Dekkers, Midas

An allem nagt der Zahn der Zeit

An allem nagt der Zahn der Zeit
  • Verlag: btb Verlag
  • Erscheinungsdatum: 2001-01
  • Bindung: Taschenbuch
  • Seitenzahl: 301
  • ISBN: 3442727235
  • EAN: 9783442727230
  • Amazon.de Verkaufsrang: 136.614
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Beschreibung von buecher.de

Das Kultbuch zur Vergänglichkeit
Der Mensch, das ist nicht Geist, Moral und derlei immaterielles Gespinst. Der Mensch, das ist: Wasser für 60 Kannen Kaffee, Phosphor für 50 Schachteln Streichhölzer, genug Eisen für einen Nagel, ausreichend Kalium für eine Rolle Zündplättchen, so viel Kalk, dass man einen Hühnerstall damit weißeln könnte. Und dieses wundersame Gemisch, ein paar Zutaten haben wir weggelassen, ist ein ständiger Prozess des Werdens und Vergehens, bis ihm Alter und Verfall am Ende den Garaus machen. Der holländische Biologe Midas Dekkers findet diese Perspektive keineswegs erschreckend, ihn belustigen vielmehr die verzweifelten Versuche unsere Fit for Fun-Gesellschaft, sich ewige Jugend zu erkaufen: 'Jeder will alt werden, keiner will es sein.'

Aus der Amazon.de-Redaktion

Genug Wasser für 60 Kannen Kaffee, Phosphor für 50 Schachteln Streichhölzer, ausreichend Kalium für eine Rolle Zündplättchen, und so viel Kalk, um einen Hühnerstall auszuweißeln... so bilanziert der niederländische Biologe Midas Dekkers die Bestandteile eines Menschenkörpers und liefert damit zugleich ein Beispiel für seine erfrischend ungewöhnliche Sicht der Dinge. Mit offenkundiger Freude sägt der Autor am Podest, auf das sich der Mensch als Krone der Schöpfung selbst gestellt hat, wo er doch im Grunde keinen Deut besser ist "als ein Wal, und ein Wal nicht besser als eine Laus auf unserem Kopf." "Wie kann man in einer Welt leben, die den Verfall leugnet?" fragt der Autor und ringt mit der Fassung, bevor er zu einem ironisch-frechen Rundumschlag ausholt. Leben heißt schließlich Vergehen, und ohne Vergehen keine Erneuerung. Vergänglichkeit ist somit fast das A und O biologischer Prozesse. Der Mensch aber träumt unaufhörlich von der Ewigkeit (des Lebens, des Glücks oder gar der Liebe) und vergeudet seine Zeit mit fragwürdigen Aktivitäten: historische Gebäude erhalten, putzige Tierchen vor dem Aussterben retten, Kunstwerke in Museen für die Nachwelt konservieren, Kosmetik auf die Haut schmieren, joggen und Hanteln stemmen, Pillen gegen Haarausfall und Libidoverlust schlucken. Angetan haben es dem Autor hingegen die vielen treuen Handlanger der Vergänglichkeit: Bakterien und Insekten. Richtig ins Schwärmen gerät er bei der Beschreibung, wie rasch und doch pittoresk ein toter Fisch Raub der Verwesung wird, wie explosionsartig sich Mikroben in einem Stück gekochten Fleisches vermehren, wie schaurig-schön die ästhetischen Aspekte des Verfalls sein können, z.B. jene Mischung aus "Wehmut, Erregung und Neugier" beim Anblick eines verfallenen Tempels, einer alten Frau mit nur noch einem Zahn oder dem Fragment eines verlorengegangenen Gedichts... Die ideale Frühstückslektüre ist das Buch angesichts der Thematik und der zahlreichen deutlichen Abbildungen zwar nicht, aber eine sehr gelungene und kurzweilige Auseinandersetzung mit jener Seite des Lebens, die in unserer von Jugendlichkeit so faszinierten Gesellschaft gerne ganz kleingeschrieben wird. --Christian Stahl

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension fanden 12 von 15 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen meistens vergnüglicher Verfall

Wer hier "Trost" sucht, weil er bei dem Gedanken an seine eigene Vergänglichkeit in Depressionen verfällt, kennt entweder Midas Dekkers noch nicht oder hat falsche Ansprüche an den Buchinhalt. In teilweise drastischen Beispielen wird dem Leser vor Augen gehalten, wie schnell der (auch eigene)Verfall fortschreitet und was so aus den (unterschiedlichsten Material-)Resten wird. Dass es dabei trotz leisen Grauens(manchmal) auch vergnüglich bleibt (meistens), ist dem Humor des Autors zu verdanken. Seine Sachkenntnis steht sowieso außer Frage. Manches relativiert sich und auch ein bißchen Nachdenklichkeit ist bei mir geblieben, denn sicher sollten wir uns alle viel häufiger viel weniger wichtig nehmen.

