichkeit nicht denkbar wäre und deren Held Jakob ein 'Lügner aus Barmherzigkeit' ist.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension fanden 12 von 12 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Vielleicht das beste Buch zu diesem Thema!

Die Zeit nähert sich dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Deutschen sind auf allen Fronten auf dem Rückmarsch; die vernichtenden Niederlagen in Stalingrad und El Alamein haben dazu beigetragen.In diese Zeit aus Bewegung und Umbruch, die Angst vor der Niederlage und Hoffnung auf Befreiung, hat Jurek Becker seinen Roman plaziert. Der Protagonist Jakob lebt in einem Ghetto, das sich weiter östlich befindet. Als er einmal gegen die Sperrstunde verstößt und daraufhin zum Revier muß, hört zufällig die verstümmelte Nachricht, daß die Deutschen bis kurz vor Bezanika zurückgeschlagen wurden. Zwar kennt er die genaue Lage des Ortes nicht, weiß aber, daß er nicht unendlich weit sein kann. Eine ungeheulich hoffnungsvolle Nachricht für Jakob, denn Ghettobewohnern wird der Zugang zu Informationen verwehrt.Er erzählt heimlich Mischa davon, und so erfährt es das ganze Ghetto. Doch um die Nachricht glaubwürdig erscheinen zu lassen, damit sie keine vergebliche Hoffnung weckt, erzählt Jakob, er habe sie mit seinem eigenen Radio gehört, was unter Strafe verboten ist. Und so wird Jakob zu einem vermeintlichen Lügner: Um den anderen Hoffnung auf Rettung zu verleihen, muß er immer wieder neu Erfundenes von sich geben. Doch inwieweit stimmen Jakobs Berichte? Kommen die Russen wirklich näher?Geschildert wir auch sehr gut das alltägliche Leben der Ghettobewohner mit Zwangsarbeit, Züchtigungen, den Wohnverhältnissen. Das Buch ist unbedingt lesenswert. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

Diese Rezension fanden 7 von 7 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen großartiger Roman über das Leben im Getto

Jurek Becker, selbst Überlebender des Holocaust und aufgewachsen in Getto und KZ, hat mit „Jakob der Lügner" einen der gelungensten Versuche, die nationalsozialistische Judenvernichtung literarisch zu bewältigen, vorgenommen. Die Geschichte erzählt die Geschichte des Gettobewohners Jakob Heym, der zufällig eine Nachricht aus dem Radio mitbekommt, nach der russische Truppen die deutschen im Rahmen einer Schlacht zurückgedrängt hätten. Da diese Nachricht Hoffnung auf eine Errettung gibt, erzählt Jakob sie weiter und behauptet - um die Glaubwürdigkeit zu unterstreichen- er hätte ein (verbotenes) Radio, in dem er die Nachricht vernommen habe. Durch diese Notlüge gerät Jakob aber in die missliche Lage, immer neue Nachrichten erfinden zu müssen, da er den anderen Gettobewohnern, die wieder beginnen, Zukunftspläne zu schmieden, ja die Hoffnung nicht nehmen kann. Ein überaus interessanter Roman, der ohne viel Pathos und Sentimentalität den Alltag im Getto beschreibt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

Diese Rezension von Francis Pierquin fanden 10 von 11 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Jakob der Lügner oder die paradoxe Wahrheit

Unversehens gerät der Gettoinsasse Jakob Heym ins deutsche Polizeirevier, schnappt dort die Meldung auf, die Russen seien auf dem Vormarsch und kommt ungesehen heil wieder heraus. Und steht somit vor dem Dilemma : Wie denn seinen Leidensgenossen diese erfreuliche Nachricht mitteilen, ohne sich selbst zu gefährden ? Schließlich hat ja noch kein Jude das Revier lebend wieder verlassen, es sei denn, er sei ein Spitzel. Unter dem Siegel der Verschwiegenheit gibt Jakob also vor, einen Radioapparat zu besitzen und Fremdsender abgehört zu haben. Unter dem Siegel der Verschwiegenheit deshalb, weil einen solchen Apparat zu besitzen strengstens verboten ist und unter Todesstrafe steht. Somit lässt sich Jakob aber auf ein Spiel mit unabsehbaren Folgen ein. Denn statt - gefährlich genug - eine einmalige Nachricht zu übermitteln, erlegt er sich selbst den Zwang auf, von nun an neue Nachrichten von der Front und den anrückenden Befreiern immer wieder zu streuen. Ob unmittelbar oder über Drittmänner, bald hängt das ganze Getto an seinen Lippen, es wird wieder gehofft, und sogar die Selbstmorde hören auf. Verkehrte Welt : Der einzige, der an diesen neuen Zuständen leidet und mitunter verzweifelt, weil sie ihm über den Kopf zu wachsen drohen, ist Jakob selbst, ausgerechnet er, der den anderen soviel Hoffnung einflößt. Eine durch und durch verzwickte und verstrickte Lage, und eine doch ach wie einfühlsame, feinfühlige, und packende Erzählung, die, obwohl von Lügen nur so strotzend, den Nagel auf den Kopf trifft und der Getto-Wahrheit wohl sehr nahe kommt. Nicht der Wahrheit im historischen Sinne mit Daten, Zahlen, Fakten usw..., sondern der subjektiven und emotionalen Wahrheit derer, die ins Getto gezwungen wurden. Vielleicht war kein anderer berufener, dieser einen Wahrheit auf die Spur zu kommen, als Jurek Becker, der als Kind ins Getto von Lodz eingewiesen wurde, in der Nachkriegszeit aber keine bewusste Erinnerung daran bewahrt hatte. Dafür aber sicherlich ein Einfühlungsvermögen, das ihn hinterher befähigen sollte, solch einen unter die Haut gehenden Roman zu schreiben. Literatur im besten Sinne des Wortes : Erfinden - mitunter sogar lügen -, um der inneren Wahrheit Ausdruck zu verleihen. In einem ergänzenden und gleichwohl unentbehrlichen Atemzug zu lesen mit „Der Pianist" von Wladyslaw Szpilman und „Das Getto kämpft" von Marek Edelman.

