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Die tragische Liebe des Dichters Novalis zu Sophie von KühnIn ihrem Roman hat Penelope Fitzgerald das 18. Jahrhundert wiederbelebt. Mit unglaublicher Spannung und magischer Faszinationskraft versetzt sie den Leser in die Realität ihrer Romanwelt.
Friedrich von Hardenberg lernt auf seinem Weg, seinen Beruf zu finden, Sophie von Kühn kennen. Sie scheint zu jung für ihn zu sein, außerdem ist sie ungebildet, war nicht imstande und willig zu lernen. Man kann sie nicht malen- ihre Schönheit kann man nur direkt in ihrem Gesicht sehen. Friedrich hat, wegen möglichem Unverständnis seines Vaters, Angst, von seiner Liebe zu diesem Mädchen, das fast noch ein Kind ist, zu berichten. Doch als ihrer Heirat nichts mehr im Weg steht, treten ganz andere Probleme auf...
Dieses Buch hat wegen seiner sehr schönen, fesselnden Schreibweise 4 Sterne von mir bekommen.
Deutsche Romantik mit britischem Humor"Sophie sey mein Schuz Geist" ließ Fritz von Hardenberg, der später unter dem Namen Novalis berühmt wurde, in den Verlobungsring für die "Seele meiner Seele", für "meine Philosophie" eingravieren. Der brillante Jurist und Philosoph verliebte sich unbegreiflicherweise in die zwölfjährige Sophie von Kühn, ein munteres, aber einfältiges und ungebildetes Kind. Von langer Krankheit gezeichnet starb es als Hardenbergs Verlobte wenige Tage nach seinem fünfzehnten Geburtstag eines qualvollen Todes.
Ausgerechnet eine englische Schriftstellerin, Penelope Fitzgerald, lässt das 18. Jahrhundert in Thüringen äußerst bilderreich und humorvoll in 55 kurzen Kapiteln auferstehen. Die Schilderungen des nicht besonders wohlhabenden Adels, des Tagesablaufs der Hardenberg'schen Familie mit ihren elf Kindern in allen Details von eigenartigen Frühstücksritualen bis zum Großwaschtag, des kurzen Erscheinens des Dichterfürsten Goethe und der damaligen ärztlichen Behandlungsmethoden, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, sind eine Klasse für sich.
Kaum vorstellbar, dass es sich bei diesem Werk um eine Übersetzung handelt. Das ist fast so, als wenn Joseph von Eichendorffs Taugenichts ürsprünglich in Englisch verfasst worden wäre. Da kann man der Übersetzerin Christa Krüger nur allerhöchstes Lob aussprechen!
Die "blaue Blume" ist ein Symbol der Romantik für das Streben nach Erkenntis der Natur und des Selbst. Novalis verwendete dieses Motiv in seinem fragmentarischen Roman "Heinrich von Ofterdingen" in einer Traumerzählung. Er selbst starb noch nicht einmal 28-jährig an Tuberkulose.
Vom Himmel auf die ErdeFitzgerald, Penelope, Die Blaue Blume (1995), (SZ-Bibliothek, 2008)
Die Autorin schildert einige Jahre bis 1797 im Leben des deutschen romantischen Dichters Friedrich von Hardenberg, bevor er unter dem Namen Novalis berühmt wurde. Einen besonderen Raum nimmt dabei naturgemäß die Schilderung seiner Beziehung zu dem Mädchen Sophie von Kühn ein, die Hardenberg als noch nicht 13Jährige kennen lernt, in die er sich wie in einem Erweckungserlebnis verliebt, mit der er sich bald verlobt und die als knapp 15Jährige an einem Tumor stirbt. Dieses Erlebnis befreit Hardenberg zum Dichter mit einer für ihn charakteristischen unstillbaren Todessehnsucht, mit einer immer stärker werdenden Neigung, die Wirklichkeit ins Geistige und Mystische aufzulösen, womit er eben zu einem der ersten großen Vertreter der deutschen Romantik wird. Ziemlich genau vier Jahre nach ihrem Tod ist Novalis seiner Sophie 1801, selbst keine 30 Jahre alt, "nachgestorben".