Diese Rezension fanden 7 von 8 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Gedankenspr¨¹nge mit Schmunzelfaktor

"Interdisziplinaere Literatur" Dieses Buch haette dieses Genre verdient (und umgekehrt). Von der Kunstgeschichte hin zur Biologie knabbert sich Dekkers durch die verschiendensten Bereiche der "Hinfaelligkeit". Das Wechselspiel geht weiter. Was einem Wein zur Ehre gereicht, bedeutet f¨¹r Lebewesen das Ende, die Zeit eben. Ganz klar die Fakten sprechen lassend, schafft es Dekkers die Wahrheit schon fast wie Ironie wirken zu lassen ... bringt vielleicht die Leichtigkeit des Seins! Auch Wissenschaftliches kommt natuerlich und nicht belehrend-verquarst rueber, weil die Schreibe Dekkers nicht ¨¹berzeichnet/abhebt. Ueber den Gedanken Vergaenglichkeit werden Zusammenhaenge geschaffen, Ideen verwoben, der Leser verfuehrt zum Gedankenspiel, auch wenn es bestimmt kein Roman ist. Irgendwie typisch niederlaendisch (wie mir scheint) diese entspannte Geisteshaltung. Wirklich ein empfehlenswertes Buch und ein passendes Geburtstagsgeschenk f¨¹r Menschen, die mit ihrem Alter kein Problem haben.

Diese Rezension von isy3 fanden 7 von 9 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Erstklassiges populärwissenschaftliches Lesefutter...

... ist dieses bemerkenswerte Taschenbuch. Ich empfehle, das Buch NACH Midas Dekkers' neuestem Werk "Von Larven und Puppen" zu lesen. "Von Larven und Puppen" handelt nämlich von der Entwicklung des Menschen angefangen mit der Zeugung bis zum Erwachsenwerden. Und "An allem nagt der Zahn der Zeit" beschreibt sozusagen Teil Zwei: das Altern des Menschen bis zum unausweichlichen Ende.Obwohl es sich hier um ein sehr ernstes Thema handelt, bringt Autor Midas Dekkers es fertig, daß man immer wieder schmunzeln muß und viele unangenehme Wahrheiten so freudig akzeptiert wie es nur möglich ist. So lautet denn auch der Untertitel "Vom Reiz des Vergänglichen". Das Buch liest sich sehr spannend, da Dekkers hervorragend über wissenschaftlich komplexe Zusammenhänge schreiben kann, Humor hat und dabei seine eigene persönliche Sicht unterhaltsam und glaubwürdig einbringen kann. Der Biologe unternimmt viele Expeditionen in verwandte Themenbereiche und schaut auch über den fachgebietseigenen Tellerrand hinaus, um uns ein Panorama der Themen "Altern, Sterben und Tod" zu zeigen. Das reicht von der Insektenwelt bis zur Architektur, von der Soziologie über die Medizin bis zur Pathologie. Querdenkerfans werden wieder einmal begeistert sein. Ich möchte auch unbedingt die unglaublich vielen in den Text eingearbeiteten Schwarzweiß-Abbildungen erwähnen. Sie sind so ungewöhnlich, daß man sofort in dem Buch hängenbleibt, auch wenn man nur ein bißchen darin geblättert hat. Als Geschenk eignet sich das Buch vorzugsweise für robuste Menschen, die schwarzen Humor lieben. Zartbesaitete Zeitgenossen mit empfindlichen Mägen könnten von einigen Fotos schockiert werden.

Diese Rezension von isy3 fanden 5 von 11 Kunden hilfreich:
2 von 5 Sternen An allem nagt der Zweifel des Sinns?!

Das Buch zu lesen bereitet anfänglich Vergnügen. Später dann musste ich aber feststellen, dass all zu sehr auf die Vergänglichkeit von Materialien, die eher unspannend bei dem "Vergänglichwerden" zu beobachten sind, eingegangen wird. Insgesamt stufe ich das Buch für unterhaltsam bis belanglos ein. Tiefschürfende Neu-Erkenntnisse bzw. Trost ob der eigenen Vergänglichkeit konnte ich dem Inhalt des Buches leider nicht entnehmen. Es bleibt dabei: vorbei ist vorbei ist vorbei. Ende.

Diese Rezension von isy3 fanden 4 von 6 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Hervorragend

Ein hervorragendes Buch. Witzig, informativ und spannend. Wie lebendig man sich fühlen kann, wenn man die banale Tatsache der Vergänglichkeit nicht verdrängt. Thomas Blum, Augsburg Diplom-Psychologe

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