Diese Rezension fanden 4 von 4 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Dokument der Menschlichkeit

Ein Dokument der Menschlichkeit und Humanität. Jakob, ein einfacher Mann wird zum Hoffnungsträger im Warschauer Ghetto unter deutscher Besatzung. Angeregt durch eine zufällig aufgeschnappte Nachricht über das Herannahen russischer Truppen, die er an seine Mitleidenden nur zögerlich weitergibt, wird er zum Messias der Hoffnungslosen. Immer wieder bedrängt man ihn nach Nachrichten, äußert das Verlangen nach positiven Meldungen, die Jakob ihnen auch mehr oder minder willig zu geben bereit ist, erkennt er doch das enorme Potential, das in diesen Hoffnung gebenden Erfindungen über die bevorstehende Befreiung steckt. Die Menschen werden aus ihrer verzweifelten Lethargie aufgeweckt, die mögliche Erlösung gibt ihnen neuen Lebensmut und sie hängen geradezu an den Lippen des einfachen Jakob, der sich in der Verpflichtung sieht, diesen Beitrag zur Stärkung des Lebenswillens seiner Leidensgenossen. Eindringlich und menschlich geschrieben, offenbart sich diese kleine Parabel auf die Menschlichkeit als erschütterndes Dokument der Zeitgeschichte, denn am Ende bleibt den solcherart in ihrer Hoffnung bestärkten doch nur der Gang in den Transport in die Vernichtungslager, da die erhoffte Befreiung nicht rechtzeitig eintrifft. Aber der Erzähler gibt als Überlebender Zeugnis von den Geschehnissen rund um Jakob, der den Eingeschlossenen neuen Lebensmut zu geben in der Lage war, der sie davor bewahrte, sich in Selbstmord und resignierende Verzweiflung zu stürzen, der ihrem Leben wieder einen Sinn gab, eine falsche Hoffnung zwar, die aber gleich einem Placebo ihre positive Wirkung nicht verfehlte. Das Buch Jurek Beckers, der selbst aus dem Warschauer Ghetto gekommen war, wurde übrigens auch sehr überzeugend von der DEFA verfilmt und gegenwärtig hat sich Robin Williams in der Neuverfilmung dieser Rolle angenommen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

Diese Rezension fanden 4 von 4 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen "Kartoffelpuffer mit Weisskaese und Zwiebeln"

Die gesegnete Zeit, wo Jakob eine kleine Eisdiele besass und zur kalten Jahreszeit fuer seine Gaeste Puffer buk, und als im Ghetto noch Katzen und Baeume und Uhren erlaubt waren, ist endgueltig vorbei. Jurek Becker, der selbst einen Teil seiner Kindheit im Ghetto und im KZ verbrachte, berichtet anhand der Geschichte des Jakob Heym den Alltag im Ghetto. Er schafft es, eine scheinbare Normalitaet zu beschreiben, wo man trotzdem um die Absurditaet, um den Schrecken der Ghettos weiss. Doch das alles, die Demuetigungen durch die Deutschen, die fortwaehrende Evakuierung in die Ungewissheit, von der jeder weiss, ist es nicht, was Jakob so aengstigt. Ein Zufall hat ihn zum "Radiobesitzer" gemacht, zu einem Luegner seinesgleichen. Nun quaelt ihn die Art, wie sie ihn alle anschauen, wie sie ihn um Neuigkeiten anbetteln, wo doch das Erfinden von Wahrheiten ganz und gar nicht sein Metier ist. Doch bald sagt er sich, ein Luegner mit schlechtem Gewissen bleibt ewig ein elender Stuemper und erfindet Sclachten und Eroberungen der Russen, Riesenverluste der Deutschen ohne Vorsicht und Zurueckhaltung. Und seine trostreichen Luegen sind es, die alte, fast vergessene Schulden zu neuen Gespraechsstoffen machen, Heiratsplaene befluegeln und die Selbstmordziffer im Ghetto auf den Nullpunkt sinken lassen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

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