Penelope Fitzgerald ordnet die Hauptfigur Hardenberg wie selbstverständlich in den großen Kreis von Menschen in seinem Umkreis ein: seine vielköpfige Familie, Studienfreunde, die befreundeten Familien, wo er auch Sophie kennen lernt. Im letzten Drittel des Buches steht dann Sophie mehr im Vordergrund, es scheint fast, als ob die Autorin an der Gestalt dieses unscheinbaren Mädchens jetzt mehr als an Hardenberg interessiert ist. Mit großer Souveränität und Unbefangenheit fühlt sie sich in die deutschen Verhältnisse im späten 18.Jahrhundert ein, sie dürfte die Quellen genauestens studiert haben, das Buch strotzt vor Realitätsdichte. Dabei werden die Personen als unverwechselbar individualistische Gestalten geschildert, manchmal erscheinen sie geradezu verschroben, wobei das Leben damals in und um Jena fast wie in einer rückwärts gewandten Utopie erscheint: Die Lebensbedingungen waren auch für den Landadel spartanisch, die Menschen erscheinen von schlichter Natürlichkeit und Unmittelbarkeit, was jedoch nur Banausen mit geistiger Schlichtheit oder Rückständigkeit verwechseln würden. Die Autorin konfrontiert den Leser einfach mit vielen, aus heutiger Sicht sonderbaren Äußerungen und Verhaltensweisen aller Beteiligten, ohne sie in einen erklärenden Kontext zu stellen, das irritiert den Leser immer ein wenig, er muss dauernd zusehen, wie er diese merkwürdigen Käuze von vor über 200 Jahren auf die Reihe bringt. Dazu kommt, dass die Darstellung sehr lebendig und immer wieder dialogisch-dramatisch gehalten ist, so dass die Lektüre insgesamt erfreulich lebendig und interessant ist.
Zweifel: Die Autorin hat offensichtlich ihren Novalis zurück vom Himmel auf die Erde geholt. Da sehen wir ihn nun in seiner ganzen irdischen Bedingtheit und Verbundenheit mit seinen Mitmenschen. Am Ende, im ebenso kommentarlosen Nachwort, wird von Fitzgerald fast die Erwartung erzeugt, der Dichter könne sich jetzt einem tätigen bürgerlichen Leben zuwenden, indem es dort etwa abschließend heißt: "Im Dezember 1798 verlobte Fritz (= Friedrich von Hardenberg) sich mit Julie, einer Tochter des Berghauptmanns von Charpentier, Mathematikprofessor an der Bergakademie Freiberg. Sie war zweiundzwanzig Jahre alt. Er bewährte sich im Salinendirektorium und war zum Amthauptmann im Thüringischen Kreis ernannt worden. An Friedrich Schlegel schrieb er, ein sehr interessantes Leben scheine auf ihn zu warten. Er fügte hinzu: '-indes aufrichtig wär ich doch lieber tot.'" (190). Das Problem bleibt dem Leser also erhalten: Wie bekommen wir den Novalis wieder in den Himmel? Denn dort zog es ihn nun mal mit Macht hin.
Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren ..."Die blaue Blume" ist eines der Bücher, die man am Liebsten in einem Zug durchlesen möchte.
Anrührend und gleichzeitige betörend leicht, gelingt es der Autorin die deutsche Frühromantik mit gekonntem Federstrich zum Leben zu erwecken.
Liebe, Lebenslust, Todessehnsucht wechseln sich ab und gehen in einander über.
Wer ein wenig seine Phantasie anregen möchte, wie das Leben des Menschen Novalis zwischen den Bürden des verarmten Landadels und seiner alles umgreifenden, universellen Philosophie und Dichtung ausgeehen haben könnte, wird sich sehr schnell in dieses Buch verlieben.
Adelung-1793: Bläue, die · Muskaten-Blume, die · Marien-Blume, die · Margarethen-Blume, die · Urin-Blume, die · Studenten-Blume, die · Passions-Blume, die · Cardinals-Blume, die · Blume, die · Adonis-Blume, die · Jupiters-Blume, die · Johannis-Blume, die · Jacobs-Blume, die
Brockhaus-1911: Blaue Blume · Blaue Grotte · Blaue Erde · Blaue Berge · Blume [2] · Blume · Fitzgerald
Goetzinger-1885: Blume der Tugend
Herder-1854: Blaue Pillen · Blaue Grotte · Blaue Berge · Blume · Fitzgerald
Meyers-1905: Blaue Blume · Blaue Pillen · Blaue Mäler · Mäler, blaue · Farbe, blaue · Blaue Häuser · Bläue des Himmels · Blaue Berge · Blaue Erde · Blaue Grotte · Blume [1] · Blume [2] · Fitzgerald
Pierer-1857: Blaue Krankheit · Blaue Miniaturfarbe · Blaue Pillen · Blaue Grotte · Blaue Kante · Blaue Krähe · Blaue Stärke · Blaue Tinte · Kürsche Vorst van de blaue Berg · Blaue Räcke · Blaue Ringe um die Augen · Blaue Rothstriche · Blaue Berge · Blaue Binde · Blaue Bücher · Blaue · Bläue · Blaue Aue · Blaue Flagge · Blaue Glasur · Blaue Grade · Blaue Büßer · Blaue Drossel · Blaue Farbe · Blume [2] · Blume [1] · Fitzgerald